Sehen wir´s optimistisch

Ein Schritt nach dem anderen, weiter auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur! Seltsam, dass ausgerechnet in diesem Punkt gegenwärtig niemandem die Nähe zum Faschismus auffällt! Der Fortschritt sorgt für genetisch einwandfreie Menschen! Es lebe der gesunde Volkskörper! Volksschädlinge ab ins Quarantänelager!
Die Aufmerksamkeit wird auf böse Wörter über Menschen mit anderer Hautfarbe und diversem Geschlecht gerichtet. Zum Glück erinnert sich niemand mehr an Eugenik, Impfexperimente, Zwangssterilisation… . Wie auch. Diente ja alles dem medizinischen Fortschritt oder der Wehrfähigkeit. Wir schreiten fort! Vorwärts, die Richtung ist uns egal. Hauptsache gesund. Diesmal, darin liegt der Fortschritt, nicht das Volk, sondern die ganze Welt. Wer gesund oder krank ist, das bestimmen wir. Unsere Grundlagen sind das Gesundheitsempfinden aller Weltbürger und die unangefochtene wissenschaftlichen Expertise wohlbestallter Virologen, Genetiker, Reproduktionsmediziner und Pharmakologen, der obersten Herren von Petrischalen, Reagenzglaskarussells und Elektronenmikroskopen.
Was den obersten 100 der Welt vorschwebt, sind funktionstüchtige, steuerbare Homunculi mit ausgeschaltetem Stammhirn und Großhirn. Man arbeitet daran. Nur eine Frage der Zeit, bis wir auch Muskelfleisch über eingepflanzte Chips in Bewegung setzen können, nicht bloß das Geld an der Supermarktkasse.
Hurra. Wir bekommen eine neue Dienstrasse. Unsere Nachfahren werden keine neue Seite im Stammbuch der Menschheit aufschlagen müssen. Wer Speicherplatz hat, braucht kein Gedächtnis. Hoch der homo optimus mit dem neuen natürlichen Menschenrecht, die suboptimalen zu erschlagen. Wahrscheinlich lebt er auf dem Mars, weil die Erde abgewohnt ist und das Renovieren nicht kostengünstig zu bewerkstelligen war. Wage keiner zu sagen, das sei keine optimistische Perspektive. Wer das nicht für Hoffnung hält, ist ein Auslaufmodell der Spezies, aber dank des Fortschreitens der Wissenschaft zu unser aller Glück gesund.

Wörter mit `be-´

Vergleichende Sprachwissenschaft habe ich nicht gelernt. Es ist also eine ganz subjektive Einschätzung, dass die unter Deutschen beliebten Passivkonstruktionen mit Hilfe von Verben, die mit der Vorsilbe `be´ anfangen die Neigung verstärken, andere `be´-stimmen zu lassen. Ob es sich dabei um eine nationale Mentalität handelt, mögen `Be´-rufenere entscheiden, die sich mit so etwas auskennen. Ich persönlich finde es einfach auffällig.

Die Berufenen einer Behörde, die für die Bearbeitung von Seuchen zuständig ist, bestimmen gegenwärtig, weitgehend frei von rechtlichen Skrupeln oder Überlegungen zur materiellen Richtigkeit, was Mensch im deutschen Alltag zu tun oder zu lassen hat. Sie legitimieren dies mit der Behauptung, sie seien beauftragt mich, Angehörige einer Risikogruppe, zu beschützen. Deshalb werde ich, werden wir, täglich auf allen medialen Kanälen belehrt, hinsichtlich der immensen Bedrohung durch eine globale Seuche, die lt. einer anderen Behörde, der WHO, alle Weltbürgerinnen, Weltbürger und Weltdiverse jeglicher Hautschattierung gleichermaßen betrifft. Die unterschiedlichen materiellen Ausgangslagen verschiedener Teile der Weltbürgerschaft, die möglicherweise zu unterschiedlichen Risiken führen, spielen in dieser Frage keine Rolle, denn außer Geschlecht und Lebensalter gibt es keine Unterscheidungen, die von Bedeutung sind – meinen die amtlich bestallten und von Pharmaunternehmen bezahlten Bewerter der berufenen Behörden.

Stimmt das, was sie behaupten? Was buchstäblich meint, dass diese Beamten, Beauftragten und Behörden, die einzigen seien, die einen Kopf mit Füllung besitzen. Alle anderen laufen hauptlos umher. Wollen wir uns angesichts dieser Lage nicht daran erinnern, dass jeder von uns ein eigenes Haupt trägt, das bei aufrechtem Gang oben ist und mit dessen Hilfe wir uns gegen die Bestimmer, Belehrer und Beschützer wehren können?

Recht auf …

Schockiert hat mich vor ein paar Tagen die Äußerung einer Frau am Rande einer Zusammenkunft über das Verhältnis zwischen Linken und Naturwissenschaften. Sinngemäß: „Jeder Mensch muss das Recht haben, seine/ihre Vorstellung vom eigenen Körper mit medizinischen Mitteln in die Wirklichkeit umzusetzen, seinen/ihren Körper mit Hilfe entwickelter Medizin selbst zu gestalten.“ Es fand sich keine Möglichkeit, die Implikationen eines solchen Ansatzes zu klären, geschweige denn zu überprüfen, ob dieser Ansatz unter den gegenwärtig gegebenen, herrschenden Verhältnissen als „links“ eingeordnet werden kann.

Während in vielen Ländern Frauen nicht einmal einen Zugang zu hormoneller Verhütung haben, Abtreibungen nach wie vor verboten sind und deshalb oft unter schlimmen Voraussetzungen  vorgenommen werden – kurz: die mit der Gebärfähigkeit verbundene Gefährdung der Gesundheit von Frauen noch lange nicht  beseitigt ist – reklamiert eine Frau aus einer der wohlhabendsten Weltgegenden das Recht,   kosmetische Operationen vornehmen zu lassen,  die Zeit der Fruchtbarkeit mit Hilfe der Reproduktionsmedizin in ein höheres Lebensalter zu verschieben, individuell zu entscheiden, welche Qualität das erwünschte neue Leben haben solle. Von all diesen Möglichkeiten moderner Medizin war in Zusammenhang mit der eingangs angesprochenen Forderung die Rede.

Ist es eine freie Entscheidung, wenn Frauen, die ihr Geld mit Schauspielerei verdienen wollen, die Größe ihrer Brüste den Rollennachfragen anpassen?

Wer bestimmt wirklich, wenn Frauen, denen man eine gesellschaftliche Kinderbetreuung in der Zeit ihrer Erwerbstätigkeit vorenthält, eine Schwangerschaft aufs Rentenalter verschieben?

Welche Folgen könnte es für den Genpool der Menschheit haben, entschieden sich Massen von Frauen dafür, nicht zufällig Nachwuchs zu bekommen, sondern mit Hilfe von In-Vitro-Fertilisation und pränataler Diagnostik langbeinige, 180 cm großen Wesen mit leicht pigmentierter Haut und blauen Augen  als „Schönste“  zu züchten?

Nehmen die Chancen für das Überleben neuer Menschen im globalen Süden dadurch zu, dass manche vorhandenen Menschen des globalen Nordens für sich das Recht beanspruchen, sich und ihre Nachkommen dem dort gängigen Schönheitsideal anzupassen?

Was ist gewonnen, wenn man Arm und Reich nicht mehr mit Hilfe der Kleidung unterscheidet, sondern am Körperdesign?

Wäre mit der Abnahme von Diskriminierung Benachteiligter zu rechnen, wenn die Fähigkeit zunimmt Normmenschen zu erzeugen?

Ein Recht auf Gestaltung des eigenen Körpers und des Körpers der Nachkommen könnte leicht umschlagen in eine erzwungene genetische Optimierung. Sollen wir das wirklich wollen?

Absoluten Vorrang hat  in näherer und fernerer Zukunft für mich die Versorgung aller bereits Lebenden mit Wasser, Nahrung, Kleidung, Obdach, Wärme, Staroperationen, Brillen, Hörgeräten und sie vor Erkrankungen und Verletzungen zu schützen. Sobald alle genug zum guten Leben haben, werden vielleicht unsere Nachkommen darüber nachdenken, ob die medizintechnisch unterstützte Gestaltung des eigenen Körpers ein Menschenrecht ist. Bis dahin möchte ich mich darauf konzentrieren, Hell- und Dunkelhäutige, Dicke und Dünne, Große und Kleine, Schlaue und Dumme mit Nahrung zu versorgen.

Ausnahmsweise wende ich mich mit meinen Fragen vor allem an Frauen.  Bitte, nutzt die Kommentarfunktion.