Bemerkenswert

Covid 19 Statistik RKI

Über diesen Link kommen Sie zu meiner wöchentlich aktualisierten Statistik, die in einer Tabelle die offiziellen Zahlen des Robert-Koch-Instituts und der Sterblichkeitsstatistik des Statistischen Bundesamts zusammenfasst. Die Angaben zur Gesamtsterblichkeit hängen hinterher, weil die Sterbestatistik von destatis so lange braucht, um alle Sterbefälle über die Meldungen in den Standesämtern zu erfassen.

Gleichheit

Ein Versuch über links, rechts
und den feinen Unterschied zwischen
Ethik und Moral

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Der Anlass

Mit einer seuchenpräventiven Begründung hatte die zuständige Behörde des Berliner Senats eine Demonstration verboten [https://www.berlin.de/sen/inneres/presse/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.980587.php ] . Teil des gesellschaftlich-politischen Hintergrundes dürfte die Fortführung, Intensivierung der Einschränkungen des Debattenraumes sein.
Die durchaus umstrittenen und folgenreichen Maßnahmen auf Grundlage der Feststellung einer Pandemie am 25.03. haben die Bevölkerung gespalten. Mit einem Ausmaß an Intoleranz, das ich im Rahmen politischer Auseinandersetzung noch nicht erlebt habe, stehen verängstigte, Schutz fordernde Bürger denen gegenüber, die angesichts beträchtlicher Kollateralschäden die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen bestreiten. Dabei spielen Sachargumente kaum eine Rolle. Maßnahmekritikern wird in mehr oder weniger deutlichen Worten unterstellt, sie seien von einem grenzenlosen Egoismus getrieben, der das Schutzbedürfnis der Mitmenschen missachte und den Tod anderer Menschen billigend hinnehme. Maskenkritiker werden nicht selten sogar als potentielle Mörder hingestellt, Menschen, die aus niedrigen, egoistischen Beweggründen das Einhalten lebensrettender Regeln verweigern.
Losung ist dabei die Formel „Jeder Tote ist einer zuviel“, die einen moralischen Rigorismus respräsentiert, der in anderen Politikbereichen nach meiner Erinnerung noch nie eine Rolle gespielt hat oder spielt. Als Beispiele seien genannt: Beschränkung von Geschwindigkeiten im Straßenverkehr, Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen und Qualitätskontrolle von Lebensmitteln. Selbstverständlich wird in diesen Bereichen abgewogen, in Beziehung gesetzt, relativiert. In aller Regel obsiegen die wirtschaftliche Interessen der Auto-Industrie, der Produktionsfirmen und Hersteller hoch verarbeiteter tierischer und pflanzlicher Lebensmittel.


Gleich und ungleich

Die Formel „Jeder Tote ist einer zuviel“ unterstellt eine in der Realität nicht vorhandene Gleichheit aller Menschen. Reale Ungleichheit ist nicht allein eine Folge von Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus. Sie ist auch eine Folge tatsächlicher Ungleichheit von Menschen und vor allem eine Folge ererbter materieller Privilegien.
In weiten Teilen des früher kritischen, sozial denkenden und handelnden Bürgertums ist es Brauch geworden, sich mit der umfassenden Durchsetzung der Marktideologie zu arrangieren. Zu dieser gehört die Verlagerung der Verantwortung von Staat, Produzenten und Handel zum moralischen Konsumenten. Nicht Handelsketten und Produktionsfirmen sind verantwortliche Profiteure der grenzenlosen Ausbeutung der früheren Kolonialländer, sondern die amoralischen Konsumenten, denen ein Baumwoll-T-Shirt, ein Kotelett oder ein Apfel nicht billig genug sein kann. Nicht mehr die aus dem Eigentumsrecht abgeleitete Marktmacht der Konzerne wird als missbräuchlich kritisiert, sondern die Verantwortungslosigkeit, die amoralische Lust des Einzelnen am Konsum, die zentrale Grundlage der hochentwickelten kapitalistischen Produktionsweise ist. Eine Kritik an materieller Ungerechtigkeit und der mit ihr verbundenen, immer tiefer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich kommt in dieser Welt nicht mehr vor.
Wer vom Eigentum nicht mehr spricht, kann getrost verzichten auf die seit 1789 gebräuchliche Unterscheidung zwischen links und rechts. Obwohl Eigentum und Besitzlosigkeit nicht verschwunden sind, wurden sie weitgehend der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen, verschleiert und vernebelt.

0,1 % vs. 99,9 % – Die Erste

Ein ansehnlicher, wenn nicht sogar der größte Teil der Menschen, die sich selbst als politisch und gesellschaftlich aktiv ansehen, klagt in Debatten nicht mehr das Gleichheitsprinzip ein, sondern faselt von Mitmenschlichkeit, Respekt, Einfühlungsvermögen, Gerechtigkeitsempfinden und ähnlichen Tugenden, die angeblich allen Menschen zu eigen seien – so als gäbe es unter ihnen keine Schweine und keine Adler, keine Schafe und keine Wölfe oder Menschen die das Leben dazu gemacht hat. Das Thema Vererbung oder Umwelt will ich hier beiseite lassen. Die appellative Wendung „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ wird in eine Zuschreibung für alle Menschen umgedeutet. Wer sind da, der Tradition des Calvinismus und der Puritaner folgend, natürlich in der Tat die besten Menschen? Die von Gott mit Reichtum gesegneten. Wer könnte uns besser hüten, führen, schützen als solche begnadeten Menschen, Charaktere die durchdrungen sind von allen Qualitäten, die ein guter Hirte braucht.
Weil die Digitalisierung alltägliche rechnerische Fähigkeiten nicht mehr erfordert, merkt der solcherart auf dumm getrimmte Mensch nicht mehr, dass es einen ganz kleinen Unterschied gibt, zwischen einem wohlhabenden, gut verdienendem Nachbarn mit Häuschen, Benz und 100.000 € Einkommen im Jahr und den arbeitslosen Einkommen der oberen 10 oder 100 der „Forbes“ liste der Milliardäre. Der zur Zeit reichste Deutsche, ein Winzling unter den Milliardären mit zur Zeit Platz 40, Dieter Schwarz [u. a. Kaufland und Lidl] dürfte bei rd. 100 Miliarden Dollar Umsatz und niedrig anzusetzenden Gewinnen im Einzelhandel von ca. 1 % über ein jährliches Einkommen von 1 Mrd. Dollar verfügen. Das durchschnittliche Gehalt eines Chefarztes an einer 800-Betten-Klinik Kommunal oder Privat) beträgt in Deutschland 330.000 Euro im Jahr. [ https://gehaltsreporter.de/gehaelter-von-a-bis-z/aerzte/Chefarzt/ ] Herr Schwarz hat also etwa das 2560-fache Jahreseinkommen eines deutschen Chefarztes. Das könnte schon für ein Bötchen dieser Art mit Personal reichen. Vielleicht nicht jedes Jahr ein neues, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Andere können z. B. nicht mehr `ahnen´, wieviele Kästen Bier man für 30 Gäste braucht, wenn bei letzten Fest 23 Leute 3 K. getrunken haben. Deshalb suchen sie sich einen Getränkemarkt, bei dem sie vorsichtshalber 10 Kästen holen und die übrigen, vollen zurückbringen können. Es ist völlig ausreichend, wenn der Lieferant rechnen kann.
Solchen Mitmenschen kann man auch problemlos erzählen, dass bei täglich 1500 neu Infizierten – Sprachgebrauch und Begriffe des Robert-Koch-Instituts seien hier nicht hinterfragt – unter 83.000.000 Menschen förmlich an jeder Ecke ein todbringendes Virus lauert. In der Folge natürlich auch, dass der heilbringende Impfstoffversorger ganz sicher von der von ihm selbst geführten Stiftung kein höheres Gehalt bezieht als der Bundesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. Alles andere sind böswillige Unterstellungen von Menschen, die keine Philanthropen erkennen können, weil sie selber so amoralisch sind, dass sie beim Betreten des Supermarkts nicht einmal den Rollkragen übers Gesicht ziehen, oder zu geizig sind einen MNS zu kaufen. Moralisch minderwertiges Pack halt im Unterschied zum Stiftungsvorsitzenden. Dass es Menschen geben könnte, die eine Behinderung der Atmung sehr schwer verkraften, woher sollen das die Menschen wissen, die den im folgenden Absatz erläuterten Unterschied nicht kennen.

99,9 % vs 0,1 % – Die Zweite

In Rassismus-Debatten wird mir immer wieder eine tatsächlich wissenschaftlich nicht bezweifelbare Aussage entgegengeschleudert, als sei ich zu uninformiert, zu dumm, zu rassistisch sie zur Kenntnis zu nehmen. Dieses Verhalten hängt auch ein bisschen mit dem Abschnitt 0,1% vs 99,9 % zusammen. Mathematisch wenig versierte Menschen, das sind nicht wenige, können sich nicht vorstellen, dass 0,1 % mehr oder weniger Salz z. B. in einer Großbäckerei darüber entscheiden können, ob die Käufer das Brot als wohlschmeckend, als salzig oder sogar als versalzen empfinden. Wenn man die Sache nicht kennt, um die es geht und nicht weiß worauf sich die Angabe bezieht, weiß man nicht, was ein kleiner Unterschied bedeutet, bedeuten kann. Menschen sind als Gattungswesen alle gleich. Aber sie unterscheiden sich eben auch. Dieses lächerliche Zehntel eines Prozents kann im realen Leben zu großen Unterschieden führen.
Es entscheidet darüber ob, der Mensch wahrscheinlich (nicht sicher!) zu den zeugungsfähigen gehört oder zu den gebärfähigen.
Es entscheidet darüber ob der kleine Mensch eher 3 Jahre brauchen wird, um zu lernen sich selbstständig anzuziehen, oder möglicherweise 6 Jahre oder noch länger.
Es entscheidet mit darüber, ob Blondie über Jahre hinweg als Dooferle verlacht wird oder ständig versucht wird sie zu begrapschen, weil sie als besonders sexy gilt. Für beide Fälle wird sie sich geeignete soziale und kommunikative Strategien überlegen müssen. Ich kenne jemanden, die sich in jungen Jahren hat die Haare färben lassen, weil es für sie der einfachste Weg war, der damaligen Herrschaft der Blondinenwitze zu entkommen.
0,1 Prozent des Genmaterials entscheiden mit darüber, ob man evt. sein ganzes Leben lang glaubt, sich dafür entschuldigen zu müssen, dass man nicht singen könne, nicht zeichnen oder nicht schnell laufen. Mittlerweile lebt ein ganzer Berufsstand davon, jährlich neue Schwächen auf den Markt zu bringen, die einer besonderen Therapie bedürfen, weil man nicht damit leben will, dass Menschen selten für alle Tätigkeiten die bestmöglichen Voraussetzungen mit auf die Welt bringen. Seit der Begriff des Humankapitals erfunden und weit gestreut wurde, ist ein immenser Markt an Dienstleistungen entstanden, die jedem Individuum helfen, sich und sein Handeln zu optimieren: Coaches, die einem beibringen, wie man aufräumt; Fitness-Trainer, die ins Haus kommen und einen in die richtige Form bringen; Mediatoren, die einem helfen Streitigkeiten unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten beizulegen. Wer das alles nicht bezahlen kann muss halt ein Underdog bleiben – einer mit einer unaufgeräumten Wohnung, einer mit Bauch, einer der seine Beziehungen nicht auf die Reihe bekommt oder lernen muss sich zu fügen.
Manch einer erbt die Veranlagung zu einer Krankheit, und muss sein Leben lang besonders auf sich achten.
Alle diese kleinen und kleinsten genetischen Differenzen können mit darüber entscheiden, ob man ein langes, gesundes Leben in relativem Wohlstand führen kann, sich mit Gefährdungen, Unzulänglichkeiten plagen muss, vielleicht das ganze Leben auf Hilfe anderer angewiesen ist oder seine Existenz nicht aus eigener Kraft sichern kann. Für niemanden sind dabei die Vorurteile der Mitmenschen eine Hilfe. Ganz gleich ob sie sich auf Haut- und Haarfarbe beziehen, die körperliche, mentale oder psychische Eignung für eine bestimmte Tätigkeit oder Sportart, das ganze individuelle Wesen. Man wird die Vorurteile, die sich auf all diese Differenzen beziehen nicht abschaffen können. Sie sind das Ergebnis der menschlichen Fähigkeit, Erfahrungen im Umgang mit anderen Individuen zu verarbeiten. Jeder von uns, der einmal mit einem bestimmten Typ Mensch eine schlechte Erfahrung gemacht hat, muss gehörig Verstand aufbieten, um sich selbst daran zu hindern, alle der gleichen Sorte über einen Kamm zu scheren.
Ein ganz wichtiges Merkmal wird dabei allerdings so gut wie nie erwähnt, sondern systematisch ausgeblendet: erblicher Reichtum, eines der lebensprägenden Merkmale in denen sich real existierende Menschen seit etwa 10.000 Jahren auch unterscheiden können. Wer dieses vor relativ kurzer Zeit erworbene erbliche Merkmal zum Thema macht, wird als missgünstiger Neider von der Debatte unter Gleichen ausgeschlossen.

Gleichheit und Gleichbehandlung

Zunächst einmal ist es alles andere als leicht, sich darüber zu verständigen, was als gleich angesehen werden soll. Man braucht dazu in aller Regel ein Messwerkzeug, das die erforderliche Genauigkeit und Beschaffenheit hat, die als der Sache als angemessen erachtet wird. Die Schneiderin verwendet ein Maßband, der Bauhandwerker einen Zollstock und der Feinmechaniker eine Schieblehre. Diejenigen, die Messwerkzeuge verwenden, pflegen anzugeben, um wie viele Zentimeter, Millimeter, Zehntel- oder Hundertstel-Millimeter man vom gewünschten Maß abweichen darf, ohne dass der gemessene Gegenstand seinen Wert, seine Funktionsfähigkeit, die notwendige Passgenauigkeit einbüßt. In gewissem Umfang wird Fehlerhaftigkeit zugelassen. In den Fachsprachen nennt man das Toleranz. Geschrieben sieht das dann z. B. so aus: 60 cm +/- 0,2.
Mit welchen Instrument sollte man Menschen messen, die auf so vielerlei Arten ungleich sein können? Vor kurzem hat mir jemand verraten, dass alle Menschen gleichwertig seien. Ich fand das seltsam. `Wertig´ erinnert mich an die Expertise der Schätzer von Schmuck oder Antquitäten. Sind Menschen werthaltig? Immer? Immer gleich? Dann bedeuten abwertende und anerkennende Bezeichnungen von Menschen doch nichts. Beleidigungen wären aus der Welt und Anerkennung auch. Arbeitszeugnisse würden abgeschafft. Alle sind gleichwertig? Irgendwie riecht das für mich nach einem einheitlichen Verkaufspreis im Sklavenhandel.
Manche bestehen darauf, dass es gute und schlechte Menschen gebe. Mensch fühle das, ob ein anderer ein guter oder schlechter ist. Wahrscheinlich auch kein guter Maßstab. In kleiner Runde kamen wir vor kurzem darauf, wie unterschiedlich die Qualität eines bestimmten Menschen von anderen eingeschätzt wird. Zutreffend wäre wohl die Wendung „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.“ Erfassen wir für jeden durch Umfragen 100 Gütewerte und das arithmetische Mittel könnte man als empirisch begründete Angabe zur Qualität eines Menschen ansehen. Wirklich? Es heißt, dank digitaler Datenverarbeitung sei es in China möglich geworden in unterschiedlichen Situationen Plus- und Minuspunkte zu verteilen. Noch hält sich die Zahl zustimmender Äußerungen für eine solche Menschenbewertung in unserem Kulturkreis in sehr engen Grenzen.
Auf mein Berufsleben zurückschauend frage ich, warum es verwerflicher ist, Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu unterdrücken, als sie unter Ausnutzung ihrer Dummheit grenzenlos auszubeuten. Ersteres wird in Anbetracht einer Jahrhunderte langen Geschichte der Ausbeutung zu Recht, nicht mehr geduldet. Ist die Missachtung der Dummen menschlicher? Wer definiert eigentlich, was als dumm zu gelten hat? Mit welchem Maß?
Ich lasse es damit sein. Menschen sind, genau wie andere lebende Wesen einer Art, in fast allem gleich und in vielem unterschiedlich. Die Frage ist, wie wir in Kenntnis dieser Tatsache miteinander umgehen. Welchen Gewohnheiten, Gepflogenheiten, Bräuchen, Sitten wir dabei folgen, aus welchen Gründen, mit welchem Ziel. Diese sind immer historischem Wandel unterworfen.

Das gleiche Maß

Die gegenwärtige Propagandasprache hat zur Abwehr der Argumente des Pöbels, die sich an der Erfahrung von der Notwendigkeit des gleichen Maßes orientieren, die Kennzeichnung „Whataboutism“ erfunden. Die Kennzeichnung eines Beitrags als „Whataboutism“ unterstellt, man vergleiche Äpfel mit Birnen. Nur politisch Ungebildete nähmen an, dass es den Toten ziemlich egal sei, woran sie gestorben sind. Deshalb zählt bei viral verursachten Todesfällen neuerdings jedes einzelne Leben – anders als im Straßenverkehr, bei gefährlicher Arbeit, in Kriegen oder durch Mangel an Nahrungsmitteln oder an Wasser. Nicht nur, dass jedes einzelne Leben zählt. Angesichts der naturbedingten Wahllosigkeit mit der eine weltumspannende Infektionskrankheit ihre Opfer trifft, sind sie – jedes für sich genommen – natürlich auch viel bedeutsamer als Kriegstote, Hungertote und Verkehrstote. Jeglicher Vergleich wird als unmoralische Relativierung von Menschenleben diffamiert. Das in Beziehung setzen von Beobachtungen wurde nämlich als zulässige Vernunfthandlung, die mit Argumenten angefochten werden kann, in Misskredit gebracht. Wer relativiert missachtet das Recht aller auf ein ewiges, gesundes Leben.
Eine Pandemie konfrontiert angeblich alle Menschen mit der für alle gleichen Wucht einer unberechenbaren, der Natur geschuldeten Rücksichtslosigkeit, für die keiner zur Verantwortung gezogen werden kann: kein Politiker, der Ausgabenkürzungen im Gesundheitswesen zu verantworten hat; kein privater Pflegeheimbetreiber, der seine zahlenden, nicht mehr entscheidungsfähigen betagten Kunden zwischen Krankenhaus, Reha und Pflege rotieren lässt, um Essenskosten einzusparen; kein Unternehmer, in dessen Betrieb die Mitarbeiter tagaus, tagein ungeschützt die lungengängigen Stoffe aus- und einatmen, die Vorschäden an Herz und Lunge verursachen, die dann bei einer Grippewelle das Leben kosten. Wer weiß, ob die nicht alle der Infektion hätten standhalten können, hätten sie nicht geraucht! Jeder ist seines Glückes Schmied.
So – genau so – macht man aus einem Regelverletzter einen potentiellen Massenmörder und spricht diejenigen von jeglicher Verantwortung frei, die tatsächlich in ihren gesellschaftlichen Funktionen Verantwortung tragen und daür in aller Regel fürstlich entlohnt werden.
Die Verweigerung des gleichen Maßes für den Wert jedweden Lebens findet ihren Niederschlag in Phrasen wie „Freiheit ist nicht alles, aber ohne Freiheit ist alles nichts.“ oder in den Floskeln der deutschen Kanzlerin zur Bereitschaft in Kriegen Werte zu verteidigen, die angeblich unsere sind. Tatsächlich gemeint sind aber die Börsenwerte der Unternehmen, die mit Hilfe unserer Steuergelder vor den Pandemiefolgen gerettet werden müssen, weil der Erreger doch uns alle gleich trifft: Börsenwerte und Menschenleben. Die umfassende Verweigerung gleichen Maßes findet ihren Ausdruck auch in der Tatsache, dass gegenwärtig viele Menschen auf medizinische Versorgung warten, warten müssen, die nicht die richtige Krankheit haben, für die Betten freigehalten werden. Evt. sogar so lange, bis jede Hilfe zu spät kommt, angeblich, weil jedes Leben gleich ist – gleichwertig – und Gesundheit keine Frage persönlichen Glücks mehr sein darf. Behauptet und durchgesetzt wird das von Menschen, die Millionenbeiträge für gemeinnützige, öffentliche Kassen mobilisieren, indem sie wöchentlich Lose mit einer Gewinnchance von 1: 139.838.160 verkaufen und die Hoffnung der Leute missbrauchen, die es für möglich oder für wahrscheinlich halten, so viel Geld gewinnen zu können, dass sie nicht mehr arbeiten müssen.

Autonomie vs. gesellschaftlicher Rückhalt, Zusammenhalt

Es gibt im Tierreich zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, mehrere Exemplare einer Gattung zu organisieren, aber in aller Regel nur eine artgerechte. Manche Tierarten leben in Rudeln (Wölfe, Hyänen) manche in Staaten (viele Arten von Insekten), wieder andere in Herden (Giraffen, Rinder). Für manche ist ein Paar mit Nachwuchs über einen Sommer die übliche Form von Gemeinschaft, evt. verbunden mit einem abgesprochenen winterlichen Umzug aller Exemplare in wärmere Gefilde (Störche).
Vermutlich haben wir es der Entwicklung des Großhirns im Lauf der Evolution zu verdanken, dass Menschen lernten, über die Art ihres gesellschaftlichen Zusammenlebens zu entscheiden, entscheiden zu wollen, sich Regeln zu geben und Führungspersonen gemeinsam zu bestimmen. Dabei spielen und spielten die gegebenen Umweltbedingungen und die Möglichkeit der Menschen eine gewichtige Rolle, diese Bedingungen maßgeblich zu beeinflussen. Je mehr Nahrungsmittel erzeugt werden konnten, desto mehr Freiheitsräume konnte es für den Einzelnen geben, auch für die Entfaltung dessen, was wir als Kultur bezeichnen. Gegenwärtig werden viele Fragen zu den Beziehungen zwischen Einzelnen, Gesellschaft und realen Existenzbedingungen neu oder erneut aufgeworfen und mit Bezug auf individuelle und gemeinsame historische Erfahrungen neu formuliert. Die Zahl der Menschen scheint zu wachsen, die diese Neuformulierung als zwingend notwendig erachtet, weil sonst das Überleben der Gattung eventuell nur unter hohen Verlusten an Menschenleben gewährleistet werden kann.
Auch die Frage nach den notwendigen persönlichen Qualitäten von Führungspersonen wird neu gestellt und wie man diese am besten bestimmt. Die moderne, bürgerliche Demokratie hat die Legitimation von Herrschaft zum Problem gemacht. Es zeigt sich, dass individuelles Streben nach Macht, materiellem Besitz und ererbter Reichtum dabei nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Gegenwärtige entwickelte Gesellschaften haben deshalb unterschiedliche Formen des Zusammenlebens und staatlicher Organisation entwickelt. Manche wollen zwar grenzenloser Macht Schranken setzen, haben aber nichts gegen unbegrenztes Eigentum oder Einkommen und seine Vererbung. Manche würden unbegrenztes Anhäufen materieller Güter und Tauschmittel gerne begrenzen, nach Möglichkeit aber gewaltlos, wenn schon konfliktfrei nicht geht. Für andere sind selbst extremer Reichtum und uneingeschränkte Macht geradezu ein Nachweis überragender menschlicher, von Gott gesegneter Güte. Die angelegten Maßstäbe sind deshalb nicht gleich.
Jeder Abschnitt menschlicher Geschichte erfährt eine besondere Prägung durch die zu dieser Zeit geltenden Regeln, Übereinkünfte, gemeinsamen Ziele in Abhängigkeit von den Möglichkeiten durch menschliche Tätigkeit das Überleben aller zu sichern. Ein leicht schwankender Anteil der Individuen ist willens und in der Lage, das gemeinsame Leben mit zu gestalten. Viele wollen das gar nicht, sondern sind zufrieden und ausgeglichen, wenn es für ein auskömmliches Leben reicht und sie nicht ständig von anderen befehligt, geschurigelt werden. Andere sind herrschsüchtig und gierig. In der Folge gibt es Konflikte unter den Einzelnen, zwischen ihren Vergemeinschaftungen, Gesellschaften und zwischen den Einzelnen und den Gemeinschaften oder Gesellschaften in die sie eingebunden sind. Diese Konflikte friedlich, ohne Schaden an Leib und Leben auf dem Verhandlungsweg oder über Abstimmungen zu lösen, könnte Mensch in den Zehntausenden von Jahren seiner Gattungsexistenz gelernt haben. Könnte. Er hat es nachweislich nicht gelernt.
Ein zufälliger Fehler der Evolution hat ihn das Stammhirn behalten lassen, obwohl er doch mit dem neuen, dem besseren, dem vernünftigen, dem Großhirn hätte zurechtkommen können. Dieses bedauerliche Ergebnis menschlicher Evolution betrifft alle Menschen gleichermaßen. Auch die Gewählten, auch die Reichen, einfach wirklich alle.
Vielleicht würde die Menschheit sich heute in einer besseren Lage befinden, wäre in der Evolution das Stammhirn im gleichen Maß geschrumpft wie der Blinddarm. Die große Mehrheit der Menschen, die weder macht- noch besitzgierig sind, sondern einfach ohne größere, nicht mehr zu bewältigende Probleme leben wollen, hat keine Macht, weder der Einzelne noch – wie sich zeigt – die Organisationen, die sich die vielen Einzelnen geschaffen haben wie Gewerkschaften, Innungen, Handelskammern usw. . Mitbestimmungsplätze in Gremien per Los zu verteilen, wäre vielleicht ein ein Beitrag zur Lösung des politischen Gleichheitsproblems.

Die neue Normalität

In Zusammenhang mit der gegenwärtig beobachtbaren oder nicht beobachtbaren, realen, ideologisch und/oder wirtschaftlich hervorgebrachten weltweiten Seuche, wird seit einigen Monaten von einer neuen Normalität gesprochen. Man kann die regierungsamtlich verfügte neue Normalität als zwingend nötig erachten – vorausgesetzt man hält die allseits kolportierte angestrebte Unsterblichkeit für realisierbar. „Jeder Tote ist einer zuviel“ ist die moralische Maxime der neuen Normalität. Zu dumm, dass die Verfechter dieses Maximalismus der Menschlichkeit gegen das Verhungernlassen und das Krepieren im Krieg selten etwas einzuwenden haben. Was lebendig ist stirbt. Was nicht lebendig ist, stirbt nicht. Ausgerechnet diese abscheulichen Wesen am Rand der Legalität, zwischen belebter und und unbelebter Natur, die Viren, sollen jetzt jegliche Maßnahme rechtfertigen, die angeblich vor dem Tode bewahrt? Es wird in diesem Zusammenhang nur sehr selten darauf hingewiesen, dass es eine Lüge ist, dass das Virus alle gleich träfe. Es macht einen großen, realen Unterschied ob man auf einer Yacht im Pazifik abwarten kann, bis das Virus verschwunden ist – sterben kann es ja nicht, weil es nicht lebt – oder als Bewohner einer Favela in Rio kein sauberes Trinkwasser hat, erst recht kein Spülklo mit geordneter Entsorgung und keinen Wasserhahn um sich mehrmals täglich für die Dauer des Liedes „Happy Birthday to You“ (alle Strophen!) die Hände zu waschen. Man hört aber nicht auf, die alte Erzählung zu bemühen, Seuchen träfen alle gleich. Ist es nicht sehr verräterisch, wenn Herrschende, Regierende, Reiche und Superreiche uns vorgaukeln, jedes Leben zähle gleich?
Jedes Leben ist gleich? Sie werden in der sozialen Wirklichkeit extrem ungleich behandelt: Der eine kann sich hinter seine vier Wände mit Küche, Bad, WC zurückziehen, die andere kann sich weder regelmäßig die Hände waschen, noch Abstand halten. Ausgerechnet der amtlich verordnete Mundschutz macht alle gleich, schützt Alte und Junge, Reiche und Arme gleichermaßen? Was alle wirklich gleich machen könnte – genug zu essen und ein wärmendes, persönliches Rückzugsgebiet ohne erzwungene Nähe, man nennt es auch menschenwürdiges Wohnen, ist sicher kein Anliegen der Regierenden oder der Herrschenden. Ein MNS im Gesicht aller Zweibeiner wird die Gleichheit im Leben und im Tod nicht herstellen. Heute wurde mir zum ersten Mal in meinem Leben die Aussage entgegengeschleudert: Wer nicht bereit ist, mit Hilfe eines MNS alle gleichermaßen gesichtslos zu machen, der ist ein Nazi. Kann es sein, dass ich bisher Gleichschritt, Fügsamkeit, Einordnung völlig falsch verstanden habe? Die neue individuelle Unter- oder Einordnung: Wir alle… ernähren uns gesund, achten auf unser Gewicht, tragen Lappen im Gesicht und schützen andere. Ist das wirklich die neue, die normale, die normierende Regel, die aus allen Menschen gleiche macht?

Handlungsperspektiven zwischen Resignation und Hoffnung

Es hat den Anschein, dass manche sich links nennende Menschen eine beliebte und weit verbreitete Aussage falsch verstanden haben: “ Jeder nach seinen Fähigkeiten. Jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Gleichheit ließe sich sehr einfach herstellen, so lange man dabei nicht der Vorstellung erliegt, alle würden dabei gleichermaßen unsterblich. So manche vorgestellte, erhoffte Gleichheit ist keine Hoffnung, sondern eine Drohung. „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ Dies wird im gegenwärtigen Fall einer viralen Bedrohung offensichtlich.
Könnten wir nicht nach Jahrtausenden Menscheitsgeschichte endlich zu der Einsicht kommen, dass satte Menschen, die im Winter im Warmen sitzen und genug Stoffe haben, die ihnen gelegentliche Weltfluchten ermöglichen – ersatzweise Drehen bis zur Trance in der Manier der Derwische – relativ friedlich wären? Respektvoll im Umgang mit ihren Nachbarn und allen, die anderen keine Grenzen aufzeigen können wie z. B. geistig oder körperlich eingeschränkten Menschen, zuwendungsbedürftigen Kindern oder hinfälligen, dementen Hochbetagten? Das alles ohne dass die menschlichen Exemplare jedes für sich „besser“ werden müssten. Dieses nämlich ist das Ziel der Moralprediger. Nicht ein ethisches Verhalten, das sich daran orientiert, ob man sich selbst noch im Spiegel sehen kann, wie es eine weit verbreitete Redewendung formuliert. Moral ist das, was andere als Regel ins Spiel bringen. Und so wie die Dinge liegen, sind die Herrschenden, die Arbeitgeber, die Prediger. Gelegentliche Entgleisungen mancher menschlicher Exemplare wird man nicht ausschalten können. Muss man sich deshalb an ihnen rächen, oder genügt das Herstellen von Sicherheit für die anderen?

Immerhin…

Bildquelle: Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=30385316

Ein verfassungspatriotischer Kommentar zur Coronapolitik und ihren Auswirkungen auf berlinischen Straßen

Nach zwei öffentlichen Manifestationen in der deutschen Hauptstadt und einem symbolischen Sturm auf den Reichstag hat der Gesundheitsminister und Lobbyvertreter der Pharmaindustrie öffentlich zugegeben, dass die Expertise des Robert-Koch-Instituts und die politischen Entscheidungen der Bundesregierung zu geeigneten Maßnahmen unterschiedliche Aspekte betreffen und er hat für die politischen Folgen der Entscheidungen der Bundesregierung in einem gewissen Umfang die Verantwortung übernommen. [https://www.zdf.de/nachrichten/politik/spahn-corona-demo-berlin-100.html]

Warum schreibe ich von einem gewissen Umfang: Die deklamatorische Übernahme der politischen Verantwortung wird folgenlos bleiben. Der berühmte kleine Mann und die kleine Frau, die Sozialversicherten werden – wie immer – bezahlen müssen, was die Verantwortlichen verbockt haben. Sie haben voreilig in die Kasse gegriffen um die Entwicklung weitgehend sinnfreier Impfungen voranzutreiben und die Abnahme von Millionen Impfdosen bei großen Pharmakonzernen schon vor Wochen vertraglich zugesichert. Die Sozialversicherten müssen sich darauf einstellen, dass beim nächsten Virusalarm weniger Krankenhausbetten zur Verfügung stehen werden und in noch größerem Ausmaß häusliche Quarantäne, Stillegungen von Produktionsstätten und Einschränkung persönlicher Kontakte als Mittel der Eindämmung genutzt werden und Kinder massiv in ihrer Entwicklung beeinträchtigt werden.
Die von Stephan Kohn, Abteilungsleiter im Bundesamt für Bevölkerungs- und Katastrophenschutz in einem Papier angesprochenen Kollateralschäden der Regierungsmaßnahmen sind noch nicht absehbar. [https://www.achgut.com/artikel/dossier_das_corona_papier_komplett_zum_download]
Weder in materieller, realer noch in politischer Hinsicht, denn Reaktion und Restauration sind im Vormarsch begriffen.

Es ist eine altbekannte Reaktionsweise vieler Menschen, in Krisensituationen auf angeblich bewährte – weil bekannte, gewohnte – Muster zurückzugreifen. Die Romantisierung des glücklicherweise überwundenen Kaiserreichs als eines sicheren Horts von Ruhe und Ordnung, eines fürsorglichen Staates [Bismarcks Anfänge einer Sozialgesetzgebung] und einer Vielzahl verantwortungsvoller, erfolgreicher Unternehmer, die morgens angeblich jeden Mitarbeiter mit Handschlag und Namen respektvoll begrüßten gehört zwingend dazu. Dabei wird geflissentlich übersehen, dass Regierende seit 1989 zu dieser Romantisierung des Kaiserreiches einen wesentlichen Beitrag geleistet haben.

  • Das Versprechen des Grundgesetzes, im Falle einer Wiedervereinigung eine neue Verfassung auszuarbeiten und zur Beschlussfassung vorzulegen wurde nach der friedlichen Revolution nicht eingehalten.
  • Der kostenträchtige Umzug des Bundestags in die alte Hauptstadt, in ein traditionsreiches Gebäude, das zwar dem deutschen Volke gewidmet worden war, aber nie ein frei, gleich und geheim gewähltes Parlament beherbergt hatte, wurde kaum diskutiert.
  • Die Hauptstadt selbst entschied sich unter Verwendung von Bundesmitteln den Palast der Republik abzureißen und an seiner Stelle das Alte Stadtschloss nachzuäffen.

Es ist nicht verwunderlich, dass Preußens Glorie angesichts solchen Regierungshandelns wiederaufersteht und sich unter regierungskritische Demonstranten auch diejenigen mischen, die den Straßenzug zwischen Reichstag, Brandenburger Tor und Siegessäule als Ort der richtigen Erinnerung schätzen. Zweifel sind durchaus angebracht, ob es wirklich mit beiden Beinen in der Demokratie stehende Behörden und Ordnungskräfte sind, die eine separate Kundgebung der Schwarz-weiß-roten mit einem alles übertönenden Hitlerimitator unmittelbar vor dem Parlament hinnehmen und wenig später die vielfältige bürgerliche Kritik einer politischen Abschlusskundgebung gegen Wirkungen und Kollateralschäden der Coronamaßnahmen mit einer seuchenschützerischen Begründung unterbinden, obwohl Veranstalter und Teilnehmer alles Nötige unternehmen, Abstände herzustellen und sich großflächig über den Stern, zuführende Straßen und den Tiergarten zu verteilen.

Ob die von Herrn Spahn bekundete Übernahme der politischen Verantwortung reale Folgen haben wird, wenn ja welche, wird sich herausstellen.

Der 29.08.2020

Zu Zeiten der Wende, das ist jetzt ein bisschen mehr als 30 Jahre her, habe ich, Bürgerin der BRD, einen hoffnungsfrohen, ermutigenden Text geschrieben, an den ich mich und andere aus gegebenem Anlass erinnere. Es gibt dazu einen literarischen Anknüpfungspunkt, den manche kennen. Wir sehen uns. Vielleicht nicht am Wochenende in Berlin, vielleicht nicht im Lager, vielleicht in in einer besseren Welt. Die Zukunft ist offen.

Die Lüge

Zur Einschätzung der realen Bedrohung


Auch wenn gegenwärtig das moralisch unterlegte Unterscheiden zwischen guten und bösen Polen sehr beliebt ist: Die Grenzen zwischen Wahrheit und Lüge sind fließend. Es gibt die reine Wahrheit, die ganze Wahrheit, die echte Wahrheit und die Halbwahrheit genauso wie entschuldbare Erinnerungslücken, Wahrnehmungsfehler und die beabsichtigte, die richtige, die blanke Lüge.
Lügen haben ihren Ursprung oft in dem Interesse, sich selbst gegenüber anderen durchzusetzen, anderen den eigenen Willen aufzuzwingen. Sie werden in manipulativer Absicht benutzt. Von einzelnen und gesellschaftlich in der Form politischer Propaganda. Deshalb habe ich meinem Text die Überschrift „Die Lüge“ gegeben. Was gegenwärtig als vorgeblich Menschen schützendes Verhalten weltweit von den Regierenden durchgesetzt werden soll, ist interessegeleitet und verlogen.

zum Text

 

 

Perspektivwechsel

Allwöchentlich verkündet der Chef einer Behörde, ursprünglich Tierarzt, die Seuchenlage. Was bedeutet das?

Krankheiten im Stall und auf dem Acker bedrohen von Alters her die materielle Existenz der Bauern.
Menschen und Schweine ähneln sich auf vielfältige Weise.
Wenn es gegen eine Tierseuche kein Mittel gibt, muss notfalls gekeult werden, um die Seuche einzudämmen.
Es gibt einen Unterschied zwischen industrieller Tierproduktion und bäuerlichem Wirtschaften.
Manchmal muss in der Tierproduktion der Markt bereinigt werden, damit der Schweinepreis nicht ins Bodenlose fällt. Seuchen haben deshalb einen reinigenden Charakter.
Die Interessen von Schweinefleischproduzenten, Bauern und Schweinen werden als gleich behandelt.
Rindfleischproduzenten freuen sich, dass sie für dieses mal so gut davongekommen sind.

Die Expertise dieses Mannes und der ihm unterstellten Behörde wird weder von Bauern noch von Angehörigen anderen Standes angezweifelt, denn sonst haben wir morgen nichts mehr zu essen und sind des Todes. Die Meinung der gekeulten Schweine ist in der Sache nicht relevant. Was ist schon das Leben einer einzelnen Sau, wenn´s um Große und Ganze geht.

Ähnlichkeiten mit herrschenden Zuständen sind beabsichtigt.

Mit wem, mit wem nicht?

In der gegenwärtigen Lage wird eine Spaltung der Gesellschaft von Regierung und Medien herbeigeführt – gewollt oder als Folge ungenügender Einsichtsfähigkeit aller Beteiligten. In dem Bestreben diese Spaltung durch eine öffentliche Debatte zu überwinden, stelle ich eingangs eine leicht zu beantwortende Frage:

Welche deutsche Regierung hat erstmalig ihre Behörden ermächtigt, darüber zu befinden, wer als krank mit Behördenmaßnahmen rechnen muss, die sich gegen ihn selbst richten?

Es gibt Menschen jeglicher politischer Couleur, die das angesichts der Tatsache, dass intensivst gegen Mohren-Straßen gekämpft wird, vielleicht bald auch gegen Türkenstraßen, schlicht vergessen haben. Eugenik und Euthanasie wurden im deutschen Faschismus als wissenschaftliche Grundlegung betrachtet für zahlreiche menschenverachtende und -vernichtende Maßnahmen zur Herstellung eines gesunden Volkskörpers. Gegenüber obrigkeitlichen Maßnahmen für den Gesundheitsschutz ist deshalb die gleiche Aufmerksamkeit und kritische Haltung angeraten wie gegenüber den rassistischen Grundlagen des Faschismus.
Nicht allein rassische Beweggründe leiteten die Politik der faschistischen deutschen Regierung, die zwischen 1933 und 1945 in Zwangs-Einrichtungen vorgeblich im Interesse des Fortschritts und der Wissenschaft und unterstützt von deutschen Professoren Versuche an Menschen durchführte. Ziel dabei war es Mittel gegen Infektionskrankheiten zu finden, die Chancen der Wundheilung für Soldaten zu verbessern oder bakterielle Kriegführung zu ermöglichen. Opfer dieser Menschenversuche waren Behinderte, rückfällige Straftäter und andere sozial auffällige Menschen. [Ich verwende hier das Wort Lager nicht, weil nicht alle Menschen, die solcherart gedemütigt, missbraucht und getötet wurden, in Konzentrationslager verbracht wurden. Eingriffe wie z. B. Zwangssterilisation und Kastration und die Tötung `lebensunwerten Lebens´ wurden auch in Gefängnissen, Heimen oder in Forschungseinrichtungen vorgenommen.]

In der Sache:
1. Gegenwärtig entscheiden Behörden – nicht allein in Deutschland – mit Hilfe eines wissenschaftlich umstrittenen Tests, wer als krank zu gelten hat. Um die Anklänge an frühere Zeiten im Hintergrundgeräusch untergehen zu lassen, spricht man nicht von Kranken, sondern von Infizierten. Und die meisten von ihnen sind und werden ja auch nicht krank.
2. Ein öffentlich propagiertes Gesundheitsinteresse mündete Ende März ´20 in eine Ermächtigung des Gesundheitsministers und der nachgeordneten Behörden, ohne Einflussnahme des Parlaments, Maßnahmen zu ergreifen, die nicht hinterfragt werden dürfen. Dazu gehören z. B. Geldstrafen für Menschen, die sich privat treffen (z. B. 150 €, ersatzweise Haft); amtlich angeordnete örtliche Festsetzung (Quarantäne) von Menschen; Verbringung alter und nicht mehr entscheidungsfähiger Menschen an ungewohnte Orte und Kontaktsperren für deren Angehörige.
3. Wenn es nicht um die durch Erwerbsarbeit erzwungene Mobilität geht, greifen massive Einschränkungen der persönlichen Bewegungsfreiheit über innere Grenzen hinweg. Landesteile, Landkreise, Orte werden zu Risikogebieten erklärt, deren Bewohner man dem Risiko aussetzt, andernorts wegen ihrer Herkunft tätlich angegriffen zu werden. Ministerpräsidenten zweier benachbarter Bundesländer entblöden sich nicht, pressewirksam zu debattieren, woher der Infizient kam – aus Bayern oder Thüringen.
4. Gesetze, die dazu beitragen sollen, dass Arme sich nicht angeblich freiwillig dem Risiko aussetzen, durch Versuche an Menschen neue Impfstoffe und Medikamente zu erproben, wurden gelockert. Die Beschränkungen für eine vertretbare Erprobung von Medikamenten und Impfstoffen an Menschen wurden zeitlich und inhaltlich aufgeweicht.
5. Während rechte Gewalt von Ermittlungsbehörden und Gerichten weitgehend unbehelligt bleibt, Polizei- und Militäreinheiten sich als rechte Zellen organisieren, werden Menschen diffamiert, die sich angeblich mit Rechten gemein machen, mit Menschen die – für alle deutlich erkennbar – einfach einen an der Klatsche haben: abgewrackte Musikanten, sendungsbewusste Veganköche und auch öffentlich weniger bekannte Mitmenschen, die vielleicht zu den 30 % der Bevölkerung gehören, die nach Meinung von Fachblättern mehr oder weniger stark psychisch oder mental beeinträchtigt sind.

Noch nie dagewesene Gefahr
Es mag für manche, möglicherweise für viele, meiner sich links und kritisch gebärdenden Freunde als antifaschistisch gelten, dass man die gegenwärtigen Einschränkungen und Gefährdungen menschlicher Freiheitsrechte aus Gründen, die für mich nicht nachvollziehbar sind, nicht nur für vertretbar hält,

sondern für angemessen und notwendig.
Es gibt jedoch die Möglichkeit saisonale Spitzen von Virusinfektionen über die Jahre zu vergleichen. [ s. o. ] Die Covid 19-Kurve folgt ungefähr früheren jährlichen Kurven der Sterblichkeit im Jahresverlauf.
Auf dem Stand der Wissenschaft ist eine fundierte Einschätzung zu Ursachen, Mortalität und Letalität des Virus Sars_Cov 2 und seinen bereits vorhandenen und nachgewiesenen Mutationen noch nicht möglich. Keine der mittlerweile unübersehbaren Zahl von Studien und Erfindungen in Sachen Corona [ siehe https://www.nlm.nih.gov/ – Medizinische Bibliothek der nationalen Gesundheitsbehörde der USA ] ist seit der öffentlichen Bekanntgabe der Struktur des Virus Sars_Cov 2 Anfang Januar 2020 durch den chinesischen Vertreter in der WHO wissenschaftlich validiert, empirisch überprüft oder andernorts in ihren Aussagen bestätigt worden. Deshalb wird es Zeit, sich gegen die Fortführung einer wissenschaftlich nicht begründeten Politik zu wehren, die eine Verhältnismäßigkeit der Mittel, der angewendeten rechtlichen Maßnahmen vermissen lässt. Die Ermächtigung von Gesundheitsminister und Regierung durch das Gesetz zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite läuft zwar nach einem Jahr aus, Befürchtungen sind aber nicht unbegründet, dass die herbeigeführte Verängstigung vieler Menschen dazu beitragen wird, weiterhin – evt. sogar unbegrenzt – jedwede vorgeblich gesundheitsschützende Maßnahme der Regierung zu dulden, auch wenn sie sich der öffentlichen Kontrolle durch das Parlament entzieht.

Stammhirn vs. Großhirn
Die Wörter Alarmismus, Verängstigung, Panikmache bezeichnen eine Grauzone zwischen begründeter Vorsicht und politisch veranlasster Angsterzeugung zur Unterstützung von Manipulationszwecken. Wer Demonstranten mit und ohne MNS als Covidioten, potentielle Mörder oder rücksichtslose Egoisten bezeichnet, der bewegt sich auf einem sprachlichen Terrain, das eine vernunftorientierte offene politische Debatte erschwert, wenn nicht verhindert. Meine Kritik an den Regierungsmaßnahmen beruht auf den im folgenden skizzierten Überlegungen zur Empfindung von `Angst´, einem Gefühl, das konkret in der Frage der Verhältnismäßigkeit der Mittel zur Bekämpfung der Ausbreitung einer infektiösen Erkrankung eine gewichtige Rolle spielt.
Angst ist ein in der menschlichen Evolution sehr früh entwickelter, dem Stammhirn entspringender Impuls, der Panikreaktionen veranlasst. Solche Panikreaktionen können in Aggression münden, in Flucht oder in Schockstarre. Tiere sind häufig auf eine der angegebenen möglichen Panikreaktionen spezialisiert, die man zu Recht als Reflex bezeichnet. Die Panikreaktionen der Menschen hingegen sind selten vorhersehbar. Im Umgang mit einer optisch nicht wahrnehmbaren, viralen Bedrohung, die das Immunsystem aller menschlichen Körper herausfordert, ist Angst gewiss nicht nützlich oder hilfreich. Im Gegenteil. Angst kann, wie man weiß, abhängig von den individuellen psychischen und körperlichen Voraussetzungen, massive Veränderungen von Atmung und Herzschlag bewirken. Angstgefühle tragen nicht dazu bei, die von Herz und Lunge zu leistende Sauerstoffversorgung des Körpers optimal zu gewährleisten, die für eine Bereitstellung von Abwehrstoffen durch das Immunsystem von essenzieller Bedeutung ist.
Angst schwächt das Immunsystem. Sie verstärkt eine vorhandene körperliche und organische Abwehrschwäche, die z. B. gerade bei armen Menschen wegen Fehl- und Mangelernährung ohnehin extrem häufig vorliegt. Wir wissen, dass in allen Ländern tödliche Verläufe einer Covid 19 Erkrankung vor allem die Armen der großen Städte betreffen. Deutlich weniger die finanziell gesicherten älteren Menschen mit Garten um das ländliche Einfamilienhaus mit ausreichend Bewegung an frischer Luft, Besonnung und Lieferung von Bio-Nahrungsmitteln an die Haustüre.

Verhältnismäßigkeit
Ob es vor diesem Hintergrund als verhältnismäßig bezeichnet werden kann, überall auf der Welt die Ärmsten der Armen ihrer materiellen Existenz zu berauben, und das Augenmerk auf einen gefühlten Schutz derjenigen zu richten, die eher zu den Saturierten zählen, das muss gefragt werden und Regierungen müssen gezwungen werden, darauf begründet zu antworten. Die Verfechter einer Fortdauer der Pflicht zum Tragen eines textilen Mund- und Nasenschutzes wissen durchaus, dass dieser bestenfalls das Risiko für andere herabsetzt, das eigene Infektionsrisiko aber nicht mindert. Den Armen nützt er also am wenigsten. In Demokratien müssen Regierungs- und Behördenmaßnahmen auf ihre Verhältnismäßigkeit überprüfbar sein. Niemand muss hinnehmen, dass Behörden ihre Maßnahmen in der Sache öffentlich nicht begründen und fast ausschließlich Wissenschaftler zu Wort kommen lassen, die nicht allein ein Einkommen aus öffentlichen Kassen beziehen, sondern von Stiftungen, die ihre Gelder bei der Pharmaindustrie einsammeln und die mit einzelnen Pharmaherstellern erwerbsorientiert persönlich verflochten sind.
Die moralisch begründete Abwertung der Kritiker des Regierungshandelns durch vorgeblich richtig informierte, real aber umfassend verängstigte Menschen weise ich deshalb zurück. Es sind eher therapiererfahrene Menschen mit guten Einkommen, die sich Techniken haben aneignen können, die ihnen helfen, die bereits angesprochenen Auswirkungen von Ängsten auf Kreislauf und Atmung zu beherrschen. Zu fünft in einer Drei- oder gar bloß Zwei-Zimmer-Wohnung im 5. Stock, ist das schwieriger.
Fazit: Eine Verhältnismäßigkeit der Mittel ist aus meiner Sicht nicht gegeben, wenn man gerade die materiell benachteiligten Teile der Bevölkerung einschränkt: in ihrer Bewegungsfreiheit, ihren Selbstbestimmungsrechten, ihren Erwerbsmöglichkeiten um die Gesundheit derer zu schützen, die für den Eigenschutz, eine gute persönliche Immunabwehr, ohnehin die bestmöglichen Voraussetzungen haben. Menschen, die außerhalb ihrer Wohnung ihre Existenz sichern müssen, evt. nicht einmal eine eigene Wohnung haben, Wege zur Arbeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewältigen müssen, gemeinsam mit vielen anderen Arbeitsräume, Pausenräume, Unterkünfte nutzen müssen – all diese Menschen sind ohne jeden Zweifel massiv benachteiligt gegenüber all denjenigen, die über optimale Voraussetzungen zur Stärkung ihrer Immunabwehr verfügen und darüber hinaus noch über Gegenstände, Ausrüstung, die ihnen einen sicheren freiwilligen Aufenthalt zuhause ermöglichen und erleichtern. Das Gärtchen ums Eigenheim nicht zu vergessen.

MoralinVersuch einer stofflichen Qualitätsprüfung
Ist es wirklich ein Beleg überlegener Moral, ein Gesundheitsregime mitzutragen, das die unteren Klassen mit der Perspektive eines Impfstoffs und durch Erzeugung von Angstgefühlen bei der Stange zu halten versucht, und gleichzeitig den eher Saturierten die Möglichkeit verschafft, sich ein Wohnmobil zuzulegen oder zu leihen um am Wochenende im Voralpenland oder an der Ostsee Luft zu schöpfen? Die politisch motivierte Denunziation aller Kritiker der Regierungsmaßnahmen als rechtsoffen oder gar rechtsaffin halte ich für den Ausdruck einer – vielleicht unüberlegten – Komplizenschaft mit Herrschenden und Obrigkeit – nicht für einen Ausdruck von Mitgefühl und schon gar nicht für den Ausdruck einer antifaschistischen Grundeinstellung.
Die Regierung ersetzt nämlich die propagandistische Formel `Deutschland über alles´ durch die ebenso propagandistische Formel `Gesundheit über alles´ . Sie meint damit aber offensichtlich die maximale Abschöpfung öffentlicher Mittel durch die Hersteller ungeprüfter Testmaterialien und noch nicht vorhandener Impfstoffe. Letzteren hat man bereits die Abnahme von Millionen Impfdosen vertraglich zugesichert, ohne die zeitlich geraffte Erprobung überhaupt abzuwarten. Die gleichzeitige Bedrohung und Vernichtung von Millionen materieller Existenzen durch das Vorenthalten von Arbeitsmöglichkeiten ist weder verhältnismäßig noch menschenfreundlich, gesundheitlich zuträglich oder demokratisch.