Bemerkenswert

Zahl und Wissenschaft

Viele Menschen glauben zur Zeit, alles, was als Zahl dargestellt wird oder mit Hilfe von Zahlen als Verlauf dargestellt, sei Wissenschaft. Man hält für wissenschaftlich, was möglicherweise nicht wissenschaftlich ist.
Ob es Sinn macht, täglich, wöchentlich, jährlich erhobene Zahlen in die Öffentlichkeit zu tragen, vielleicht auch noch durch Linien miteinander zu verbinden und als Grundlage für eine Vorhersage heranzuziehen, das muss man prüfen. Vor allem muss geprüft werden, welche Zahlen und/oder Größen tatsächlich in dem behaupteten ursächlichen Zusammenhang stehen. Der sprichwörtliche allgemeine Menschenverstand kann das unter Berücksichtigung der Erfahrung leisten. Dass sich ein Mensch z. B. mit Naschen, Tabak, Alkohol nichts Gutes tut, weiß er auch ohne Expertise.
Auch wenn akademisch ausgebildete Vogelkundler gewissenhaft zählen und auch der verantwortliche Frauenarzt des Kreiskrankenhauses: Schwangerschaften und die Zahl der Storchennester stehen nicht in einem ursächlichen Zusammenhang.

Wissenschaftlich begründetes Regierungshandeln?
Die amtierende Kanzlerin, gelernte Physikerin, warf zu Beginn des Verlaufs dessen, was die WHO Pandemie nennt, das Wort „exponentiell“ in den politischen Raum. Aus welchem Grund? War sie sich darüber nicht im Klaren, dass alle Lebensprozesse – auch die von einzelnen Viren – irgendwann ein Ende haben? Einem jungen Menschen erscheint die Aussicht auf um die 80 Jahre, die gegenwärtig als Leben zu erwarten sind, als endlos. Dem ist aber nicht so. Alle Lebensprozesse haben irgendwann ein Ende. Wenn der Löwe in seinem Raum alle Antilopen gefressen hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Er verhungert. Er nimmt mit kleineren Tieren Vorlieb, oder er riskiert den ungleichen Kampf mit gewichtigeren Tieren. Er wechselt das Umfeld und sucht sich neue Opfer in einem ungewohnten Raum. Alle Seuchen, selbst die Pest, haben bisher immer genug Menschen übrig gelassen, dass es nicht nur weitergehen konnte, sondern die Menschheit mittlerweile auf 8 Mrd. Exemplare angewachsen ist. Dass die Menschen tatsächlich als Gattung untergehen könnten haben sie mit anderen gemein. Sollte dieser Fall eintreten, haben sie ihn selbst mit herbeigeführt. Den Sauriern würde man rückwirkend Selbstverschulden nicht unterstellen.
Entweder ist die Kanzlerin trotz eines Doktor-Titels der Physik ungebildet, oder sie und ihre von der Pharmaindustrie bestochene Entourage wollen mit Hilfe der Erzeugung von Angst ihre Untertanen manipulieren, andere gegenwärtige Probleme verschleiern oder Ziele verfolgen, die sie nicht gerne öffentlich diskutieren wollen. Für jede dieser Annahmen lassen sich Hinweise finden. Nur ein möglichst breit angelegter öffentlicher Diskurs ermöglicht es Menschen, sich Teile der Wirklichkeit zu erschließen, die sich nur als vielfältige Gemengelagen beschreiben lassen. Ein solches diskursives Vorgehen ist grundlegende Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens. Etwas kann als richtig gelten, bis es angefochten wird. Das Sammeln von Bestätigungen und Widersprüchen, Einsprüchen führt im Lauf der Zeit zu einer realitätsnahen Einschätzung. Wer abgehobene, womöglich auch noch von den Herrschenden hoch bezahlte Expertise für die Grundlage wissenschaftlichen Denkens hält, liegt falsch.

Wellen und Tote
Wer nicht schwimmen kann, geht nicht weiter ins Meer hinaus, als er sich trotz Wellen fest auf eigenen Beinen halten kann.
Im Bereich Gesundheit sind den Menschen andere Arten von Wellen vertraut. Wer als alter Mensch den Herbst überlebt, den kostet vielleicht das Frühjahr das Leben. Wer beides überstand, hat gute Aussichten den nächsten Winter noch zu erleben und erneut den Enkeln oder Urenkeln beim Spielen im Schnee zuzuschauen. Der Winter ist alljährlich eine gefährliche Zeitspanne für alle, deren Immunsystem wegen Alters – das bedeutet nicht allein definierte Krankheitsbilder, sondern auch vielfältigen körperlichen Verschleiß – auf virale Bedrohungen nicht mehr angemessen reagieren kann. Am Ende des Alterungsvorgangs des Menschen steht zumeist ein Zusammenbruch des Sauerstoffaustauschs, gewährleistet über die Organe Herz und Lunge. Manchmal verursacht durch eine Infektion der Lunge, manchmal durch den Stillstand eines alt und schwach gewordenen Herzens. Die Ursache des Todes ist in aller Regel ein gelebtes Leben, das an sein Ende gekommen ist. Man nennt es natürlichen Tod. In Traueranzeigen ausgedrückt als `sanft entschlafen´, Christen sprechen, glaubensmäßigen Übereinkünften folgend, oft von einem `Heimgehen´.
Die Realität des Todes als unvermeidbare Folge jeglichen Lebens wurde in den entwickelten Gesellschaften aus dem Alltag verbannt, ausgelagert in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Umso leichter lässt sich gegenwärtig gut Politik damit machen, dass man von vulnerablen Menschen höheren Alters spricht, die – Überraschung – in Pflegeeinrichtungen sterben. Wo denn sonst? Bei einem Verkehrsunfall? Durch Ertrinken? Durch einen Sturz von der Haushaltsleiter? Dabei wurden sie doch oft ohne ihre Zustimmung oder Mitwirkung in diese Einrichtungen verbracht.
Vor dem Hintergrund der alljährlichen, den wechselnden Klimabedingungen der Jahreszeiten geschuldeten Wellen des Sterbens, ist es nicht sinnvoll, sich mit Erläuterungen zu beschäftigen, die vortäuschen, es gebe eine bisher unerforschte, extrem bedrohliche, gefährliche Ursache dafür, dass in einer bestimmten Woche 3595 der insgesamt 22900 Toten dieser Woche (=2,2 %) verstarben. Ein solches Vorgehen macht keinen Sinn. Aber wer fragt schon nach Sinn und Zweck, wenn man Zahlen hat. Tonangebend in der nicht hinterfragten Sinngebung ist eine Kanzlerin, die durch erfolgreiche Anpassung an andere politische Bedingungen schon einmal unter Beweis gestellt hat, dass die Frage nach Sinn und Zweck sie nicht interessiert.

Punkt und Linie
Man kann Punkte durch Linien verbinden. Es gibt Malbücher für Grundschulkinder zum Festigen der Zahlenreihe 1 – 100. Wer die abgedruckten Zahlen von 1 bis 100 der Reihe nach richtig verbindet kann in den Linien ein Bild erkennen. Kindgerecht sind das oft z. B. Bären, Schneewittchen, ein Zwerg, ein Vogel oder auch ein Fernsehgerät.
Frau Merkel bezieht sich auf das tägliche Verbinden von Punkten zu einer Linie und liest sie als Darstellung eines ursächlichen Zusammenhhangs. Dabei ist die Angabe der Punkte Ergebnis eines zwar begründeten aber willkürlichen Handelns.

Wenn ich täglich um 0:00 Uhr in meinem Keller alle Äpfel zähle, den Bestand aufschreibe und vergleiche, ob sie mehr oder weniger wurden, erhalte ich keine belastbare Aussage zu folgenden Fragen: Wieviele Äpfel waren um 8:00 da, um 17:00 um 23:55? Gibt es im Haus einen geheimnisvollen Apfelfresser? Habe ich mich verzählt? Wie kommt eine Zunahme der Äpfel zustande, obwohl ich Kellertüre und Fenster verrammelt habe? Wurden versehentlich Boskop, Gloster und Gravensteiner zusammengeschüttet? Wieviele angeschlagene Äpfel wurden im Lauf des Tages aussortiert, damit sie nicht faulen? Ich muss die Äpfel auch gar nicht zählen, wenn ich damit leben kann, dass ich nach Ablauf einer gewissen Zeit voraussichtlich keine mehr habe und überraschend neue kaufen muss.

Hinter den über die tonangebenden Medien täglich verbreiteten Zahlen zur Pandemie liegt kein auf Erkenntnis der Wirklichkeit gerichtetes Tun. Die Behörde, das RKI, veröffentlicht seit dem 03. März 2020 täglich Zahlen, die offensichtlich nicht geeignet sind, Fragen in Bezug auf eine gegenwärtig grassierende schwerwiegende Erkrankung der Atemwege zu beantworten. (= SARS). Wer wie ich die Sinnhaftigkeit dieses Tuns bezweifelt, muss mit der Erfahrung leben, dass die Überzeugungskraft der eigenen Argumente nicht hinreicht, verängstigte Menschenmengen zu beruhigen. Folgte man den dazu vorhandenen psychologischen Ansätzen, bräuchten immer mehr Menschen unter uns eine Angsttherapie, um psychisch gesund aus dem angerichteten Schlammassel herauszukommen. Manchmal reicht mir selbst die persönliche Berücksichtigung dieser psychologischen Ansätze nicht, mich zu beruhigen. Ich ertappe mich dabei, dass ich versuche in meinen Rumpf hineinzuspüren oder zu horchen, ob ich anders schnaufe als sonst, ich noch genug Luft bekomme, ein voller Magen meine Atmung behindert, usw. Wer Ängste verbreitet, die solche Zustände provozieren, der ist nicht an der Gesundheit der Menschen interessiert. Die Behauptung der Regierenden, sie unternähmen alles Menschenmögliche die Gesundheit der Bewohner des deutschen Territoriums zu erhalten, zu schützen, kann man deshalb als gelogen betrachten. Lüge im Wortsinn: wissentlich falsche Aussage.

Die Erfindung der verletzlichen Alten
Es ist entsetzlich! Die in diesem Jahr 2021 erstmalig von destatis veröffentlichten Zahlen zu den Sterbefällen nach Altersjahrgängen offenbart: es sind auffallend viele Alte, die sterben! Möglicherweise auch unter Beteiligung viraler Infekte. Wünschen wir uns die Zeiten zurück, in denen es im Unterschied zu heute normal war, dass die Häfte der lebendgeborenen Kinder vor ihrem 6. Geburtstag starb? Wäre es ein Ausdruck sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit, wenn anteilsmäßig in jeder Altersgruppe zwischen 0 und 9 [10-19; 20 -29; 30 – 39;… ] gleich viele Menschen sterben? Laut destatis waren nur 142.906 der insgesamt 939. 520 Verstorbenen des Jahres 2019 unter 65. Was können wir tun?!


Die gegenwärtig in Zusammenhang mit einem viralen Krankheitserreger propagandistisch zu Schau getragenen mitmenschlichen Gefühle für die Alten könnten Ausdruck eines schlechten Gewissens sein. Unsere Gesellschaft schließt die Alten systematisch aus, damit die Fähigkeiten der Erwerbstätigen wirtschaftlich besser genutzt werden können. Warum sollen die Arbeitsfähigen ihre kostbare Zeit mit Sozialklimbim verzetteln? Deshalb werden alte Menschen in besonderen Einrichtungen untergebracht. Ihr Vorhandensein stört den auf maximale wirtschaftliche Nützlichkeit ausgerichteten Alltag . Soziales Handeln, aktive Fürsorge begrenzt die Rentierlichkeit der Arbeit der Erwerbstätigen. Nach Meinung der Mehrheit soll das nicht sein.
Demnächst werden in den separierten Anstalten Roboter den Alten das Essen bringen. Vielleicht überreichen sie auch den Pflegebdürftigen die Leine eines Hündchens, das sie stundenweise auf dem Schoß halten und streicheln dürfen, weil ihnen der Kontakt zu etwas Warmem, Lebendigen gut tut. Hauptsache man muss keinen Menschen bezahlen, der ihnen gut tut.
Es gibt Gründe dafür, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die sich um Alte kümmern, seien es eigene Eltern oder Nachbarn: in deren Haushalt nach dem Rechten sehen, für sie Einkäufe erledigen, beim Putzen und bei der Gartenarbeit helfen, mit ihnen spazierengehen. Diese Helferlein für die Altersgruppe 80+ sind allerdings meistens selbst schon über 60, an die 70, wenn nicht sogar im gleichen Alter und einfach körperlich und geistig noch ein bisschen leistungsfähiger, als diejenigen, die ihrer Unterstützung bedürfen.
Dass man zum Schutz der Alten die Kinder von ihren Freunden fernhält, gemeinsam mit ihren Eltern in zu kleinen Wohnungen einsperrt, nicht mehr in die Schule gehen lässt, sie zunehmender Gewalt in den Familien aussetzt, das hingegen ist ganz normal. Kinder sind gegenwärtig anscheinend nicht verletzlich. Man verlässt sich auf die zumindest theoretisch vorhandene Möglichkeit, dass deren Beschädigungen sich im Lauf der Zeit verwachsen. Sie sterben ja nicht gleich.
Könnte die Entdeckung der besonders verletzlichen Alten etwas damit zu tun haben, dass in Deutschland ca. 36 % der Wahlberechtigten über 60 sind und 2021 eine Reihen von Wahlen ansteht, bei denen sich jetzt schon abzeichnet, dass sie vielleicht nicht stattfinden? Welche Bedingung muss denn erfüllt sein, dass Wahlen stattfinden können oder dürfen? Wahlen bei denen zwar stellvertretend für viele nicht mehr Zurechnungsfähige deren Betreuer Stimmzettel ausfüllen und abgeben dürfen, aber kein einziger Erwachsener mit Kindern stellvertretend für seine Kinder sprechen darf und auch die 16-jährigen nicht für sich selbst.

Alles planbar
Im Unterschied zu anderen Ländern kannte Deutschland `vor Corona´ keine bundesweite behördliche statistische Erfassung der Sterbefälle. Es war deshalb seit März ein leichtes, eine angenommene außergewöhnliche Ursache mit täglich öffentlich gezählten Kranken und Toten zu einer elementaren Bedrohung aller Menschen auszugestalten. Die Frage ist, warum man das tut. Die Überwachung der Atemwegserkrankungen durch das Robert-Koch-Institut [ https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-53.pdf ] zeigt für die Zeit seit 2018 nämlich ein anderes Bild.


Wie bedrohlich die Lage tatsächlich ist, ist in viel höherem Maß eine Frage der persönlichen Einschätzung als es uns die täglich mehrfach wiederholten Warnungen der Regierenden vermitteln. Dass man Zahlen benutzt um unterschiedliche Einschätzungen durch die Individuen als unwissenschaftlich zu denunzieren und ihnen autonome Entscheidungen in ihrem Alltag zu verbieten, das macht den Konflikt nicht zu einem Streit zwischen Wissenschaft und Glauben. Auch nicht zu einem Konflikt zwischen Glauben und Aberglauben. Letztere Unterscheidung täuscht die Möglichkeit eines richtigen, eines wahren Glaubens vor und maßt sich ein Urteil über religiöse Empfindungen an, eine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Religion. Solche Phasen gab es in der menschlichen Geschichte schon des öfteren.
Diese Phasen sind den Menschen in ihrer Gesamtheit nicht gut bekommen, sondern sie führten oft zu gewaltsam ausgetragenen Konflikten. Eine von mir sehr ernst gemeinte Frage an die historisch bewanderten Leserinnen und Leser: Gibt es zuverlässige Zahlen in der Frage wieviele Menschen zwischen 1517 und 1648 in Deutschland ihr Leben gelassen haben? Wieviele von ihnen durften an Altersschwäche sterben? Wieviele Tote hat die Pest verursacht? Wieviele Tote muss man religiös motiviertem und gewaltsam ausgetragenem Streit im persönlichen Umfeld zuschreiben? Der Hexenverfolgung und dem religiös motivierten Verbrennen religiöser und wissenschaftlicher Abweichler? Wieviele Menschen starben infolge der kriegerischen Ausseinandersetzungen zwischen den nach Repräsentation verlangenden Provinzfürsten und dem deutschen Kaiser, von denen fast jeder religiöses Denken zur Erreichung dynastischer Zwecke nutzte?
Die Hoffnung ist irrational, das Leben der Menschen und ihrer Gesellschaften sei planbar, wissenschaftliche Expertise könne in eine stetig steigende Lebenserwartung für alle münden, Krankheit und Tod besiegen. Ein paar geschäftstüchtige Leute verkaufen Wundermittel gegen den Tod – Gott bewahre keine Allheilmittel wie im Mittelater oder im Wilden Westen, denn wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung – sondern Impfstoffe. Andere, ebenso geschäftstüchtige, erzielen ein Einkommen aus Waffenproduktion und im Waffenhandel. Wieder andere verweigern einer zunehmenden Zahl von Menschen ein schützendes Obdach und bauen lieber anschließend leer stehende Büros – weil es sich rechnet und man ihnen diese Form des Erwerbs erlaubt.
Es gelingt gegenwärtig den Herrschenden, den Regierenden und ihren amtlich bestallten Vertretern einen Reibach zu machen, wie selten zuvor – unter dem Vorwand unser aller Gesundheit zu schützen.

Bemerkenswert

Heute zu Gast: Prof. Dr. Scheucher

Im Namen des Senders begrüße ich heute Prof. Dr. Scheucher, Leiter des Luft-Instituts in Wedel. Er berichtet von seinen Forschungen zum individuellen Schutz in der aktuellen Bedrohungslage.

Prof. Scheucher, bitte erklären sie unseren Zuschauern, welcher Gedanke sie veranlasst hat, die Wirkungen des Handwedelns in der gegenwärtigen Lage viraler Bedrohung zu untersuchen.

Gelegentlich wird berichtet, dass Menschen den Mund-Nasen-Schutz vehement ablehnen. Es müssen Alternativen gesucht werden, die auch diesen Personen ein sozial adäquates Mittel zur Verfügung zu stellen, das zur Reduzierung der Viruslast in der Öffentlchkeit, auf Straßen und Plätzen beitragen kann. Wir haben uns für einen ganz neuen Forschungsansatz zur individuellen Abwehr viraler Bedrohungen entschlossen: Fernhalten von Viren durch Bewegung. Ergebnis unserer Studie: durch großräumige Bewegungen beider Arme lässt sich die Viruslast im räumlichen Umfeld effektiv senken.

Wie sind sie bei Ihrer Studie vorgegangen, Prof. Scheucher?

Es war nicht einfach eine ausreichende Zahl von Probanden für unsere Untersuchungsgruppen zu finden. Voraussetzung war ja die Bereitschaft sich in einer größeren Gruppe im Freien aufzuhalten, was bekanntermaßen nicht ungefährlich ist. Gruppe 1 verharrte atmend aber bewegungslos in ihrem Areal, etwa 10 x 10 Meter groß, unter Wahrung des vom RKI empfohlenen Mindestabstands. Gruppe 2 wedelte im Stand mit den Händen etwa in der Art des Insektenscheuchens, also weg vom Körper. Gruppe 3 scheuchte im Gehen. Gruppe 4 wedelte im Gehen und führte dabei die Hände vor Körper und Gesicht auswärts. In der Mitte der Areale wurde ständig die Viruslast überprüft – schon um die Gefährdung der Probanden zu verringern.

Welche Empfehlung können sie unseren Zuschauern auf Grund ihrer Forschungen geben, Prof. Scheucher?

Wir empfehlen im Außenbereich fortwährend im Gehen die Bewegung des Insektenscheuchens auszuführen. Bei dieser Bewegungsform war die gemessene Viruslast am geringsten, durchschnittlich 20 % niedriger als bei der bewegungslosen Kontrollgruppe. Spitzenwerte der Verringerung der Viruslast wurden mit maximal ausgreifender Bewegung erzielt. Dazu könnte auch beigetragen haben – wir wollen dem RKI im Grundsatz auf keinen Fall widersprechen – dass die ausgreifenden Bewegungen dazu beitragen, dass Abstände auch ohne Unterstützung durch das Halten von Schwimmnudeln automatisch gewahrt werden. Nicht zu unterschätzen ist bei dieser Form des bewegungsakzentuierten Abstandhaltens auch die Stärkung der Immunabwehr durch eine nicht alltägliche Form der Stimulierung des Blutkreiskreislaufs.

Danke, Prof. Scheucher, für ihren informativen Beitrag zum Thema Individuelle Minimierung der Viruslast.

Der Faktenchecker

Besonders interessierte Zuschauer finden eine ausführliche wissenschaftliche Begründung der Untersuchungen von Prof. Dr. Scheucher hier oder, falls vorhanden, in der örtlichen Bibliothek unter dem Titel „Anleitung zum Unglücklichsein“, Aut. Paul Watzlawick, ebd. S. 51 ff. im Abschnitt Die verscheuchten Elefanten.

Klarstellung

Seit etwas mehr als 50 Jahren weiß ich, dass es schier endlos Viren mit oder ohne Hülle gibt, die Menschen, Tiere oder Pflanzen befallen und schädigen können. Dass diese Ballungen von Molekülen evolutionsbezogen an der Schwelle zum Lebendigen stehen und sich anders als Bakterien ohne lebende Wirte nicht vermehren können, weiß ich aus dem Biologieunterrricht, der mir in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zuteil wurde.
Ich weiß, dass die meisten alten und immungeschwächten Menschen mit Vorerkrankungen letztendlich an Lungenentzündungen sterben, die von Viren oder Bakterien ausgelöst werden können und nicht mehr beherrschbar sind.
Ich weiß, dass in der Spitze des Grippewinters 2018 in Deutschland in einer Woche 1959 mehr Menschen starben als in der zurückliegenden Spitze der Sars-CoV-2 und seinen Varianten zugeschriebenen Sterbefälle.
Deshalb halte ich die Pandemie-Maßnahmen der Bundesregierung für vorrangig gegen die armen Menschen in Deutschland gerichtet, nicht verhältnismäßig und demokratiefeindlich. Ich halte sie auch für friedensgefährdend, weil die von einer nichtwissenschaftlichen Organisation, der WHO, erklärte Pandemie dazu benutzt wird, das Menschheitsproblem der alltäglichen Toten durch unzureichende Wasserversorgung, Hunger und Krieg in den Hintergrund zu drängen.
Diese Abwägung ist eine politisch-gesellschaftliche und nicht wie manche glauben behaupten zu können, eine der regierungsamtlich berufenen Experten, die vorgeben im Besitz wissenschaftlicher Wahrheiten zu sein.
Es gibt nicht den geringsten vernünftigen Grund, diese politische Abwägung mit einer Unterscheidung zwischen guten und bösen oder zwischen dummen und schlauen Menschen zu verknüpfen.

Das Fehlende

Bild: Screenshot, Website des Riva-Verlags

Amerkungen zu „Der betrogene Patient“ von Gerd Reuther, erschienen im Riva-Verlag unter ISBN 978-3-7423-1034-7

So gut begründet, in weiten Teilen treffend und sinnvoll die Bestandsaufnahme von Gerd Reuther ist, so unzulänglich sind die von ihm skizzierten Auswege. Wer nach Lösungen und Antworten sucht, stößt leider nur auf die Ideen der Bertelsmann-Stiftung: weniger Betten, zentrale Kliniken mit hochspezialisierten Ärzteteams und der dazu gehörigen technischen Ausstattung.
Die meisten Menschen brauchen das alles nicht, wenn sie sich krank fühlen. Nur ein paar Tage Selbstheilungsmaßnahmen mit Wärme oder Kälte, Heißgetränk und Hühnerbrühe, Entspannung an frischer Luft, genau das, was an einer einzigen Stelle des Buchs angesprochen wird: Sanatoriumsatmosphäre.
Der Autor blendet den Blick auf die reale gesellschaftliche Lage derer völlig aus, die sehr gerne auf ihre Selbstheilungskräfte setzen würden, gelegentlich auf einen vertrauenswürdigen Allgemeinarzt für unkomplizierte Unfallfolgen und eine Hebamme, die eine ganz normale Geburt bewältigt. Die vom Autor eingeforderte, verantwortliche gesundheitliche Selbstbestimmung ist für die Mehrzahl der Menschen aber nicht vorgesehen. Es steht keinem abhängig Beschäftigten zu, bei heißem Tee und Bettruhe das Abklingen eines Infekts über 10 -14 Tage abzuwarten ohne das Gesundheitssystem zu belasten. Es ist nicht dessen freie Entscheidung, auf den Besuch der Sprechstunde und eines überfüllten Wartezimmers zu verzichten. Abhängig vom Arbeitgeber ist eine Bescheinigung der Arbeitsunfähigkeit zwingend erforderlich, bei manchen Arbeitgebern bereits am ersten Tag.
Zum Arzt gezwungen werden Beschäftigte aufgrund der Unterstellung, dass ohne die Einschätzung eines Arztes ihre allzeitige, grundlegende Arbeitsunlust nicht bekämpft werden könne. Diese bedroht die angestrebten Profite.
Das Gesundheitsregime von Arbeitgebern, egal ob sie Clemens Tönnies heißen, Jeff Bezos oder Dieter Schwarz beruht auf der begründeten und berechtigten Annahme, kein vernünftiger, selbstbestimmter Mensch würde tagtäglich freiwillig in ihren Betrieben sein Leben zu Markte tragen.

Obwohl Gerd Reuther immer wieder auf selbstbestimmten, verantwortungsvollen Umgang mit der eigenen Gesundheit, dem eigenen Leben Bezug nimmt, hält er offensichtlich die Kritik an den Arbeitgebern, Eigentümern und Betriebsleitungen für überflüssig. „Der betrogene Patient“ ist eines der vielen sprachlichen Produkte, die Politik nicht durch begründete Aussagen und Forderungen an Verantwortliche betreiben, sondern durch gezieltes Weglassen. Ein sehr manipulatives Buch. Sein Geld nicht wert.

Ich bin es so leid…

„Ubersterblichkeit 2020 zeigt, wie tödlich das Virus ist. Das
Statistische Bundesamt legt Zahlen zu den Todesfällen im vergangenen
Jahr vor. Auf dem Höhepunkt der zweiten Welle im Dezember sind nach
vorläufigen Ergebnissen in Deutschland 29 Prozent mehr Menschen
gestorben als im Durchschnitt der vier vorjahre (SZ P|us). Bereits im
November lagen die Sterbefallzahlen zwölf Prozent über dem
Durchschnitt der Jahre 2016 bis 2019, wie das Amt in
Wiesbaden berichtete. “ (SZ vom 30.01.2021)

Es gibt sachdienliche Information von Bundesbehörden, Bundesamt für Statistik oder Instituten der Bundesministerien. Offensichtlich gibt es aber selbst bei renommierten Blättern niemanden mehr, der anhand der eigenen Statistiken der Ämter die Pressemitteilungen dieser Stellen auf Plausibilität überprüft. Es ist hirnrissig eine Übersterblichkeit für einen Zeitpunkt anzugeben, denn der Begriff der Übersterblichkeit macht nur einen Sinn, wenn man zeitlich längere Verläufe betrachtet, z. B. über ein ganzes Jahr oder die alljährlichen Wellen winterlicher Infektionen. Das RKI selbst weist in seinen Lageberichten darauf hin, dass die niedrigen Sonntags- und Montagszahlen nicht repräsentativ sind. Nicht weil am Wochenende keiner stirbt und keiner ins Krankenhaus muss, sondern weil sie am Wochenende keiner zählt. Erst recht nicht im Homeoffice.
Es ist der zeitliche Verlauf, der Epidemiologen Hinweise darauf gibt, in welche Richtungen zu forschen sein könnte. Gefällt´s dem Virus im Winter oder im Sommer? Bei Trockenheit oder hoher Luftfeuchte? Soll man es über Klimaanlagen gleichmäßig im Haus verteilen oder lieber das Fenster aufmachen?
Es ist der Sinn des Begriffs `Übersterblichkeit´, die täglichen Ausschläge der Sterbestatistik zu glätten. Eine erste Glättung wird durch die Darstellung wöchentlicher Zahlen statt täglicher Zahlen vorgenommen. Für das Jahr 2020 stellt destatis 2 Graphen zur Verfügung:


In beiden Graphen ist zu erkennen, dass der Höhepunkt der aktuellen Sterbefälle unterhalb des Maximums der Grippewelle 2018 liegt. Die Rede von überdurchschnittlich hohen Sterbefällen macht in Bezug auf einzelne Zeitpunkte keinen Sinn. Die Grippewelle 2018 kostete zu einem bestimmten Erfassungszeitpunkt, der 10. Kalenderwoche 2018, tatsächlich 7,8 % mehr Menschen das Leben als die Spitze der Coronawelle in der 52. Kalenderwoche des vergangenen Jahres, nämlich 1959 Menschen mehr. Breit gestreute Hinweise auf AHA-Regeln nützen bei allen Infektionskrankheiten. Hygiene hat noch niemandem geschadet, allerdings bisher auch noch nicht zu auffälligen Gewinnsteigerungen und höheren Börsennotierungen von Pharmaunternehmen geführt.
Schaut man nicht auf die Zahl von Sterbefällen sondern auf Behandlungsplätze in Krankenhäusern haben real Menschenleben in 2020 weniger gezählt denn je:
Von Jahr zu Jahr stehen weniger Betten und weniger Personal zur Verfügung. Da nützt es auch nichts, wenn man durch ein neu etabliertes digitales Intensivregister vortäuscht, man habe für mehr Betten gesorgt. Man hat mehr Betten und Beatmungsgeräte zur Verfügung gestellt, weil für jeden Covid-Patienten auch eine höhere Fallpauschale gezahlt wird. Die Herz-Kreislauf- und Krebspatienten kann man in Diagnose und Therapie ruhig auf den Sankt-Nimmerleinstag verschieben. Hauptsache keiner stirbt an Covid. Zur Fragwürdigkeit der zero-covid Kampagne habe ich mich schon ausgelassen.

Die Fürsorglichkeit der Regierenden ist eine Propagandalüge.

Aufs ganze Jahr gesehen starben in 2020 949.669 Menschen. Das sind zwar mehr als in 2016, 2017, 2018 und 2019. Allerdings hat in diesem Zeitraum auch die Bevölkerung zugenommen, insbesondere der Anteil der älteren Menschen ist in den letzten Jahren stark gewachsen. Dass mehr ältere sterben, wenn es mehr ältere gibt, dürfte für alle Menschen nachvollziehbar sein, die überhaupt mit dem Verhältnis von Anzahlen oder zählbaren Mengen etwas anzufangen wissen. Eine Übersterblichkeit durch Sars_CoV_2 ist nicht gegeben, möglicherweise eine Steigerung schwerer Verläufe bei älteren Menschen. Dafür gibt es aber keine Vergleichszahlen, da in zurückliegenden Jahren moribunde alte Menschen in Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen nicht als besondere Gruppe statistisch erfasst wurden und nur in Einzelfällen die Erreger ihrer Erkrankungen labortechnisch untersucht wurden.

Mit den Daten zur Sterblichkeit mit Bezug auf die Altersstruktur hat sich Thorsten Wiethölter eingehend beschäftigt. Für Interessierte empfehle ich https://coronakrise-blog.jimdofree.com/start/29-01-21-im-jahr-2020-sind-relativ-nicht-mehr-menschen-verstorben-als-in-den-jahren-vorher-gesamtjahr/

Von mir aus darf sich jeder weiter ängstigen, der das will.

Saubande!

Kennen Sie das auch? Sobald der Vertreter merkt, das sein Argument für die Kapitallebensversicherung nicht überzeugt, sucht er sich ein anderes und lässt das vorhergehende verschwinden.
  • Zuerst konnte man erschrecken mit „Schaut einmal wie schlimm es woanders ist!“ Diese Darstellungweise war politisch nicht durchzuhalten. Jedem Simpl wäre aufgefallen, dass in seinem Dorf, Wohnblock oder Karree jedes Jahr 2 Leute sterben.
  • Dann hat man versucht, so zu tun, als könne keiner jemals wieder gesund werden. Die Infizierten und Toten wurden unaufhaltsam Tag für Tag mehr. Ohne zu erwähnen, dass man auch gesund werden kann, hätte das Kumulieren= jeden Tag einfach draufzählen nicht mehr überzeugt.
  • Sobald die Gefahr bestand, Simpl könne erkennen, dass unterm Strich die Seuche nicht mit der Beulenpest zu vergleichen ist, sondern wie jedes Jahr die alten, von Krankheit geschwächten Nachbarn dahinrafft, musste eine neue Bedrohungslüge her.
  • Wir zählen jetzt nicht mehr die einzelnen Menschen=natürliche, ganze Zahlen, sondern die 100.000-stel Anteile. Da kann man Anstiege sehen! Letztes Jahr sind in Kleinkleckersdorf mit 2000 Einwohnern nicht wie immer an die 30 Leute gestorben, sondern wir sagen kurzerhand: Hätte Kleinkleckersdorf nicht nur 2000 Einwohner sondern 100.000 – dann wären es 1.400 gewesen! Dass der Rausch der großen Zahl wirkt ist nachvollziehbar. Ohne Lohntüte weiß ja keiner mehr, dass eine mit 100 Zehnern drin nur dicker ist und nicht mehr Geld enthält als eine mit 10 Hundertern.

Jeder, der mit Hilfe einer Dreisatzrechnung relativieren kann, wird gegenwärtig zum rücksichtslosen, menschenverachtenden, rundum amoralischen öffentlichen Feind erklärt. Ganz wissenschaftlich natürlich.

Selbsteinschluss – wenn das kein Kampfmittel ist!

Eine Polemik

Eine Polemik

Das Problem
Es spricht vieles dafür, dass der aktuell beobachtete Erreger einer schwerwiegenden Erkrankung der Atemwege mit möglicherweise tödlichem Verlauf, unter den Coronaviren einzureihen ist, die dem allgemeinen Sprachgebrauch nach eine Grippe (Influenza) hervorrufen: Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber, Husten, Katarrh, bis hin zu Entzündungen der unteren Atemwege, die einen Krankenhausaufenhalt erforderlich machen und manchmal, vor allem bei alten und deshalb immunschwachen Menschen, zum Tod führen.
Durch Viren verursachte Epidemien dieser Art suchen die Menschheit in Abständen heim. Zunehmende Mobilität spielt bei der Verbreitung von Viren eine Rolle. Zu Zeiten von Gehern, Rössern und Reitern zogen sich die Wellen länger hin. Aber schon 1918 konnte das planmäßige Verlagern von Militäreinheiten zum zeitnahen Tod von Millionen kriegsgeschwächten Menschen führen. Ob deshalb das gegenwärtig von der Politik veranlasste Lahmlegen des öffentlichen Lebens und der Wirtschaft als Abwehrmaßnahme sinnvoll ist, zielführend oder kontraproduktiv, kann weder allein von Virologen entschieden werden, noch kann es der moralischen Devise `Jeder Tote ist einer zuviel´ unterworfen werden. Es ergeben sich politische Fragen, die konkret beantwortet werden müssen: Wann und warum sind welche Toten zuviel oder nicht zuviel? Der Aufruf #zero covid beantwortet diese Fragen nicht, scheint sie nicht einmal als politische zur Kenntnis zu nehmen.
Mehr als 3.200 Bundeswehrangehörige kamen seit deren Gründung in Ausübung ihres Dienstes ums Leben. Sind Tote in militärischen Zusammenhängen tragbar, weil uns das die Verteidigung der Freiheit wert sein muss? 70 tödliche Arbeitsunfälle gab es im Jahr 2018 auf Baustellen. Warum werden neue Vorschriften zur Arbeitssicherheit durch die Berufsgenossenschaften erst dann erlassen, wenn genügend Tote angefallen sind? Es gibt nach wie vor tödliche Berufskrankheiten mit oft langwierigen, beschwerlichen, schmerzhaften Verläufen, die in eine Frühverrentung und zum Tod führen. Berufskrankheiten werden nicht einmal kontinuierlich gezählt. Es dauert oft Jahrzehnte bis zum Verbot von Werk- und Arbeitsstoffen, die Krankheiten verursachen.
Welcher Gruppe wollen wir diejenigen zuordnen, die im lockdown beim Aufhängen der gewaschenen Vorhänge während des homeoffice von der Leiter fallen und sich den Hals brechen? Covid? Berufsunfall oder todbringende Hausarbeit? Für den Arbeitsschutz und die dazu gehörigen Daten sind die Berufsgenossenschaften zuständig, die allein von den Arbeitgebern finanziert werden. Eine Anerkennung als Arbeitsunfall dürfte der Vorfall also nicht zur Folge haben.
`Jeder Tote ist einer zuviel´ ist nicht der Ausdruck einer gesamtgesellschaftlichen Übereinkunft über den Wert des Lebens, die unabhängig von Interessen, Privilegien, Herkunft, Geschlecht und Hautfarbe für alle gleich gilt. Warum also ein inhaltsleerer Aufruf und ein Nahziel wie es realitätsferner nicht sein könnte?
Was kann man tun, um die Lebensbedingungen der arbeitenden Menschen zu verbessern und ihre Gesundheit zu fördern? Ich halte es für ausgeschlossen, dass man diese Fragen mit einer gewissen politischen Berechtigung und Richtigkeit beantworten kann, wenn man sich gleichzeitig umfassend dem unterwirft, was die Herrschenden als Wissenschaft ausgeben. Deren Antworten sind nämlich nicht interessefrei.

Warum sollte ein vor Grippe gerettetes Leben wichtiger, kostbarer sein, als ein vor einem Infarkt gerettetes?
Es kommt nicht von ungefähr, dass in Zusammenhang mit der Pandemie Debatten wieder aus der Versenkung auftauchen, die man für überwunden, abgeschlossen, erledigt hielt. Z. B. die Debatte darüber, ob der Mensch an sich gesund ist und an seinen Krankheiten selbst schuld. Die Debatte darüber, was ein Staat tun kann, darf, soll um die Volksgesundheit zu schützen wird von neuem gestellt. Merkwürdigerweise werden diejenigen auf der rechten Seite einsortiert, die dem Staat ein ausuferndes Schutzrecht nicht zugestehen wollen. Kommt manchen Lesern das Stichwort Volksgesundheit irgendwie bekannt vor? Mit Bezug auf die von den Herrschenden definierte Gesundheit wurden Erbkranke genauso umgebracht wie psychisch beeinträchtigte, sog. Asoziale, Arbeitsscheue, Berufsverbrecher. Gnadenlose Ärzte führten im 19./20. Jahrhundert in Afrika im Interesse der Volksgesundheit der Weißen Versuche an Menschen durch, die man als minderwertig betrachtete. Eine Medizingeschichte, die das alles unter den Tisch fallen lässt und jeden Weißkittel als geistig überlegenen Menschenfreund ansieht, gibt kein vollständiges Bild des Fachs.

Wird Armut beseitigt, wenn an einer bestimmten Krankheit keiner stirbt?
Wer wird warum Opfer einer Krankheit? Wenn einer selbst schuld ist, muss man ihm da helfen? Muss ihm geholfen werden, wenn er sich gar nicht krank fühlt, ob er will oder nicht? Wer entscheidet darüber? Der Mensch selbst, die Regierenden und die staatliche Verwaltung oder die Pillendreher? Ist Krankheit strafwürdig? Man muss Menschen keiner Rasse zuordnen um ihre Vernichtung durch Zwangsarbeit aus Gründen der Hygiene in Betracht zu ziehen. Die Eugenik hat schon eine längere Tradition und die Vorstellung, erbgesunde Menschen züchten zu können, bestimmte schon im 19. Jahrhundert Teile der medizinischen Forschung. Nicht vergessen darf man in diesem Zusammenhang die Zwangssterilisation von Menschen, die möglicherweise Erbanlagen haben, die ihren Nachkommen das Leben schwer machen können. Das so menschenfreundliche Human Genom Project, vorangetrieben von der Bill & Melinda Gates-Stiftung ist dieser Denktradition verpflichtet. Kranke Menschen soll es aus dieser Sicht nicht mehr geben und zuviele werden sollen es auch nicht. Auch Elon Musk, übrigens ein überzeugter Nicht-Maskenträger, ist ein Vertreter dieser Vorstellung von der Zukunft der Menschen. Da tut man sich schon schwer zu entscheiden, wer ein Guter ist und wer ein Böser.

Viren sind ständige Begleiter aller höher entwickelten Lebensformen.
Es wird Virologen, Impfspezialisten und Pharmazeuten nicht gelingen, die vor allem im Winter durch unterschiedliche Erreger hervorgerufenen Infekte menschlicher Atemwege abzuschaffen. Die Frage welche reale Gestalt die sicher mehrfach mutierten Erreger der weltweit grassierenden Spanischen Grippe genau hatten, ist nicht mehr zu beantworten. Jegliches Virus, das seitdem auftaucht und ähnliche Erkrankungen hervorgerufen hat, wird beschrieben als aktuelle Ausgabe einer Virus-Familie, deren Exemplare sich wie andere Viren laufend verändern, der Viren der Coronafamilie, die – wenn sie Menschen befallen – häufig zu Erkrankungen der unteren Atemwege führen. Manchmal treffen sie die Menschen härter, manchmal weniger hart.
Ist es sinnvoll angesichts dieser Lage eine Politik durchsetzen zu wollen – Politik gemeint als gesellschaftliche Beschlussfassung zu konkreten Fragestellungen – die in großem Umfang Lieferketten unterbricht, Ver- und Entsorgung massiv beeinträchtigt, Bildung erschwert, die Entwicklung von Kindern massiv beeinträchtigt und genau dadurch in Deutschland, Europa und weltweit gerade die Ärmsten der Armen am härtesten trifft? Kann Stillstand in Europa produktiv sein und die Verbesserung der Zustände in der Organisation und Ausstattung der Gesundheitsfürsorge oder in Sachen Pharmaindustrie erzwingen oder gar eine Gesellschaft der Mitmenschlichen und Gleichen herbeiführen – ganz ohne Heugabeln, ohne die Straße, nur mit Smartphone und virtueller Meinungsäußerung? Diese der Kampagne ZeroCovid zugrunde liegende Annahme teile ich nicht.
Wieder einmal wendet sich die Morallinke einem Thema zu, das geeignet ist die Lebensbedingungen der Armen weltweit zu verschlechtern, in einer Größenordnung, die noch nicht absehbar ist. Hurra! Wir schmieden ein Bündnis! Keines der Klasse, keines der Armen gegen die Reichen, sondern eines der Wohlmeinenden! Weil wir uns ängstigen. Das ist es, was eint. Nicht die Wissenschaft und auch nicht, was man seit der Französischen Revolution als links bezeichnet. Fragen nach der Berechtigung dieser Angst können wir uns sparen. Von zentraler Bedeutung sind die Ängste großer Teile der Bevölkerung. Es gibt anscheinend nicht das Geringste einzuwenden gegen Mächtige, gegen Herrschende, die diese Angst gegen die Freiheit und individuelle Autonomie ausspielen. Die Toten von Kriegen: Covid 19: mit Stand heute 2.057.050 Tote weltweit, Tote im 2. Weltkrieg : 1939 – 1945: min. 53.085.456, das 25-fache der weltweiten bisher gezählten Covidtoten. Die früheren, laufenden und geplanten Kriege scheinen im Vergleich zu Spikey Covid harmlos zu sein.
Relativieren im Rahmen politischer Entscheidungen ist seit geraumer Zeit politisch-moralisch verboten. Trotzdem zählen anscheinend die bisher 233.000 Toten des Krieges im Jemen nicht, für diejenigen, die den Nachbarn rotzen hören und unmittelbar damit die Vorstellung verbinden, sie seien des Todes, sobald sie ihm im Treppenhaus begegnen. Seit wann sind irrationale Ängste ein wirksames Mittel bei der Verbesserung der Zustände dieser Welt, unter denen die Armen zu leben gezwungen sind?

Welchen Inhalt hat das Wort gerettet?
„Schon wieder eine Seele vom Alkohol gerettet“? Wird dadurch das Erreichen des 90. Geburtstags gewährleistet? Darf niemandem mehr die Entscheidung darüber überlassen werden, ob er sich lieber das Leben schön säuft, als es murrend und mosernd zu ertragen? Vielleicht wird der 90. ohne Bier und Wein wahrscheinlicher, aber doch nicht garantiert. Ist es wirklich ein Rettungsversuch, wenn eine vermeintlich wissenschaftliche Medizin Menschen nach 2 Jahren Koma sterben lässt oder nach 6 Wochen invasiver Beatmung? Wobei bei letzterem nicht einmal klar ist, ob nicht die Therapie den Tod herbeiführt. Fortschritt? Ist das nicht dem Individuum zu überlassen, ob es solcherart gerettet werden will? Nebenbei in diesem Zusammenhang: Auch Motorradfahrer unter 60 sollten über eine Patientenverfügung nachdenken.
Nach Unfällen, Brandkatstrophen, Fluten, Explosionen, Erdbeben u. a. überraschenden Ereignissen tun Helfer ihr Möglichstes. Immer – nicht erst seit Covid – müssen sie damit leben, dass ihr Möglichstes evt. nicht reicht. Ein Nichtschwimmer wird dem Ertrinkenden nicht helfen können. Wer sich nicht traut zu helfen, weil der letzte Erste-Hilfe-Kurs 40 Jahre zurückliegt, auch nicht. Beide müssen angesichts des Menschen, der da tot neben dem Wasser liegt, evt. nicht verbrannt ist, aber trotzdem tot, mit der Erfahrung leben, dass sie nicht helfen konnten. Getreu den Werbespots der Bundesregierung kann sich jedoch gegenwärtig jeder als Held fühlen, der im Sessel sitzt. Der Vater eines persönlichen Freundes opferte, so wurde mir von seinem Sohn erzählt, sein Leben im Klassenkampf. Er holte sich eine Lungenentzündung beim Streikpostenstehen in herbstlicher Kälte, bei Regen, in nassen Schuhen und einer durchgeweichten Jacke. Ist es nicht schön, dass Heldentum jetzt einfacher zu haben ist, als in den 20ern des vergangenen Jahrhunderts und bessere Zustände durch virtuelle Kommunikation und Heimtrainer erzwungen werden?

Wem ist damit gedient, dass Menschen durch andere zu Kranken erklärt werden?
In den den meisten Fällen haben per Test ermittelte Infizierte nicht einmal einen leichten Husten oder eine fortwährend laufende Nase und kein Fieber. Stichwort: symptomfrei positiv getestet. Schon vor einger Zeit habe ich die Frage aufgeworfen, welchen Sinn dieses Vorgehen hat. Was wird dadurch gestoppt oder verhindert – doch nicht Krankheit und Schmerzen. Man soll es nicht für möglich halten: Es gibt zu Zeiten der Pandemie Menschen, die tatsächlich wochen- und monatelang ohne Covid Schmerzen leiden müssen. Nicht allein, weil sie sich entscheiden vorsichtshalber nicht zum Arzt zu gehen, sondern weil ihnen der Arzt nicht weiterhelfen kann: Empfohlene, nötige Termine, z. T. schon vereinbarte Termine im Krankenhaus werden zurückgestellt, weil anderen Menschen, denen eine bestimmte Diagnose gestellt wurde, selbst ohne Schnupfen, Heiserkeit und Fieber, der Tod droht? Diagnose und Behandlung real kranker Menschen werden zurückgestellt, weil sie im selben Jahr 2020, 21 ff. die falsche Krankheit haben. Man hält Intensivbetten frei für Covidkranke, während man kontinuierlich Krankenhäuser mit Intensivbetten schließt, weil sie nicht rentierlich sind. Was kann man da tun? Die Antwort von ZeroCovid: Solidarisches Zuhausebleiben wird die Welt verändern. Jetzt muss man nur noch dafür sorgen, dass die Welt zugesch… wird mit Selfies, die einen zuhause auf der Couch zeigen – natürlich nicht ohne ein schwarz-weißes Banner im Hintergrund. Das unterscheidet einen von dem Pöbel, der wegen Arbeitslosigkeit schon seit Jahren auf der Couch sitzen muss und sich mit RTL 2 und Flaschenbier die Zeit vertreiben.

Solidarische Nation, solidarisches Europa, solidarische Welt?
Angesichts der Tatsache, dass – in Kenntnis der Folgen – Krankenhauskapazitäten und das dazu gehörige Personal seit Jahrzehnten zurückgefahren wurden, ersetzt die Morallinke den notwendigen Aufstand gegen die stetig fortschreitende Spaltung der Gesellschaft in Arm und Reich durch solidarisches Zuhausebleiben – so lange bis kein Sars-Cov-2 mehr entdeckt wird? Seit Jahren wird gegen Grippe geimpft. Müssten nicht A(H3N2), A(H1N1),A(H1N1)pdm09, B(Yamagata) B(Victoria) schon längst verschwunden sein? Warum redet zerocovid in diesem Zusammenhang eigentlich nur von einem solidarischen Europa? Jetzt auf einmal kann einem der Rest der Welt egal sein? Die Morallinke verbindet mit weiterer, Monate dauernder Einschränkung von Produktion und Diensten die Hoffnung am Ende dieses ermüdenden und gefährlichen Weges werde eine menschlichere Welt stehen, wahrscheinlich gestaltet von ausnahmslos wohlmeinenden Fachleuten digital gesteuerten Fortschreitens. Wo bleibt die Vernunft? Im Vergleich zu zerocovid hatte die Hoffnung auf die Weltrevolution einen gewissen Realitätsbezug. Wenigstens ging oder geht sie nicht von der hirnrissigen Annahme aus, die Profiteure der herrschenden Zustände seien die Freunde der Armen. Nichts, gar nichts gelernt aus den Zeiten der Queen Victoria und der damals üblichen, durchsetzbaren Form der Nächstenliebe in den Armenhäusern. Anscheinend haben die Anhänger der neuen Nichtbewegung trotz erlebten Einschlusses in den erst kurz zurückliegenden Weihnachtstagen die alljährliche Portion von Dickens-Verfilmungen im Fernsehen verpasst.

Menschenleere Solidarität
Es ist eine seltsam menschenleere Solidarität, die sich entfaltet, wenn wir alle zuhause bleiben. Woher Tofu und Seitan kommen und der B12-Spender Avocado, wenn alle zuhause bleiben erschließt sich dem Leser der vorgetragenen, vorgeblich linken Alternative nicht. Sind anständige Linke heute Prepper? Dabei soll man doch nicht hamstern! Werden Bio-Mehl und Bio-Nudeln nur dafür eingelagert, dass man anderen helfen kann, die auch zuhause bleiben dürfen, sollen, müssen? Ich habe den Verdacht, dass hier Geistwesen unterwegs sind, die alle Weltmeister sind im Verdrängen der Tatsache, dass Menschen zur Aufrechterhaltung der Lebensprozesse reale Stoffe, materielle Substanz brauchen. Wo bekommen sie die denn her, wenn sie nicht schon seit 2019 Genossen einer 50-köpfigen bäuerlichen Produktionsgenossenschaft sind in den fruchtbaren Schwemmländern oder vernutzten Mooren Deutschlands und eingemachte Kartoffeln, Äpfel, Hackfleisch, Mehl und Soleier für Monate im Keller haben?
Zumindest in den anstehenden 4 Wochen bis zum 14. Februar, geprägt vom Verkriechen, das den Umsturz vorbereitet, werden die Soylent Green Kekse noch nicht aus dem häuslichen 3-D-Drucker kommen. Wie denn auch, sollten die Wartungstrupps für Oberleitungen und Windmühlen sich solidarisch verhalten und zuhause bleiben und die Fahrer der Tanklaster, die ohnehin nur zum anstehenden Klimatod beitragen. Was den Morallinken – ein paar der Erstunterzeichner**innen kenne ich persönlich – völlig abhanden gekommen ist, das ist die Einsicht in die Notwendigkeit materieller Produktion und Reproduktion, für die man nicht einmal Marx gelesen haben muss. Es genügen Erfahrungen mit dem eigenen Verdauungstrakt.

Politikfreie Viren??
Die Unterzeichnerinnen, Unterzeichner und Diversen des Aufrufs #ZeroCovid phantasieren sich eine Welt zurecht, in der keine gegensätzlichen Interessen mehr zutage treten, kein Personal, das sie vertritt und keine Regeln, die man nicht durch einen Klick auf change.org verändern könnte. Genau diese Art eines umfassenden Durchbruchs von Mitmenschlichkeit, Empathie und Solidarität habe ich angesichts der Angstmache von Merkel, Drosten, Wieler und Konsorten befürchtet.
Man findet sie bei allen Visionären, deren politische Prioritäten sich wandeln: vom Wunsch nach Veränderung der vorhandenen Gesellschaft über den Wunsch deren Anerkennung zu gewinnen zum fragwürdigen Erfolg, ihr unverzichtbarer Bestandteil geworden zu sein.
Letzteres drückt sich in Deutschland alle paar Jahre darin aus, dass man eine Partei gründet, die der Staat mitfinanziert, einschließlich der dazugehörigen politischen Stiftungen. Die Parteien, ihre Fraktionen, ihre Stiftungen verfügen über repräsentative Unterkünfte, werden errichtet mit Steuermitteln und haben Mitarbeiter, die von den Regierenden aus Steuermitteln alimentiert werden. Ein nicht unerheblicher Teil der Erstunterzeichner**innen des Aufrufs zerocovid gehört als Partei-, Fraktions- oder Stiftungsmitarbeiter zum Kreis der parteinahen akademisch gebildeten Szene, deren Aufgabe es unter fast jedem Hashtag der zurückliegenden 5-10 Jahre war und ist, die Frage nach der Rolle des Eigentums in den Hintergrund zu drängen. Das Volk soll als ein Ganzes erscheinen, das sich ohne Rücksicht auf die umfassende politische Durchsetzungsfähigkeit der Eigner von Kapital, Grund und Boden einhellig um die richtigen Werte kümmert, geistige natürlich, denn mit Klassenkampf will man nichts zu tun haben. Ist das jetzt rechts oder links? Tut nichts zur Sache. Staatstragend auf jeden Fall.
Autonomie ist mit eigenem Aufwand verbunden und eigenem Risiko. Anderes wird zu Recht der Anpassung verdächtigt. Diese Anpassung vollzog sich früher etwas langsamer: zunächst bei den Sozialdemokraten, später bei den Kommunisten, dann bei den Grünen, bei den Linken… . Die allen gemeinsame Angst vor einer möglichen aber unwahrscheinlichen Erkrankung hat die Anpassungsfähigkeit offensichtlich gesteigert und beschleunigt.

Autonomie und Schutz

Die materielle Produktion ist Teil der Autonomie der Einzelnen und Teil der wirtschaftlichen und sozialen Verflechtungen in denen sie notwendigerweise leben, um ihren Lebensunterhalt zu sichern. Gemeinsame Arbeit und das gemeinsame Vergnügen, das Feiern, das Lachen und die Freude gehören zusammen. Sie zusammen bilden das Leben. Menschen, denen man reales, körperliches Erleben von Gemeinsamkeit auf Dauer verweigert, verkümmern. In Altenheimen und im Homeoffice. Sie können daran sterben, auch wenn sie (noch) nicht auf die Idee kommen, sich unter Isolationsbedingungen selbst zu töten. Wie lange, in welchem Umfang möchten die Verfechter der Veränderung durch europaweites Zuhausehocken die Vereinzelung und Vereinsamung denn pflegen? Was ist an einer vom Kapitalismus auf die Spitze getriebenen Vereinzelung solidarisch? Bei jedem Spaziergang durch und um mein Dorf treffe ich mittlerweile auf fremde Menschen, die mich fragen, ob sie – natürlich mit gebührendem Abstand – ein Stück des Weges mit mir gehen dürfen. Für ein paar hundert Meter schreien wir uns dann über 4 m eine Weile an, um persönliche Kommunikation zu pflegen. Soll das so lange weitergehen, bis man keinen Virus mehr findet?



Mehr desselben

Buchempfehlung

Fast 10 Monate nach der Verabschiedung des Gesetzes zum Schutz der Bevölkerung bei einer epidemischen Lage von nationaler Tragweite am 27. März 2020 kann ich die Frage immer noch nicht beantworten, welcher Art von Logik die von der Bundesregierung während dieses Zeitraum erlassenen Regeln unterliegen. Einer virologischen? Einer medizinischen? Einer ideologischen? Sollten es nicht die Interessen der obersten 1000 der Forbes-Liste sein, die dieses Handeln leiten (Bäh, Verschwörungstheorie!?!?) kann es nur um psychische Macken der Menschen in der Regierung und an der Spitze von Behörden gehen.

Immer häufiger kommt mir in diesem Zusammenhang ein Buch in den Sinn, das mich seit fast 40 Jahren immer wieder begeistert. Vor allem die Abschnitte „Der verlorene Schlüssel, oder „mehr desselben““, „Die verscheuchten Elefanten“ und „Vor Ankommen wird gewarnt“ scheinen mir für die Bewertung des gesellschaftlichen und politischen Handelns von Regierung und Bevölkerungsmehrheit von Bedeutung zu sein. Ich möchte es deshalb hier empfehlen:

Viel Spaß beim Lesen!

Macht und ihr Gebrauch

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Macht. Macht beinhaltet das Vermögen, die Fähigkeit zu einem bestimmten Handeln1 . Macht ist eine Eigenschaft, die Individuen in unterschiedlichem Maß , aus unterschiedlichen Gründen, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bezügen zukommt. Sie kann aus begründetem Vertrauen genauso entstehen wie durch die Androhung von Gewalt. Nicht allein menschliche Individuen, sondern auch höher entwickelte Tiere kennen in ihren Verbänden eine Rangordnung, die sich z. B. in einem privilegiertem Zugriff auf die zur Verfügung stehende Nahrung oder in einer privilegierten Wahl der Sexualpartnerinnen unter den weiblichen Gattungsangehörigen zeigt.
Auch der Mensch, der sich selbst gerne als eine über anderen stehende Gattung ansieht, neigt zu machtgeprägten Formen des Zusammenlebens, die auf unterschiedliche Weise etabliert, begründet und gerechtfertigt werden.
Die Art und Weise wie und in welchem Umfang Menschen Macht anerkennen und die Regeln, die für ihre Berechtigung gelten sind historischem Wandel unterworfen. Da seit Menschengedenken zeitlich nebeneinander unterschiedliche Formen der Machtausübung bestehen, halte ich es für falsch einen geschichtlichen Fortschritt anzunehmen, der als Tendenz zu wachsender individueller Freiheit bezeichnet werden könnte. Alle Mächtigen mussten und müssen dessen gewärtig sein, dass ihnen bei einer zufälligen Gelegenheit andere begegnen und möglicherweise entgegentreten, die willens und fähig sind, ihrer Macht Grenzen zu setzen. Seit Jahrtausenden gibt es Regeln, die für das unablässige Ringen zwischen Macht Ausübenden und scheinbar Machtlosen gelten. Nicht alle Machtlosen lassen sich von Mächtigen auf Dauer die jeweiligen praktischen Ausprägungen ihrer Machtausübung gefallen. Von Zeit zu Zeit rotten sie sich zusammen, äußern ihren Unmut und – wenn das nicht hilft – greifen sie nötigenfalls zur Gewalt gegenüber den Machthabern. Damit ist nicht notwendigerweise verbunden, dass die neuen Machthaber dauerhaft als besser empfunden werden als die alten.
Anlass für meine Überlegungen sind Praktiken der politisch-gesellschaftlichen Machtausübung, die im Rahmen der gegenwärtigen Bedrohung durch eine infektiöse Erkrankung fast überall auf der Erde um sich greifen. Ob sich die von einer nicht öffentlich tagenden Konferenz (Videoschalte) erlassenen Maßnahmen von Bundesregierung und Ministerpräsidenten in Sachen Pandemie wesentlich von den Erlassen Wilhelms I. unterscheiden? Was die Möglichkeiten der Kontrolle anbelangt sicher nicht wesentlich anders entstanden als Erlasse Ludwigs XIV., Kaiser Wilhelm I.. Die reale gesellschaftliche Qualität der Machtausübung ist weniger von rechtlichen Festlegungen geprägt als von Öffentlichkeit und den Einflussmöglichkeiten bestimmter Kreise. Ob sich Lobbyismus außer in historischer Perspektive von den Möglichkeiten des Antichambrierens bei unserm guten Kaiser Franz unterscheiden lässt?

Demokratie und Obrigkeit
“ Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott.“ ist ein Satz aus den Schriften des Neuen Testaments2, der vor allem von denjenigen geschätzt wird, die sich von den Mächtigen Bevorzugung erhoffen. Was dabei gerne außer Acht gelassen wird: Die heiligen Schriften der monotheistischen Religionen verbinden mit diesem Anspruch auf Folgsamkeit Regeln, an die sich alle zu halten haben, auch die Obrigkeit. Neben der geforderten Fügsamkeit stehen göttliche Aufträge an die Obrigkeit: Jegliche Obrigkeit, erst recht eine demokratisch legitimierte, hat die Aufgaben zu erfüllen, die aus ihrer Rolle im gesellschaftlichen Gefüge erwachsen. Sie hat gegenüber Hilfsbedürftigen fürsorglich zu handeln. Sie muss Bedrohungen sachkundig und beherzt entgegentreten, das tun, wozu eine höhere Macht – aus moderner Sicht ist es die Bevölkerung – sie berufen hat. Sie hat die für allgemein gehaltenen Normen durchzusetzen. Sie muss gültiges Recht setzen und Missetäter einer gerechten Strafe zuzuführen. Auch eine demokratisch gewählte Obrigkeit ist daran gebunden. Nur göttliche Fügung kann ihren Wahlerfolg herbeigeführt haben.
Idealistisches Denken konstruiert sich als Gegenpol zur Macht gerne eine demokratische Bürgerschaft, die umfassend informiert ist, ihre Arbeit verrichtet, engagiert ihre Forderungen vertritt und vernünftige Wahlentscheidungen trifft, sozusagen Bürgerinnen mit Abitur.
So sind sie aber nicht, die Menschen. Der gerne zitierte moralische Imperativ des Immanuel Kant beschreibt nicht die Möglichkeit aller Menschen, sich mit Hilfe ihrer Vernunft selbst Grenzen zu setzen, sondern eine Hoffnung. Menschen sind bedauerlicherweise nicht vollkommen. Nicht allein Männer nicht, wie der beliebte feministische Spruch sagt: „Als Gott den Mann schuf, übte sie nur“ sagt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Spezies Mensch nur eine der vielen Spielarten des Lebendigen ist, die unter veränderten Bedingungen weniger werden oder sogar wieder völlig verschwinden. Real gibt es keine Obrigkeit, die auch nur annähernd so perfekt wäre, wie sie sich die Untertanen erträumen oder erhoffen. Sie besteht nämlich aus Menschen, die sich von ihren Untertanen nicht wesentlich unterscheiden. Sonst würden sie nicht gewählt, oder? Auch die beratenden Experten und Wissenschaftler sind Menschen – nicht besser und nicht schlechter als die bunte Mischung der Untertanen, bestehend aus Wirtschaftsbossen, Müllmännern und Oberlehrern. Jeder von ihnen schließt aus den beschränkten Erfahrungen seines eigenen Wirkungsbereichs auf die Welt. Besseres und Klügeres können Menschen nicht. Was sie unterscheidet: das Ausmaß ihrer Macht.

Anarchie?
Nur wenige Menschen träumen von einer machtfreien zukünftigen Gesellschaft in der alle Menschen gleich mächtig sind und das Beherrschen anderer nicht mehr gebräuchlich ist.  Anarchie, ein gesellschaftlicher Zustand ohne Machtausübung, wäre möglich, hätten alle Menschen täglich rund um die Uhr   die Fähigkeit  vernunftgeleitet allein sich selbst  zu beherrschen oder die ebenfalls übermenschliche Fähigkeit,  sich in andere so einzufühlen, dass sie ihrem Gegenüber nicht einmal aus Versehen etwas überstülpen, das bei ihm Unbehagen verursachen könnte.  Ob das als Vorteil anzusehen wäre, als ganz besonders menschlich, sei hier dahingestellt. Im Unterschied zu  anarchistischen Attentätern des 19. und 20. Jahrhunderts halten die meisten Anarchisten es nicht mehr für sinnvoll die  Träger von Macht demonstrativ zu erschießen.
Menschen sind auch bisher nicht die Krone der Schöpfung für die sich manche halten und ganz sicher auch nicht die Übermenschen, die sich Transhumanisten vorstellen. Es mag sie eines Tages geben. Wahrscheinlich werden die neuen Menschen in diesem besonderen Fall den Zeitraum der äffischen Vorgeschichte bis ins dritte Jahrtausend nach Christus reichen lassen und Wesen deren Hirn mit einem Chip verbunden ist, werden zum menschlichen Normalfall. Wie deren Gellschaften aussehen könnten? Vielleicht brauchen sie gar keine mehr, weil sich jeder Einzelne dank seiner überragenden Fähigkeiten gewalt- und machtlos selbststeuernd alles verschaffen kann, was er braucht. 
Wir wissen es nicht. Genau genommen, wissen wir nicht einmal wie lange das Brot reicht,das im Kasten liegt. Nur diejenigen, die keines haben, wissen zuverlässig, dass es nicht reicht. 
Montage aus eigenen Fotos, geknipst im Neanderthal-Museum

Das politische Dilemma der Obrigkeiten zu Zeiten der Pandemie
Aus Gründen, die ich bisher nicht kenne, hat man sich entschlossen, die notwendige Zustimmung oder Fügsamkeit der Untertanen mit Hilfe zweier altbekannter, wirksamer Strategien herzustellen: 1. der Erzeugung von Angst vor einer angeblich nie dagewesenen tödlichen Bedrohung 2. der Verbreitung inhaltsleerer Propaganda, die folgsame Bürger zu Helden des Alltags stilisiert. Wer das Ausmaß der Bedrohung bezweifelt und sich zutraut, über seinen Schutzbedarf selbst zu entscheiden, der wird, leider mit Zustimmung führender Köpfe der Opposition, von der Obrigkeit und ihren Helden zum Feind unserer Demokratie erklärt.
Diese Charakterisierung könnte schneller als gedacht auf die Obrigkeit selbst zurückschlagen, sollte eine wachsende Zahl von Menschen den Eindruck gewinnen, dass die Obrigkeit und ihre Weisen nicht weniger im Nebel stochern als ihre Untertanen. Sie könnten nämlich daraus den Schluss ziehen, dass die Obrigkeit einfach ihren Job nicht richtig macht. Schließlich hat man sie gewählt in Vertrauen darauf, dass sie alles besser wissen und können als ihre Untertanen.
Die Widersprüchlichkeit der enorm detaillierten Maßnahmen der Gesundheitsbehörden könnte in nicht allzu ferner Zukunft zum Anlass werden, an den Verstandeskräften der Obrigkeit zu zweifeln. Es ist nicht plausibel, dass infektiös wirksame Kontakte seltener werden, wenn die Bewohner von A nach B fahren dürfen, aber nicht die Bewohner von B nach A. Die Wirksamkeit von Ausgangssperren wird dadurch nicht verständlicher, dass Menschen in proppevollen öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren dürfen, bei der Arbeit manchmal einen MNS tragen sollen, sich aber nicht zu viert als Nachbarn aus 4 Haushalten zum Kartenspiel zusammensetzen dürfen, nicht einmal mit FFP2-Masken, die in Bayern ab dem kommenden Montag in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben sind. Bewohner unseres Landes fragen sich inzwischen, ob die Einnahmen aus den relativ hohen Geldstrafen für Maßnahmeverstöße nicht hauptsächlich den Zweck haben, den angehäuften Passiva der Staatsbilanz ein paar Einnahmen entgegenzustellen. Es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem ein großer Teil der Bevölkerung sich als belogen, verraten, verarscht und verkauft vorkommt und sich gegen die Obrigkeit wendet. Das Entstehen eines solchen Gefühls der an der kurzen Leine gehaltenen Menschen bedarf keiner besonderen Theorie betreffend die hinter den Maßnahmen stehenden Absichten der Machthaber 3.
Wer auf die Manipulation von Gefühlen als Machtinstrument setzt, riskiert immer deren Umschlag in schwer kalkulierbare andere Gefühle. Enttäuschte Hoffnung wandelt sich manchmal erstaunlich schnell in großen Ärger über den oder die Verursacher dieser Enttäuschung. Es könnte für die Obrigkeiten schwierig werden, den 5. verschärften Lockdown zur Vermeidung der 5. Welle durchzusetzen, wenn die Wellen im Herbst 2021 einfach nicht aufhören, wie das bei den alljährlichen im Winter auftretenden Infektionen der Atemwege der Fall ist. Diese sind nämlich bisher trotz Impfungen nicht verschwunden. Warum sollte sich daran etwas ändern?
Nicht einmal den Anschein der Existenz eines Plan B gibt es für einen gesichtswahrenden Ausstieg aus der Luftnummer, auf die sich weltweit die Obrigkeiten im Rahmen mehrerer Planspiele vorbereitet haben.4 Trotz aller Planspiele bleibt unkalkulierbar ob, wenn ja wann, die Stimmung der auf vielfältige Art Geschundenen umschlägt in Gewalt. Eine Gewalt die entweder mit Mitteln einer reaktionären Diktatur unterdrückt werden kann oder eine neue, möglicherweise nichtkapitalistische gesellschaftliche Alternative erzwingt. Die Lage ist offen.

  1. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, <https://www.dwds.de/&gt;, abgerufen am 11.01.2021.
  2. Römerbrief des Paulus 13:1
  3. Gemeinhin von den Fügsamen `Verschwörungstheorie´genannt
  4. Vortrag von Paul Schreyer, https://www.youtube.com/watch?v=SSnJhHOU_28