Symptome

Wen gleichzeitig Schnupfen, Halsweh, leicht erhöhte Temperatur und lichtempfindliche Augen plagen – der hat sich vermutlich einen grippalen Infekt eingefangen. Man verwendet also vier Indizien um eine Annahme zu begründen.

Auf FB geht das so:

  • Wer behauptet, man könne mit 5 € täglich in Deutschland einen Menschen auskömmlich ernähren, gönnt anderen die Grundsicherung nicht.
  • Wer behauptet, in Sachen Oktoberfestattentat hätten Ermittlungsbehörden geschlampt, ist ein Verschwörungstheoretiker.
  • Wer darauf hinweist, dass Russland vergleichsweise wenig Geld für Rüstung ausgibt, ist ein Putinversteher.
  • Wer nicht nur Orban oder Trump am Mauerbau hindern will sondern auch Israel, ist ein Antisemit.

Und schon haben wir´s am Schlafittchen, das rechte Weltbild.

Wem die Logik spanisch vorkommt, der gehört auch zu denen und nicht zu uns.

 

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„Populist!“

„Wie mies muss eigentlich eine Kandidatin der herrschenden Klasse sein, um unter diesen Bedingungen und mit diesen Machtressourcen gegen einen politisch unerfahrenen Aufschneider und Rabauken wie Trump zu verlieren?“ schreibt Rosalux auf FB zur Ankündigung eines Aufsatzes von Ingar Solty „Der amerikanische Brexit-Moment. “

Ich frage anders:

Wie mies muss eigentlich eine LINKE und eine Linke sein, die über Monate hinweg aus alter Gewohnheit eine miese demokratische Kandidatin unterstützt?

Weiterführend frage ich: Wie sind eigentlich LINKE und Linke für die Wahlen 2017 aufgestellt, wenn sie sehr häufig deutlich erkennen lassen, dass ihnen zu den rechts-tumben Auslassungen der abgehängten Hälfte nichts Besseres und Hilfreicheres einfällt als „Rausschmeißen“, „Maul halten“ und alle zu Faschisten zu erklären, die in einem kleinen Punkt möglicherweise die falsche Sprache verwenden?

Woher kommt es wohl, dass noch während ich dies schreibe in meinem Ohr eine Mickymausstimme tönt: „Querfront! Querfront! Querfront!“

„Querfront!“

eins links, eins rechts und quer

Die zitierte Sentenz von Ernst Jandl hat derzeit Hochkonjunktur im Feuilleton und auf T-Shirts. Auf letzterem begegnete sie mir am vergangenen Wochenende im Rahmen eines Parteitags der LINKEN, seltsamerweise ohne die letzte Zeile. Da bin ich gestolpert.

Während der 3 Lebensjahre, die ich in der Oberstufe eines deutschen Gymnasiums der Typklasse G9 verbrachte, hasste ich die Aufgabenstellung „Interpretation“. Bald 50 Jahre später sehe ich mich genötigt, eine zu verfassen. Anders als „Ottos mops trotzt“ geht „lichtung“ über das Sprachspiel hinaus und verweist auf die Möglichkeit und Notwendigkeit von Unterscheidungen und ihren Grundlagen in einer demokratischen Debatte. Wer die letzte Zeile einfach weglässt, läuft Gefahr der dogmatisierenden Reinkultur eines der beiden Enden oder Pole zu erliegen.

Das Bändchen

Kinder, die auf die Welt kommen, kennen keinen Unterschied zwischen links und rechts. Sie erwerben diese Unterscheidungsfähigkeit   in mehreren Stufen. Weiterlesen „„Querfront!““

Persönliche Erklärung

Wenn es um abzählbare Gegenstände geht, bleibt 1 und 1 gleich 2. Dabei bleibe ich auch für den Fall, dass mir  … Peter Sloterdijk, Thilo Sarrazin, Alice Schwarzer, Jürgen Elsässer, Henryk M. Broder, Donald Trump, Recep Erdogan, Viktor Orban, Horst Seehofer, Joachim Herrmann … und weitere Menschen zustimmen, die mir namentlich noch nicht bekannt sind.

„Querfront“ und radikale Mitte

Eine selbsternannte Mitte, die von den Rechtsauslegern der CSU bis zum SPD-Mainstream reicht, sieht sich als wehrhafte demokratische Mehrheit, die von einer undurchsichtigen Allianz zwischen links und rechts angefeindet und zermahlen wird. Der radikal-autoritäre Kern des Bürgertums, der die Befriedigung des Profitinteresses des obersten Prozents für das alleinige legitime Ziel gesellschaftlichen Handelns hält, versucht all diejenigen aus dem gesellschaftlichen Diskurs zu verdrängen, die diesem Ziel gefährlich werden können.

Die herrschende Politik hat die zentrale Aufgabe politischen Handelns aus den Augen verloren: möglichst gute Lebensbedingungen für möglichst alle Menschen zu sichern.

Ich bezweifle, dass die anwachsenden gemeingefährlichen, zündelnden Horden durch Aufklärung, durch Überzeugungsarbeit in den Grenzen des demokratischen Rechtsstaats gehalten werden können.  Würde die herrschende Politik umgehend dafür sorgen, dass alle Erwerbstätigen aus ihrer Arbeit ein auskömmliches Einkommen beziehen; ihre Arbeitsplätze so sicher sind, dass die Zukunft der eigenen Familie für eine überschaubare Zeit gesichert ist; dass die Arbeitsbedingungen in den Betrieben ein  Leben neben, nach der Arbeit ermöglichen;  dass man um Sicherheit im Alter und bei Krankheit nicht fürchten muss – die rechten Parolen auf den Straßen und die Gewalt vor den Wohnstätten der Zugezogenen, der Geflüchteten wären vorbei.

Die radikale Mitte aber will kein gutes Leben für alle, sondern Profit für einige.

In der gegenwärtigen Krise ist deshalb der Rundumschlag gegen alle vorhandenen und potentiellen Gegner das notwendige und wirksame Mittel zum Machterhalt. Ob Kritik von links oder rechts kommt, war noch nie von Interesse. Wer über kein anderes Kriterium verfügt als den Profit muss alle Gegner in einen Sack stecken.