Eine notwendige Klarstellung

In den Ländern, die sich entwickelt, frei oder westlich nennen, scheint die Erinnerung an die beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts verblasst zu sein. Hauptsächlich wohl, weil es in den Jahren seit 1945 gelungen ist, unter  Kriegen  nahezu ausschließlich diejenigen leiden zu lassen, die ohnehin entwicklungstechnisch, rassisch, völkisch und religiös gesehen zu den Überflüssigen gezählt werden.
Kriege sind weder Boxkämpfe noch Schlägereien. Es gewinnt niemand, sondern sie laufen erst aus, wenn den Beteiligten das menschliche und/oder das mineralische Material ausgeht. Es hat sich eingebürgert die zur Zeit des Auslaufens dieser Vorräte Regierenden als Friedensstifter anzusehen und mit Nobelpreisen zu ehren, auch wenn sie es selbst waren, die den Krieg vom Zaun gebrochen hatten.
Der gegenwärtig ins Auge gefasste nächste Krieg wird möglicherweise die aktuell größten Kriegstreiber, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, weitgehend glimpflich davonkommen lassen. Deren Hoffnung, sie könnten aus diesem von ihnen herbeigeredeten Krieg als Sieger hervorgehen, beruht allerdings auf der völlig absurden Vorstellung, dass sich die über die Erde verteilten Kampfstoffreste jeglicher Art nach dem Krieg  rückstandsfrei auflösen, ohne vorher von Menschen verstoffwechselt zu werden.

Ich bitte alle, die dieses lesen, um weitere Verbreitung. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass der ein oder andere ins Grübeln verfällt, der die althergebrachte – dennoch falsche – Annahme teilt, Kriege würden geführt um uns vor Übeln zu bewahren.

 

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Mit oder ohne Gewalt?

oder

Widerständig bleiben, Leute!

Ich mache im Folgenden den Versuch, Lehren zu ziehen aus den Ereignissen im öffentlichen Raum der Hansestadt Hamburg am Rande des zurückliegenden G 20- Gipfels. Der Text könnte polarisieren. Das ist auch sein Zweck. Warum ich diesen Zweck verfolge, wird hoffentlich deutlich. Demokratie braucht Pole, keine Zäune.

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„Du Moralapostel, du!“

Bildquelle: https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/d/d5/Heilbronn_1945_US_Army-2.jpg

Heute hat sich wieder einmal ein Soldat darüber beklagt, dass wir Friedensfreunde seine Bereitschaft zu unserem Schutz zu töten, nicht angemessen würdigen.

Es gibt zwar einen Unterschied zwischen Moral und Vernunft, groß ist er aber nicht. Die Moral vergangener Zeiten kommt uns oft als ziemlich „böse“, unmenschlich vor. Aber doch nur deshalb, weil die wissenschaftlichen Erkenntnisse zunächst sehr, sehr langsam wuchsen. Menschen wurden getötet, weil man sie dafür verantwortlich machte, dass es nicht regnete.  Oder sie wurden getötet um durch das Opfer den Regengott günstig zu stimmen. Das lag doch nicht an einer längst überwundenen unmenschlichen Moral, sondern daran, dass man gemeint hat, dass es hilft!

Immer wieder werden Menschen, die sich vernünftige Gedanken um friedliche Konfliktlösungen machen als „Moralapostel“ bezeichnet. Worauf beziehen sich eigentlich diejenigen, die meinen, man schaffe Frieden durch Gewalt? Die haben doch selbst auch eine Moral. Nur eine andersartige. Sie nehmen an, dass man die Moral mit dem Gewehr verteidigen kann bzw. sogar muss. Dabei gefällt es den jeweiligen Oberbefehlshabern gar nicht, wenn man man einen Gegensatz zwischen Moral und Kriegführung konstruiert! Man braucht zum Kriegführen doch eine Legitimation. In der Öffentlichkeit versucht die NATO das Bild zu pflegen, sie kämpfe um Demokratie, Menschenrechte, für die Freiheit gegen Tyrannen und Einparteiendiktatur …, blindwütige, gewaltbereite Terroristen. Gelegentlich jedoch kommen Papiere aus Beratungsgremien  an die Öffentlichkeit, Stellungnahmen von Beratern, Think Tanks, die einen vermuten lassen, es ginge doch eher um Energievorräte und seltene Erden. Leute wie ich nehmen die NATO-Verlautbarungen zur Kenntnis und glauben sie nicht unbesehen. Es gibt dafür einen guten Grund: In und nach Kriegen geht es den Menschen kriegführender Länder nicht besser, sondern  schlechter als zuvor. Unter den Bedingungen eines Krieges nehmen  Demokratie und Menschenrechte nicht zu, sondern sie leiden darunter, wenn sie nicht sogar völlig vernichtet werden. Heimkehrende Kriegstraumatisierte mögen sich darüber freuen, wieder zuhause bei Frau und Kind zu sein. Leider geben sie ihrer Freude häufig dadurch Ausdruck, dass sie die gewohnte Gewalt gegenüber Frauen und Kindern weiterführen. Geht es dann denjenigen besser, die in der Fremde  verteidigt wurden?

Bei der Auseinandersetzung um Krieg und Frieden geht es nicht um Moral. Es geht um Vernunft. Ob ich persönlich darauf hoffe, dass es der Menschheit gelingt, Kriege zu beenden, daran glaube, dass sie dazu fähig ist, das ist für den gesellschaftlichen Konflikt um Krieg und Frieden ziemlich bedeutungslos. Dem Menschen ist  ein  am Überleben des Kollektivs orientiertes Sozialverhalten leider nicht angeboren wie den Waldameisen. Der homo sapiens sapiens muss es mit Vernunft versuchen.

Terror – der Bruder asymmetrischer Kriege

Kollateralschäden bei Drohneneinsätzen gegen vermeintliche Terroristen mit einer nicht bezifferbaren Menge von Toten werden als bedauerliche Begleiterscheinung einiger Kriege betrachtet, die im Sinne des Völkerrechts bisher nicht einmal erklärt wurden. Es ist nicht überraschend, wenn manche daraus das Recht ableiten, in den Herkunftsländern der Bomben, Raketen und Drohnen vergleichbaren Schrecken zu verbreiten.

Ohne Gerichtsverfahren gezielt Einzelne anzugreifen, um sie zu töten, wäre nicht einmal dann legitim, wenn man sicher sein könnte, allein diese angeblich Schuldigen zu töten. Es trägt die Züge willkürlicher Lynchjustiz. Es ist Terror! Die Unterscheidung zwischen Terror und Krieg ist zu einem Mittel der Propaganda geworden.

Sich glaubhaft auf Menschen- und Völkerrecht berufen kann nur, wer die Bürgerrechte in der eigenen Sphäre achtet, allen Formen des Terrors im Inland mit transparenten polizeilichen und strafrechtlichen Mitteln entgegentritt, im Ausland auf die Verbreitung von Schrecken durch militärisches Handeln verzichtet und allen Menschen die Hand reicht, die flüchtend Sicherheit vor dem Terror suchen.

Folgekosten

Es ist in manchen Bereichen üblich geworden, dem Verursacherprinzip durch Rücknahmegebote für verbrauchte Waren Rechnung zu tragen. Warum aber werden nicht Heckler & Koch, Kraus-Maffei, Diehl oder Sig Sauer zur Finanzierung der Rettung von Flüchtlingen, ihrer Unterbringung und Verpflegung herangezogen? Es sind ihre Produkte, die Menschen dazu zwingen, sich eine andere Heimat zu suchen. Nachdem der Weltfrieden so schnell nicht zu machen ist, sind systemkonforme kurzfristige Lösungen gefragt.