Sprach- und sonstige Normen

Nach `Leser/in´ und `Leser*.* innen´ habe ich kürzlich zum ersten Mal eine Schreibweise mit Doppelpunkt gelesen. Während der interviewende Tomasz Konicz in den Fragen seines Interviews sich alle Querdenker ohne *innen vorstellt, steht in den Antworten des Gewerkschafters Jörg Reichel – er muss die Schreibweise in der Freigabe für die Veröffentlichung irgendwie eingebracht haben – z. b. Akteur:innen, Protagonist:innen oder Polizist:innen. Vermutlich symbolisiert der Doppelpunkt die demonstrative Pause , wie sie von einer wachsenden Zahl von Sprecher:innen in FF – Bedeutung wahlweise feine Fleisch und Wurstwaren, Funk und Fernsehen, folgende und fiel fergnügen – gepflegt wird.

Es gibt, so habe ich gehört, Bestrebungen, das grammatikalische Geschlecht abzuschaffen, was natürlich für Zugewanderte eine enorme Erleichtung wäre. Es könnte aber auch sein, dass Deutsch als eine indigene Sprache zukünftig besonders geschützt werden muss, denn weltweit sprechen die meisten Menschen Mandarin, Hindi, Englisch oder Spanisch. 180 Millionen Menschen, ganze zwei Promille der Weltbevölkerung, sprechen Deutsch. Da könnte man schon einen besonderen Kulturschutz verlangen und zu Recht darauf beharren, dass die diversen Bewohner unseres Landes auch im Schlaf Deutsch sprechen. Abzuwarten ist die Expertise weltweit maßgeblicher Germanisten, ob das gegenwärtige Deutsch ( Sprachbeispiel “ Coffee to go!“) als schützenswert anerkannt werden soll oder das der vorvorletzten Jahrhundertwende.

Blüht uns demnächst die Verpflichtung, dem subjektiven Geschlechtsempfinden der Mitmenschen beim Sprechen durch ein tiefes Luftholen zwischen Stamm und weiblicher Endung Rechnung zu tragen? Wie schaut es aus, wenn im Text eine weibliche Leiter vorkommt? Wäre dann „Leit – einaaaatmen – er“ zur Normerfüllung ausreichend? Werden aus Leitern Leiterinnen? Klar muss sein: Wer schnauft, wann er will, macht sich rechtsgerichteter Subversion schuldig und muss leichtsinnig gesprochene Worte zurücknehmen.

Begriffen Inhalt geben

Ich bin das gedanken- und inhaltslose Gerede vom angeblich bedrohlich gewachsenen Rassismus leid.
Im Folgenden mein Versuch dem INHALT dieses Wortes näherzukommen. Glaubt mir: Es hat einen. Der ist nur verschwunden, weil das Wort zum zentralen Kampfbegriff gegen eine Rechte verkommen ist, die man nicht als bürgerliche wahrnehmen will. Man muss die etablierten rechten Parteien gegen ihre Konkurrenz von weiter rechts schützen. Dahinter steht zu meinem Leidwesen die Vorstellung von einer äußerst unvollkommenen, einer exkludierenden Demokratie, die eben NICHT alle an Entscheidungen beteiligt, sondern nur »die Richtigen«: die Gebildeten, die sich als besonders verantwortungsbewusst begreifenden, die Demokraten, die genauso solche Demokraten sind wie man selbst – auf keinen Fall solche, die materielle Verteilung einforden, gleiche Teilhabe und gleiche Entscheidungsmöglichkeiten. Wer so etwas auch nur gedanklich ins Auge fasst wird gnadenlos ausgeschlossen. Man muss sich schon genau überlegen, wem Gedankenfreiheit zukommt und wem nicht! Ich nehme dazu drei abstrakte Begriffe her, die im politischen Feld zur Zeit große Bedeutung haben. Militarismus, Sexismus, Rassismus. Diese Begriffe sind sprachlich und inhaltlich ähnlich konstruiert. Obwohl einer von ihnen in der öffentlichen Debatte verkleidet daherkommt: der Militarismus. Den will man angesichts der angeblich wieder wachsenden russischen Bedrohung partout NICHT in gleicher Weise an den Pranger stellen.

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Eine wichtige Frage

Forbes

Sreenshot von der heutigen Ausgabe der Forbes-Liste der reichsten Menschen der Welt

Faschismus ist die mit autoritären Mitteln durchgesetzte, rechtlich und moralisch nicht eingehegte Durchsetzung der Interessen des Kapitals,  die auf die Spitze getriebene Ausbeutung von Menschen durch Menschen.  Gewinnt er menschliche Züge,  wenn die Herrscher Bill Gates, Amancio Ortega, Carlos Slim Helu, Liliane Bettencourt, Wang Jianlin, Karl Albrecht, Mukesh Ambani … heißen, in fast allen Ländern der Welt beheimatet sind und ihren Ausbeutungsobjekten genderfreie Toiletten, eine Welt ohne Grenzen und Gotteshäuser jeglicher Art schenken?

Sexismus im Alltag (II)

Eine Randbemerkung hat mir vor kurzem gezeigt: Manche Männer können  nicht zwischen der Notwendigkeit des Einkaufens und der Freizeitgestaltung „Shoppen“ unterscheiden. Vielleicht eilen sie täglich von einem voll verpflegten Arbeitstermin zum nächsten. Vielleicht haben sie einen Arbeitsplatz mit Kaffee und Kantine. Sie brauchen dann zuhause  weder etwas zu beißen noch etwas zu trinken. Vielleicht verdienen sie auch so gut, dass sie im Bedarfsfall im Freizeitbereich problemlos und jederzeit auf Takeaways und Lieferservices zurückgreifen können. Die meisten Männer, die ich kenne, verlassen sich jedoch darauf, dass ihre Betreuerin regelmäßig einkauft. Zum Ausgleich dafür, dass die alltägliche Versorgung mit Brot und der Butter drauf reibungslos funktioniert, darf sie dann ab und zu mit den Freundinnen „shoppen“.

Sexismus im Alltag ( I )

Auch linke Männer äußern gelegentlich die Sorge, die Quotierung  brächte dumme Frauen an die Macht. In den seltensten Fällen machen sie sich bewusst, dass die meisten der  nachweislich dummen Menschen, die sie ohne jede Berechtigung jeden Tag regieren, beaufsichtigen, befehligen, anweisen, unterweisen, dirigieren, schikanieren, maßregeln —  Männer sind.