Abwertung von (Langzeit)Arbeitslosen

Weil gegenwärtig so viel von Rassismus die Rede ist, wenn es gegen Rechts geht, und fast nie von der Abwertung des „arbeitsscheuen Gesindels“, den „Sozialschmarotzern“, dem massenweisen „Missbrauch des Sozialstaats“…  (siehe Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, IKG, Universität Bielefeld) habe ich mich auf meinen Festplatten auf die Suche gemacht. Ich habe ihn wieder gefunden, meinen Brief an Herrn Schröder aus dem Jahr 2001.

Brief_Schroe_2001_A

Brief_Schroe_Alo_2001_B

Dieser Brief ist vollständig. Er enthielt keine abschließende Grußformel, sondern zum Schluss nur meine Unterschrift. Vielleicht habe ich wegen dieser groben Unhöflichkeit nie eine Eingangsbestätigung des Vorzimmers erhalten – erst Recht keine Antwort.

Um der Illusion der „Kunden“ zu begegnen, es handle sich beim „Arbeitsamt“ um eine Behörde, deren Auftrag es sei, Arbeitslosen Arbeitsplätze zu vermitteln, wurde 2004 die Bundesanstalt für Arbeit umbenannt in Bundesagentur für Arbeit. Wer Schriftsteller, Schauspieler, Musiker o. ä. kennt, weiß was ein „Agent“ ist: Eine, die man mehrmals wöchentlich anrufen muss, um nachzufragen, ob schon jemand nachgefragt hat.

 

 

„Rinks und lechts“

Bildquelle: Levin Holtkamp (Eigenes Werk) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)%5D, via Wikimedia Commons

Mit Jandl gesprochen sind „rinks und lechts“ unverwechselbar und gleichzeitig leicht zu verwechseln. Diese Begrifflichkeit scheint aktuell immer  unschärfer, diffuser, unklarer zu werden. Eine linke politische Alternative verblasst. Es gibt kaum eine Möglichkeit sich zielgerichtet als Unterstützerin eines Richtungswechsels zu engagieren. Gleichzeitig  wächst Dank Internet die Zahl der sich als „links“ verstehenden Blogs, Portale, Gruppen, Parteien, Initiativen… ins Unermessliche.  Ein Wort eint sie zur Zeit alle:  Rechtsruck. Wie weit trägt diese Einigkeit? Nützt die im öffentlichen Diskurs zunehmende Unschärfe des Widerspruchs zwischen Kapital und Arbeit  den Benachteiligten, den Besitzlosen, den Rechtlosen?

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