Bemerkenswert

Heute zu Gast: Prof. Dr. Scheucher

Im Namen des Senders begrüße ich heute Prof. Dr. Scheucher, Leiter des Luft-Instituts in Wedel. Er berichtet von seinen Forschungen zum individuellen Schutz in der aktuellen Bedrohungslage.

Prof. Scheucher, bitte erklären sie unseren Zuschauern, welcher Gedanke sie veranlasst hat, die Wirkungen des Handwedelns in der gegenwärtigen Lage viraler Bedrohung zu untersuchen.

Gelegentlich wird berichtet, dass Menschen den Mund-Nasen-Schutz vehement ablehnen. Es müssen Alternativen gesucht werden, die auch diesen Personen ein sozial adäquates Mittel zur Verfügung zu stellen, das zur Reduzierung der Viruslast in der Öffentlchkeit, auf Straßen und Plätzen beitragen kann. Wir haben uns für einen ganz neuen Forschungsansatz zur individuellen Abwehr viraler Bedrohungen entschlossen: Fernhalten von Viren durch Bewegung. Ergebnis unserer Studie: durch großräumige Bewegungen beider Arme lässt sich die Viruslast im räumlichen Umfeld effektiv senken.

Wie sind sie bei Ihrer Studie vorgegangen, Prof. Scheucher?

Es war nicht einfach eine ausreichende Zahl von Probanden für unsere Untersuchungsgruppen zu finden. Voraussetzung war ja die Bereitschaft sich in einer größeren Gruppe im Freien aufzuhalten, was bekanntermaßen nicht ungefährlich ist. Gruppe 1 verharrte atmend aber bewegungslos in ihrem Areal, etwa 10 x 10 Meter groß, unter Wahrung des vom RKI empfohlenen Mindestabstands. Gruppe 2 wedelte im Stand mit den Händen etwa in der Art des Insektenscheuchens, also weg vom Körper. Gruppe 3 scheuchte im Gehen. Gruppe 4 wedelte im Gehen und führte dabei die Hände vor Körper und Gesicht auswärts. In der Mitte der Areale wurde ständig die Viruslast überprüft – schon um die Gefährdung der Probanden zu verringern.

Welche Empfehlung können sie unseren Zuschauern auf Grund ihrer Forschungen geben, Prof. Scheucher?

Wir empfehlen im Außenbereich fortwährend im Gehen die Bewegung des Insektenscheuchens auszuführen. Bei dieser Bewegungsform war die gemessene Viruslast am geringsten, durchschnittlich 20 % niedriger als bei der bewegungslosen Kontrollgruppe. Spitzenwerte der Verringerung der Viruslast wurden mit maximal ausgreifender Bewegung erzielt. Dazu könnte auch beigetragen haben – wir wollen dem RKI im Grundsatz auf keinen Fall widersprechen – dass die ausgreifenden Bewegungen dazu beitragen, dass Abstände auch ohne Unterstützung durch das Halten von Schwimmnudeln automatisch gewahrt werden. Nicht zu unterschätzen ist bei dieser Form des bewegungsakzentuierten Abstandhaltens auch die Stärkung der Immunabwehr durch eine nicht alltägliche Form der Stimulierung des Blutkreiskreislaufs.

Danke, Prof. Scheucher, für ihren informativen Beitrag zum Thema Individuelle Minimierung der Viruslast.

Der Faktenchecker

Besonders interessierte Zuschauer finden eine ausführliche wissenschaftliche Begründung der Untersuchungen von Prof. Dr. Scheucher hier oder, falls vorhanden, in der örtlichen Bibliothek unter dem Titel „Anleitung zum Unglücklichsein“, Aut. Paul Watzlawick, ebd. S. 51 ff. im Abschnitt Die verscheuchten Elefanten.

„MINT ist bäh!“ und die Folgen

„Dass 47% der infizierten Kinder keine Symptome zeigten ist schön für sie, bedeutet aber im Umkehrschluss, dass 53 % Symptome hatten. Und 100 % von ihnen könnten das Virus verbreitet haben.“

Es ist in den Naturwissenschaften unüblich im Stil sprachlicher Interpretation das Fehlen eines Nachweises für einen Hinweis auf Unvollständigkeit oder die Richtigkeit des Gegenteils zu halten. Ein empirischer Beweis belegt das Vorhandene und Beobachtete, sonst nichts. Gerade in Zusammenhang mit einem Phänomen, das unserer Umwelt entspringt, die als natürliche bezeichnet wird, sollten sich Menschen vielleicht verstärkt um die Wissenschaften bemühen, die ihre Aufmerksamkeit auf solche Phänomen gerecht werdenrichten.
Wer eine Krankheit defininieren will, muss sich auf Symptome festlegen. Bisher ist das noch nicht geschehen. Es gibt Covid 19 noch gar nicht. Es ist laut WHO die Erkrankung Schweres akutes Atemwegssyndrom (= severe acute respiratory syndrome, SARS; ) Schnupfen, ein rauher Hals , Kopfschmerzen, leicht erhöhte Körpertemperatur und Beeinträchtigung des Geschmackssinns können die verschiedensten Ursachen haben und sind keine frühen Symptome einer gefährlichen, möglicherweise tödlich verlaufenden Atemwegserkrankung.
Im Land der Dichter und Denker pflegen Menschen häufig damit zu protzen, dass sie von Naturwissenschaften und Technik nichts verstehen. In D zeugt es von besonderer Bildung, wenn man nicht rechnen kann, geeignete Messinstrumente nicht auswahlen und sachgerecht benutzen kann. Man muss auch nicht wissen, wie ein Diesel im Unterschied zum Benziner funktioniert. Wer all dieses nicht weiß, beschäftigt sich mit dem Höheren, mit dem Wahren, Schönen und Guten und beweist jeden Tag, dass er den Appell „Edel sei der Mensch, hilfreich uns gut“ zutiefst verinnerlicht hat und bemüht ist, ihm von 0-24 Uhr zu folgen. Deshalb bezieht sich unser Bildungssystem auf Wilhelm von Humboldt und sein kleiner Bruder Alexander, seines Zeichens preußischer Oberbergrat u. a. im Fürstentum Bayreuth ist vergessen, wenn er nicht gerade einen runden Geburtstag hat.

Die Seuche
Ein positiver PCR-Test sagt – von wissenschaftlicher Erkenntnis ist man in Sachen Sars-CoV-2 und Covid 19 weit entfernt – nicht das Geringste darüber aus, ob jemand infiziert ist, d.h. tatsächlich im medizinischen Sinn eingedrungene Viren nicht wirksam bekämpfen kann, krank ist oder andere anstecken kann. Diese Tests sagen nichts darüber aus, ob vermehrungsfähige Viren vorhanden sind, die auf Zellen anderer Lebewesen überspringen können. Das hat selbst C. Drosten, einer der inzwischen zahlreichen Erfinder solcher Tests, bisher nicht behauptet.
Alles was ein PCR-Tests zeigen kann, die meisten der inzwischen zahlreichen verwendeten noch dazu ziemlich unzuverlässig, das ist, ob sich auf der Mund- oder Nasenschleimhaut in der Menge nicht genau bestimmbare molekulare Bruchstücke eines Wesens befinden, das ein Coronavirus sein könnte. Das ist der Wissensstand. Die molekulare Struktur von Erbmaterial und Hülle des als Sars-CoV-2 bezeichneten Coronavirus ist weder im Detail noch als Ganzheit bekannt. Wird wahrscheinlich auch nie erkannt werden, denn schon im nahenden Winter werden wir zahlreichen Mutationen begegnen. Bereits in Zusammenhang mit dem Ausbruch bei Tönnies/Gütersloh wurden mehrere in Teilen unterschiedliche Mutationen gefunden, die einzelnen Beschäftigten und manchen ihrer in räumlicher Nähe arbeitenden Kollegen zugeordnet werden konnten. Die PCR-Tests dazu zu verwenden, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen, halte ich für verbrecherisch.

Wozu berechtigen Angstgefühle?
Die bisherige Erfahrung und Forschung in Sachen Sars-CoV-2 seit Dezember 2019 ist in weiten Teilen widersprüchlich.
Hinreichend belegt sind folgende Aussagen:
1. dass eine signifikant höhere Letalität und eine daraus resultierende Übersterblichkeit in Deutschland nicht vorliegt
2. dass das existierende Gesundheitssystem sträflich unterfinanziert und personell nicht angemessen ausgestattet ist
3. dass viele Menschen (s.o.) nicht wissen, dass JEDE krankheitsbedingte massive Beeinträchtigung des Sauerstoff-Kohlenstoff-Austauschs über kurz oder lang zum Tod durch ein allgemeines Organversagen führen kann – ganz gleich ob sie durch ein medizinisches Gerät, Viren, Bakterien, Pilze oder Schadstoffe verursacht wurde.
Menschen verfallen angesichts des in allen Naturwissenschaften begrenzten Wissens und der damit verbundenen Unsicherheit gerne zurück in das Glauben, eine weithin akzeptierte und übliche menschliche Methode der Angstbewältigung. Ob man jetzt dem lieben Gott oder seiner weltlichen Repräsentantin Sant´ Angela, mehr Vertrauen schenkt, ist in der Sache unerheblich. Auch dann, wenn es um Viren geht.
Es steht jedem Menschen frei, Angst vor allem möglichen zu haben: vor Spinnen, Abgründen, Mäusen, engen Räumen und weiten Plätzen und dem Wald – natürlich auch vor etwas, das man mit bloßem Auge nicht sehen kann. Mir ist bisher aber nicht aufgefallen, dass die Liebhaber einer aktuellen Architektur mit verglasten Außenaufzügen über 10 Stockwerke auf das mulmige Gefühl der Menschen Rücksicht nehmen, die dann lieber die Treppe nehmen. Dieses Phänomen gilt zudem als Angststörung und nicht als berechtigte Sorge um die eigene Gesundheit, obwohl Angstzustände in Herzrhythmusstörungen münden können. Warum man eine Angststörung angesichts eines möglichen Virusbefalls für normal hält, weiß ich nicht. Die Unterscheidung gesund/krank und die ihr zugrunde gelegten Kriterien stellen auch ein individuelles und ein gesellschaftliches, nicht allein ein naturwissenschaftliches Problem dar.
Glasverkleidete Außenaufzüge wären ohne größere gesellschaftliche und wirtschaftliche Folgeschäden zu verbieten und schon müssten Menschen mit Höhenangst nicht mehr die Treppe nehmen. Bei einem nicht erforschten Virus hingegen hält man es aktuell für angemessen, vorsichtshalber die Bewegungsfreiheit, Kommunikationsfähigkeit und die politische Freiheiten der gesamten Bevölkerung einzuschränken. Man sollte, das ist nachdrücklich zu fordern, politische Entscheidungen nicht allein auf das Urteil eines erlesenen Kreises von Virologen gründen.

Gewohnheitstier Mensch
Seltsamerweise löst dieRede von der „neuen Normalität“ nur sehr selten kritische Nachfragen aus. Es ist in aller Regel eine für Eltern äußerst erfreuliche, sogar befreiende Normalität, wenn sich Klein-Erna nächtens nicht mehr einnässt und gelernt hat den Darm zu kontrollieren.
Ob es die Gesundheit der Menschen fördert, wenn man sich nicht mehr spontan treffen kann, sondern auf den verabredeten Termin für die Live-Schalte angewiesen ist, seine Gegenüber nicht mehr real erlebt, sondern als Menschen mit mehr oder weniger großer Fähigkeit zur medialen Selbstdarstellung? Wenn man das Haus nur noch mit Tier verlassen darf?
Es ist nach meiner persönlichen Erfahrung keine Herausforderung, sich daran zu gewöhnen, dass nicht 20 von 52 möglichen Wochenenden als Demotermine verplant sind. Ob es für Menschen mit demokratischem Anspruch Sinn macht, sich daran zu gewöhnen, dass man nicht mehr auf die Straße darf? Halte ich persönlich doch eher für gefährlich.
Wenn wir uns daran gewöhnen, dass die Armen aus Gesundheitsgründen nicht mehr auf die Straße dürfen, haben wir verloren. Wenigstens das haben sie doch ab und zu in der Menschheitsgeschichte gegen die Obrigkeit geschafft. Manchmal mit und manchmal ohne Stecken oder Forke. Manchmal mit kleinen Erfolgen, verbunden mit beträchtlichen Opfern. Selbst in den dunklen Zeiten vor Erfindung der Menschenrechte und ohne Marx. Hinter diesen Stand zurückfallen? Wollen wir eine solche Normalität?

Wissenschaft? Expertise?

Man muss kein Virologe, Epidemiologe, Infektologe, oder sonst ein Loge sein, um Blödsinn zu erkennen. In aller Regel reicht ein Blick auf die Sprache, den Wortgebrauch. Im folgenden dazu ein Übungsbeispiel anhand eines Abschnitts aus dem täglichen Situationsbericht des RKI vom 29.10.2020. Ich empfehle einen ähnlichen Umgang mit allen Texten, deren Autoren oder Herausgeber einen wie auch immer gearteten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.

Textabschnitt:
“ Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit. Mit dieser Teilnehmeranzahl ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Basierend auf wissenschaftlichen Publikationen wurde die Corona Datenspende konzipiert, um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zuidentifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektieren. Sensoren in Fitnessarmbändern und Smartwatches liefern zahlreiche Daten, die eine Erkennung von Fieber ermöglichen. Ein zentraler Parameter ist der Ruhepuls, den die Geräte am Handgelenk messen. Aus mehreren Messungen wird ein mittlerer Tageswert für den Ruhepuls ermittelt. Ist dieser höher als gewöhnlich bei gleichzeitiger sinkenden Schrittanzahl, ist das ein sehr wahrscheinlicher Indikator für Fieber (https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(19)30222-5/fulltext ). Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt. In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt (https://corona-datenspende.de/science/monitor/ ). Vergleiche der Fieber-Detektionen mit den Infektionszahlen zeigen, dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnte (Abbildung 8; https://corona-datenspende.de/science/reports/improved-method/). Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch.“
Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-29-de.pdf?__blob=publicationFile.

Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit.530.000 um ihre Gesundheit besorgte Menschen haben in Deutschland Forschern erlaubt, auf ihre Daten zuzugreifen. Das sind etwa 6 Promille der Bevölkerung.
… ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Ist die Einzigartigkeit eines Vorhabens ein Qualitätskriterium, gar ein wissenschaftliches?
… um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zu identifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektierenIst es hinreichend und sinnvoll den Temperaturanstieg bei einer Erkrankung in statistischen Kurven zu erkennen (=detektieren)? Kann man Temperatur nicht mehr messen? Genügt dazu `ein sehr wahrscheinlicher Indikator´ ?
Noch dazu, wenn gleichzeitig Tausende von Menschen, die KEIN Fieber haben vom gleichen Institut zu Infizierten erklärt werden?
Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt.Ein typisches Symptom? Haben Menschen mit anderen Infektionen kein Fieber? Kann man nicht Fieber haben, ohne an einer Sars-CoV-2-Infektion zu leiden? Gibt es einen mathematisch eineindeutig genannten Zusammenhang zwischen einer `Schweren Erkrankung der Atemwege´ (= SARS = severe acute respiratory syndrome) und Fieber, oder kann Fieber auch andere Ursachen haben?
… dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnteDahinter steht folgende Behauptung: Wenn die Kurven nicht signifikanter Fallzahlen, festgestellt durch einen PCR-Test, die alljährliche herbstliche Zunahme grippaler Infekte oder des gemeinen Schnupfens und die Kurve des von Trackern vermuteten Anstiegs der Körpertemperatur übereinstimmen, ist das ein Beleg für eine Pandemie (= eine sich ausbreitende Erkrankung mit schweren gesundheitlichen Folgen für viele Menschen).
In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt.Inwiefern ist es von medizinischer Bedeutung für die Rettung von Patienten mit schweren Atemwegsinfektionen, dass man den Zusammenhang von Puls und Fieber dazu verwenden kann, inhaltsleere aber furchterregende interaktive Darstellungen zu veröffentlichen, die irgendetwas ähneln?
Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch. Welcher akademische Grad muss erworben werden, um eine Volksweisheit wissenschaftlich unterlegen zu dürfen: Im Winter gibt es mehr Erkältungen als im Sommer. Auch solche mit erhöhter Körpertemperatur oder Fieber.

Hurra! Endlich wurde mir klar, welcher Sinn sich hinter dem Ausdruck science fiction verbirgt: die Entfaltung menschlicher Kreativität mit dem Ziel nicht näher zu bestimmendes aber mögliches sprachlich zu fassen.

Manche Menschen wollen oder müssen sich vor Erkältungen schützen. Oft leiden sie schon über Jahre an schweren Erkrankungen. Sie gehen bei Regen, Schnee und Kälte mit hochgezogenem Schal, Mütze und Handschuhen in windstillen Teilen der Umgebung ihrer Wohnung ein paar Schritte spazieren. Sonst könnten sie das krankheitsbedingte dauernde Stubenhocken nicht ertragen. Beobachtet man ein solches Verhalten, ist zu befürchten, dass die Menschen – gleich welchen Alters – in naher Zukunft sterben. Ob mit oder ohne Covid 19 ist dabei nicht von Bedeutung.

Widerstand oder Apathie?

Um einen winzigen Stausee [max. Länge ca.1500 m] in meiner näheren Umgebung führt ein Weg zwischen Wald und Wasserfläche. Auf dem Rundweg quert man auf Bohlen auch eine Hochmoorfläche, die als Biotop kartiert ist. Zentrale Höhe der Gegend ist der Gipfel unseres Hausbergs Ochsenkopf mit 1024 m über Seehöhe. Rund um den Ochsenkopf liegen die Gemeinden Bischofsgrün, Warmensteinach und Fichtelberg. Die Lokalzeitung hat für diese Orte am vergangenen Wochenende über 3 positiv getestete Menschen berichtet, die zur aktuell vom RKI genannten 7-Tage- Inzidenz des Landkreises Bayreuth mit seinem kreisfreien zentralen Ort Bayreuth beitragen, insgesamt ca. 180 Personen.

  • Fichtelberg: 0
  • Warmensteinach: 3
  • Bischofsgrün: 0
    In zwei der 3 Gemeinden gibt es ein Seniorenheim. Zur Gemeinde Bischofsgrün in der ich wohne kann ich sagen: Es gab im Sommer 2020 4 positiv getestete Menschen, die entweder symptomfrei bleiben oder binnen kurzer Zeit den Infekt überwanden. Nur einer davon war kurzzeitig im Krankenhaus zur Beobachtung. Ich weiß also zuverlässig, dass keiner der Menschen, die seit März 2020 in meiner Wohnortgemeinde verstorben sind, ein positiv getesteter war. Seuche schaut anders aus.

Vor diesem Hintergrund wurde eine Maskenpflicht verfügt für den Rundweg um den Fichtelsee. Geneigte Leserinnen mögen auf Grundlage dieses Luftbildes beurteilen wie gefährdet Spaziergänger am Fichtelsee sein könnten, wenn sich in den genannten Dörfern derzeit 3 positiv getestete Mitbürger befinden, mit größter Wahrscheinlichkeit in häuslicher Quarantäne.


Dieses Gebiet hat eine Fläche von ca. 110 km². Auf dieser Fläche tummeln sich max. 6500 Eingeborene, ca. 60 pro Quadratkilometer . Ausreichend Abstand herstellbar? Es mag ja sein, dass zur Zeit zusätzlich einige Wohnmobile an Standplätzen dieses Raums zu finden sind. Sicher gibt es auch hie und da ein paar Städter in Ferienwohnungen oder am Wochenende Hundebesitzer aus Bayreuth, Hof, evt. auch aus Regensburg, Nürnberg oder Dresden. Noch gibt es einige Gasthöfe und Hotels, die etwa die Hälfte ihrer Betten belegen dürfen und eine Rehaklinik mit an die 200 Betten. Von bedrohlicher Nähe in möglichen Ballungen von Menschen kann also nirgendwo die Rede sein.
Seltsamerweise darf man also an einem Seeufer nur mit MNS spazieren gehen, nach wie vor dürfen aber alle Menschen, die noch eine Arbeit haben einen regen Austausch pflegen mit ihren Arbeitsorten – hauptsächlich sind das die gleichen Orte, deren Bewohner sich bei uns erholen wollen.

Die Jahreszeit für kleine Feste mit Nachbarn unter freiem Himmel ist vorbei. Spaziergänger in unserer Gegend schöpfen keine Kraft mehr aus einem schweifenden Blick über besonnte Höhen. Nicht die Einheimischen und auch nicht die Erholung suchenden Städter. Mit festem Schuhwerk laufen sie jetzt über fauliges, rutschiges Laub und schauen in den Hochnebel oder eine niedrig hängende Wolkendecke. Vor uns liegen voraussichtlich 120 solcher Tage. Vielleicht mit ein paar Tagen Unterbrechung bei einem scharfen Nordostwind, kalt und trotzdem sonnig. Es macht sich Apathie breit.

Bill Gates, der Herr über die Organisationen GAVI und CEPI hat vor kurzem in einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender NBC angedeutet, dass der politische Schwachsinn auf diesem Niveau noch bis zu 4 Jahre dauern könnte. Gemeinsam mit seinen Freunden aus den Reihen der 100 reichsten Menschen der Welt und willfährigen Wissenschaftlern arbeitet er im Weltwirtschaftsforum auf einen Großen Neustart hin [https://www.weforum.org/great-reset/ ] . Wollen wir angesichts politischer Willkür, die keinerlei medizinische oder epidemiologische Grundlage hat apathisch auf den von oben durchgesetzten Neustart warten, oder widerständiges Verhalten üben? Unsere Phantasie in der Entwicklung neuer Handlungsformen ist gefordert.


Vor einem Runden

Man kann sich seines Lebens freuen so lange es dauert, ohne sich ständig einreden zu müssen, es währe ewig oder nach mir kämen noch 300 Mio. Jahre Menschheit, für deren Zukunft ich Verantwortung trüge. Ich kenne diese Haltung, aus der Zeit der Schwangerschaft und der Kindheit meiner Tochter. Da gehört sie auch hin. Alles hat seine Zeit…
Z. B. hat ein Altersgenosse ein tolles Händchen dafür, Augenblicke in Bildern festzuhalten. Ich backe gerne und genieße jede Scheibe eines neuen Brotes, weil keines schmeckt wie das andere. Ich habe auch keine Veranlassung, meine Geschmacksnerven vor Riesling, Grauburgunder, Bacchus und Silvaner zu schützen, weil irgendwelche Organe nicht mehr mitspielen. Auch das finde ich toll. Mir ist es sogar gelungen – toi,toi,toi – meiner Trägheit ein Schnippchen zu schlagen und täglich ein gewisses Pensum zu gehen, weil ich seit meiner Kindheit das Radfahren nicht mag. Lieber 10 km zu Fuß als 3 mit dem Rad. Von mir aus kann das noch ein paar Jahre so gehen. Von einem Krieg würde ich mich dabei sehr ungern überraschen lassen. Deshalb kümmere ich mich da noch.
Warum das alles zustande kommt? Weil die Menschen wie die meisten anderen Viecher zu 99,9 % gleich sind – und damit sie sich gegenseitig nicht langweilen, unterscheiden sie sich in 0,1 %. Solange man die anderen nicht für minderwertigere Exemplare hält als sich selbst, ist das in Ordnung.

Glaskugel oder Kaffeesatz? – Sie haben die Wahl.

Bildquelle: Image by Else Siegel from Pixabay

Während die Ankündigung von zweiten, dritten und vierten Wellen oder weiteren Pandemien demnächst in diesem Theater als wissenschaftliche Expertise gilt, gebe ich den spekulativen Charakter meiner begründeten Prognose im Vorfeld zu.
Diese und die nächsten Pandemien werden erst dann beendet sein, wenn …
  • der letzte Indigene in Bayern, Burkina Faso oder auf Bali gestorben ist – entweder am Impfen oder an der Beatmung
  • alle Friseurläden zu Ketten gehören, deren Beschäftigte pro Haarschnitt 1,50 € erhalten, von denen 1 € Stuhlmiete abgezogen wird
  • wir alle bei amazon bestellen, weil es keine anderen Händler mehr gibt
  • die Nahrungserzeugung vollautomatisiert Kekse bereitstellt in unterschiedlichen Farben, Gewichten, Kaloriengehalten
  • alle Flächen kultivierbaren Landes Konzernen gehören, einschließlich meines Gärtchens
  • Elon Musk als gegenwärtig noch vergleichsweise junger Influencer die Welt vom Mars aus regiert
  • jeder der erlaubnislos die Straße betritt, sich verdächtig macht
  • die Leser sich in die Wälder zurückgezogen haben
  • beständig Ordnungskräfte patrouillieren, um jegliche Unbotmäßigkeit im Keim zu ersticken
  • alte und/oder kranke Mitmenschen geschützt in 5000-Betten-Häusern mit Einzelzellen verwahrt werden, damit sie die empfindsamen Seelen ihrer Mitmenschen nicht beschädigen
  • Nachkommen nicht mehr von vorfreudigen Eltern gehegt werden, sondern in Petrischalen aus beliebig zusammengestückelter, optimierter DNA gezüchtet
  • im Interesse der Geundheit die ganze Welt aufgeteilt ist in Überwachungszonen und die bösen natonalistischen Demokratien endgültig überwunden sind.

Ist es menschliche Art, die Dystopien schneller Realität werden zu lassen, als die Hoffnungen? Kennt mensch vielleicht den Unterschied zwischen beidem nicht? Weil ich es nicht weiß, werde ich mich weiterhin um friedliche und gerechte Zustände bemühen. Es ist weder absehbar, dass mein Bemühen erfolgreich sein wird, noch ob sich ein möglicher Erfolg nicht doch in sein Gegenteil verkehrt. Sisyphos lässt grüßen.

Gleichheit

Ein Versuch über links, rechts
und den feinen Unterschied zwischen
Ethik und Moral

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Der Anlass

Mit einer seuchenpräventiven Begründung hatte die zuständige Behörde des Berliner Senats eine Demonstration verboten [https://www.berlin.de/sen/inneres/presse/pressemitteilungen/2020/pressemitteilung.980587.php ] . Teil des gesellschaftlich-politischen Hintergrundes dürfte die Fortführung, Intensivierung der Einschränkungen des Debattenraumes sein.
Die durchaus umstrittenen und folgenreichen Maßnahmen auf Grundlage der Feststellung einer Pandemie am 25.03. haben die Bevölkerung gespalten. Mit einem Ausmaß an Intoleranz, das ich im Rahmen politischer Auseinandersetzung noch nicht erlebt habe, stehen verängstigte, Schutz fordernde Bürger denen gegenüber, die angesichts beträchtlicher Kollateralschäden die Verhältnismäßigkeit der Maßnahmen bestreiten. Dabei spielen Sachargumente kaum eine Rolle. Maßnahmekritikern wird in mehr oder weniger deutlichen Worten unterstellt, sie seien von einem grenzenlosen Egoismus getrieben, der das Schutzbedürfnis der Mitmenschen missachte und den Tod anderer Menschen billigend hinnehme. Maskenkritiker werden nicht selten sogar als potentielle Mörder hingestellt, Menschen, die aus niedrigen, egoistischen Beweggründen das Einhalten lebensrettender Regeln verweigern.
Losung ist dabei die Formel „Jeder Tote ist einer zuviel“, die einen moralischen Rigorismus respräsentiert, der in anderen Politikbereichen nach meiner Erinnerung noch nie eine Rolle gespielt hat oder spielt. Als Beispiele seien genannt: Beschränkung von Geschwindigkeiten im Straßenverkehr, Umgang mit gefährlichen Arbeitsstoffen und Qualitätskontrolle von Lebensmitteln. Selbstverständlich wird in diesen Bereichen abgewogen, in Beziehung gesetzt, relativiert. In aller Regel obsiegen die wirtschaftliche Interessen der Auto-Industrie, der Produktionsfirmen und Hersteller hoch verarbeiteter tierischer und pflanzlicher Lebensmittel.


Gleich und ungleich

Die Formel „Jeder Tote ist einer zuviel“ unterstellt eine in der Realität nicht vorhandene Gleichheit aller Menschen. Reale Ungleichheit ist nicht allein eine Folge von Rassismus, Sexismus oder Antisemitismus. Sie ist auch eine Folge tatsächlicher Ungleichheit von Menschen und vor allem eine Folge ererbter materieller Privilegien.
In weiten Teilen des früher kritischen, sozial denkenden und handelnden Bürgertums ist es Brauch geworden, sich mit der umfassenden Durchsetzung der Marktideologie zu arrangieren. Zu dieser gehört die Verlagerung der Verantwortung von Staat, Produzenten und Handel zum moralischen Konsumenten. Nicht Handelsketten und Produktionsfirmen sind verantwortliche Profiteure der grenzenlosen Ausbeutung der früheren Kolonialländer, sondern die amoralischen Konsumenten, denen ein Baumwoll-T-Shirt, ein Kotelett oder ein Apfel nicht billig genug sein kann. Nicht mehr die aus dem Eigentumsrecht abgeleitete Marktmacht der Konzerne wird als missbräuchlich kritisiert, sondern die Verantwortungslosigkeit, die amoralische Lust des Einzelnen am Konsum, die zentrale Grundlage der hochentwickelten kapitalistischen Produktionsweise ist. Eine Kritik an materieller Ungerechtigkeit und der mit ihr verbundenen, immer tiefer werdenden Kluft zwischen Arm und Reich kommt in dieser Welt nicht mehr vor.
Wer vom Eigentum nicht mehr spricht, kann getrost verzichten auf die seit 1789 gebräuchliche Unterscheidung zwischen links und rechts. Obwohl Eigentum und Besitzlosigkeit nicht verschwunden sind, wurden sie weitgehend der öffentlichen Aufmerksamkeit entzogen, verschleiert und vernebelt.

0,1 % vs. 99,9 % – Die Erste

Ein ansehnlicher, wenn nicht sogar der größte Teil der Menschen, die sich selbst als politisch und gesellschaftlich aktiv ansehen, klagt in Debatten nicht mehr das Gleichheitsprinzip ein, sondern faselt von Mitmenschlichkeit, Respekt, Einfühlungsvermögen, Gerechtigkeitsempfinden und ähnlichen Tugenden, die angeblich allen Menschen zu eigen seien – so als gäbe es unter ihnen keine Schweine und keine Adler, keine Schafe und keine Wölfe oder Menschen die das Leben dazu gemacht hat. Das Thema Vererbung oder Umwelt will ich hier beiseite lassen. Die appellative Wendung „Edel sei der Mensch, hilfreich und gut.“ wird in eine Zuschreibung für alle Menschen umgedeutet. Wer sind da, der Tradition des Calvinismus und der Puritaner folgend, natürlich in der Tat die besten Menschen? Die von Gott mit Reichtum gesegneten. Wer könnte uns besser hüten, führen, schützen als solche begnadeten Menschen, Charaktere die durchdrungen sind von allen Qualitäten, die ein guter Hirte braucht.
Weil die Digitalisierung alltägliche rechnerische Fähigkeiten nicht mehr erfordert, merkt der solcherart auf dumm getrimmte Mensch nicht mehr, dass es einen ganz kleinen Unterschied gibt, zwischen einem wohlhabenden, gut verdienendem Nachbarn mit Häuschen, Benz und 100.000 € Einkommen im Jahr und den arbeitslosen Einkommen der oberen 10 oder 100 der „Forbes“ liste der Milliardäre. Der zur Zeit reichste Deutsche, ein Winzling unter den Milliardären mit zur Zeit Platz 40, Dieter Schwarz [u. a. Kaufland und Lidl] dürfte bei rd. 100 Miliarden Dollar Umsatz und niedrig anzusetzenden Gewinnen im Einzelhandel von ca. 1 % über ein jährliches Einkommen von 1 Mrd. Dollar verfügen. Das durchschnittliche Gehalt eines Chefarztes an einer 800-Betten-Klinik Kommunal oder Privat) beträgt in Deutschland 330.000 Euro im Jahr. [ https://gehaltsreporter.de/gehaelter-von-a-bis-z/aerzte/Chefarzt/ ] Herr Schwarz hat also etwa das 2560-fache Jahreseinkommen eines deutschen Chefarztes. Das könnte schon für ein Bötchen dieser Art mit Personal reichen. Vielleicht nicht jedes Jahr ein neues, aber man gönnt sich ja sonst nichts.

Andere können z. B. nicht mehr `ahnen´, wieviele Kästen Bier man für 30 Gäste braucht, wenn bei letzten Fest 23 Leute 3 K. getrunken haben. Deshalb suchen sie sich einen Getränkemarkt, bei dem sie vorsichtshalber 10 Kästen holen und die übrigen, vollen zurückbringen können. Es ist völlig ausreichend, wenn der Lieferant rechnen kann.
Solchen Mitmenschen kann man auch problemlos erzählen, dass bei täglich 1500 neu Infizierten – Sprachgebrauch und Begriffe des Robert-Koch-Instituts seien hier nicht hinterfragt – unter 83.000.000 Menschen förmlich an jeder Ecke ein todbringendes Virus lauert. In der Folge natürlich auch, dass der heilbringende Impfstoffversorger ganz sicher von der von ihm selbst geführten Stiftung kein höheres Gehalt bezieht als der Bundesgeschäftsführer der Arbeiterwohlfahrt. Alles andere sind böswillige Unterstellungen von Menschen, die keine Philanthropen erkennen können, weil sie selber so amoralisch sind, dass sie beim Betreten des Supermarkts nicht einmal den Rollkragen übers Gesicht ziehen, oder zu geizig sind einen MNS zu kaufen. Moralisch minderwertiges Pack halt im Unterschied zum Stiftungsvorsitzenden. Dass es Menschen geben könnte, die eine Behinderung der Atmung sehr schwer verkraften, woher sollen das die Menschen wissen, die den im folgenden Absatz erläuterten Unterschied nicht kennen.

99,9 % vs 0,1 % – Die Zweite

In Rassismus-Debatten wird mir immer wieder eine tatsächlich wissenschaftlich nicht bezweifelbare Aussage entgegengeschleudert, als sei ich zu uninformiert, zu dumm, zu rassistisch sie zur Kenntnis zu nehmen. Dieses Verhalten hängt auch ein bisschen mit dem Abschnitt 0,1% vs 99,9 % zusammen. Mathematisch wenig versierte Menschen, das sind nicht wenige, können sich nicht vorstellen, dass 0,1 % mehr oder weniger Salz z. B. in einer Großbäckerei darüber entscheiden können, ob die Käufer das Brot als wohlschmeckend, als salzig oder sogar als versalzen empfinden. Wenn man die Sache nicht kennt, um die es geht und nicht weiß worauf sich die Angabe bezieht, weiß man nicht, was ein kleiner Unterschied bedeutet, bedeuten kann. Menschen sind als Gattungswesen alle gleich. Aber sie unterscheiden sich eben auch. Dieses lächerliche Zehntel eines Prozents kann im realen Leben zu großen Unterschieden führen.
Es entscheidet darüber ob, der Mensch wahrscheinlich (nicht sicher!) zu den zeugungsfähigen gehört oder zu den gebärfähigen.
Es entscheidet darüber ob der kleine Mensch eher 3 Jahre brauchen wird, um zu lernen sich selbstständig anzuziehen, oder möglicherweise 6 Jahre oder noch länger.
Es entscheidet mit darüber, ob Blondie über Jahre hinweg als Dooferle verlacht wird oder ständig versucht wird sie zu begrapschen, weil sie als besonders sexy gilt. Für beide Fälle wird sie sich geeignete soziale und kommunikative Strategien überlegen müssen. Ich kenne jemanden, die sich in jungen Jahren hat die Haare färben lassen, weil es für sie der einfachste Weg war, der damaligen Herrschaft der Blondinenwitze zu entkommen.
0,1 Prozent des Genmaterials entscheiden mit darüber, ob man evt. sein ganzes Leben lang glaubt, sich dafür entschuldigen zu müssen, dass man nicht singen könne, nicht zeichnen oder nicht schnell laufen. Mittlerweile lebt ein ganzer Berufsstand davon, jährlich neue Schwächen auf den Markt zu bringen, die einer besonderen Therapie bedürfen, weil man nicht damit leben will, dass Menschen selten für alle Tätigkeiten die bestmöglichen Voraussetzungen mit auf die Welt bringen. Seit der Begriff des Humankapitals erfunden und weit gestreut wurde, ist ein immenser Markt an Dienstleistungen entstanden, die jedem Individuum helfen, sich und sein Handeln zu optimieren: Coaches, die einem beibringen, wie man aufräumt; Fitness-Trainer, die ins Haus kommen und einen in die richtige Form bringen; Mediatoren, die einem helfen Streitigkeiten unter Berücksichtigung der Interessen aller Beteiligten beizulegen. Wer das alles nicht bezahlen kann muss halt ein Underdog bleiben – einer mit einer unaufgeräumten Wohnung, einer mit Bauch, einer der seine Beziehungen nicht auf die Reihe bekommt oder lernen muss sich zu fügen.
Manch einer erbt die Veranlagung zu einer Krankheit, und muss sein Leben lang besonders auf sich achten.
Alle diese kleinen und kleinsten genetischen Differenzen können mit darüber entscheiden, ob man ein langes, gesundes Leben in relativem Wohlstand führen kann, sich mit Gefährdungen, Unzulänglichkeiten plagen muss, vielleicht das ganze Leben auf Hilfe anderer angewiesen ist oder seine Existenz nicht aus eigener Kraft sichern kann. Für niemanden sind dabei die Vorurteile der Mitmenschen eine Hilfe. Ganz gleich ob sie sich auf Haut- und Haarfarbe beziehen, die körperliche, mentale oder psychische Eignung für eine bestimmte Tätigkeit oder Sportart, das ganze individuelle Wesen. Man wird die Vorurteile, die sich auf all diese Differenzen beziehen nicht abschaffen können. Sie sind das Ergebnis der menschlichen Fähigkeit, Erfahrungen im Umgang mit anderen Individuen zu verarbeiten. Jeder von uns, der einmal mit einem bestimmten Typ Mensch eine schlechte Erfahrung gemacht hat, muss gehörig Verstand aufbieten, um sich selbst daran zu hindern, alle der gleichen Sorte über einen Kamm zu scheren.
Ein ganz wichtiges Merkmal wird dabei allerdings so gut wie nie erwähnt, sondern systematisch ausgeblendet: erblicher Reichtum, eines der lebensprägenden Merkmale in denen sich real existierende Menschen seit etwa 10.000 Jahren auch unterscheiden können. Wer dieses vor relativ kurzer Zeit erworbene erbliche Merkmal zum Thema macht, wird als missgünstiger Neider von der Debatte unter Gleichen ausgeschlossen.

Gleichheit und Gleichbehandlung

Zunächst einmal ist es alles andere als leicht, sich darüber zu verständigen, was als gleich angesehen werden soll. Man braucht dazu in aller Regel ein Messwerkzeug, das die erforderliche Genauigkeit und Beschaffenheit hat, die als der Sache als angemessen erachtet wird. Die Schneiderin verwendet ein Maßband, der Bauhandwerker einen Zollstock und der Feinmechaniker eine Schieblehre. Diejenigen, die Messwerkzeuge verwenden, pflegen anzugeben, um wie viele Zentimeter, Millimeter, Zehntel- oder Hundertstel-Millimeter man vom gewünschten Maß abweichen darf, ohne dass der gemessene Gegenstand seinen Wert, seine Funktionsfähigkeit, die notwendige Passgenauigkeit einbüßt. In gewissem Umfang wird Fehlerhaftigkeit zugelassen. In den Fachsprachen nennt man das Toleranz. Geschrieben sieht das dann z. B. so aus: 60 cm +/- 0,2.
Mit welchen Instrument sollte man Menschen messen, die auf so vielerlei Arten ungleich sein können? Vor kurzem hat mir jemand verraten, dass alle Menschen gleichwertig seien. Ich fand das seltsam. `Wertig´ erinnert mich an die Expertise der Schätzer von Schmuck oder Antquitäten. Sind Menschen werthaltig? Immer? Immer gleich? Dann bedeuten abwertende und anerkennende Bezeichnungen von Menschen doch nichts. Beleidigungen wären aus der Welt und Anerkennung auch. Arbeitszeugnisse würden abgeschafft. Alle sind gleichwertig? Irgendwie riecht das für mich nach einem einheitlichen Verkaufspreis im Sklavenhandel.
Manche bestehen darauf, dass es gute und schlechte Menschen gebe. Mensch fühle das, ob ein anderer ein guter oder schlechter ist. Wahrscheinlich auch kein guter Maßstab. In kleiner Runde kamen wir vor kurzem darauf, wie unterschiedlich die Qualität eines bestimmten Menschen von anderen eingeschätzt wird. Zutreffend wäre wohl die Wendung „Was dem einen sin Uhl, ist dem andern sin Nachtigall.“ Erfassen wir für jeden durch Umfragen 100 Gütewerte und das arithmetische Mittel könnte man als empirisch begründete Angabe zur Qualität eines Menschen ansehen. Wirklich? Es heißt, dank digitaler Datenverarbeitung sei es in China möglich geworden in unterschiedlichen Situationen Plus- und Minuspunkte zu verteilen. Noch hält sich die Zahl zustimmender Äußerungen für eine solche Menschenbewertung in unserem Kulturkreis in sehr engen Grenzen.
Auf mein Berufsleben zurückschauend frage ich, warum es verwerflicher ist, Menschen wegen ihrer Hautfarbe zu unterdrücken, als sie unter Ausnutzung ihrer Dummheit grenzenlos auszubeuten. Ersteres wird in Anbetracht einer Jahrhunderte langen Geschichte der Ausbeutung zu Recht, nicht mehr geduldet. Ist die Missachtung der Dummen menschlicher? Wer definiert eigentlich, was als dumm zu gelten hat? Mit welchem Maß?
Ich lasse es damit sein. Menschen sind, genau wie andere lebende Wesen einer Art, in fast allem gleich und in vielem unterschiedlich. Die Frage ist, wie wir in Kenntnis dieser Tatsache miteinander umgehen. Welchen Gewohnheiten, Gepflogenheiten, Bräuchen, Sitten wir dabei folgen, aus welchen Gründen, mit welchem Ziel. Diese sind immer historischem Wandel unterworfen.

Das gleiche Maß

Die gegenwärtige Propagandasprache hat zur Abwehr der Argumente des Pöbels, die sich an der Erfahrung von der Notwendigkeit des gleichen Maßes orientieren, die Kennzeichnung „Whataboutism“ erfunden. Die Kennzeichnung eines Beitrags als „Whataboutism“ unterstellt, man vergleiche Äpfel mit Birnen. Nur politisch Ungebildete nähmen an, dass es den Toten ziemlich egal sei, woran sie gestorben sind. Deshalb zählt bei viral verursachten Todesfällen neuerdings jedes einzelne Leben – anders als im Straßenverkehr, bei gefährlicher Arbeit, in Kriegen oder durch Mangel an Nahrungsmitteln oder an Wasser. Nicht nur, dass jedes einzelne Leben zählt. Angesichts der naturbedingten Wahllosigkeit mit der eine weltumspannende Infektionskrankheit ihre Opfer trifft, sind sie – jedes für sich genommen – natürlich auch viel bedeutsamer als Kriegstote, Hungertote und Verkehrstote. Jeglicher Vergleich wird als unmoralische Relativierung von Menschenleben diffamiert. Das in Beziehung setzen von Beobachtungen wurde nämlich als zulässige Vernunfthandlung, die mit Argumenten angefochten werden kann, in Misskredit gebracht. Wer relativiert missachtet das Recht aller auf ein ewiges, gesundes Leben.
Eine Pandemie konfrontiert angeblich alle Menschen mit der für alle gleichen Wucht einer unberechenbaren, der Natur geschuldeten Rücksichtslosigkeit, für die keiner zur Verantwortung gezogen werden kann: kein Politiker, der Ausgabenkürzungen im Gesundheitswesen zu verantworten hat; kein privater Pflegeheimbetreiber, der seine zahlenden, nicht mehr entscheidungsfähigen betagten Kunden zwischen Krankenhaus, Reha und Pflege rotieren lässt, um Essenskosten einzusparen; kein Unternehmer, in dessen Betrieb die Mitarbeiter tagaus, tagein ungeschützt die lungengängigen Stoffe aus- und einatmen, die Vorschäden an Herz und Lunge verursachen, die dann bei einer Grippewelle das Leben kosten. Wer weiß, ob die nicht alle der Infektion hätten standhalten können, hätten sie nicht geraucht! Jeder ist seines Glückes Schmied.
So – genau so – macht man aus einem Regelverletzter einen potentiellen Massenmörder und spricht diejenigen von jeglicher Verantwortung frei, die tatsächlich in ihren gesellschaftlichen Funktionen Verantwortung tragen und daür in aller Regel fürstlich entlohnt werden.
Die Verweigerung des gleichen Maßes für den Wert jedweden Lebens findet ihren Niederschlag in Phrasen wie „Freiheit ist nicht alles, aber ohne Freiheit ist alles nichts.“ oder in den Floskeln der deutschen Kanzlerin zur Bereitschaft in Kriegen Werte zu verteidigen, die angeblich unsere sind. Tatsächlich gemeint sind aber die Börsenwerte der Unternehmen, die mit Hilfe unserer Steuergelder vor den Pandemiefolgen gerettet werden müssen, weil der Erreger doch uns alle gleich trifft: Börsenwerte und Menschenleben. Die umfassende Verweigerung gleichen Maßes findet ihren Ausdruck auch in der Tatsache, dass gegenwärtig viele Menschen auf medizinische Versorgung warten, warten müssen, die nicht die richtige Krankheit haben, für die Betten freigehalten werden. Evt. sogar so lange, bis jede Hilfe zu spät kommt, angeblich, weil jedes Leben gleich ist – gleichwertig – und Gesundheit keine Frage persönlichen Glücks mehr sein darf. Behauptet und durchgesetzt wird das von Menschen, die Millionenbeiträge für gemeinnützige, öffentliche Kassen mobilisieren, indem sie wöchentlich Lose mit einer Gewinnchance von 1: 139.838.160 verkaufen und die Hoffnung der Leute missbrauchen, die es für möglich oder für wahrscheinlich halten, so viel Geld gewinnen zu können, dass sie nicht mehr arbeiten müssen.

Autonomie vs. gesellschaftlicher Rückhalt, Zusammenhalt

Es gibt im Tierreich zahlreiche unterschiedliche Möglichkeiten, mehrere Exemplare einer Gattung zu organisieren, aber in aller Regel nur eine artgerechte. Manche Tierarten leben in Rudeln (Wölfe, Hyänen) manche in Staaten (viele Arten von Insekten), wieder andere in Herden (Giraffen, Rinder). Für manche ist ein Paar mit Nachwuchs über einen Sommer die übliche Form von Gemeinschaft, evt. verbunden mit einem abgesprochenen winterlichen Umzug aller Exemplare in wärmere Gefilde (Störche).
Vermutlich haben wir es der Entwicklung des Großhirns im Lauf der Evolution zu verdanken, dass Menschen lernten, über die Art ihres gesellschaftlichen Zusammenlebens zu entscheiden, entscheiden zu wollen, sich Regeln zu geben und Führungspersonen gemeinsam zu bestimmen. Dabei spielen und spielten die gegebenen Umweltbedingungen und die Möglichkeit der Menschen eine gewichtige Rolle, diese Bedingungen maßgeblich zu beeinflussen. Je mehr Nahrungsmittel erzeugt werden konnten, desto mehr Freiheitsräume konnte es für den Einzelnen geben, auch für die Entfaltung dessen, was wir als Kultur bezeichnen. Gegenwärtig werden viele Fragen zu den Beziehungen zwischen Einzelnen, Gesellschaft und realen Existenzbedingungen neu oder erneut aufgeworfen und mit Bezug auf individuelle und gemeinsame historische Erfahrungen neu formuliert. Die Zahl der Menschen scheint zu wachsen, die diese Neuformulierung als zwingend notwendig erachtet, weil sonst das Überleben der Gattung eventuell nur unter hohen Verlusten an Menschenleben gewährleistet werden kann.
Auch die Frage nach den notwendigen persönlichen Qualitäten von Führungspersonen wird neu gestellt und wie man diese am besten bestimmt. Die moderne, bürgerliche Demokratie hat die Legitimation von Herrschaft zum Problem gemacht. Es zeigt sich, dass individuelles Streben nach Macht, materiellem Besitz und ererbter Reichtum dabei nach wie vor eine wichtige Rolle spielen. Gegenwärtige entwickelte Gesellschaften haben deshalb unterschiedliche Formen des Zusammenlebens und staatlicher Organisation entwickelt. Manche wollen zwar grenzenloser Macht Schranken setzen, haben aber nichts gegen unbegrenztes Eigentum oder Einkommen und seine Vererbung. Manche würden unbegrenztes Anhäufen materieller Güter und Tauschmittel gerne begrenzen, nach Möglichkeit aber gewaltlos, wenn schon konfliktfrei nicht geht. Für andere sind selbst extremer Reichtum und uneingeschränkte Macht geradezu ein Nachweis überragender menschlicher, von Gott gesegneter Güte. Die angelegten Maßstäbe sind deshalb nicht gleich.
Jeder Abschnitt menschlicher Geschichte erfährt eine besondere Prägung durch die zu dieser Zeit geltenden Regeln, Übereinkünfte, gemeinsamen Ziele in Abhängigkeit von den Möglichkeiten durch menschliche Tätigkeit das Überleben aller zu sichern. Ein leicht schwankender Anteil der Individuen ist willens und in der Lage, das gemeinsame Leben mit zu gestalten. Viele wollen das gar nicht, sondern sind zufrieden und ausgeglichen, wenn es für ein auskömmliches Leben reicht und sie nicht ständig von anderen befehligt, geschurigelt werden. Andere sind herrschsüchtig und gierig. In der Folge gibt es Konflikte unter den Einzelnen, zwischen ihren Vergemeinschaftungen, Gesellschaften und zwischen den Einzelnen und den Gemeinschaften oder Gesellschaften in die sie eingebunden sind. Diese Konflikte friedlich, ohne Schaden an Leib und Leben auf dem Verhandlungsweg oder über Abstimmungen zu lösen, könnte Mensch in den Zehntausenden von Jahren seiner Gattungsexistenz gelernt haben. Könnte. Er hat es nachweislich nicht gelernt.
Ein zufälliger Fehler der Evolution hat ihn das Stammhirn behalten lassen, obwohl er doch mit dem neuen, dem besseren, dem vernünftigen, dem Großhirn hätte zurechtkommen können. Dieses bedauerliche Ergebnis menschlicher Evolution betrifft alle Menschen gleichermaßen. Auch die Gewählten, auch die Reichen, einfach wirklich alle.
Vielleicht würde die Menschheit sich heute in einer besseren Lage befinden, wäre in der Evolution das Stammhirn im gleichen Maß geschrumpft wie der Blinddarm. Die große Mehrheit der Menschen, die weder macht- noch besitzgierig sind, sondern einfach ohne größere, nicht mehr zu bewältigende Probleme leben wollen, hat keine Macht, weder der Einzelne noch – wie sich zeigt – die Organisationen, die sich die vielen Einzelnen geschaffen haben wie Gewerkschaften, Innungen, Handelskammern usw. . Mitbestimmungsplätze in Gremien per Los zu verteilen, wäre vielleicht ein ein Beitrag zur Lösung des politischen Gleichheitsproblems.

Die neue Normalität

In Zusammenhang mit der gegenwärtig beobachtbaren oder nicht beobachtbaren, realen, ideologisch und/oder wirtschaftlich hervorgebrachten weltweiten Seuche, wird seit einigen Monaten von einer neuen Normalität gesprochen. Man kann die regierungsamtlich verfügte neue Normalität als zwingend nötig erachten – vorausgesetzt man hält die allseits kolportierte angestrebte Unsterblichkeit für realisierbar. „Jeder Tote ist einer zuviel“ ist die moralische Maxime der neuen Normalität. Zu dumm, dass die Verfechter dieses Maximalismus der Menschlichkeit gegen das Verhungernlassen und das Krepieren im Krieg selten etwas einzuwenden haben. Was lebendig ist stirbt. Was nicht lebendig ist, stirbt nicht. Ausgerechnet diese abscheulichen Wesen am Rand der Legalität, zwischen belebter und und unbelebter Natur, die Viren, sollen jetzt jegliche Maßnahme rechtfertigen, die angeblich vor dem Tode bewahrt? Es wird in diesem Zusammenhang nur sehr selten darauf hingewiesen, dass es eine Lüge ist, dass das Virus alle gleich träfe. Es macht einen großen, realen Unterschied ob man auf einer Yacht im Pazifik abwarten kann, bis das Virus verschwunden ist – sterben kann es ja nicht, weil es nicht lebt – oder als Bewohner einer Favela in Rio kein sauberes Trinkwasser hat, erst recht kein Spülklo mit geordneter Entsorgung und keinen Wasserhahn um sich mehrmals täglich für die Dauer des Liedes „Happy Birthday to You“ (alle Strophen!) die Hände zu waschen. Man hört aber nicht auf, die alte Erzählung zu bemühen, Seuchen träfen alle gleich. Ist es nicht sehr verräterisch, wenn Herrschende, Regierende, Reiche und Superreiche uns vorgaukeln, jedes Leben zähle gleich?
Jedes Leben ist gleich? Sie werden in der sozialen Wirklichkeit extrem ungleich behandelt: Der eine kann sich hinter seine vier Wände mit Küche, Bad, WC zurückziehen, die andere kann sich weder regelmäßig die Hände waschen, noch Abstand halten. Ausgerechnet der amtlich verordnete Mundschutz macht alle gleich, schützt Alte und Junge, Reiche und Arme gleichermaßen? Was alle wirklich gleich machen könnte – genug zu essen und ein wärmendes, persönliches Rückzugsgebiet ohne erzwungene Nähe, man nennt es auch menschenwürdiges Wohnen, ist sicher kein Anliegen der Regierenden oder der Herrschenden. Ein MNS im Gesicht aller Zweibeiner wird die Gleichheit im Leben und im Tod nicht herstellen. Heute wurde mir zum ersten Mal in meinem Leben die Aussage entgegengeschleudert: Wer nicht bereit ist, mit Hilfe eines MNS alle gleichermaßen gesichtslos zu machen, der ist ein Nazi. Kann es sein, dass ich bisher Gleichschritt, Fügsamkeit, Einordnung völlig falsch verstanden habe? Die neue individuelle Unter- oder Einordnung: Wir alle… ernähren uns gesund, achten auf unser Gewicht, tragen Lappen im Gesicht und schützen andere. Ist das wirklich die neue, die normale, die normierende Regel, die aus allen Menschen gleiche macht?

Handlungsperspektiven zwischen Resignation und Hoffnung

Es hat den Anschein, dass manche sich links nennende Menschen eine beliebte und weit verbreitete Aussage falsch verstanden haben: “ Jeder nach seinen Fähigkeiten. Jedem nach seinen Bedürfnissen.“ Gleichheit ließe sich sehr einfach herstellen, so lange man dabei nicht der Vorstellung erliegt, alle würden dabei gleichermaßen unsterblich. So manche vorgestellte, erhoffte Gleichheit ist keine Hoffnung, sondern eine Drohung. „Willst du nicht mein Bruder sein, so schlag ich dir den Schädel ein.“ Dies wird im gegenwärtigen Fall einer viralen Bedrohung offensichtlich.
Könnten wir nicht nach Jahrtausenden Menscheitsgeschichte endlich zu der Einsicht kommen, dass satte Menschen, die im Winter im Warmen sitzen und genug Stoffe haben, die ihnen gelegentliche Weltfluchten ermöglichen – ersatzweise Drehen bis zur Trance in der Manier der Derwische – relativ friedlich wären? Respektvoll im Umgang mit ihren Nachbarn und allen, die anderen keine Grenzen aufzeigen können wie z. B. geistig oder körperlich eingeschränkten Menschen, zuwendungsbedürftigen Kindern oder hinfälligen, dementen Hochbetagten? Das alles ohne dass die menschlichen Exemplare jedes für sich „besser“ werden müssten. Dieses nämlich ist das Ziel der Moralprediger. Nicht ein ethisches Verhalten, das sich daran orientiert, ob man sich selbst noch im Spiegel sehen kann, wie es eine weit verbreitete Redewendung formuliert. Moral ist das, was andere als Regel ins Spiel bringen. Und so wie die Dinge liegen, sind die Herrschenden, die Arbeitgeber, die Prediger. Gelegentliche Entgleisungen mancher menschlicher Exemplare wird man nicht ausschalten können. Muss man sich deshalb an ihnen rächen, oder genügt das Herstellen von Sicherheit für die anderen?