Olle Kamellen?

Bild: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=335436

Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums und aller Kultur, und da allgemein nutzbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesellschaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesamte Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen.
[aus dem Gothaer Programm der SPD, 1875]

Ist dafür bedeutsam, mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird?  NEIN!
Wird  diese Forderung erfüllt, indem man an alle eine festzulegende Geldsumme ausschüttet, die mit dem Ergebnis der Arbeit, der gesellschaftlichen Wertschöpfung, nicht in Beziehung steht?  NEIN!
Wird diese Forderung erfüllt, indem man die erzwungene Freisetzung von der gesamtgesellschaftlichen Arbeit als Zuwachs an Autonomie interpretiert?  NEIN!
Ist die Forderung nach Luxus für alle – z. B. jedem sein SUV – vernünftig? NEIN!

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Erlösung durch technischen Fortschritt?

Beitragsbild: Johnny5_03.jpg -wikicommons / Roboterfigur aus dem Film „Nr. 5 lebt“

Utopismus vom Kopf auf die Füße gestellt

Seit wann sind eigentlich Art und Menge der in einer Gesellschaft verwendeten Werkzeuge Grundlage der POLITISCHEN Entscheidung, welches Ausmaß an sozialer Sicherheit und welchen Lebensstandard man welchen Menschengruppen zubilligt? Keine der technischen Entwicklungen seit der Entstehung des Ackerbaus hat die Tatsache aus der Welt geschafft, dass – mit wechselnden Anteilen – die einen sich zu Tode schuften und andere frei von Hunger „Kultur“ bilden, bestehend aus Heiligen Schriften, Grabmälern, religiöser Kunst und Palästen, deren Reste wir heute noch bewundern.
Mir fällt kein Grund ein, warum sich das unter den Bedingungen der Industrie 4.0 ändern sollte, wenn wir Menschen es nicht ändern.

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Eine notwendige Klarstellung

In den Ländern, die sich entwickelt, frei oder westlich nennen, scheint die Erinnerung an die beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts verblasst zu sein. Hauptsächlich wohl, weil es in den Jahren seit 1945 gelungen ist, unter  Kriegen  nahezu ausschließlich diejenigen leiden zu lassen, die ohnehin entwicklungstechnisch, rassisch, völkisch und religiös gesehen zu den Überflüssigen gezählt werden.
Kriege sind weder Boxkämpfe noch Schlägereien. Es gewinnt niemand, sondern sie laufen erst aus, wenn den Beteiligten das menschliche und/oder das mineralische Material ausgeht. Es hat sich eingebürgert die zur Zeit des Auslaufens dieser Vorräte Regierenden als Friedensstifter anzusehen und mit Nobelpreisen zu ehren, auch wenn sie es selbst waren, die den Krieg vom Zaun gebrochen hatten.
Der gegenwärtig ins Auge gefasste nächste Krieg wird möglicherweise die aktuell größten Kriegstreiber, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, weitgehend glimpflich davonkommen lassen. Deren Hoffnung, sie könnten aus diesem von ihnen herbeigeredeten Krieg als Sieger hervorgehen, beruht allerdings auf der völlig absurden Vorstellung, dass sich die über die Erde verteilten Kampfstoffreste jeglicher Art nach dem Krieg  rückstandsfrei auflösen, ohne vorher von Menschen verstoffwechselt zu werden.

Ich bitte alle, die dieses lesen, um weitere Verbreitung. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass der ein oder andere ins Grübeln verfällt, der die althergebrachte – dennoch falsche – Annahme teilt, Kriege würden geführt um uns vor Übeln zu bewahren.

 

Faschismus gleich Rassismus?

Bildquelle: https://www.uni-bielefeld.de/ikg/Handout_Fassung_Montag_1212.pdf

Ein Versuch zu den politischen Wirkungen von Abgrenzung, Ausgrenzung und Missachtung

Herrschaft
Herrschaftsfreie Gesellschaften hat es bisher noch nicht gegeben. Ob sie real möglich sind, weiß man nicht, denn auch eine Gesellschaft, in der tatsächlich alle gleichberechtigt in allen nötigen Sachfragen gemeinsam entscheiden wird wahrscheinlich ohne Über- und Unterordnung nicht auskommen. Auch dann wird es wahrscheinlich übergeordnete Interessen und übergeordnete Machtausübung geben, die von unteren Entscheidungsebenen als Herrschaft wahrgenommen wird.
Nach wie vor leben wir in Gesellschaften, in denen die Besitzenden maßgeblich Macht ausüben, in denen ein idealtypisch herrschaftsfreier Diskurs nur sehr eingeschränkt möglich ist.

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Bahnfahren

Nach dem Krieg wurden von der Anti-Hitler Koalition  zwei deutsche Züge auf die Gleise gestellt.
Seit 1982 fährt einer konsequent rechts, beschleunigt seit 1989/90. 1998 wurde das Ausweichgleis endgültig abgerissen und Richtungswechsel sind  nur  noch mit Hilfe einer Drehscheibe möglich. Eingleisig geht´s auch!
Überraschung! Im September 2017 hat das deutsche demokratische Bürgertum bemerkt, dass es nur noch ein Gleis gibt, und der Zug darauf in die falsche Richtung fährt.

„Oh Jammer, oh Not! Die dummen Prolls haben in ihrer Dumpfheit das Ausweichgleis abgerissen. und jetzt passt ihnen die Richtung nicht!  Sie fallen auf nationale und rassistische Argumente herein und weisen diese nicht mit der gebotenen moralischen Integrität und intellektuellen Souveränität zurück.  Sie gefährden „unsere“ Demokratie!“


 

Zu fragen wäre:

Ist die Schuldzuweisung begründet und berechtigt?

Wenn ja – wie könnten die Paarungen der nächsten Runde heißen?

       a) Gute Prolls und libertäre Bürger vs. Finanzkapital? [Die schlechten Prolls
       bleiben auf der Couch vorm Fernseher.]
b) Libertäre Bürger und Finanzkapital vs. alle Prolls? [Nicht völlig ausgeschlossen und könnte noch glimpflich ausgehen]
c) Gute Prolls vs. schlechte Prolls [Libertäre Bürger und
Finanzkapital sitzen auf der Tribüne und reiben sich die
Hände]
d) Gute und schlechte Prolls + Kleinbürger vs. Kapital [wird
als  „Querfront“ denunziert, mit dem Ziel  e) den Weg zu bereiten ]
e) Gute Prolls + soziale und libertäre Bürger + Finanzkapital
vs. schlechte Menschen [Das wäre der einstweilige Sieg eines neuen Faschismus]

„Liebe Linke! Welche Lösung hättet ihr denn gern?“ –
„Eine, wo wir sauber bleiben. Absolut sauber!“

Ich fürchte, das wird Euch nicht beschieden sein. Es könnte  ganz schön quietschen und so mancher wird sich beim Bremsen schmutzig machen.

Es geht. Ohne Glaubenskriege.

Kein einziges der in der Menschenrechtscharta gefassten Rechte ist mit dem Absolutheitsanspruch geltend zu machen, der von a-politischen und a-sozialen Fanatikern mit Brettern vorm Kopf und Scheuklappen geltend gemacht wird. Jedes dieser Rechte findet seine realen Beschränkungen
1. im gleichen Recht anderer
2. in konkurrierenden Rechten
3. im Grundsatz der Gleichbehandlung vor dem Gesetz.

Das Recht auf freie Religionsausübung ist eines der Felder auf dem der entwickelte, aufgeklärte, säkulare Europäer seine Werte-Überlegenheit gegenüber islamischen Dumpfbacken austobt. Der darin zum Ausdruck kommende Eurozentrismus und auffällige Mangel an Kenntnis der eigenen Gesellschaft erfasst auch viele Menschen, die sich selbst für »informiert und fortschrittlich« halten. Deshalb habe ich als Einstieg ein Beispiel gewählt, das nicht in die Kategorie »Migrant aus dem Mittelmeerraum trifft auf Mecklenburg-Vorpommern« gehört, sondern in die Kategorie »Alternative Familie mit Kindern aus der Großstadt trifft auf mittelfränkisches Kirchdorf«.

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Mystik

Kürzlich wurde Daniele Ganser, Historiker,  als „Verschwörungsmystiker“ bezeichnet. Die Leute haben vielleicht nicht ganz unrecht, obwohl ich ihnen nicht unterstelle, sie wüssten was „Mystiker“ sind.

Sowohl im Christentum als auch im Islam werden als Mystiker diejenigen bezeichnet, die behaupten, jeder Mensch habe einen Zugang zur (göttlichen) Wahrheit. Der Papst und manche Religionsgelehrte hingegen behaupten,  die Wahrheit brauche die Vermittlung durch Experten.

In unserer  säkularen Welt sollte man deshalb ganz besonders misstrauisch sein gegenüber denjenigen, die behaupten, die Wahrheit sei etwas, das Experten und dem qualifizierten Personal vorbehalten ist.