Bunt? Frei?

Es ist schon erstaunlich, wie viele Leute in den weit verbreiteten Intiativen „Hinterunterpopelsdorf ist bunt, nicht braun.“  offensichtlich nur schwarz und weiß kennen. Kein Wunder, dass man da Schwierigkeiten bekommt, zwischen alten und neuen Nazis, rechtskonservativen und Rassisten zu unterscheiden.

Unvorstellbar für manche, dass es den Sklaven eines Baumwollfarmers mit christlich-milder Denkungsart besser ging als einem schwarzen doppelt freien Lohnarbeiter in den Schlachthöfen von Chicago. Nicht vergessen: die Sklaven wurden nicht allein deshalb befreit,  weil die typisch amerikanische Freiheitsliebe dies erforderte, sondern weil man im Norden die Arbeitskräfte brauchte, die der Süden hatte.

1989 haben wir auch so einen Freiheitssturm erlebt. Einige ältere Bewohnerinnen und Bewohner der nordöstlichen Bundesländer haben mir erzählt, dass sie ohne Reisefreiheit jedes zweite Jahr Urlaub in Ungarn oder am Schwarzen Meer machen konnten. Mit Reisefreiheit und Hartz IV können sie sich einen Urlaub nicht mehr leisten.

Was wieder einmal belegt, dass Freiheit oft mit materiellen Nachteilen verbunden ist und es vielen Menschen unter vormundschaftlicher Fürsorge besser geht als in Freiheit. Den meisten ist letzteres auch lieber. Deshalb bin ich lieber sozialistisch als marktfrei.