Zum Stand des linken Projekts

Die erste Aufregung über den Einzug einer relativ neuen, rechten und entschieden neoliberalen Partei in den 19. Deutschen Bundestag ist differenzierteren Analyseversuchen gewichen. Wie alle politischen Stiftungen stellt auch die der Partei DIE LINKE nahestehende Rosa-Luxemburg-Stiftung einen solchen zur Verfügung. Das gehört sich in der politischen Landschaft Deutschlands so.  Auslöser meiner Kritik ist nicht die gesamte Analyse des Parteien-Experten Horst Kahrs, sondern eine Formulierung, die mit der unmittelbaren Nachwahlberichterstattung unverändert in die umfangreichere Ausarbeitung übernommen wurde:
„Die AfD selbst hat seit ihrer Gründung mehrfach Schritte der Selbst-Radikalisierung vollzogen. Eine Konstante der bundesdeutschen Vergangenheitsdeutung ist endgültig dementiert. Es galt immer als zentrale Lehre aus dem Untergang der Weimarer Republik, dass ökonomische Krisen und hohe Arbeitslosigkeit die Demokratie gefährden und radikale Parteien nach oben spülen würden. Die AfD gewinnt entgegen diesen Erwartungen in Zeiten wirtschaftlichen Wachstums, abnehmender Arbeitslosigkeit und weit verbreiteter Zufriedenheit mit der persönlichen und allgemeinen wirtschaftlichen Lage.“(  https://www.rosalux.de/fileadmin/rls_uploads/pdfs/Themen/wahlanalysen/WNB_BTW_2017.pdf )

 

Ich betrachte diese Formulierung als Indiz.

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Interessen

„Abschlagsfreie Rente für alle erst mit 70? Haben die sie eigentlich noch alle? Da sind Leute unterwegs, die offenbar jeden Kontakt zur Lebenswirklichkeit von Millionen von Menschen verloren haben.“ (Frank Bsirske, ver.di Publik Dez. 2016)

  • Solange die Gewerkschaften von „Leuten“ sprechen, als wisse man nicht, wer da unterwegs ist …
  • Solange die Gewerkschaften so tun, als läge es an der gestörten Wahrnehmung dieser Leute …

solange sie nicht die handelnden Menschen und ihre Interessen genau benennen, wird sich nichts ändern.

Diejenigen, die „Arbeit geben“, wollen die Früchte unserer Arbeit am liebsten ganz für sich. „So viel wie möglich für uns – so wenig wie möglich für Euch.“ Wer den grundlegenden Interessengegensatz nicht benennt, bleibt in der Position des Bittstellers, des Hilfesuchenden, des Appellierenden. Es geht aber nicht ums Vergönnen, Mitmenschlichkeit oder Wahrnehmungsstörungen bis hin zur Dummheit. Es geht um Interessen.

Wer den Gegensatz nicht in die Köpfe bringt, sondern der Gegenseite nur amoralische Böswilligkeit unterstellt, genau der fördert Wahlentscheidungen, die nicht durch Interessen bestimmt werden, sondern durch Gefühle.

  • Wer sich verlassen, machtlos, missachtet, übergangen, unterdrückt, belogen, verraten, hintergangen, schlecht vertreten …  fühlt, wählt rechts.
  • Wer um Interessen weiß und für die eigenen streitet, wählt links.

So einfach wär´s, würde man  wollen.