Wanderungen

2011 wurde mein erster Leserbrief zu der aktuell gerne als „Flüchtlingsproblematik“ bezeichneten Tatsache abgedruckt. 2015 entstand der angehängte Text, der auch diesen Leserbrief wiedergibt. 2018 sind erwartungsgemäß nicht mehr „nur“ 60 Millionen Menschen unterwegs, sondern 68,5 Millionen.
Immer noch gibt es Menschen, die meinen, großen Wanderungen könne man durch Regularien, eine bessere, andere Politik, Zäune und Mauern, Rettungskorridore etc. etwas entgegensetzen.
Vor allem die Zaun- und Mauerbauer seien daran erinnert: Der Limes hat schon den Römern nicht geholfen. Irgenwann standen die Nordlichter, die auf der Suche nach einem Fleckchen waren zum Überleben, vor Rom.

Die Grenzwall-Bauer haben nicht gewonnen. Weder die Erbauer des Limes noch die Erbauer der Großen Mauer, nicht einmal die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls, der ja eher gedacht war, Leute drinnen zu halten als die von draußen abzuwehren. Auch in Sachen Einmauerung der islamischen Bewohner Palästinas ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Obdach – bitte unterschiedslos

Bild: Screenshot aus  http://www.unhcr.org

Stetig vergrößert sich innerhalb der Industriestaaten die Kluft zwischen Reich und Arm. Innerhalb der Länder des globalen Südens ebenso, auch zwischen den Industriestaaten und den sog. Entwicklungsländern. Viele Menschen haben diese Kluft zwischen Arm und Reich von jeher bedauert und versucht sie zu überwinden z. B. durch private Wohltätigkeit und ehrenamtliche Fürsorge. Spätestens seit Marx ist nicht mehr allein die Wohltätigkeit gefordert. Auf dem Feld der Politik bemüht man sich seit dem Erscheinen des »Manifest« um eine Änderung der Verhältnisse, die diese Kluft wachsen lassen.

Die Bereitschaft der Staaten zur Wohltätigkeit – nicht deren Veränderungswille –  drückt sich aus in der Hilfe für alle Flüchtlinge entsprechend der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, die 1954 auch von Deutschland unterzeichnet wurde.

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Flüchtende

In der gegenwärtigen Debatte der Schlauies in Politik und Verwaltung wäre schon viel gewonnen, brächte man diese dazu, wenigstens einmal einen Flüchtenden im Fernsehkrimi anzuschauen. Flüchtende haben Angst.

Sie denken nicht daran, dass man sie leichter erschießen kann, wenn sie mitten auf der gut beleuchteten Straße geradeaus laufen. Sie werden nicht angezogen von einer Hütte im Wald mit einem wärmenden Feuer und Brot im Ofen. Sie vergessen auch nicht aus purer Böswilligkeit ihre Personalpapiere. Es ist ihnen egal, ob es „Sinn“ macht zu flüchten. Sie machen einen verzweifelten Versuch, sich aus der Situation zu entfernen, die ihnen Angst macht.

Flüchtende sind etwas anderes als Migranten, Aus- oder Einwanderer. Für manche der Hiesigen ist der Unterschied anscheinend nicht fassbar. Nur wer diesen grundlegenden Unterschied endlich zur Kenntnis nimmt, kann menschengerechte Lösungen entwickeln.

Flüchtlingssoli?

Frau Klatten, geschätzt 17 Mrd. $ (oder € ?) schwer, nimmt jährlich – sehr niedrig geschätzt bei einem aktuellen Zinssatz von 1 %  170 Mio. ein. Lt. Berechnungs-Modul des Bundesministeriums für Finanzen müsste sie dafür ca. 80.690.872,14 € Einkomensteuer bezahlen. Vom Ertrag blieben ihr also noch 90.309.138 im Jahr übrig, das wären täglich 247.422 €, von denen die Frau ihren Unterhalt bestreiten muss. Bei einer Erhöhung des Spitzensteuersatzes auf 47% blieben ihr davon „nur noch“ ca. 82.330.876 Mio. jährlich oder 225.564 € täglich.  Ca. 8 Mio. würden zusätzlich in die Kasse des Finanzamts fließen.

Würde man das Vermögen des obersten Zehntels der Bevölkerung ( 63,7 % des Volksvermögens von 6,3 Bio. €)  mit einer Vermögenssteuer in Höhe von 2 Promille belasten, kämen rd. 8 Mrd. € zusammen.

14.09.2015

Herr Schäuble, Sie haben Recht. Es braucht einen neuen Soli. Sollten Sie mit Unterstützung der Familien Quandt, Albrecht, Schwarz, Otto … nicht genug zusammenbringen: Wir Altersrentnerinnen mit mehr als 1.000 €/Monat Nettorente legen dann gerne ein, zwei Promille/Nase drauf. Das können wir uns leisten!

Heimaten

Bei uns ist es Eltern eine Beruhigung  zu wissen, dass fast alle Kinder so werden wie die anderen Kinder, die zu dieser Zeit an diesem Ort geboren werden.

Anderswo gibt es kaum Entsetzlicheres als die Vorstellung, die Kinder müssten das vorhersehbare Los all derer teilen, die zu dieser Zeit an diesem Ort leben und geboren werden.

Dann machen sich Eltern, Mütter, Väter, Kinder auf den Weg und suchen einen Ort, der Heimat werden kann.

Eine Heimat zu haben ist keine Selbstverständlichkeit mehr. Es wird zum Privileg. Manche von uns haben dafür gesorgt, dass es so ist. Vor allem die Heimatduseligen.

O-Ton eines Experten

Heute besucht Frau Merkel  Heidenau, einen Ort an dem Bewohner  und Neuankömmlinge einer Flüchtlingsunterkunft in den letzten Tagen massiv von der rechten Mitte verängstigt und bedroht wurden.

Für manche vielleicht überraschend. Von einem Fachmann, einem Angehörigen der Bundespolizei, vernahm ich heute beim Einkaufen:

„Heute geht sie hin und waffelt. Was sie ganz bestimmt nicht sagt: dass wir an dem Elend Schuld sind.  Die meisten Flüchtlinge sind Syrer und Afghaner. Wir warns doch, die das alles veranstaltet haben, dass die flüchten müssen.“