Prioritäten

Bild: by Bob Metcalf [Public domain], via Wikimedia Commons

Du meinst, solange nicht jede Bewohnerin unseres Landes über 35 m² Wohnraum verfügt, die sie sich leisten kann und über genügend Geld um die Lebensmittel im Biomarkt einzukaufen und ein kleines Auto zu fahren, müssten wir Museen schließen, Theateraufführungen ausfallen lassen, Konzerte absagen.

Ich sage, Du bist satt und entfernst deine Ausscheidungen mit Trinkwasser.  Solange Menschen meilenweit laufen für ein paar Liter leidlich trinkbaren Wassers  und täglich Tausende an Hunger sterben, brauchst Du  keine 35 m², bekommst du Lebensmittel mit Beimengungen und bestenfalls ein Sozialticket für den öffentlichen Bus.

Vielleicht sind nicht die Antworten falsch, sondern die Fragen.

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Gleichzeitigkeiten

Bild: von Filipe Moreira über https://www.flickr.com/photos/faugusto/

Es wäre schon viel gewonnen, würde meine Lokalzeitung öfter über Hunger berichten, statt über die neuesten Trends der kosmetischen Chirurgie.

„Aus dem alljährlich vorgelegten Bericht zur Ernährungsunsicherheit der Welternährungsorganisation geht hervor, dass die Landwirtschaft weltweit mit dem erreichten Niveau ihrer Produktivkräfte normalerweise – durch die Zufuhr von 2200 Kilokalorien täglich für einen Erwachsenen – 12 Milliarden Menschen ernähren könnte, fast das Doppelte der gegenwärtigen Weltbevölkerung. Das durch den Hunger verursachte Massaker an Millionen Menschen hängt deshalb heute nicht damit zusammen, dass zu wenig Nahrungsmittel produziert werden, sondern mit dem Zugang zu den Nahrungsmitteln. Wer genug Geld hat, kann essen und leben; wer nicht genug Geld hat, leidet an Unterernährung, den Krankheiten, die eine Folge davon sind, und an Hunger. Ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“ (Jean Ziegler, Ändere die Welt, S. 42)

und

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Beide Erscheinungen fasst Merkel zusammen im Satz  „Uns geht´s gut.“ Wer ist „uns“? Wem geht´s gut?

 

Hurra! Immer mehr Veganer*innen!

Bildquelle: eigenes Foto

„Besser essen im Kampf gegen den Hunger  der Welt.“

„Guter Mampf statt Klassenkampf“

Von Tag zu Tag absurder: Im veganistischen Kampf gegen den Hunger in der Welt verzehren immer mehr Menschen hierzulande leberfreie Leberwurst, eifreie Backwaren,  Bio-Smoothies aus Wasser und kleingehackten, industriell und pestizidfrei angebauten „Wild“kräutern … . Dabei ist Ernährung so einfach: Hirsebrei mit einer Prise Salz pro Topf, vielleicht ein Apfel und, absolut zwingend, ein  Glas sauberen Wassers. Das oder Vergleichbares in ausreichender Menge fehlt gegenwärtig mindestens 10 % der Weltbevölkerung.

Sich von denaturierten Nahrungsmitteln üppig zu ernähren als individueller Beitrag gegen den Hunger –  ein nicht zu überbietender Zynismus der Satten.

 

 

 

 

Die materialistische Perspektive

In Zusammenhang mit der Zuspitzung  der Auseinandersetzung zwischen liks und rechts in Folge der „Flüchtlingskrise“ werden überwiegend historische, moralische, religiöse… Argumente herbeigezogen.

Menschen, die um ihr „Überleben“ kämpfen,  in ihrer materiellen Existenz bedroht sind, scheren sich im allgemeinen wenig um die Moral. Eine dezidiert materialistische Sicht wäre nötig, um eine Strategie gegen rechts zu entwickeln, die Ängste der Bedrohten ernst nimmt.   weiterlesen

 

 

Hungerwanderungen

„Ich kann meine Kinder nicht mehr ernähren“, zitiert der Autor eines dpa-Artikels in meiner Lokalzeitung einen der Menschen, die hierzulande gerne als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden. Schon die vermutlich von der örtlichen Redaktion gesetzte Überschrift „An einem Tag 800 Asylbewerber aus dem Kosovo“ verdiente es, medienkritisch gewürdigt zu werden. Die Aussage bezieht sich selbstverständlich nicht auf das örtliche Erstaufnahmelager, sondern auf die Zahl derer, die in einem ungarischen Dorf an der serbischen Grenze ankommen und ist geeignet fremdenfeindliches Ressentiment zu schüren. Mein heutiger Leserbrief dazu geht weiter wie folgt:

„Dank des emsigen Forschens von Paläoanthropologinnen, Archäologinnen und Historikerinnen wissen wir, dass der Homo Sapiens wie andere Tierarten dazu neigt, sich über lange Strecken zu bewegen, wenn es da, wo er lebt, nicht mehr genug zu essen gibt. Weder den Römern noch den Chinesen haben Zäune und Mauern gegen diese Wanderungen viel geholfen. Auch Israel und den USA werden Mauern und Zäune auf Dauer wenig nützen.

Neu ist nur, dass es der „Homo zu wenig sapiens“ seit den Anfängen kapitalistischen Wirtschaftens geschafft hat, die Ursachen des Hungers selbst zu erzeugen. Das gelingt durch Befriedungsmaßnahmen, Durchsetzung unserer Form der Demokratie mit militärischen Mitteln und durch Landraub. Mit Frieden und Demokratie wurden u. a. Kosovaren, Afghanen, Iraker, Libyer … beglückt. Landraub durch Agrarkonzerne entzieht nicht nur den Bauern in Asien, Afrika und Lateinamerika ihre Lebensgrundlage aus dem Getreide- und Gemüseanbau, sondern auch denen in Mecklenburg-Vorpommern oder der Mark Brandenburg. Man will uns glauben machen, dass wir kein Brot brauchen, sondern nachwachsende Energie und Rohstoffe, im Winter billige Rosen und Erdbeeren, Fleisch und Fleischersatz, Gummi für Autoreifen und Baumwolle für Hemden und Hosen. Keine Veganerin sollte jedoch glauben, dass sie durch den Genuss fleischloser Dosenwürstchen diesem Tun Schranken setzt! Rudolph Steiner, gest. 1925, ist definitiv mit der Vorstellung gescheitert, dass die Welt ein wohnlicherer Ort werde durch das Stricken und Tragen von Wollsocken und das Malen mit pflanzengefärbten Bienenwachskreiden auf handgeschöpftem Papier. Dabei haben seine geistigen Nachfahren überall auf der Welt Schulen ohne rechte Winkel gebaut, durch die Waldorfer Weisheit weht, von Windhoek bis Wernstein.

Ist es unverständlich, dass die hungernden Menschen dorthin gehen wollen, wo die Früchte ihrer Arbeit landen? Dass sie Europa für das Land Kanaan halten, ganz besonders Deutschland? Überall sind deutsche Schiffe unterwegs, mit geliehenem Geld gekauft von griechischen Reedern, weitestgehend von Steuern befreit, unter liberianischer Flagge mit einer philippinischen Besatzung. Wer etwas auf sich hält, leiht sich ein bisschen was, um von HochTief am Amazonas und in Athen Stadien bauen zu lassen. Weltweit verkaufen deutsche Chemiegiganten Nitrophoska und Pestizide an Bauern, die mit traditionellen Methoden von einem Fleckchen Erde ihre Familie ernähren konnten.

Ob sich die Vernunft des Homo Sapiens durchsetzt gegen den Schwachsinn derer, die vorgeblich im Besitz wirtschaftlicher Weisheit sind und als Lakaien der Herrschenden vorhandene Alternativen nicht zur Kenntnis nehmen? Derzeit hungern 805 Mio. Menschen. Sie hungern nicht, weil die Erde nicht genug hervorbringt. Sie hungern nicht, weil sie zu dumm oder zu faul sind zum Säen und zum Ernten, wie Rassisten und Nationalisten behaupten. Sie hungern, weil sich das oberste Prozent der Bevölkerung der Industriestaaten das Recht nimmt, sich an Kaviar satt zu essen statt an Brot. Flüchtlingszelte gehörten eigentlich in die Gärten von Blankenese, auf die Kö, in den Hof des Sony-Centers, den Garten des Kanzleramtes und auf den Rasen vor dem Nato Hauptquartier in Brüssel. Das sind Orte, an denen zuhauf Verantwortliche für das Elend auf ihren Designer-Sesselchen sitzen.“

Kritische Schlaglichter auf die `abendländische Wertegemeinschaft´

Mein Essay unter dem Titel „Schlaglichter“ argumentiert mit Bezug auf historische Entwicklungen gegen den aktuellen Versuch der gesellschaftlichen Rechten, durch die Konstruktion einer christlich dominierten abendländischen Wertegemeinschaft eine nach außen wie nach innen ideologisch gegen die Menschenrechte gerichtete Politik zu legitimieren.

Meine Sicht auf die `abendländische Wertegemeinschaft´, die in hohem Maß anlässlich der zahlreichen Kundgebungen gegen den islamistischen Terror beschworen wurde, ist beeinflusst von einer Betrachtung der „Geschichte als Sinngebung des Sinnlosen“ wie sie Theodor Lessing in seinem Buch gleichen Titels [erschienen 1919] ausgeführt hat. In gegenwärtigen Worten ausgedrückt: Man kann Geschichte sehen als nachträgliche Deutung, Konstruktion, Strukturierung eigentlich chaotisch ablaufender Prozesse. Diese Deutung ist nie frei von den materiellen und politischen Interessen der jeweils in ihrer Zeit handelnden Menschen, die solche Deutungsmuster benutzen, um die jeweils anstehenden Probleme zu lösen, ihr eigenes Handeln `vor der Geschichte´ zu rechtfertigen oder zukunftsgerichtete Entscheidungen zu legitimieren. Eines der aktuell besonders wirksamen Deutungsmuster will ich hier kritisch betrachten: die Konstruktion eines rückständigen, inhumanen, mit der Durchsetzung des Islam verknüpften Orients im Gegensatz zu einem humanen, christlichen Okzident, der sich selbst gegenwärtig gerne darstellt als zumindest europäisch, oft auch ´atlantisch´  genannte Wertegemeinschaft der entwickelten Industrieländer Europas und Nordamerikas. Ich klammere Elemente der marxistischen Geschichtsphilosophie und die damit beschreibbaren  Zusammenhänge in der Entwicklung von Produktivkräften, Produktionsweisen und Produktionsverhältnissen aus und wende mich allein der Deutung von Geschichte und der Konstruktion geschichtlicher Mythen in Zusammenhang mit religiösen Orientierungen zu.

Meine These ist: Die gegenwärtige gesellschaftliche Rechte in Europa konstruiert mit Hilfe von Elementen aus dem Steinbruch der Geschichte einen Gegensatz zwischen dem als islamisch bestimmten Orient und einem christlichen Okzident, einen Gegensatz der wirtschaftliche, materielle Interessen der beteiligten Nationalstaaten verschleiert, um so eine aggressive Politik gegenüber dem Orient und dem europäischen Osten zu legitimieren. Folgenden Linien will ich dabei nachgehen: der Konstruktion quasi ewig währender, unveränderlicher religiös definierter Blöcke, der Konstruktion eines christlichen Abendlandes, das die südlichen und südöstlichen Anrainer des Mittelmeerraumes und auch Russland ausschließt, die Konstruktion des westlichen Kerneuropa als eines fortschrittlichen, an der Wohlfahrt aller orientierten einheitlichen Kulturkreises, der zu Recht die anderen dominiert.

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Essbremse

Einem Bericht in der Lokalzeitung zufolge, bietet ein Firma namens Slow Control ein Essbesteck an, das mit Hilfe von digitaler Technik den Benutzer an zu schnellem Essen hindern soll. Es ist keine Übertreibung eine Erfindung als Perversion menschlichen Denkens zu bezeichnen, für die Menschen unter unwürdigen Bedingungen und zu Hungerlöhnen seltene Erden fördern, damit anderen die Bürde erleichtert wird, ihrem Fressen Schranken zu setzen.