Wissenschaft? Expertise?

Man muss kein Virologe, Epidemiologe, Infektologe, oder sonst ein Loge sein, um Blödsinn zu erkennen. In aller Regel reicht ein Blick auf die Sprache, den Wortgebrauch. Im folgenden dazu ein Übungsbeispiel anhand eines Abschnitts aus dem täglichen Situationsbericht des RKI vom 29.10.2020. Ich empfehle einen ähnlichen Umgang mit allen Texten, deren Autoren oder Herausgeber einen wie auch immer gearteten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.

Textabschnitt:
“ Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit. Mit dieser Teilnehmeranzahl ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Basierend auf wissenschaftlichen Publikationen wurde die Corona Datenspende konzipiert, um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zuidentifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektieren. Sensoren in Fitnessarmbändern und Smartwatches liefern zahlreiche Daten, die eine Erkennung von Fieber ermöglichen. Ein zentraler Parameter ist der Ruhepuls, den die Geräte am Handgelenk messen. Aus mehreren Messungen wird ein mittlerer Tageswert für den Ruhepuls ermittelt. Ist dieser höher als gewöhnlich bei gleichzeitiger sinkenden Schrittanzahl, ist das ein sehr wahrscheinlicher Indikator für Fieber (https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(19)30222-5/fulltext ). Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt. In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt (https://corona-datenspende.de/science/monitor/ ). Vergleiche der Fieber-Detektionen mit den Infektionszahlen zeigen, dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnte (Abbildung 8; https://corona-datenspende.de/science/reports/improved-method/). Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch.“
Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-29-de.pdf?__blob=publicationFile.

Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit.530.000 um ihre Gesundheit besorgte Menschen haben in Deutschland Forschern erlaubt, auf ihre Daten zuzugreifen. Das sind etwa 6 Promille der Bevölkerung.
… ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Ist die Einzigartigkeit eines Vorhabens ein Qualitätskriterium, gar ein wissenschaftliches?
… um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zu identifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektierenIst es hinreichend und sinnvoll den Temperaturanstieg bei einer Erkrankung in statistischen Kurven zu erkennen (=detektieren)? Kann man Temperatur nicht mehr messen? Genügt dazu `ein sehr wahrscheinlicher Indikator´ ?
Noch dazu, wenn gleichzeitig Tausende von Menschen, die KEIN Fieber haben vom gleichen Institut zu Infizierten erklärt werden?
Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt.Ein typisches Symptom? Haben Menschen mit anderen Infektionen kein Fieber? Kann man nicht Fieber haben, ohne an einer Sars-CoV-2-Infektion zu leiden? Gibt es einen mathematisch eineindeutig genannten Zusammenhang zwischen einer `Schweren Erkrankung der Atemwege´ (= SARS = severe acute respiratory syndrome) und Fieber, oder kann Fieber auch andere Ursachen haben?
… dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnteDahinter steht folgende Behauptung: Wenn die Kurven nicht signifikanter Fallzahlen, festgestellt durch einen PCR-Test, die alljährliche herbstliche Zunahme grippaler Infekte oder des gemeinen Schnupfens und die Kurve des von Trackern vermuteten Anstiegs der Körpertemperatur übereinstimmen, ist das ein Beleg für eine Pandemie (= eine sich ausbreitende Erkrankung mit schweren gesundheitlichen Folgen für viele Menschen).
In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt.Inwiefern ist es von medizinischer Bedeutung für die Rettung von Patienten mit schweren Atemwegsinfektionen, dass man den Zusammenhang von Puls und Fieber dazu verwenden kann, inhaltsleere aber furchterregende interaktive Darstellungen zu veröffentlichen, die irgendetwas ähneln?
Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch. Welcher akademische Grad muss erworben werden, um eine Volksweisheit wissenschaftlich unterlegen zu dürfen: Im Winter gibt es mehr Erkältungen als im Sommer. Auch solche mit erhöhter Körpertemperatur oder Fieber.

Hurra! Endlich wurde mir klar, welcher Sinn sich hinter dem Ausdruck science fiction verbirgt: die Entfaltung menschlicher Kreativität mit dem Ziel nicht näher zu bestimmendes aber mögliches sprachlich zu fassen.

Manche Menschen wollen oder müssen sich vor Erkältungen schützen. Oft leiden sie schon über Jahre an schweren Erkrankungen. Sie gehen bei Regen, Schnee und Kälte mit hochgezogenem Schal, Mütze und Handschuhen in windstillen Teilen der Umgebung ihrer Wohnung ein paar Schritte spazieren. Sonst könnten sie das krankheitsbedingte dauernde Stubenhocken nicht ertragen. Beobachtet man ein solches Verhalten, ist zu befürchten, dass die Menschen – gleich welchen Alters – in naher Zukunft sterben. Ob mit oder ohne Covid 19 ist dabei nicht von Bedeutung.