L´optimisme

»Ich war jetzt ein paar Jahre nicht in Urlaub, weil ich gespart habe. Heuer geht´s 3 Wochen nach Mexiko zum Wale gucken. Wer weiß wie lange es sie noch gibt.«

Eine Nachbarin in Deutschland, etwa im Jahre 2013 n. C., ca. 160.000 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten einer `Homo Sapiens´genannten Spezies

Völlig unabhängig davon, wie viel Geld sie zusammengespart hat: Mit Sicherheit hat sie allein mit den geschätzten 730 l Kerosin als persönlichem Anteil am Verbrauch des Düsenclippers ein höheres Quantum an CO2 freigesetzt als es 10 Urlaube an der Ostsee mit sich gebracht hätten. Weil sie und andere dies noch können – dieses und im `Tropical Island´ baden, bis Ostern auf künstlich beschneiten Pisten Skifahren und auf einem Traumschiff um die Welt fahren – sind die meisten der Mitmenschen in meiner näheren Umgebung, ähnlich wie Voltaires Candide, der festen Überzeugung, sie lebten in der besten aller möglichen Welten. Völlig ungeachtet aller wahrgenommen realen Ereignisse.
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Kapitalismus vs. Klima

In den vergangenen Tagen habe ich das vor kurzem auf Deutsch erschienene Buch „Die Entscheidung – Kapitalismus vs. Klima“ von Naomi Klein gelesen. Danke an diejenigen, die es mir geschenkt haben.

Vielleicht gerade weil N. K. weder Naturwissenschaftlerin noch Ökonomin ist, kann sie dem Zusammenhang zwischen der gegenwärtigen Produktionsweise, den gegenwärtigen Produktionsverhältnissen und der Bedrohung allen Lebens durch den Klimawandel auf die Spur kommen. Diesen Zusammenhang stellt sie mit einer großen Fülle an Detailinformationen und Beispielen her. Fast ein Fünftel der bald 700 Seiten nimmt der Apparat in Anspruch mit Quellenangaben, Personen-  und Sachregister.

Sie hat, so vermute ich, eine Absicht: Die Fronten aufzubrechen zwischen denjenigen, die das Verhältnis zwischen Mensch und Natur in den Vordergrund stellen und denjenigen, die sich gegen die zunehmende materielle Ungleichheit wenden. Sie kennzeichnet die Ideologie vom grenzenlosen Wachstum und den Mythos von der Beherrschbarkeit der Natur als falsch. Den Bezug zur eigenen Situation herzustellen und sowohl ein verändertes individuelles als auch ein gesellschaftlich-politisches Handeln zu wagen, das durch die Einschränkung der Profitinteressen Schritte macht in Richtung auf  den Erhalt des Lebens, dazu fordert das Buch auf.

Ihr Fazit nach meiner Interpretation: Jeder, der dazu beiträgt –  sei es durch Umweltgesetze oder Bekämpfung des Hungers und der Armut – die Gewinne der Unternehmen der fossil und extraktivistisch ausgerichteten Wirtschaft zu beschneiden, leistet einen Beitrag zum Überleben, zur Regeneration des gefährdeten Lebens auf unserem Planeten. Wer glaubt, das Retten des Auerhahns sei möglich, ohne die Profitinteressen einzuschränken oder  die Ausschüttung der aus dem Extraktivismus resultierenden Gewinne an die Armen werde alles ins Lot bringen, liegt falsch.  Gemeinsam können es die Menschen schaffen, die Sand im Getriebe sind, die Auswirkungen des Klimawandels, besser: des fossilen Wirtschaftens, in den Grenzen zu halten, die den Planeten retten können, den wir bewohnen.

Ein Buch, das gleichermaßen zornig macht, aufklärt, berührt, zum Widerstand ermutigt. Lesenswert mit *****