Die Linken?

Leider begeht der Autor von „Kapitulation im Klassenkampf“ trotz einiger nachvollziehbarer Beobachtungen einen sehr schweren Fehler: Er versäumt es, wenigstens ein Merkmal zu definieren, das aus seiner Sicht „die Linken“ zu „Linken“ macht. Von einer ähnlichen Qualität sind z. B. die Papiere von Expertengruppen der Bundesregierung zu Pandemiefragen. Dort ist nachzulesen, dass Immune durch eine Infektion symptomatisch erkranken. Was nun? Immun oder krank? Wer einzelne Gegenstände, Tiere, Menschen zu Gruppen gleichartiger Elemente zusammenfasst, muss Klarheit darüber herstellen, welche Merkmale ihn zu einer solchen Gruppierung veranlassen, berechtigen, zwingen.
Schade. Obwohl ich mich selbst als „links“ definiere finde ich kaum Ansatzpunkte für eine Auseinandersetzung mit dem Text.

Das könnte daran liegen, dass ich bemüht bin, mich bei meiner Suche nach politischen Fragen und Antworten auf konkrete Voraussetzungen und konkrete, substantielle Forderungen zu konzentrieren. Existenzsichernde Arbeit für alle, die eine solche wollen wäre z. B. eine solche konkrete Forderung. Das Herunterfahren von Rüstungshaushalten und dezentrale Krankenhäuser für alle, die Hilfe wollen, wären weitere. Die Bedingungen unter denen diese Forderungen erfüllbar sind, kann man im gesellschaftlichen Diskurs herausfinden und real herstellen. In einem Diskurs, der Interessen als solche benennt und Entscheidungen in Sachfragen als rechtlich bindend ansieht.
Früher hielt ich den Materialismus, den es seit Jahrtausenden als Denkpraxis gibt, für Linke für selbstverständlich. Ich habe mich möglichweise geirrt. Es gibt jede Menge Menschen, die sich als Linke ansehen und die von anderen als Linke angesehen werden, die keine Materialisten sind. Materialisten kommen nicht auf die Abwege, die Darren Allen in seinem Beitrag auf Rubikon schildert.