Rechter Osten?

Beitragsbild: By Bastian Schumacher – Own work, CC BY-SA 4.0, über https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=61901149

Es ist unter Menschen mit linkem Anspruch zwischen Rhein und Oder üblich geworden, sogenanntes rechtes Denken vor allem »im Osten« zu verorten. Manche sozialwissenschaftlichen Erklärungsbemühungen basieren auf Prämissen, die dazu führen müssen,  aggressive Ausbrüche in ostdeutschen Städten als Folgen einer ostdeutschen, nach dem 2. Weltkrieg angeblich ungebrochenen totalitären Tradition anzusehen. Ganz schnell wird daraus eine Totalitarismustheorie gestrickt, die links und rechts gleichsetzt und sich inhaltlich auf eines sicher nicht beziehen kann: den europäischen Antifaschismus, der den Mitte der 20er Jahre in Europa heraufziehenden Faschismus, die radikale, autoritäre, menschenfeindliche Umsetzung der sich entwickelnden neoliberalen Wirtschaftsideologie nach Kräften bekämpfte. [siehe 1] Die andere falsche Fährte in der Auseinandersetzung mit der Rechten ist deshalb die simplifizierende Gleichsetzung von Faschismus mit Nationalismus und Rassismus ohne Berücksichtigung treibender ökonomischer Interessen und der materiellen Lagen von Teilen der Bevölkerung .

Weiterlesen „Rechter Osten?“

Advertisements

„Gegen Rechts“ – Eine politische Mode

Wöchentlich erreichen mich einige Mails, die mich auffordern, mich doch an einer Aktion „Gegen rechts“ zu beteiligen. Ich halte mich für eine historisch leidlich informierte Antifaschistin.  „Gegen rechts“ sagt mir nichts.  Vor allem dann nicht, wenn diese Losung verbunden wird mit Wörtern und Worthülsen zu deren inhaltlicher Bestimmung man im kleinen Kreis – etwa am Küchentisch – mehr als die Nacht nach dem Abendessen bräuchte: Nation und Nationalismus; Hautfarbe und Rassismus; Judentum und Antisemitismus;  Trump und der Antiamerikanismus ; Weltkriege und Militarismus; koloniale Ausbeutung und Imperialismus; …
Antifaschistin werde ich  bleiben, bis man mich waagrecht hinaustragen muss. Aber bei „Gegen rechts!“ werdet ihr mich nicht  finden.  Bei „Für links!“ schon. Warum, das habe ich hier zusammengeschrieben.

Abwertung von (Langzeit)Arbeitslosen

Weil gegenwärtig so viel von Rassismus die Rede ist, wenn es gegen Rechts geht, und fast nie von der Abwertung des „arbeitsscheuen Gesindels“, den „Sozialschmarotzern“, dem massenweisen „Missbrauch des Sozialstaats“…  (siehe Projekt Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit, IKG, Universität Bielefeld) habe ich mich auf meinen Festplatten auf die Suche gemacht. Ich habe ihn wieder gefunden, meinen Brief an Herrn Schröder aus dem Jahr 2001.

Brief_Schroe_2001_A

Brief_Schroe_Alo_2001_B

Dieser Brief ist vollständig. Er enthielt keine abschließende Grußformel, sondern zum Schluss nur meine Unterschrift. Vielleicht habe ich wegen dieser groben Unhöflichkeit nie eine Eingangsbestätigung des Vorzimmers erhalten – erst Recht keine Antwort.

Um der Illusion der „Kunden“ zu begegnen, es handle sich beim „Arbeitsamt“ um eine Behörde, deren Auftrag es sei, Arbeitslosen Arbeitsplätze zu vermitteln, wurde 2004 die Bundesanstalt für Arbeit umbenannt in Bundesagentur für Arbeit. Wer Schriftsteller, Schauspieler, Musiker o. ä. kennt, weiß was ein „Agent“ ist: Eine, die man mehrmals wöchentlich anrufen muss, um nachzufragen, ob schon jemand nachgefragt hat.