Henne und Ei

Wenn die Befürchtung aufkommt, dass auch in Deutschland – unter den seit 1948 nachbeschulten Anhängern der parlamentarischen Demokratie – mehr und mehr Leute ihre bürgerlichen Pflichten verweigern oder bei Wahlen mangels wählbaren Angebots nicht wählen, provoziert das eine Frage: Resultiert das `Wahlenthaltung´ genannte Phänomen aus der Gesichtslosigkeit der Parteien, aus der Gesichtslosigkeit ihrer Vertreter oder aus der Gesichtslosigkeit von Meinungsvertretern wie Wladimir!270!Ulianow, Ramses2 oder Wikinger20783 in den sozialen Netzwerken? Ist das Desinteresse der Bürgerinnen und Bürger Ursache oder Folge des Einheitsbreis, der uns in den Medien begegnet?

Vor kurzem ist mit Unterstützung einer Suchmaschine einem persönlich interessierten Mitmenschen aufgefallen, dass die Floskel „schaute von der Veranda in den abendlichen Sommerhimmel“ unter anderem schon von C. D. , L.M. …. und zuletzt von A. B. verwendet wurde. Abendliche Sommerhimmel bei schönem, warmem Wetter gleichen einander. Jeder von uns hat solche schon des öfteren erfahren. Deshalb sagen uns die Worte etwas. Um einen gebildeten Akzent zu setzen, kann der Autor eine Aussage zum verwendeten Sitzmöbel einbinden: Schaukelstuhl, Plastikliege, Hängematte, Hängekorb… . Der Leser kann sich dann gleich ein Bild machen, ob die erzählte Geschichte in den amerikanischen Südstaaten, in einer karibischen Hütte, in einer Bauhausvilla…. spielt. Einzelheiten zum Mobiliar vermitteln dem Leser gleichzeitig einen Einblick in die materielle Situation des Helden.
Mein Vorschlag: „Die Müdigkeit nach seinem langen Ausritt ließ Charly in den weich gepolsterten Hängekorb fallen, der an einem gedrehten Hanfseil in der Ecke der ausladenden Veranda des weiß gestrichenen Haupthauses hing und ließ ihn den abendlichen Sommerhimmel im Westen genießen, der gerade begann sich vom Rand her zart rot einzufärben „. – „Wer mehr als 5 Wörter aus diesem Satz in der gleichen Reihenfolge verwendet, der hat abgeschrieben“, sagt die Ich-finde-Plagiate-Maschine. Ganz gleich ob etwas über Südstaaten, Sommerabende, Charly, Hanfseile, Korbmöbel oder Rottöne erzählt wird.

Wie Plagiate zu entdecken sind

Was die Suchmaschine nicht weiß: Sie kennt weder die Frage, was ein Plagiat sei, noch die Antwort darauf. Das wiederholte Verwenden weitgehend ähnlicher, verwechselbarer Worthülsen und propagandistischer mehr oder weniger dummer Sprüche durch Politiker:innen ist kein Plagiat.
Die Regeln für Zitationen anderer Autoren sollen nämlich nicht die Leser vor einem Betrug durch angemaßte fremde Federn schützen. Sie sollen auch nicht die Tantiemen der Wortbesitzer steigern. Sie verpflichten den Schreiber darauf – wenn er zu akademischen Ehren gelangen will – zu dokumentieren, woher er seine Weisheit hat. Wahrscheinlich wurde diese Pflicht vor langer Zeit erfunden, um Doktorvätern die Arbeit zu erleichtern. Diese müssen dann nur nachprüfen, ob richtig zitiert wurde und nicht selbst wissen, wer alles vorher so oder so ähnlich das gleiche geschrieben haben könnte, möglicherweise tatsächlich schon geschrieben hat, genau so oder vielleicht ein bisschen anders. Doktormütter und Doktorväter wissen zwar manchmal mehr als der Bewerber, manchmal etwas anderes, sicher nicht alles. Auch bewertende Menschen sind Menschen. Manchmal sind sie faul. Manchmal rechnen sie beim Durchsehen einer Arbeit nicht mit betrügerisch genutzter Frechheit. Manchmal können sie sich nicht vorstellen, dass Schüler und/oder Studis anderen helfen oder dass sich Bettelstudenten Lohnschreiber leisten. Ob jemand korrekt zitiert, ist das wichtig? Die Einhaltung akademischer Regeln ist weder ein Beweis von Rechtschaffenheit noch belegt sie überdurchschnittliche Intelligenz. Die Plagiate eines Herrn K.-T. M. N. J. J. P. F. J. S. Bu-F. v. u. z. G. waren nur deshalb von Interesse, weil ein mithilfe von Beziehungen, neuhochdeutsch Netzwerke, erworbener Doktortitel etwas über Zustände aussagt – nicht über Moral oder Intelligenz des Trägers. Besagter Herr hat nachweislich inzwischen Zutritt zu den gesellschaftlichen Sphären erhalten, die ihm als Nachkömmling des Landadels schon in der Jugend vorschwebten.

Über neue Realitäten

Ich habe das nicht statistisch untersucht – vielleicht hat es jemand anderes getan. Mit folgenden wahrscheinlich zutreffenden Vemutungen versuche ich im Folgenden meinen Aussagen Plausibilität zu verleihen:

  1. Bücher werden heute schnell geschrieben: Eine kratzende Feder war langsamer als es einige geübte Finger auf einer Tatstatur sind. Es ist nicht auszuschließen, dass mensch schneller schreibt als er denkt. Ein Sprinter überlegt zwischen seinen Schritten nicht.
  2. Bücher werden heute leichter geschrieben: Wenn einem zu Äpfeln, Birnen, Mostrich und Benz partout nichts einfällt, kann man im Internet sicher Stellen finden aus Texten anderer Menschen, die dieser sicher bedenkenswerten Kombination schon mal ihre Aufmerksamkeit gewidmet haben. Vielleicht auch nur dreien davon, aber Fundstelle bleibt Fundstelle.
  3. Die Neigung zu lesen ist in der lesefähigen Bevölkerung wahrscheinlich genauso verteilt, wie es die Normalverteilung nach Gauß erwarten lässt. Korrelationen zu Bildung, Lebensalter, Geschlecht aufzudecken könnte möglich sein, aber wie, aber wie, aber wie?1
  4. Eine Arbeit gilt dann als wissenschaftlich, wenn es dem Untersuchenden gelingt a) seine in Zahlen gefasste Probe so zu ziehen b) die Kriterien so zu formulieren c) die Ergebnisse in solche graphischen Darstellungen zu packen, dass sie den Eindruck erwecken, es habe einer geforscht.

Die Regel 4 gilt nach meinem Dafürhalten mittlerweile für alle Wissenschaften. Literaturwissenchaftler nutzen maschinell gestützte Abfragen von Texten eines J. W. v. G über die Häufigkeit des Wortes `Lindenbaum´. Das erlaubt glasklare wissenschaftliche Aussagen zu ihrer Qualität, während „Das Gedicht xyz spricht mich an weil…“ jegliche Wissenschaftlichkeit vermissen lässt.
Wenn einer hilft, Infizierte und Tote zu zählen und in Alterskohorten sortiert, so erwächst daraus die entsetzliche neue Erkenntnis, dass an einem Infekt mehr Alte sterben als Junge. Überraschung! Hätten wir ohne Dr. Dr. Osten einfach nicht wissen können. Wann einer infiziert zu nennen ist und woran er starb fragt keiner. Der Wissenschaft ist das anscheinend recht.

Wissenschaft und Glaube

Offensichtlich hat sich die Wissenschaft so weit von ihren Gegenständen entfernt, dass diese – rechnerisch modelliert und nachvollziehbar – in so weite Ferne gerückt werden, dass sie der menschlichen Wahrnehmung entschwinden: die Gedichte, die Sterne, der Schnupfen und die Verformung von Fahrzeugen nach einem Aufprall. Wozu brauchen wir noch Wahrnehmung, wenn wir Wissenschaft haben.
Manche glauben sogar, dass es keiner verständigen, vernünftigen Menschen mehr bedürfe, wenn es genug Wissenschaftler gebe. Was Elon Musk und seine Freunde für technisch machbar halten, muss keiner Überprüfung durch die Vernunft mehr standhalten.
Wer das meiste Geld hat, kauft sich die besten Wissenschaftler und richtet deshalb die Welt am besten ein? Wirklich? Elon Musk ist groß. Weil wir uns umfassend von der Vorstellung verabschiedet haben, ein gewisser Herr Gott könnte größer sein als alle Menschen – einschließlich Elon Musk – werden letzterem von manchen Mitmenschen gottgleiche Eigenschaften und Fähigkeiten zugesprochen. Das ist im Kern die religiöse Botschaft des Marktglaubens. Alles, was käuflich zu erwerben ist, setzt sich wegen seiner Güte=Qualität am Markt durch: Professoren, Politiker und auch die wegen ihrer großen Empfindlichkeit schnell verwehenden Sträuße reifer Pusteblumen.

Konklusion

Viele wollen die Realität nicht zur Kenntnis nehmen: Um etwas nicht zu glauben, muss man es nicht besser wissen. Wer an die marktförmige Demokratie nicht glaubt, wird im September mit großer Wahrscheinlichkeit keinen Zettel ausfüllen. Manche werden einen leeren abgeben, der dann nicht als demonstrativ erfasst sondern als ungültig gezählt wird. Für diese Entscheidung muss man weder rechts noch links sein, keinen IQ von 150 + x nachweisen können noch einem Glauben anhängen oder einen leugnen. Es genügt völlig, einfach nicht zu glauben, was einem da seit einigen Jahrzehnten als Politik serviert wird. Menschen werden der stets die Köche lobenden Kellner überdrüssig. Nichtgläubige finden derzeit keine Partei, die ihrer Befindlichkeit Ausdruck verleihen wollte. Deshalb wird es im September noch weniger abgegebene oder abgeschickte Wahlzettel geben als in früheren Jahren. So viel Prognose traue ich mir zu. Unwissenschaftlich. Ohne Forsa und Modelle. Ob daraus anschließend Konsequenzen gezogen werden von Berufspolitikern, von Parteien, von gesellschaftlichen Institutionen oder einzelnen Menschen? Wenn ja, welche?

1Wen ich mit dieser dreifach wiederholten Frage zitiert habe? Chapeau gegenüber denjenigen, die es erraten.

Zahl und Wissenschaft

Viele Menschen glauben zur Zeit, alles, was als Zahl dargestellt wird oder mit Hilfe von Zahlen als Verlauf dargestellt, sei Wissenschaft. Man hält für wissenschaftlich, was möglicherweise nicht wissenschaftlich ist.
Ob es Sinn macht, täglich, wöchentlich, jährlich erhobene Zahlen in die Öffentlichkeit zu tragen, vielleicht auch noch durch Linien miteinander zu verbinden und als Grundlage für eine Vorhersage heranzuziehen, das muss man prüfen. Vor allem muss geprüft werden, welche Zahlen und/oder Größen tatsächlich in dem behaupteten ursächlichen Zusammenhang stehen. Der sprichwörtliche allgemeine Menschenverstand kann das unter Berücksichtigung der Erfahrung leisten. Dass sich ein Mensch z. B. mit Naschen, Tabak, Alkohol nichts Gutes tut, weiß er auch ohne Expertise.
Auch wenn akademisch ausgebildete Vogelkundler gewissenhaft zählen und auch der verantwortliche Frauenarzt des Kreiskrankenhauses: Schwangerschaften und die Zahl der Storchennester stehen nicht in einem ursächlichen Zusammenhang.

Wissenschaftlich begründetes Regierungshandeln?
Die amtierende Kanzlerin, gelernte Physikerin, warf zu Beginn des Verlaufs dessen, was die WHO Pandemie nennt, das Wort „exponentiell“ in den politischen Raum. Aus welchem Grund? War sie sich darüber nicht im Klaren, dass alle Lebensprozesse – auch die von einzelnen Viren – irgendwann ein Ende haben? Einem jungen Menschen erscheint die Aussicht auf um die 80 Jahre, die gegenwärtig als Leben zu erwarten sind, als endlos. Dem ist aber nicht so. Alle Lebensprozesse haben irgendwann ein Ende. Wenn der Löwe in seinem Raum alle Antilopen gefressen hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Er verhungert. Er nimmt mit kleineren Tieren Vorlieb, oder er riskiert den ungleichen Kampf mit gewichtigeren Tieren. Er wechselt das Umfeld und sucht sich neue Opfer in einem ungewohnten Raum. Alle Seuchen, selbst die Pest, haben bisher immer genug Menschen übrig gelassen, dass es nicht nur weitergehen konnte, sondern die Menschheit mittlerweile auf 8 Mrd. Exemplare angewachsen ist. Dass die Menschen tatsächlich als Gattung untergehen könnten haben sie mit anderen gemein. Sollte dieser Fall eintreten, haben sie ihn selbst mit herbeigeführt. Den Sauriern würde man rückwirkend Selbstverschulden nicht unterstellen.
Entweder ist die Kanzlerin trotz eines Doktor-Titels der Physik ungebildet, oder sie und ihre von der Pharmaindustrie bestochene Entourage wollen mit Hilfe der Erzeugung von Angst ihre Untertanen manipulieren, andere gegenwärtige Probleme verschleiern oder Ziele verfolgen, die sie nicht gerne öffentlich diskutieren wollen. Für jede dieser Annahmen lassen sich Hinweise finden. Nur ein möglichst breit angelegter öffentlicher Diskurs ermöglicht es Menschen, sich Teile der Wirklichkeit zu erschließen, die sich nur als vielfältige Gemengelagen beschreiben lassen. Ein solches diskursives Vorgehen ist grundlegende Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens. Etwas kann als richtig gelten, bis es angefochten wird. Das Sammeln von Bestätigungen und Widersprüchen, Einsprüchen führt im Lauf der Zeit zu einer realitätsnahen Einschätzung. Wer abgehobene, womöglich auch noch von den Herrschenden hoch bezahlte Expertise für die Grundlage wissenschaftlichen Denkens hält, liegt falsch.

Wellen und Tote
Wer nicht schwimmen kann, geht nicht weiter ins Meer hinaus, als er sich trotz Wellen fest auf eigenen Beinen halten kann.
Im Bereich Gesundheit sind den Menschen andere Arten von Wellen vertraut. Wer als alter Mensch den Herbst überlebt, den kostet vielleicht das Frühjahr das Leben. Wer beides überstand, hat gute Aussichten den nächsten Winter noch zu erleben und erneut den Enkeln oder Urenkeln beim Spielen im Schnee zuzuschauen. Der Winter ist alljährlich eine gefährliche Zeitspanne für alle, deren Immunsystem wegen Alters – das bedeutet nicht allein definierte Krankheitsbilder, sondern auch vielfältigen körperlichen Verschleiß – auf virale Bedrohungen nicht mehr angemessen reagieren kann. Am Ende des Alterungsvorgangs des Menschen steht zumeist ein Zusammenbruch des Sauerstoffaustauschs, gewährleistet über die Organe Herz und Lunge. Manchmal verursacht durch eine Infektion der Lunge, manchmal durch den Stillstand eines alt und schwach gewordenen Herzens. Die Ursache des Todes ist in aller Regel ein gelebtes Leben, das an sein Ende gekommen ist. Man nennt es natürlichen Tod. In Traueranzeigen ausgedrückt als `sanft entschlafen´, Christen sprechen, glaubensmäßigen Übereinkünften folgend, oft von einem `Heimgehen´.
Die Realität des Todes als unvermeidbare Folge jeglichen Lebens wurde in den entwickelten Gesellschaften aus dem Alltag verbannt, ausgelagert in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Umso leichter lässt sich gegenwärtig gut Politik damit machen, dass man von vulnerablen Menschen höheren Alters spricht, die – Überraschung – in Pflegeeinrichtungen sterben. Wo denn sonst? Bei einem Verkehrsunfall? Durch Ertrinken? Durch einen Sturz von der Haushaltsleiter? Dabei wurden sie doch oft ohne ihre Zustimmung oder Mitwirkung in diese Einrichtungen verbracht.
Vor dem Hintergrund der alljährlichen, den wechselnden Klimabedingungen der Jahreszeiten geschuldeten Wellen des Sterbens, ist es nicht sinnvoll, sich mit Erläuterungen zu beschäftigen, die vortäuschen, es gebe eine bisher unerforschte, extrem bedrohliche, gefährliche Ursache dafür, dass in einer bestimmten Woche 3595 der insgesamt 22900 Toten dieser Woche (=2,2 %) verstarben. Ein solches Vorgehen macht keinen Sinn. Aber wer fragt schon nach Sinn und Zweck, wenn man Zahlen hat. Tonangebend in der nicht hinterfragten Sinngebung ist eine Kanzlerin, die durch erfolgreiche Anpassung an andere politische Bedingungen schon einmal unter Beweis gestellt hat, dass die Frage nach Sinn und Zweck sie nicht interessiert.

Punkt und Linie
Man kann Punkte durch Linien verbinden. Es gibt Malbücher für Grundschulkinder zum Festigen der Zahlenreihe 1 – 100. Wer die abgedruckten Zahlen von 1 bis 100 der Reihe nach richtig verbindet kann in den Linien ein Bild erkennen. Kindgerecht sind das oft z. B. Bären, Schneewittchen, ein Zwerg, ein Vogel oder auch ein Fernsehgerät.
Frau Merkel bezieht sich auf das tägliche Verbinden von Punkten zu einer Linie und liest sie als Darstellung eines ursächlichen Zusammenhhangs. Dabei ist die Angabe der Punkte Ergebnis eines zwar begründeten aber willkürlichen Handelns.

Wenn ich täglich um 0:00 Uhr in meinem Keller alle Äpfel zähle, den Bestand aufschreibe und vergleiche, ob sie mehr oder weniger wurden, erhalte ich keine belastbare Aussage zu folgenden Fragen: Wieviele Äpfel waren um 8:00 da, um 17:00 um 23:55? Gibt es im Haus einen geheimnisvollen Apfelfresser? Habe ich mich verzählt? Wie kommt eine Zunahme der Äpfel zustande, obwohl ich Kellertüre und Fenster verrammelt habe? Wurden versehentlich Boskop, Gloster und Gravensteiner zusammengeschüttet? Wieviele angeschlagene Äpfel wurden im Lauf des Tages aussortiert, damit sie nicht faulen? Ich muss die Äpfel auch gar nicht zählen, wenn ich damit leben kann, dass ich nach Ablauf einer gewissen Zeit voraussichtlich keine mehr habe und überraschend neue kaufen muss.

Hinter den über die tonangebenden Medien täglich verbreiteten Zahlen zur Pandemie liegt kein auf Erkenntnis der Wirklichkeit gerichtetes Tun. Die Behörde, das RKI, veröffentlicht seit dem 03. März 2020 täglich Zahlen, die offensichtlich nicht geeignet sind, Fragen in Bezug auf eine gegenwärtig grassierende schwerwiegende Erkrankung der Atemwege zu beantworten. (= SARS). Wer wie ich die Sinnhaftigkeit dieses Tuns bezweifelt, muss mit der Erfahrung leben, dass die Überzeugungskraft der eigenen Argumente nicht hinreicht, verängstigte Menschenmengen zu beruhigen. Folgte man den dazu vorhandenen psychologischen Ansätzen, bräuchten immer mehr Menschen unter uns eine Angsttherapie, um psychisch gesund aus dem angerichteten Schlammassel herauszukommen. Manchmal reicht mir selbst die persönliche Berücksichtigung dieser psychologischen Ansätze nicht, mich zu beruhigen. Ich ertappe mich dabei, dass ich versuche in meinen Rumpf hineinzuspüren oder zu horchen, ob ich anders schnaufe als sonst, ich noch genug Luft bekomme, ein voller Magen meine Atmung behindert, usw. Wer Ängste verbreitet, die solche Zustände provozieren, der ist nicht an der Gesundheit der Menschen interessiert. Die Behauptung der Regierenden, sie unternähmen alles Menschenmögliche die Gesundheit der Bewohner des deutschen Territoriums zu erhalten, zu schützen, kann man deshalb als gelogen betrachten. Lüge im Wortsinn: wissentlich falsche Aussage.

Die Erfindung der verletzlichen Alten
Es ist entsetzlich! Die in diesem Jahr 2021 erstmalig von destatis veröffentlichten Zahlen zu den Sterbefällen nach Altersjahrgängen offenbart: es sind auffallend viele Alte, die sterben! Möglicherweise auch unter Beteiligung viraler Infekte. Wünschen wir uns die Zeiten zurück, in denen es im Unterschied zu heute normal war, dass die Häfte der lebendgeborenen Kinder vor ihrem 6. Geburtstag starb? Wäre es ein Ausdruck sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit, wenn anteilsmäßig in jeder Altersgruppe zwischen 0 und 9 [10-19; 20 -29; 30 – 39;… ] gleich viele Menschen sterben? Laut destatis waren nur 142.906 der insgesamt 939. 520 Verstorbenen des Jahres 2019 unter 65. Was können wir tun?!


Die gegenwärtig in Zusammenhang mit einem viralen Krankheitserreger propagandistisch zu Schau getragenen mitmenschlichen Gefühle für die Alten könnten Ausdruck eines schlechten Gewissens sein. Unsere Gesellschaft schließt die Alten systematisch aus, damit die Fähigkeiten der Erwerbstätigen wirtschaftlich besser genutzt werden können. Warum sollen die Arbeitsfähigen ihre kostbare Zeit mit Sozialklimbim verzetteln? Deshalb werden alte Menschen in besonderen Einrichtungen untergebracht. Ihr Vorhandensein stört den auf maximale wirtschaftliche Nützlichkeit ausgerichteten Alltag . Soziales Handeln, aktive Fürsorge begrenzt die Rentierlichkeit der Arbeit der Erwerbstätigen. Nach Meinung der Mehrheit soll das nicht sein.
Demnächst werden in den separierten Anstalten Roboter den Alten das Essen bringen. Vielleicht überreichen sie auch den Pflegebdürftigen die Leine eines Hündchens, das sie stundenweise auf dem Schoß halten und streicheln dürfen, weil ihnen der Kontakt zu etwas Warmem, Lebendigen gut tut. Hauptsache man muss keinen Menschen bezahlen, der ihnen gut tut.
Es gibt Gründe dafür, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die sich um Alte kümmern, seien es eigene Eltern oder Nachbarn: in deren Haushalt nach dem Rechten sehen, für sie Einkäufe erledigen, beim Putzen und bei der Gartenarbeit helfen, mit ihnen spazierengehen. Diese Helferlein für die Altersgruppe 80+ sind allerdings meistens selbst schon über 60, an die 70, wenn nicht sogar im gleichen Alter und einfach körperlich und geistig noch ein bisschen leistungsfähiger, als diejenigen, die ihrer Unterstützung bedürfen.
Dass man zum Schutz der Alten die Kinder von ihren Freunden fernhält, gemeinsam mit ihren Eltern in zu kleinen Wohnungen einsperrt, nicht mehr in die Schule gehen lässt, sie zunehmender Gewalt in den Familien aussetzt, das hingegen ist ganz normal. Kinder sind gegenwärtig anscheinend nicht verletzlich. Man verlässt sich auf die zumindest theoretisch vorhandene Möglichkeit, dass deren Beschädigungen sich im Lauf der Zeit verwachsen. Sie sterben ja nicht gleich.
Könnte die Entdeckung der besonders verletzlichen Alten etwas damit zu tun haben, dass in Deutschland ca. 36 % der Wahlberechtigten über 60 sind und 2021 eine Reihen von Wahlen ansteht, bei denen sich jetzt schon abzeichnet, dass sie vielleicht nicht stattfinden? Welche Bedingung muss denn erfüllt sein, dass Wahlen stattfinden können oder dürfen? Wahlen bei denen zwar stellvertretend für viele nicht mehr Zurechnungsfähige deren Betreuer Stimmzettel ausfüllen und abgeben dürfen, aber kein einziger Erwachsener mit Kindern stellvertretend für seine Kinder sprechen darf und auch die 16-jährigen nicht für sich selbst.

Alles planbar
Im Unterschied zu anderen Ländern kannte Deutschland `vor Corona´ keine bundesweite behördliche statistische Erfassung der Sterbefälle. Es war deshalb seit März ein leichtes, eine angenommene außergewöhnliche Ursache mit täglich öffentlich gezählten Kranken und Toten zu einer elementaren Bedrohung aller Menschen auszugestalten. Die Frage ist, warum man das tut. Die Überwachung der Atemwegserkrankungen durch das Robert-Koch-Institut [ https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-53.pdf ] zeigt für die Zeit seit 2018 nämlich ein anderes Bild.


Wie bedrohlich die Lage tatsächlich ist, ist in viel höherem Maß eine Frage der persönlichen Einschätzung als es uns die täglich mehrfach wiederholten Warnungen der Regierenden vermitteln. Dass man Zahlen benutzt um unterschiedliche Einschätzungen durch die Individuen als unwissenschaftlich zu denunzieren und ihnen autonome Entscheidungen in ihrem Alltag zu verbieten, das macht den Konflikt nicht zu einem Streit zwischen Wissenschaft und Glauben. Auch nicht zu einem Konflikt zwischen Glauben und Aberglauben. Letztere Unterscheidung täuscht die Möglichkeit eines richtigen, eines wahren Glaubens vor und maßt sich ein Urteil über religiöse Empfindungen an, eine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Religion. Solche Phasen gab es in der menschlichen Geschichte schon des öfteren.
Diese Phasen sind den Menschen in ihrer Gesamtheit nicht gut bekommen, sondern sie führten oft zu gewaltsam ausgetragenen Konflikten. Eine von mir sehr ernst gemeinte Frage an die historisch bewanderten Leserinnen und Leser: Gibt es zuverlässige Zahlen in der Frage wieviele Menschen zwischen 1517 und 1648 in Deutschland ihr Leben gelassen haben? Wieviele von ihnen durften an Altersschwäche sterben? Wieviele Tote hat die Pest verursacht? Wieviele Tote muss man religiös motiviertem und gewaltsam ausgetragenem Streit im persönlichen Umfeld zuschreiben? Der Hexenverfolgung und dem religiös motivierten Verbrennen religiöser und wissenschaftlicher Abweichler? Wieviele Menschen starben infolge der kriegerischen Ausseinandersetzungen zwischen den nach Repräsentation verlangenden Provinzfürsten und dem deutschen Kaiser, von denen fast jeder religiöses Denken zur Erreichung dynastischer Zwecke nutzte?
Die Hoffnung ist irrational, das Leben der Menschen und ihrer Gesellschaften sei planbar, wissenschaftliche Expertise könne in eine stetig steigende Lebenserwartung für alle münden, Krankheit und Tod besiegen. Ein paar geschäftstüchtige Leute verkaufen Wundermittel gegen den Tod – Gott bewahre keine Allheilmittel wie im Mittelater oder im Wilden Westen, denn wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung – sondern Impfstoffe. Andere, ebenso geschäftstüchtige, erzielen ein Einkommen aus Waffenproduktion und im Waffenhandel. Wieder andere verweigern einer zunehmenden Zahl von Menschen ein schützendes Obdach und bauen lieber anschließend leer stehende Büros – weil es sich rechnet und man ihnen diese Form des Erwerbs erlaubt.
Es gelingt gegenwärtig den Herrschenden, den Regierenden und ihren amtlich bestallten Vertretern einen Reibach zu machen, wie selten zuvor – unter dem Vorwand unser aller Gesundheit zu schützen.