Frieden

Noam Chomsky  schrieb 1998:

„Der intelligente Weg, Leute passiv und fügsam zu halten, besteht darin, die Breite der akzeptablen Überzeugungen strikt zu begrenzen, jedoch innerhalb dieser Grenzen eine sehr lebhafte Debatte zu erlauben – gerade zu kritischen und anders denkenden Sichtweisen zu ermuntern. Das gibt den Leuten die Wahrnehmung, dass freies Denken möglich ist, während die ganze Zeit die Vorannahmen des Systems bestärkt werden durch die Grenzen, die der Debatte gesetzt werden.“

Das gegenwärtig beliebteste Feld, diese Strategie anzuwenden ist die Spaltung der Friedensbewegung, insbesondere der Friedensbewegung in Deutschland. Der Versuch ist erfolgreich, zu diesem Schluss kann man kommen. Gerade deshalb veranlasst mich die von Trump vollzogene „Anerkennung Jerusalems“  als Hauptstadt Israels das Thema aufzugreifen. Braucht ein Staat eine ausländische Anerkennung in der Wahl seiner Hauptstadt? Vielleicht blieb es hinter verschlossenen Türen: Haben die USA der Verlegung des Regierungssitzes von Bonn nach Berlin zugestimmt? Wenn ja, warum? Symbolische Handlungen symbolisieren etwas, deswegen werden sie so genannt.  Die Nachfrage, was denn symbolisiert, gemeint sei ist nicht unwichtig. Wäre „symbolisches Handeln“ bedeutungslos, könnte man es sich sparen.

Weiterlesen „Frieden“

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So bitte nicht, Herr Willms.

In den letzten Tagen habe ich mich eingehend mit einem langen Artikel von Thomas Willms auseinandergesetzt, der in „antifa“, dem Magazin der VVN-BdA Jan./Feb. 2016 erschienen ist. Diesen Artikel  finde ich ausgesprochen ärgerlich. Er ist vollständig nachzulesen im Webauftritt der  VVN-BdA .

„lichtung

manche meinen
lechts und rinks
kann man nicht velwechsern
werch ein illtum

(Ernst Jandl)

Der Autor ist anscheinend der festen Überzeugung, nur andere liefen Gefahr rechts und links zu verwechseln. Ganz bestimmt nicht er, ganz bestimmt nicht die VVN-BdA.

Meine persönliche Art mit ärgerlichen Texten umzugehen, ist sie Abschnitt für Abschnitt durchzugehen und mit meiner Sichtweise zu kontrastieren.

„Grundlage für das Denken der linken und rechten Vereinfacher ist die Fiktion, dass es einen unkompromittierten Satz »alternativen Wissens« geben müsse, der als reine Wahrheit der »Lügenpresse« entgegenzustellen sei. Statt kritischer Nachfrage und Quellenkritik wird unkritisches Nachbeten von Vorurteilen, Mythen, Ressentiments und Feindbildern eingeübt. Die werden jedoch nicht dadurch fortschrittlich, dass sie sich gegen die vorherrschende Meinung richten.“ schreibt Thomas Willms. An diesem, seinem Anspruch, wird er gemessen.

Weiterlesen: –>  Replik_Willms

Ergänzung: Auch anderen ist die merkwürdige neue Richtung der VVN-BdA nicht entgangen, z. B. der Neuen Rheinischen Zeitung

 

Kritische Schlaglichter auf die `abendländische Wertegemeinschaft´

Mein Essay unter dem Titel „Schlaglichter“ argumentiert mit Bezug auf historische Entwicklungen gegen den aktuellen Versuch der gesellschaftlichen Rechten, durch die Konstruktion einer christlich dominierten abendländischen Wertegemeinschaft eine nach außen wie nach innen ideologisch gegen die Menschenrechte gerichtete Politik zu legitimieren.

Meine Sicht auf die `abendländische Wertegemeinschaft´, die in hohem Maß anlässlich der zahlreichen Kundgebungen gegen den islamistischen Terror beschworen wurde, ist beeinflusst von einer Betrachtung der „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“ wie sie Theodor Lessing in seinem Buch gleichen Titels [erschienen 1919] ausgeführt hat. In gegenwärtigen Worten ausgedrückt: Man kann Geschichte sehen als nachträgliche Deutung, Konstruktion, Strukturierung eigentlich chaotisch ablaufender Prozesse. Diese Deutung ist nie frei von den materiellen und politischen Interessen der jeweils in ihrer Zeit handelnden Menschen, die solche Deutungsmuster benutzen, um die jeweils anstehenden Probleme zu lösen, ihr eigenes Handeln `vor der Geschichte´ zu rechtfertigen oder zukunftsgerichtete Entscheidungen zu legitimieren. Eines der aktuell besonders wirksamen Deutungsmuster will ich hier kritisch betrachten: die Konstruktion eines rückständigen, inhumanen, mit der Durchsetzung des Islam verknüpften Orients im Gegensatz zu einem humanen, christlichen Okzident, der sich selbst gegenwärtig gerne darstellt als zumindest europäisch, oft auch ´atlantisch´  genannte Wertegemeinschaft der entwickelten Industrieländer Europas und Nordamerikas. Ich klammere Elemente der marxistischen Geschichtsphilosophie und die damit beschreibbaren  Zusammenhänge in der Entwicklung von Produktivkräften, Produktionsweisen und Produktionsverhältnissen aus und wende mich allein der Deutung von Geschichte und der Konstruktion geschichtlicher Mythen in Zusammenhang mit religiösen Orientierungen zu.

Meine These ist: Die gegenwärtige gesellschaftliche Rechte in Europa konstruiert mit Hilfe von Elementen aus dem Steinbruch der Geschichte einen Gegensatz zwischen dem als islamisch bestimmten Orient und einem christlichen Okzident, einen Gegensatz der wirtschaftliche, materielle Interessen der beteiligten Nationalstaaten verschleiert, um so eine aggressive Politik gegenüber dem Orient und dem europäischen Osten zu legitimieren. Folgenden Linien will ich dabei nachgehen: der Konstruktion quasi ewig währender, unveränderlicher religiös definierter Blöcke, der Konstruktion eines christlichen Abendlandes, das die südlichen und südöstlichen Anrainer des Mittelmeerraumes und auch Russland ausschließt, die Konstruktion des westlichen Kerneuropa als eines fortschrittlichen, an der Wohlfahrt aller orientierten einheitlichen Kulturkreises, der zu Recht die anderen dominiert.

Schlaglichter_Fin