Politik und Wissenschaft

Wir leben zu Zeiten, in denen man (wieder) lernen muss zwischen den Zeilen zulesen.

„In Baden-Württemberg arbeiteten die Pathologen daher mit Staatsanwaltschaften, der Polizei und niedergelassenen Ärzten zusammen, berichtet Schirmacher. Mehr als 40 Menschen habe man bereits obduziert, die binnen zwei Wochen nach einer Impfung gestorben sind. Schirmacher geht davon aus, dass 30 bis 40 Prozent davon an der Impfung gestorben sind. Die Häufigkeit tödlicher Impffolgen wird aus seiner Sicht unterschätzt – eine politisch brisante Aussage in Zeiten, in denen die Impfkampagne an Fahrt verliert, die Delta-Variante sich rasant ausbreitet und Einschränkungen von Nicht-Geimpften diskutiert werden.“1

In welchen Zeiten leben wir denn, dass es politisch brisant ist, Obduktionen zu fordern? Ist es Wissenschaft, darauf zu verzichten, am toten Menschen die Wirkungen einer viralen Erkrankung zu untersuchen und die Wirkungen der dazu in Gang gebrachten Maßnahmen?

1986 erschien der historische Roman von Noah Gordon „The Physician“, dessen Verfilmung unter dem Titel „Der Medicus“ 2013 zwei Abende im deutschen Fernsehen füllte. War es nicht ein Ausdruck finstersten christlichen Mittelalters, die anatomische Forschung an Toten zu verbieten? Führte das nicht zu allerlei seltsamen Gerüchten über menschliche Organe, ihre Aufgaben und Funktionsweise? Sicher gibt es Medizinhistoriker, die sich damit befassen, wie und warum viele Menschen durch medizinische Maßnahmen zu Tode kamen, die schlimmere Folgen hatten als die Krankheit, der sie hatten abhelfen sollen.

Im Jahre 2021 nimmt seltsamerweise niemand Anstoß an einer Regierung und ihrer Behörde RKI, die in Zusammenhang mit einer angeblich grassierenden, menschheitsbedrohenden Seuche Obduktionen zunächst untersagen und später für politisch brisant halten. Warum wird da keiner stutzig? Warum hinterfragt niemand den Sinn eines staatlichen Gebots Leichen zu verbrennen in einem Staat, der einer religiösen Tradition folgend kaum über Krematorien verfügt? Das war einer der vielen Gründe, warum in Italien im Frühjahr 2020 Militärlastwagen gebraucht wurden, um Särge zu transportieren.

Umgehendes Verbrennen ist die beste Methode unnatürliche Tode zu verschleiern. Es wurde deshalb zu einem beliebten verzögernden, Spannung erzeugenden Bestandteil vieler Kriminalgeschichten, Romane, Filme und Serien.

Warum wird von der Augsburger Allgemeinen „politisch brisant“ genannt, was eigentlich die neuzeitliche Grundlage medizinischer Forschung ist? Wie anders als durch Obduktionen will man Gewissheit darüber erlangen, warum eine Infektion mit einem bestimmten Erreger zum Tode führen kann und mit welchen evt. schon bekannten Mitteln man ihr am besten entgegenwirkt? Wahrscheinlichkeitsrechnung erlaubt Vermutungen, aber doch keine Aussage zu Ursache und Wirkung. Mit Hilfe der Wahrscheinlichkeit kann man in Dörfern entlang der Flugrouten der Störche letztere verantwortlich machen für Schwangerschaften.

Nichts kann einen in der gegenwärtigen als Pandemie bezeichneten Lage misstrauischer machen gegenüber medizinischen und politischen Maßnahmen als die amtliche Verhinderung von Obduktionen und gründlichen Untersuchungen von Gewebeproben. Dem Filz von Pharmakonzernen, Statistikern, Modellierern und korrupten Politikern erlaubt der deutsche Michel, die Welt in Panik zu versetzen – als verdächtig gelten diejenigen, die bestrebt sind, Licht ins Dunkel zu bringen.

Als Ergänzung zu diesem Thema lohnend zu lesen: https://www.ebm-netzwerk.de/de/medien/pdf/muehlhauser_wissenschaftsleugnung_saeb-0921_027.pdf

1 https://www.augsburger-allgemeine.de/panorama/Corona-Chef-Pathologe-der-Uni-Heidelberg-draengt-auf-mehr-Obduktionen-von-Geimpften-id60235361.html