Übrigens.
Ich habe mich vergewissert:
Das Beitragsbild zeigt kein Corona-Virus, sondern ein willkürlich eingefärbtes Modell, das die durch ein Elektronenmikroskop erkennbaren Teile dreidimensional darstellt.
Mal ehrlich: Macht sowas Angst? So rosiges Fruchtfleisch mit grünen Fusseln?







Schutz und Kontrolle

Je länger die Zeitspanne dauert, in der alles Erdenkliche zu meinem Schutz unternommen wird – ich befinde mich im „Risikoalter“ für eine durch einen Virus verursachte Erkrankung – desto verdächtiger wird für mich der Gebrauch des Wortes „Schutz“. Ich kann es einfach nicht trennen von den sog. W-Fragen. Wer schützt wen, wovor, warum, wann?

Ein wesentliches Ziel von Erziehung ist es doch, junge Menschen dazu zu befähigen, achtsam zu sein.

– Sie müssen lernen, ihre eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf andere einzuschätzen
– Sie müssen lernen, die Befindlichkeit anderer wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf sich selbst einzuschätzen
– Sie müssen lernen ihre eigenen Interessen wahrzunehmen und die anderer, damit sie im gesellschaftlichen Leben eine Entscheidung darüber fällen können, ob sie die eigenen durchsetzen wollen oder die anderer respektieren.
– Sie müssen lernen reale, materiale Risiken wahrzunehmen und einzuschätzen: die Hitze der Herdplatte, die Höhe der Leiter, die Tiefe des Wassers…

Das Be-schützen beinhaltet Handlungen, die einen noch unmündigen jungen Menschen vor Risiken bewahren, die er noch nicht übersehen kann. Tagtäglich müssen Erziehende darüber entscheiden, in welchem Umfang das Beschützen notwendig ist und welche Handlungen es am besten unterstützen, wenn gleichzeitig dem Prozess der Verselbständigung des Einzelnen entsprochen werden soll. Wenn staatliche Instanzen den Anspruch anmelden mich, eine Erwachsene, eine sog. mündige Bürgerin beschützen zu wollen, schrillen bei mir die Alarmglocken.

Schäm dich!

Immer öfter höre und lese ich die Aufforderung, Menschen sollten sich schämen. Hin und wieder werde auch ich aufgefordert mich zu schämen. In den sog. social media traut man sich das.

„Schäm dich.“ Das weckt unschöne Kindheitserinnerungen. Bei manchen Lehrern, glücklicherweise nicht bei allen, mussten böse Kinder mit dem Gesicht zur Wand bis zur Pausenklingel in der Ecke stehen und sich schämen. Manche Lehrkräfte dieser Sorte waren sogar noch im Dienst, als ich selbst 1973 anfing in einer ländlichen Grundschule zu unterrichten. Betreffend kindliche und pubertäre sexuelle Neugier mussten sich früher die meisten Mädchen und Jungs schämen.

Weil man nicht durchsetzen will oder kann, dass Fernreisen aus Gründen des Klimaschutzes einer Begründung bedürfen, sollen sich Leute schämen, die in den Urlaub fliegen.
Weil man nicht durchsetzen will oder kann, dass asiatische Arbeiter einen anständigen Lohn erhalten, sollen sich Leute schämen, die nicht mehr als 50 € für ein paar Turnschuhe ausgeben können oder wollen.
Weil man nicht durchsetzen will oder kann, dass Schweinezüchter auf Sojaschrot aus Brasilien verzichten, Maisproduzenten auf Glyphosat und ein gewisser Herr Tönnies auf versklavte Metzger, sollen sich Leute schämen, die billiges Fleisch essen.
Weil uns gegenwärtig wegen eines neuartigen Virus nach Meinung einer Bundesbehörde tausendfacher Tod droht, muss sich jeder schämen, der sich beim Spaziergang im Wald keinen Lappen vors Gesicht bindet, den man heiß waschen kann.

Die Aufforderung sich zu schämen ist Ausdruck der Macht der Herrschenden gegenüber all denjenigen, die zwar eine ähnliche Moral haben, aber nicht das Kleingeld, sich das skizzierte moralische Verhalten zu leisten. Deshalb wird gerne BEschämt, wer sich entgegen der herrschenden Moral verhält. In aller Regel unter Zuhilfenahme eines der folgenden Wörter: uneinsichtig, dumm, ungebildet, uninformiert oder rücksichtslos, selbstsüchtig, asozial, menschenverachtend, unmenschlich. Weitere Wörter, die noch besser zum Beschämen geeignet sind, zähle ich jetzt nicht auf. Ich möchte mich nicht schämen müssen, weil ich manche mir persönlich und namentlich bekannten Menschen als A… bezeichne. Das tut man nicht! [Ich verweise in diesem Zusammenhang wieder einmal auf das Buch von Robert Pfaller, „Erwachsenensprache“. ]

Seit Jahrtausenden wird immer dann an die Moral der Untertanen appelliert, wenn die Großen den Hals nicht vollkriegen und ihre Macht durch eine Krise gefährdet ist, der die Regierenden offensichtlich nicht im geringsten gewachsen sind. Eine solche gibt es zur Zeit. Allerdings hat sie mit dem Virus ursprünglich nichts zu tun, sondern mit Volkswirtschaften und der Weltwirtschaft.
Warum sollten gerade die Machtlosen sich für irgendetwas schämen? Die geschichtliche Erfahrung zeigt: Schlechte Zustände in menschlichen Gesellschaften lassen sich mit Vernunft und Widerstand ändern. Nicht immer, aber der Versuch lohnt sich.

Handeln – nicht schämen!

Die materielle Produktion

Das Arbeitsvermögen auf der Grundlage beschränkter natürlicher Ressourcen ist die Grundlage menschlicher Produktion und Reproduktion. Wer der Überzeugung Ausdruck verleiht, die Ausschüttung bedruckten Papiers an diejenigen, die nicht produktiv sein dürfen, könne das Problem beheben geht in die Irre. Diese Lösung ist nur eine vermeintliche: Sie unterstützt nämlich die gegenwärtige Aufteilung der Welt in reiche Staaten mit vielen Armen und wenigen Reichen und arme Staaten mit noch mehr Armen und wenigen Reichen. Wer über die Herkunft des Reichtums der Reichen, die Armut der Menschen und die Armut der öffentlichen Hand nichts zu sagen hat nicht mehr bietet als sozialistische Visionen, Aktionismus gegen Rechts oder moralisch begründeten Pazifismus erleidet notwendigerweise Schiffbruch. Vor allem die deutsche Linke und die LINKE samt ihrer parteinahen Stiftung sagen zur Produktion, dem Ursprung des Reichtums nichts und haben den aktuell lebenden Produzenten nichts mehr zu sagen. Gerechtigkeitsvisionen können realitätsbezogene politische Handungsalternativen nicht ersetzen und finden deshalb auch nicht den Zuspruch der vielen, die auf materiell gerechtere Zustände hoffen.

Im „Blättchen“ ist ein Text von Bernhard Romeike zu finden, der die Situation der deutschen Linken gut beschreibt. Er schließt mit den Worten: „Aber während Marxisten früher darüber nachdachten, wie denn die „materielle Produktion“ funktioniert und anders gestaltet sein kann, glauben manche Linke heute auch hierzulande, der Strom kommt aus der Steckdose und das Geld aus dem Geldautomaten oder steckt im Smartphone.“
zum Text

Stichwort: Whataboutismus

Einer der Begriffe, die gerne von bürgerlichen „Antifaschisten“ verwendet werden, um anderen rechtes Denken zu unterstellen, ist das Wort „Whataboutismus“. Es dient in der politischen Debatte dazu, einen Verweis auf ein anderes Problemfeld als unzulässig zurückzuweisen, weil es angeblich keinen Zusammenhang mit dem Thema habe. Eine der Nebenwirkungen: Es hilft, linke Argumentationsketten im Keim zu ersticken, denn wer unzulässig vergleicht, in Beziehung setzt, relativiert kann auf grundlegende Mechanismen der herrschenden Wirtschaftsordnung nicht zurückkommen, die ALLE realen Zustände notwendigerweise prägen.
Dazu ist zu sagen:
Man kann, darf, muss alles vergleichen. Wenn man nicht alles vergleicht, kann man nämlich nicht feststellen, wessen Interessen sich in Sachfragen durchsetzen. Es geht dabei nicht um belegbare, mathematische oder naturwissenschaftliche Richtigkeit, sondern darum, welchem Problem in der Gesellschaft Priorität eingeräumt wird. Das ist eine gesellschaftliche, daher eine politische Frage. Ich hatte in meinem Garten auch mal Spargel, eine grüne Sorte, weil weißen zu ernten handwerklich schwieriger ist. Ob der Anbau einer Gemüsesorte, die kaum Kohlehydrate und Eiweiß enthält sinnvoll ist, „erneuerbare Energie“ sinnvoller als Maismehl? Auch ob in Deutschland guter Ackerboden planmäßig kaputt gemacht wird, um für den Weltmarkt billiges Fleisch zu erzeugen ist eine politische Frage.
Ohne „Whataboutismen“ kann man Verhältnisse selten auf den Punkt bringen, vor allem nicht in kurzer sprachlicher Form als Scherz, Satire, Ironie.
„Whataboutismus“ ist ein politischer Kampfbegriff – kein Argument. Es richtet sich eindeutig gegen links.