Ein Hoch auf die Dialektik!

Erst kürzlich ist Bernd Stegemanns Buch »Das Gespenst des Populismus« im Verlag Theater der Zeit erschienen. Gestolpert bin ich vor dem Kauf über den Untertitel »Ein Essay zur politischen Dramaturgie« und den Verlagsnamen. Beides ungewöhnlich für ein Buch, das sich aktuellen politischen Fragen widmet. Die Spannung stieg, als ich herausfand, dass Bernd Stegemann von Beruf Dramaturg ist und als Professor an die Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch in Berlin berufen wurde. Man trifft nicht mehr so oft auf eine Verbindung von Politik und Kultur wie sie der Namensgeber der Hochschule vertrat.

Meine so entstandene Neugier wurde nicht enttäuscht, sondern in einem unerwarteten Ausmaß belohnt! Mit einer Sprache weit ab vom üblichen Politsprech nähert sich der Autor dem Thema und überzeugt  Weiterlesen „Ein Hoch auf die Dialektik!“

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Populismus

Auch wenn sie nichts sagen, können Wörter ganz schön viel zum Ausdruck bringen. Das Wort „Populismus“ zum Beispiel: die grandiose Selbstüberschätzung mancher Menschen mit Abitur, gepaart mit der Missachtung des Verstandes von Menschen, die klare und konkrete Aussagen als möglich und wünschenswert ansehen.

Wer oder was ist eigentlich populistisch?

Die Roten, die Blauen, die Schwarzen, die Gelben, die Grünen?

Leider lässt der Eintrag im Duden zum Stichwort Populismus nicht erkennen, welche Begriffsgeschichte das Wort bis heute hinter sich brachte. Immerhin, schon 1980 wurde das Wort eines Eintrags für würdig befunden. Bis etwa 2005 als eine voreilig vom damaligen Kanzler herbeigeführte „Protestwahl“ das Parteiensystem umstürzte, kannte ich es als Fachbegriff für Herrschaftsstrategien, die dazu dienten, das Volk bei der Stange zu halten, z. B. „Brot und Spiele“.
Unter Mitwirkung der Fachleute von der Bundeszentrale für politische Bildung gelang es danach binnen kurzer Zeit diesem Begriff eine neue Richtung zu geben. Fortan verwendete man das Wort nicht mehr um Herrschaftsstrategien vergangener Zeiten zu benennen oder auch aktuelle, wie die Kombination von RTL 2, gepaart mit dem Schüren von Politikverdrossenheit. Dem Wort wurde ein neuer Sinn gegeben. Es gilt nicht mehr „herrschende Bösewichte kaufen sich ein blödes Volk“, sondern „gewiefte und selbstsüchtige Feinde unserer Demokratie stacheln unbedarfte Massen dazu auf, sich gegen die wohlmeinende Mehrheit zu wenden“. Eine neue Gefahr für unsere Demokratie war geboren: Verführer die den Bürgerinnen und Bürgern in einfachen Worten die Welt erklären wollen, die doch eigentlich nur von den sachkundigen und objektiven Experten des Open Society Fund, der Initative soziale Marktwirtschaft oder der Atlantikbrücke richtig erklärt werden kann.

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„Populist!“

„Wie mies muss eigentlich eine Kandidatin der herrschenden Klasse sein, um unter diesen Bedingungen und mit diesen Machtressourcen gegen einen politisch unerfahrenen Aufschneider und Rabauken wie Trump zu verlieren?“ schreibt Rosalux auf FB zur Ankündigung eines Aufsatzes von Ingar Solty „Der amerikanische Brexit-Moment. “

Ich frage anders:

Wie mies muss eigentlich eine LINKE und eine Linke sein, die über Monate hinweg aus alter Gewohnheit eine miese demokratische Kandidatin unterstützt?

Weiterführend frage ich: Wie sind eigentlich LINKE und Linke für die Wahlen 2017 aufgestellt, wenn sie sehr häufig deutlich erkennen lassen, dass ihnen zu den rechts-tumben Auslassungen der abgehängten Hälfte nichts Besseres und Hilfreicheres einfällt als „Rausschmeißen“, „Maul halten“ und alle zu Faschisten zu erklären, die in einem kleinen Punkt möglicherweise die falsche Sprache verwenden?

Woher kommt es wohl, dass noch während ich dies schreibe in meinem Ohr eine Mickymausstimme tönt: „Querfront! Querfront! Querfront!“