Wenn das kein Fortschritt ist…

Nach katholischen und evangelischen Militärseelsorgern gibt es 75 Jahre + x nach dem Ende des 2. Weltkriegs in der deutschen Armee auch jüdische Militärseelsorger. Zunächst nur einen, der sich seine Kollegen noch suchen muss. Es ist sicher nur eine Frage der Zeit, bis wir auch islamische, hinduistische oder shintoistische Militärseelsorger haben.
Hauptsache, es wird gekämpft. Wer gegen wen, wissen wir noch nicht. Das ist dann sicher auch nicht mehr unmenschlich, denn bald kämpfen bloß noch Maschinen miteinander und nur ganz selten kommen dabei Menschen zu Schaden, die sich dummerweise im Zielbereich der Geschosse oder Strahlen aufhalten.
Wer das wechselseitige Kaputtmachen von Maschinen für eine Form der Wertvernichtung hält, die angesichts steigender Zahlen von Hungernden und Flüchtenden durch nichts gerechtfertigt werden kann, hat von unserer freien Welt und der Notwendigkeit ihre Werte zu verteidigen einfach nichts verstanden.

Sehen wir´s optimistisch

Ein Schritt nach dem anderen, weiter auf dem Weg in die Gesundheitsdiktatur! Seltsam, dass ausgerechnet in diesem Punkt gegenwärtig niemandem die Nähe zum Faschismus auffällt! Der Fortschritt sorgt für genetisch einwandfreie Menschen! Es lebe der gesunde Volkskörper! Volksschädlinge ab ins Quarantänelager!
Die Aufmerksamkeit wird auf böse Wörter über Menschen mit anderer Hautfarbe und diversem Geschlecht gerichtet. Zum Glück erinnert sich niemand mehr an Eugenik, Impfexperimente, Zwangssterilisation… . Wie auch. Diente ja alles dem medizinischen Fortschritt oder der Wehrfähigkeit. Wir schreiten fort! Vorwärts, die Richtung ist uns egal. Hauptsache gesund. Diesmal, darin liegt der Fortschritt, nicht das Volk, sondern die ganze Welt. Wer gesund oder krank ist, das bestimmen wir. Unsere Grundlagen sind das Gesundheitsempfinden aller Weltbürger und die unangefochtene wissenschaftlichen Expertise wohlbestallter Virologen, Genetiker, Reproduktionsmediziner und Pharmakologen, der obersten Herren von Petrischalen, Reagenzglaskarussells und Elektronenmikroskopen.
Was den obersten 100 der Welt vorschwebt, sind funktionstüchtige, steuerbare Homunculi mit ausgeschaltetem Stammhirn und Großhirn. Man arbeitet daran. Nur eine Frage der Zeit, bis wir auch Muskelfleisch über eingepflanzte Chips in Bewegung setzen können, nicht bloß das Geld an der Supermarktkasse.
Hurra. Wir bekommen eine neue Dienstrasse. Unsere Nachfahren werden keine neue Seite im Stammbuch der Menschheit aufschlagen müssen. Wer Speicherplatz hat, braucht kein Gedächtnis. Hoch der homo optimus mit dem neuen natürlichen Menschenrecht, die suboptimalen zu erschlagen. Wahrscheinlich lebt er auf dem Mars, weil die Erde abgewohnt ist und das Renovieren nicht kostengünstig zu bewerkstelligen war. Wage keiner zu sagen, das sei keine optimistische Perspektive. Wer das nicht für Hoffnung hält, ist ein Auslaufmodell der Spezies, aber dank des Fortschreitens der Wissenschaft zu unser aller Glück gesund.

Für eine menschlichere Zukunft

Bild: Wikimedia Commons – File:06718–1905-Orangenpflücker-Brück & Sohn Kunstverlag.jpg

 

Jemand hat in einem sozialen Netzwerk vorgeschlagen, Erdbeeren künftig von Robotern pflücken zu lassen, wenn die Arbeit der Pflücker zu teuer würde. Ähnliche Vorstellungen – allerdings mit umgekehrter Argumentationsabsicht – plagen diejenigen, die befürchten, in Zukunft werde es nicht einmal mehr unterbezahlte Arbeit für Erdbeerpflücker geben, weil Robbies die produktive Arbeit ersetzen. Zwei Aspekte werden sowohl von den technikaffinen Visionären UND denjenigen ausgeblendet, die uns glauben machen wollen, das Bestreben die Lebensbedingungen der Menschen mit Hilfe von Werkzeugen zu erleichtern und zu verbessern, sei ein erst mit der Industrialisierung in Erscheinung getretenes Phänomen.

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