Begriffen Inhalt geben

Ich bin das gedanken- und inhaltslose Gerede vom angeblich bedrohlich gewachsenen Rassismus leid.
Im Folgenden mein Versuch dem INHALT dieses Wortes näherzukommen. Glaubt mir: Es hat einen. Der ist nur verschwunden, weil das Wort zum zentralen Kampfbegriff gegen eine Rechte verkommen ist, die man nicht als bürgerliche wahrnehmen will. Man muss die etablierten rechten Parteien gegen ihre Konkurrenz von weiter rechts schützen. Dahinter steht zu meinem Leidwesen die Vorstellung von einer äußerst unvollkommenen, einer exkludierenden Demokratie, die eben NICHT alle an Entscheidungen beteiligt, sondern nur »die Richtigen«: die Gebildeten, die sich als besonders verantwortungsbewusst begreifenden, die Demokraten, die genauso solche Demokraten sind wie man selbst – auf keinen Fall solche, die materielle Verteilung einforden, gleiche Teilhabe und gleiche Entscheidungsmöglichkeiten. Wer so etwas auch nur gedanklich ins Auge fasst wird gnadenlos ausgeschlossen. Man muss sich schon genau überlegen, wem Gedankenfreiheit zukommt und wem nicht! Ich nehme dazu drei abstrakte Begriffe her, die im politischen Feld zur Zeit große Bedeutung haben. Militarismus, Sexismus, Rassismus. Diese Begriffe sind sprachlich und inhaltlich ähnlich konstruiert. Obwohl einer von ihnen in der öffentlichen Debatte verkleidet daherkommt: der Militarismus. Den will man angesichts der angeblich wieder wachsenden russischen Bedrohung partout NICHT in gleicher Weise an den Pranger stellen.

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Es ist an der Zeit. – Wofür?

Bildquelle: David Flam; vintage: boy dressed in uniform: über flickr [ https://www.flickr.com/photos/freeparking/494295686 ]

„… die alte Friedensbewegung ist eben hauptsächlich eins: alt“

Was  soll mir diese Formulierung aus den Reihen des linken Nachwuchses unter 35 sagen? Über den stilistischen oder polemischen Nutzen  von Tautologien will ich mich  nicht weiter auslassen.  Was aber treibt einen, einen der als Linker gesehen werden möchte,  dazu,  Alter – wovon auch immer –  für ein inhaltliches Argument zu halten?

Nach 2,6 Mio. Jahren von Gewalt begleiteter Menschheitsgeschichte, könnte es im beginnenden 21. Jahrhundert doch langsam modern werden, auf Gewalt nicht nur  im Umgang unter Individuen weitgehend zu verzichten, sondern auch zwischen menschlichen Kollektiven. Ausgerechnet einer mit „linkem Anspruch“ polemisiert angesichts eines drohenden 3. Weltkriegs gegen die sich langsam  wieder formierende Friedenbewegung mit einer Anspielung, die sowohl Bertha von Suttner als auch Rosa Luxemburg zu von der Zeit hinweggespülten altmodischen Figuren erklärt. Er polemisiert, indem er auf die Scharen grauer Häupter anspielt, die zur Zeit noch die Friedensdemos prägen. Einsatz für den Frieden als politische Aktivität einer glücklicherweise infolge biologischer Prozesse bald zur Vergangenheit gehörende Altersgruppe von Ex-Soldaten, Kriegskindern, Kriegswaisen, Kriegerwitwen, Kriegsversehrten? Tausende von Generationen haben sich wo immer möglich den „Werbern“ entzogen oder sogar  aufgelehnt gegen die Mächtigen, die in ihrem Eigeninteresse ihre Untertanen massenhaft in den Tod schickten.  

Der massenhafte Tod auf unzähligen Schlachtfeldern, an unzähligen Orten. Das ist wirklich alt! Uralt! Sowas von uncool, oder wie auch immer der aktuell unter 35-Jährige zu sagen pflegt.

Soll es jetzt „links“ wirklich modern werden, an der Seite der demokratischen Streitkräfte der freiheitlich westlichen Welt statt für Gott und Vaterland die Menschen im Interesse der Verwirklichung ihrer eigenen Rechte totzuschlagen? Lebt ein moderner Linker in der Vorstellung, dass militärische Disziplin sich in der „Nach-Postmoderne“ –  die Zeitalter lösen sich  ja schneller ab als ich denken kann  – zum Ausdruck demokratischer Diskussionskultur verwandelt? Macht dieser moderne Linke tatsächlich Politik unter der Prämisse, dass die gewählten Chefs demokratischer Staaten in vollem Bewusstsein ihrer schweren Verantwortung unter schlimmsten Seelenqualen militärische Einsätze vorbereiten, die der Sicherung des Friedens und der Freiheit der Völker dienen?  

Die abschließende Formulierung Wenn wir Militarismus kritisieren, müssen wir das überall tun.“ lässt mich annehmen, dass „moderne Linke“ keine Interessen mehr kennen,  diese deshalb auch nicht mehr analysieren müssen und sich daher auch Lösungsvorschläge  für reale Interessenkonflikte sparen können.

Es lebe der Appell! Moralisten aller Länder vereinigt euch!