Antirassismus gleich Antifaschismus?

Ein einzelner Herr bat um eine Erläuterung meiner Anmerkung vom Studiobalkon vom 19. Januar 2017 unter der Überschrift „Narrative“.

Dieser Bitte habe ich entsprochen. Das Ergebnis möchte ich hier der  Öffentlichkeit zugänglich machen.

Explizit sei hier ergänzend darauf hingewiesen, dass die gegenwärtige Ablehnung von Muslimen ebenfalls rassistische Züge trägt.

  • Menschen aus bestimmten Herkunftsländern wird grundsätzlich Zugehörigkeit zur muslimischen Religion unterstellt.
  • Deutschen  Muslimen, ihren Organisationen und Einrichtungen wird wegen „Terrorverdachts“ eine besondere Aufmerksamkeit von Polizeibehörden und Verfassungsschutz zuteil.
  • Religiöse Inhalte werden häufig unter der Perspektive kritisiert, dass alles, was in Jahrhunderte alten heiligen Büchern steht, das Handeln der Gäubigen bestimme. Dabei wird  verschwiegen,  dass nicht allein im Islam immer wieder davon die Rede ist, dass sich die Religionsgemeinschaft im Dienst an ihrem Gott fremde Länder mit Gewalt aneignet und die dort lebenden Menschen vernichtet. Die 5 Bücher Mose sind voll von Szenen gewaltsamer Durchsetzung des richtigen Glaubens und der Rechte der Israeliten. Auch die Stellung der Frau als gleichberechtigtes Wesen ist den drei abrahamitischen Religionen keineswegs eingeschrieben. Hinter angeblich aufgeklärter Religionskritik versteckt sich deshalb häufig schlichte religiöse Intoleranz.

zum Text

 

 

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Religiöse und andere Überzeugungen

Es gibt unter religiösen und kirchlich organisierten Menschen welche, an deren Fähigkeit zu vernünftiger Überlegung man zweifeln muss, sicher auch welche, die zu kriminellem Verhalten neigen oder zu Wahnvorstellungen.

Leider gilt der Umkehrschluss nicht. Unter Religions- und Kirchenkritikern ist der Anteil an Dummen, Krimininellen und Irren nicht geringer.  Damit ich auch von diesen gut verstanden werde: „Ein Kirchenaustritt nützt dir gar nichts, du Depp.“

Kritische Schlaglichter auf die `abendländische Wertegemeinschaft´

Mein Essay unter dem Titel „Schlaglichter“ argumentiert mit Bezug auf historische Entwicklungen gegen den aktuellen Versuch der gesellschaftlichen Rechten, durch die Konstruktion einer christlich dominierten abendländischen Wertegemeinschaft eine nach außen wie nach innen ideologisch gegen die Menschenrechte gerichtete Politik zu legitimieren.

Meine Sicht auf die `abendländische Wertegemeinschaft´, die in hohem Maß anlässlich der zahlreichen Kundgebungen gegen den islamistischen Terror beschworen wurde, ist beeinflusst von einer Betrachtung der „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“ wie sie Theodor Lessing in seinem Buch gleichen Titels [erschienen 1919] ausgeführt hat. In gegenwärtigen Worten ausgedrückt: Man kann Geschichte sehen als nachträgliche Deutung, Konstruktion, Strukturierung eigentlich chaotisch ablaufender Prozesse. Diese Deutung ist nie frei von den materiellen und politischen Interessen der jeweils in ihrer Zeit handelnden Menschen, die solche Deutungsmuster benutzen, um die jeweils anstehenden Probleme zu lösen, ihr eigenes Handeln `vor der Geschichte´ zu rechtfertigen oder zukunftsgerichtete Entscheidungen zu legitimieren. Eines der aktuell besonders wirksamen Deutungsmuster will ich hier kritisch betrachten: die Konstruktion eines rückständigen, inhumanen, mit der Durchsetzung des Islam verknüpften Orients im Gegensatz zu einem humanen, christlichen Okzident, der sich selbst gegenwärtig gerne darstellt als zumindest europäisch, oft auch ´atlantisch´  genannte Wertegemeinschaft der entwickelten Industrieländer Europas und Nordamerikas. Ich klammere Elemente der marxistischen Geschichtsphilosophie und die damit beschreibbaren  Zusammenhänge in der Entwicklung von Produktivkräften, Produktionsweisen und Produktionsverhältnissen aus und wende mich allein der Deutung von Geschichte und der Konstruktion geschichtlicher Mythen in Zusammenhang mit religiösen Orientierungen zu.

Meine These ist: Die gegenwärtige gesellschaftliche Rechte in Europa konstruiert mit Hilfe von Elementen aus dem Steinbruch der Geschichte einen Gegensatz zwischen dem als islamisch bestimmten Orient und einem christlichen Okzident, einen Gegensatz der wirtschaftliche, materielle Interessen der beteiligten Nationalstaaten verschleiert, um so eine aggressive Politik gegenüber dem Orient und dem europäischen Osten zu legitimieren. Folgenden Linien will ich dabei nachgehen: der Konstruktion quasi ewig währender, unveränderlicher religiös definierter Blöcke, der Konstruktion eines christlichen Abendlandes, das die südlichen und südöstlichen Anrainer des Mittelmeerraumes und auch Russland ausschließt, die Konstruktion des westlichen Kerneuropa als eines fortschrittlichen, an der Wohlfahrt aller orientierten einheitlichen Kulturkreises, der zu Recht die anderen dominiert.

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