Sisyphos

 

Von Ronn – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5910345

Es macht mir keinen Spaß, wenn kritische Menschen immer nur die eigene Ohnmacht, Hilflosigkeit, Entmündigung… beklagen. „Und wenn morgen die Welt unterginge, würde ich heute ein Apfelbäumchen pflanzen“ (Luther zugeschrieben). „Wir müssen uns Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen“ (Albert Camus) oder auch „Das Prinzip Hoffnung“ (ca. 1600 Seiten von Ernst Bloch). Scheitern ist ein Hinweis darauf, dass es anders vielleicht besser geht. Es ist auf jeden Fall zielführender darüber nachzudenken, wie man auf einem anderen Weg zum Ziel kommt, als ständig darüber zu klagen, dass die Steine auf dem bisher genutzten zu groß sind.

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Bekommt Griechenland Geld?

„Warum die EZB Griechenland neues Geld gibt“ [ Süddeutsche Zeitung Online, 16. Juli 2015, 19:08 Uhr ] .

Schon im Ansatz falsch: Die EZB gibt nicht `Griechenland´ Geld. Sie erhöht um den EURO zu stabilisieren – also in eigenem Interesse – die Kreditlinie, damit durch noch höhere Kredite die Zins- und Tilgungsverpflichtungen aus bereits laufenden Krediten befriedigt werden können. Sie tut dies entgegen aller Vernunft, denn ihr ist aus Gutachten des Internationalen Währungsfonds bekannt, dass die Schuldentragfähigkeit des Landes Griechenland dank der ruinösen Austeritätspolitik von Tag zu Tag weiter sinkt. Sie tut dies nicht um Griechenland zu helfen, sondern damit die durchsetzungsfähige deutsche Regierung ihre seit Jahren verfolgte, den EU-Verträgen widersprechende und volkswirtschaftlich falsche Politik der Exportorientierung  aufrecht erhalten kann. Diese Politik jubeln fast alle Parteien der Bevölkerung als Beweis von `Wettbewerbsfähigkeit´ unter und die Kanzlerin unterstreicht mit  beruhigend vor dem Bauch zur Raute gefalteten Händen das tägliche Mantra:  „Uns geht´s gut.“
Dabei schafft genau diese Politik internationale wirtschaftliche Ungleichgewichte, Schuldenkrisen und eine immer schneller wachsende materielle Ungleichheit im eigenen Land. Weltweit wird diese Politik von fast allen Ökonomen zu Recht kritisiert.

Realität ist entgegen dem Mantra: Dank der auch im eigenen Land verfolgten Austeritätspolitik leiden die in Deutschland und für die Bevölkerung Deutschlands produzierenden Unternehmen unter dem Verfall der Infrastruktur, des Bildungswesens, dem zu schwachen Binnenmarkt und einer restriktiven Kreditpolitik. Die vielen kleinen Spareinlagen, auch der Sparkassen und Genossenschaftsbanken, werden genutzt, um das Casino am laufen zu halten. Da bleibt nichts übrig für den kleinen Kredit den Maurer, Bäcker oder Friseur dringend brauchen, um marode Maschinen oder Betriebseinrichtung zu erneuern. Dringend notwendige Investitionen des Staates, von Unternehmen und Verbrauchern unterbleiben oder werden auf die lange Bank geschoben.
Es geht nicht `Deutschland´ gut und seinen Bewohnern, sondern einigen, wenigen Konzernen, die so viel Gewinn erwirtschaften, dass sie im wahrsten Sinn des Wortes nicht mehr wissen, wohin mit dem Geld! Es vagabundiert durch die Welt und wird durch geheimnisvolle und unvorstellbar schnelle, automatische Umbuchungen mehr, ohne dass es deshalb den Menschen besser ginge. Entgegen überholten Vorstellungen wird dabei das Geld auch ohne Arbeit mehr.
Der Hunger, die Armut nehmen in Deutschland und auf der Welt trotzdem zu, nicht ab! Steuern zahlen und gute Löhne, damit Staaten und ihre Bürger nachhaltig vorsorgen können, wollen die globalen Hütchenspieler nicht. Die Bevölkerung in Deutschland können sie gegenwärtig noch mit minderwertigen billigen Lebensmitteln und Blusen von KIK ruhig stellen, Waren die man anderen Ländern und ihren Bewohnern abpresst. Deshalb können die Global Player ungehindert  alles tun, was ihren Profit ins Unermessliche steigen lässt: Menschen und Natur grenzenlos ausbeuten.

Um die hier skizzierte Realität wissen fast alle Menschen, die ich kenne.  Sie lassen sich von BLÖD-Zeitung und CDF diese Einsicht auch nicht nehmen. Sie kümmern sich einfach nicht mehr um Nachrichten, setzen sich mit einem Bierchen vor die Datsche – manche erst abends, manche den ganzen Tag – und beteiligen sich nicht mehr am Wahl-Spiel. Wenn sie demonstrieren oder wählen würden, würde sich ja auch nichts ändern.  Man soll die Menschen nicht für dümmer halten als sie sind. Wieviele Menschen kennen Sie, die entgegen der eigenen Erfahrung stets strebend sich bemühen? Herr Camus, niemand stellt sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vor! Der Satz ist ja auch eher als moralischer Imperativ formuliert: Wer etwas verändern will, muss sich Sisyphos als einen glücklichen Menschen vorstellen.