„sich verändern“

Meine Enkelin Nina (1 Jahr, 8 Monate) hat mich gestern etwas gelehrt. Wie?

Da der Rechner ausgeschaltet war, ließ ich sie zunächst gewähren als sie begann wie eine Große auf  der Tastatur zu arbeiten. Die Art wie sie es tat, ließ mich dann doch um meine Tastatur fürchten. Ich nahm sie weg und legte sie an einen für Nina nicht zugänglichen Ort. Ich hatte die Rechnung ohne Nina gemacht: Sie fand heraus, wo ich die Tastatur versteckt hatte und laute Unmutsäußerungen sollten mich dazu bewegen, sie wieder dahin zu legen, wo Nina sie bedienen konnte. Ich lenkte Nina ab und deckte die Tastatur nun wirklich so zu, dass diese völlig ihrem Blick entzogen war. Sie war „fort“.

Auch erwachsene Menschen, selbst ihre Organisationen, „funktionieren“ nicht anders.

Deshalb ist äußerste Vorsicht geboten, wenn jemand behauptet, etwas habe „sich verändert“. Ohne Handeln interessierter Kräfte verändert sich nichts! Sobald die Veränderung wahrgenommen wird, erhebt sich Geschrei. Dann muss für Ablenkung gesorgt werden. Währenddessen kann etwas dazu unternommen werden, was die Wahrnehmung dieser Veränderung vergessen lässt. Die Aussage: „Das ist fort.“ lässt nicht einmal mehr Unmut aufkommen, geschweige denn laute Empörung.

Nichts verändert sich, ohne dass es verändert wird. Unter Menschen, vor allem unter Politiker*innen, ist die Redeweise beliebt: „Wir müssen unser Wollen und Handeln den Gegebenheiten anpassen, die `sich verändert´ haben.“  Das ist  vielleicht nicht eine glatte Lüge, aber diese Redeweise verschleiert, wer verändert hat und sorgt dafür, dass die Wahrnehmung der Veränderung aus dem Gedächtnis verschwindet. Ein solches Vorgehen ist hochgradig manipulativ.