Es ist an der Zeit. – Wofür?

Bildquelle: David Flam; vintage: boy dressed in uniform: über flickr [ https://www.flickr.com/photos/freeparking/494295686 ]

„… die alte Friedensbewegung ist eben hauptsächlich eins: alt“

Was  soll mir diese Formulierung aus den Reihen des linken Nachwuchses unter 35 sagen? Über den stilistischen oder polemischen Nutzen  von Tautologien will ich mich  nicht weiter auslassen.  Was aber treibt einen, einen der als Linker gesehen werden möchte,  dazu,  Alter – wovon auch immer –  für ein inhaltliches Argument zu halten?

Nach 2,6 Mio. Jahren von Gewalt begleiteter Menschheitsgeschichte, könnte es im beginnenden 21. Jahrhundert doch langsam modern werden, auf Gewalt nicht nur  im Umgang unter Individuen weitgehend zu verzichten, sondern auch zwischen menschlichen Kollektiven. Ausgerechnet einer mit „linkem Anspruch“ polemisiert angesichts eines drohenden 3. Weltkriegs gegen die sich langsam  wieder formierende Friedenbewegung mit einer Anspielung, die sowohl Bertha von Suttner als auch Rosa Luxemburg zu von der Zeit hinweggespülten altmodischen Figuren erklärt. Er polemisiert, indem er auf die Scharen grauer Häupter anspielt, die zur Zeit noch die Friedensdemos prägen. Einsatz für den Frieden als politische Aktivität einer glücklicherweise infolge biologischer Prozesse bald zur Vergangenheit gehörende Altersgruppe von Ex-Soldaten, Kriegskindern, Kriegswaisen, Kriegerwitwen, Kriegsversehrten? Tausende von Generationen haben sich wo immer möglich den „Werbern“ entzogen oder sogar  aufgelehnt gegen die Mächtigen, die in ihrem Eigeninteresse ihre Untertanen massenhaft in den Tod schickten.  

Der massenhafte Tod auf unzähligen Schlachtfeldern, an unzähligen Orten. Das ist wirklich alt! Uralt! Sowas von uncool, oder wie auch immer der aktuell unter 35-Jährige zu sagen pflegt.

Soll es jetzt „links“ wirklich modern werden, an der Seite der demokratischen Streitkräfte der freiheitlich westlichen Welt statt für Gott und Vaterland die Menschen im Interesse der Verwirklichung ihrer eigenen Rechte totzuschlagen? Lebt ein moderner Linker in der Vorstellung, dass militärische Disziplin sich in der „Nach-Postmoderne“ –  die Zeitalter lösen sich  ja schneller ab als ich denken kann  – zum Ausdruck demokratischer Diskussionskultur verwandelt? Macht dieser moderne Linke tatsächlich Politik unter der Prämisse, dass die gewählten Chefs demokratischer Staaten in vollem Bewusstsein ihrer schweren Verantwortung unter schlimmsten Seelenqualen militärische Einsätze vorbereiten, die der Sicherung des Friedens und der Freiheit der Völker dienen?  

Die abschließende Formulierung Wenn wir Militarismus kritisieren, müssen wir das überall tun.“ lässt mich annehmen, dass „moderne Linke“ keine Interessen mehr kennen,  diese deshalb auch nicht mehr analysieren müssen und sich daher auch Lösungsvorschläge  für reale Interessenkonflikte sparen können.

Es lebe der Appell! Moralisten aller Länder vereinigt euch!