Kontaktschuld

Der Zucker in der Schublade neben dem Salz muss sich ob dieser Nähe rechtfertigen oder umgekehrt. Je nach Interesse  wird der Inhalt beider Schubladen als versüßt oder versalzen bezeichnet. Welcher Reinheitsgrad für welchen Zweck erforderlich ist, wird von den Beurteilenden nicht offen gelegt.

Es gibt immer  Leute,  die gerne zu einer uralten Argumentations-, Denunziations- und Verurteilungsstechnik greifen, die uns „Abendländer“ mindestens seit der Inquisition begleitet. Ich bezeichne sie mit dem Stichwort „Kontaktschuld“. Die Zuweisung einer Kontaktschuld ist die bevorzugte Ausgrenzungstechnik  der gesellschaftlich Handelnden, die jegliche freie Debatte unterdrücken wollen, den gedanklichen Horizont auf den Radius Null einengen, letztendlich autoritäre, diktatorische Ziele verfolgen.

Vielen ist der eigene Gebrauch dieser Technik nicht bewusst. Gerade das macht sie   gefährlich.

 

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Thema: Bürgerwehren

Textfetz_Lappall
Nordbayerischer Kurier, 26.01.2016, Seite 10

Herrn Kamphausen kenne ich nicht. Sein Beruf, Professor der Soziologie an der Uni Bayreuth, lässt mich annehmen, dass er Herrn Lapp, Redakteuer des Nordbayerischen Kurier und Autor des Artikels, ganze Sätze übermittelt hat – mündlich oder schriftlich. Warum zitiert Lapp nur einen einzigen davon und montiert hier über 27 Druckzeilen einzelne von Kamphausen verwendete Wörter zu Sätzen, die eigentlich seine eigenen sind? Man entdeckt  die Montagetechnik sobald man die Anführungszeichen weglässt. Von einem Schreiberling zu erwarten, klar zwischen direkter und indirekter Rede zu unterscheiden – ist das zuviel verlangt? Hat das der Zitierte nicht verdient?

Lapp schreibt, lässt man einfach die Anführungszeichen weg: „Allerdings räumt er auch ein, dass eine weichgespülte Beruhigungs-Rhetorik genauso grotesk sei. Dass man in gewissen Zusammenhängen den Begriff Islam nicht mehr verwenden dürfe, sei erbärmlich.“

Lapp macht Kamphausen zum Kronzeugen für seine eigene Meinung, eine Meinung die politisch weitgehend sinnentleert ist. „Erbärmlich“ halte ich für eine in erster Linie moralisch begründete (Ab-)Wertung, „grotesk“ eher für eine mit ästhetischem Bezug. Welches politische Interesse, welcher Inhalt wird von Menschen vertreten, deren Tun und  Verhalten als grotesk und erbärmlich bewertet wird? Wer bewertet hier eigentlich? Lapp oder Kamphausen?

Zur politischen Meinungsbildung könnte der Text  beitragen, wäre ihm zu entnehmen

  1. was ich unter weichgespülter Beruhigungsrhetorik zu verstehen habe.
  2. welchem politischen Akteur, welchen Akteuren, eine weichgespülte Beruhigungsrhetorik zugeschrieben wird.
  3. warum diese Beruhigungsrhetorik mit der Bewertung „grotesk“ versehen wird.
  4. welches die Zusammenhänge sind, in denen man nach Meinung des Herrn Kamphausen oder des Herrn Lapp den Begriff Islam nicht verwenden dürfe.
  5. welche Gründe Herrn Lapp oder Herrn Kamphausen zur Bewertung  dieser Zusammenhänge als „erbärmlich“ veranlassen.

Über die Jahre konnte, musste ich schon einige von Lapps Artikeln lesen. Ich traue mir deshalb zu,  Lapps Demokratieverständnis kurz zusammenzufassen: Demokratie ist gewährleistet, wenn jeder von links und rechts alles sagen darf, es sei denn es ist extremistisch. Was extremistisch ist bestimmt Lapp, im Zweifelsfall das Landesamt für Verfassungsschutz oder die Abteilung für Staatsschutz bei den Polizeibehörden.

Hochgradig manipulativer Sprachgebrauch. Informationszuwachs extrem niedrig.

Gebrauchswert: Material für eine qualitativ-empirische Analyse des Echos der Printmedien auf  Versuche von rechts, das staatliche Gewaltmonopol in Frage zu stellen. 

Stellungnahme inhaltlich: Artikel spielt Gefahr von rechts herunter. Er informiert nicht über die politischen Alternativen und Handlungsabsichten, die es gegenwärtig im inhaltlichen Feld gibt zwischen empfundener Unsicherheit, eingeschränkter Leistungsfähigkeit der Polizei und staatlichem Gewaltmonopol.