Verschwörungen

Lt. Duden ist eine Verschwörung die gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung). Als Synonyme werden genannt: Intrige, Komplott; (bildungssprachlich) Konspiration; (veraltend) Geheimbündelei; (veraltet) Konjuration

Mit diesen Begriffen verbunden ist die  Konnotation von einem Vorgehen im Geheimen, auf der Ebene persönlicher, nichtöffentlicher Kommunikation  mit einer beabsichtigten schädlichen Wirkung auf einen realen oder vorgestellten Gegner.

Als Verschwörungen in diesem Sinne  sind zu betrachten:

  • die Absprachen des Seeheimer Kreises in der SPD (Verschwörung gegen die Sozialdemokratie)
  • die Kartellabsprachen in der deutschen Betonindustrie (Verschwörung gegen private und öffentliche Bauherren)
  • die Vereinbarungen der deutschen Automobilindustrie zur Begrenzung der Größe von „Add Blue“-Tanks für Dieselfahrzeuge (Verschwörung gegen gutwillige Verbraucher)
  • die Bemühungen eines Mobbers/einer Mobberin Verbündete gegen einen missliebigen Kollegen zu mobilisieren (Verschwörung gegen einen Arbeitskollegen)
  • Verweigerung der Aufklärung zu behördlichem Vorgehen in klar definierten Zusammenhängen ( Gezielte Desinformation zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele)

Diese Liste ist  unvollständig.

Wie wir alle wissen, sind solche Praktiken allgemein üblich. Wer zu den Leidtragenden, den Benachteiligten solcher Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen, auf den Fluren und Toiletten gehört, hat meistens das Nachsehen, denn das Vorgehen ist in den seltensten Fällen ungesetzlich.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese im Alltag verankerten Praktiken  im Feld der Politik aus demokratierechtlichen Gründen unterbleiben. Im Gegenteil. Die Notwendigkeit sich Mehrheiten und Vorteile bei anstehenden Entscheidungen zu verschaffen, macht diese Art des Handelns im Rahmen der parlamentarischen Demokratie  erforderlich. Die parlamentarische Demokratie verzichtet nämlich nicht nur in Deutschland auf  unmittelbare inhaltliche Entscheidungen der Bürger  [ GG, Art. 20, Abs. 2 „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.]  Nur  bei Volksentscheiden würde es nötig, alle Menschen eines definierten Territoriums im Rahmen einer offenen und öffentlichen Debatte anzusprechen und inhaltlich zu überzeugen.  Wer  Volksentscheide nicht will,  verlangt  sogar Verschwörungen, denn Parteien, Organisationsvorstände, Fraktionen sind gehalten hinter verschlossenen Türen zu tagen, damit die jeweils anderen, konkurrierenden Organisationen nicht mitbekommen, worauf man hinauswill.  Sie müssen  für die Öffentlichkeit das Bild der Geschlossenheit erzeugen, denn „Zerstrittenen“ traut man kein zielgerichtetes Handeln zu.

Parlamentarische Demokratien sind deshalb zum Ausgleich dieser Praxis auf Menschen angewiesen, die Verdacht schöpfen, Verschwörungstheorien entfalten und akribisch nachforschen, wer sich da insgeheim mit wem zusammengetan hat, um etwas Bestimmtes zu erreichen.  Whistleblower, Verräter, Maulwürfe sind strukturell notwendig zu besetzende Rollen,  damit die Verschwörungen keinen Erfolg haben.

Zusammengefasst: Die real vorhandene parlamentarische Demokratie  verneint, was die menschlichen Individuen zur Zusammenarbeit befähigt: Vertrauen und Zutrauen. Sie erzeugt konkurrierende, missgünstige Kollektive, die gegenüber den Mitgliedern anderer Kollektive zu allen Schandtaten bereit sind.

 

 

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So bitte nicht, Herr Willms.

In den letzten Tagen habe ich mich eingehend mit einem langen Artikel von Thomas Willms auseinandergesetzt, der in „antifa“, dem Magazin der VVN-BdA Jan./Feb. 2016 erschienen ist. Diesen Artikel  finde ich ausgesprochen ärgerlich. Er ist vollständig nachzulesen im Webauftritt der  VVN-BdA .

„lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Der Autor ist anscheinend der festen Überzeugung, nur andere liefen Gefahr rechts und links zu verwechseln. Ganz bestimmt nicht er, ganz bestimmt nicht die VVN-BdA.

Meine persönliche Art mit ärgerlichen Texten umzugehen, ist sie Abschnitt für Abschnitt durchzugehen und mit meiner Sichtweise zu kontrastieren.

„Grundlage für das Denken der linken und rechten Vereinfacher ist die Fiktion, dass es einen unkompromittierten Satz »alternativen Wissens« geben müsse, der als reine Wahrheit der »Lügenpresse« entgegenzustellen sei. Statt kritischer Nachfrage und Quellenkritik wird unkritisches Nachbeten von Vorurteilen, Mythen, Ressentiments und Feindbildern eingeübt. Die werden jedoch nicht dadurch fortschrittlich, dass sie sich gegen die vorherrschende Meinung richten.“ schreibt Thomas Willms. An diesem, seinem Anspruch, wird er gemessen.

Weiterlesen: –>  Replik_Willms

Ergänzung: Auch anderen ist die merkwürdige neue Richtung der VVN-BdA nicht entgangen, z. B. der Neuen Rheinischen Zeitung