Aspekte unserer Leitkultur (IV)

Status und Distinktion

Bunte Anmerkungen zu Bildung, SUV und Co.

Im Statusgebaren zeigen sich Nachwirkungen z. B. ständischer Kleiderordnungen oder durch Sitten und Gebräuche dokumentierter Standesunterschiede. Erhalten blieb die Gewohnheit, den sozialen Status der Mitmenschen an ihrer Kledung, den von ihnen genutzten Dingen abzulesen. Hatte diese Gewohnheit früher einen gewissen Bezug zur Lebenswirklichkeit – wer barfuß ging hatte kein Geld für Schuhe, wer seidene Schuhe trug, konnte sich über Pfützen hinweg tragen lassen – so ist dieser Bezug in der heutigen Zeit oft verschüttet.  Fast alle können sich ausreichend mit Essen versorgen und es gibt „Spielräume“ – selbst für Bezieher von Transferleistungen: Wenn man jeden Tag Nudeln mit Soße ißt, reicht es für einen Handy-Vertrag. Wer kein Handy braucht, entscheidet sich vielleicht für ein Original-Bayern-Hoodie und Markenturnschuhe.

Irgendetwas jedenfalls muss der Mensch haben, das nach außen verdeutlicht: „Das kann ich mir leisten.“ Das ruft mit Bezug zu den persönlichen Wert-Setzungen („Das bin ich mir wert!“)  Urteile anderer hervor, die in den Satz münden: „Der muss Geld haben, der hat… „. In diesem Sinn ist natürlich ein noch nicht bezahltes SUV-Fahrzeug distinktionswirksamer als ein bezahlter Kaschmirpullover. Da muss man sich als Neuankömmling erst hineinfinden.

Wer Kleinwagen fährt, statt dessen Bücher kauft, ist ein Sonderling, denn weder die Bücher noch der beim Lesen aufgenommene Inhalt sind im öffentlichen Raum sichtbar. Bildung ist hierzulande nicht prestigeträchtig, es sei denn sie hat ein Etikett wie „Salem“, „Oxford“ oder so ähnlich. Ein Dahergelaufener mag darauf stolz sein, dass er es bei einem täglichen Fußweg von einfach 10 km zur Schule  geschafft hat, nicht nur Rechnen zu lernen, sondern auch noch eine Fremdsprache in Wort und Schrift. Ob er ohne abgeschlossenes Ingenieurstudium unsere Kultur aber wirklich bereichert? Nur verwertbare Bildung ist echte Bildung, Bildung in harter Währung sozusagen.

Der Besitz eines Smartphones wird anders bewertet, sobald es sich um  Zugezogene mit mediterranem Aussehen handelt. Schon wird vergessen, dass auch der einheimische Transferleistungsbezieher ein solches nutzt. Das Telefonieren mit dem Onkel zuhause stellt den Besitz eines Luxusguts unter Beweis.  Wirklich hilfebedürftige Menschen haben so etwas nicht. Menschen, die abgelegte Kleidung zur Kleiderkammer der Flüchtlingshilfe bringen, sollten auch darauf achten, nur Markenloses weiterzugeben. Das Tragen  gebrauchter Polo-Shirts mit Krokodil, auch wenn sie auf einem türkischen Basar erstanden wurden,  kann verständliche Tätlichkeiten verarmter Nicht-Krokodil-Träger mit Tätowierungen in Frakturschrift auslösen und Unterstützte gefährden.

Hier geborene Menschen, die weder ein unbezahltes SUV noch ein unbezahltes Fernsehgerät mit Bildschirmdiagonale über 1 m,  ein Smartphone mit Ratenvertrag oder ein unbezahltes Haus mit Erker benutzen,  statt dessen aber ein paar Euro in Reserve haben für den anstehenden baren Kauf einer neuen Waschmaschine in Energieklasse A +++ – die sind wirklich arm dran! Das sieht man doch!

Angemessene Integrationsbereitschaft auf diesem Feld der Leitkultur zu beweisen, ist sehr, sehr schwer, vielleicht sogar unmöglich. Es nützt einer Deutschen mit 3 Generationen zurück liegendem Migrationshintergrund jedenfalls nichts, als politische Kabarettistin zu zeigen, dass sie die Landessprache besser beherrscht als die meisten ihrer deutschstämmigen Mitbürger. Wer trotz Kleinkunstpreis kein SUV fährt, verweigert  ganz offensichtlich die Anpassung an die Kultur unseres Landes.

 

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