Arbeit, Geld und Wohlstand

A:
„Würdest du auch nur eine Minute deutlich unter dem Mindestlohn Zeitungen austragen, um dabei mit einem SUV von Briefkasten zu Briefkasten fahren zu können?“

B:
Ein großes Werkzeug auf dem Müllauto drückt auf die Waschmaschine. Weniger als eine halbe Minute dauert es, die Waschmaschine zu zerdrücken und die Trümmer ins Innere des Behälters zu kippen.

C:
Ich habe es nicht geschafft, rechtzeitig den Sauerteig für unser nächstes Brot anzusetzen. Wir kaufen eines. Das gekaufte Brot verträgt das momentane feucht-warme Sommerwetter nicht und weist im gewohnten, belüfteten Brotgefäß am dritten Tag an allen Seiten Schimmelbefall auf.

Drei Schlaglichter aus dem Alltag einer Woche im Jahre 2021. Wahrscheinlich halten Sie, lieber Leser, die 3 Beobachtungen für unterschiedliche Begebenheiten, die keine Aufmerksamkeit Wert sind. . Für mich sind alle drei berichteten Beispiele Bestandteile gegenwärtigen Wirtschaftens: Produkte herstellen, die binnen kürzester Zeit den Weg auf den Müll finden. Das soll uns veranlassen weiterzuarbeiten um uns Neues kaufen zu können. Meine ketzerische Frage dazu lautet: Was habe ICH davon, so zu verfahren? In wessen Interesse handeln gegenwärtige Regierende in ihrer Mehrheit, wenn sie die täglich auf Papier gedruckten, steigenden Zahlen der Geldmengen auf dem Drucker der Banken als `Wertschöpfung´ bezeichnen und steigenden Wohlstand?
Ich kann es nicht als Errungenschaft ansehen, die in Deutschland vor Jahrzehnten erkämpfte Regelgröße `8-Stunden-Arbeitstag´ bis zum Sankt-Nimmerleinstag als Grundgröße eines angeblich unveränderbaren, systemnotwendigen Gleichgewichts zwischen Kapital und Arbeit zu betrachten.
Mit dem artgemäßen Sinn menschlicher Tätigkeit, dem Interesse zu leben, hat dies nicht viel zu tun. Eine andere Sinngebung liegt auch dann nicht vor, wenn man die Überflüssigen von der Arbeit freistellt und alimentiert (bedingungsloses Grundeinkommen) und die anderen weiterhin 40 Stunden malochen lässt. Den wirtschaftlichen Sinn dieses Tuns beschreibt Karl Marx im Kapitel über den Mehrwert im ersten Band des `Kapital´. Leichter verständlich ist die Schrift „Lohn, Preis und Profit“. Bitte nachlesen.

Für Internationalisten müssen deshalb die zu beantwortenden Fragen so lauten:

  • Was braucht der Mensch zum Leben?
  • Welchen Teil seiner Lebenszeit muss er notwendigerweise dafür aufgrund gesellschaftlicher Entscheidungen (Politik) aufwenden?
  • Was bedeutet in diesem Zusammenhang heute in Deutschland das Wort Wohlstand?
Wenig zu brauchen macht frei vs. Arbeit macht frei.

`Arbeit macht frei´ entstammt nicht, wie manche meinen, faschistischer Ideologie. Der Spruch ist feudalen Zeiten geschuldet, in denen die Grundherrschaft sich Teile des bäuerlichen Arbeitsergebnisses aneignete ohne dabei zu berücksichtigen, dass in manchen Jahren der für die eigene Ernährung übrige Rest wegen Regen oder Dürre, Schädlingsfraß o. ä. nicht ausreichte, die von der Landwirtschaft lebenden bäuerlichen Familien zu ernähren. `Frei´ machte deshalb die handwerkliche Arbeit in den zentralen Orten, den kleinen Landstädtchen, in denen es Schmiede gab, Weberinnen, Bäcker und Böttcherinnen, Töpferinnen und Färber, allerlei Zünfte. Weitergegeben wurde diese Erfahrung in Deutschland mit der Wendung „Stadtluft macht frei.“ Damit war nicht allein die Freiheit vom Grundherren gemeint, sondern auch die mancherorts entwickelte Selbstorganisation, Selbstbestimmung der Bürger und Kaufleute, die Verfasstheit der Freien Reichsstädte oder städtischer Republiken, der durch die Zünfte gesicherte Rechtsrahmen für die materielle Produktion. Die Einbindung in städtische Arbeitsprozesse war vor der Industriellen Revolution nicht nur verbunden mit größerer materieller Sicherheit, sondern auch mit einer Zunahme an gesellschaftlichen Mitbestimmungs- oder Mitgestaltungsmöglichkeiten.
`Wenig zu brauchen macht frei´ kann nicht bloß als propagandistische moralische Sentenz gelesen werden, die armen Leuten ihr Leben erträglicher machen soll. Wer seinen Ausgaben Grenzen setzte, sparsam wirtschaftete, konnte sich Handlungsspielräume verschaffen. Z. B. mit zurückgelegten Pfennigen eine Reise machen. Auch endlich heiraten. Sich von der Turmuhr unabhängig machen durch den Kauf einer eigenen Uhr, die auch Sohn und Enkelin noch benutzten. Hie und da einem nahestehenden Menschen ein Geschenk machen.
Familien und/oder Clans sind per se keine kriminellen Strukturen. Sie schaffen auf Gegenseitigkeit materielle Sicherheit, vor allem natürlich für die Zukunft der eigenen Kinder. Noch heute muss Mensch kein Krösus sein, um z. B. einem Geschwisterkind einen Ausbildungsplatz zu vermitteln, wärend des Studiums ein Zimmer zu überlassen oder vergleichbare Unterstützung zukommen zu lassen. Wenn arme ältere Menschen in Deutschland dazu befragt werden, bezeichnen sie es als das traurigste Merkmal ihrer auf das materielle Mindestmaß begrenzten Existenz, dass sie ihren Kindern und Kindeskindern keine materielle Unterstützung zukommen lassen können, dass ihr Geld nicht einmal reiche für ein kleines Geschenk, meistens Süßigkeiten, nicht einmal ab und zu. Ein kleines bisschen weniger wichtig ist es, Freunden etwas schenken zu können. Freude machen ist ein menschliches Bedürfnis. Das zeigt das Tauschen von Spielzeug unter Kindern. Das Hergeben und Entgegennehmen wird nicht Handel genannt, denn der Wert der Gegenstände ist dabei nicht wichtig. Es ist ein soziales Handeln, kein wirtschaftliches.
Das gegenwärtige Wirtschaften schafft Unfreiheit indem es der großen Mehrheit der Menschen einredet, das wiederholte Anschaffen von Gegenständen, die man eigentlich schon hat und nutzt sei ein Wohlstandsgewinn. Wäre es nicht eher ein Wohlstandsgewinn, den Zeitraum zu verkürzen, in dem man sich von anderen schurigeln und hetzen lassen muss?

Geld sparen oder Arbeit?

Mehr und mehr berichten Menschen öffentlich, wie sie ihren persönlichen Weg aus Tretmühle oder Hamsterrad in eine von Zufriedenheit geprägte Lebensführung bewältigten. Oft sind es Menschen aus dem mittleren Management von Industrie und Finanzwesen, die das von ihnen angesammelte Geld dazu verwendet haben, sich Arbeit zu kaufen, indem sie sich auf kleinen bäuerlichen Anwesen selbst versorgen, in einer kleinen Werkstatt etwas herstellen, was ihnen selbst gefällt, ihrem eigenen Qualitätsanspruch entspricht oder ihr Können herausfordert. Sie wirtschaften auf eine Art, die für viele kleinstädtische Handwerker zu Beginn des 20. Jahrhunderts und auch nach dem 2. Weltkrieg in ganz Europa noch weithin üblich war. Nahrungsmittel bezog man vom eigenen Land und eigenem Vieh, das Handwerk brachte so viel Einkommen, dass man sich dazu Dinge verschaffen konnte, die andere herstellten. In Abständen neue, qualitativ hochwertige Kleidung kaufen, eine illustrierte Zeitung, ein Jahrbuch, gelegentlich ein Glas Wein oder Bier trinken oder einen Ausflug machen. Die jährlichen Gesamtarbeitszeiten waren nicht höher, nur schwankend. Schwankend durch jahreszeitliche Nachfrage, witterungsbedingt und manchmal religiös/kulturell bedingt.
Warum sich heute viele Menschen nicht allein arm fühlen und zutiefst unglücklich sind, sogar in Depression verfallen, weil sie sich nicht zu jeder Jahreszeit komplett modisch neu einkleiden können und alle 10 Jahre die Wohnung neu möblieren, begreife ich nicht. Obwohl ich das Gefühl durchaus kenne, sich an einem Gegensatnd satt gesehen zu haben. Trotzdem sehe ich – völlig unabhängig vom Preis – sehr selten etwas, was an Schönheit, materieller Beständigkeit und Funktionalität das überträfe, was ich schon habe. Z. B. das Wohnzimmerbuffet, das sich meine Eltern Anfang/Mitte der Fünfziger Jahre vom Schreiner machen ließen, als sie das dazu nötige Geld zusammengebracht hatten. Es ist 60 cm tief, hat drei Türen, hinter einer davon 2 große Schubladen für Besteck und eine Platte zum Ausziehen um Teile abzustellen, bevor man sie der Reihe nach zum Esstisch trägt. In modernes Esszimmermobiliar passen keine Platten und Schüsseln für ein Essen mit Freunden. Bestenfalls hinter jede Tür oder Klappe eine. Die billigen Stühle sind meist deutlich schmäler als die meisten Menschen.
Natürlich ist niemand, auch ich nicht, absolut gefeit gegen unsinnige Spontankäufe. Wahrscheinlich nicht einmal die Menschen, die nach der soziologischen Definition arm sind. Sie müssen es später deutlich spürbar büßen. Gründliches Überlegen von Ausgaben ist für niemanden von Nachteil.
Ich selbst kann relativ gut mit Nahrungsmitteln umgehen, habe aber wenig Erfahrung im Anbau von Nahrungsmitteln. Meine sonstigen handwerklichen Fähigkeiten haben stark nachgelassen. Seit mehr als 20 Jahren musste ich nicht mehr tapezieren oder streichen, nur weil ich die Wohnung wechsle und auch nicht mehr bohren, um Regale zu befestigen. Wer nicht raucht, kann sich sogar einen Teil der üblichen Renovierungen sparen. Dadurch spart man Geld und Arbeit.
In dem gerne als Kinderbuch bezeichneten Roman „Momo“ von Michael Ende wird sehr anschaulich und gefühlvoll geschildert, was man alles machen kann, wenn es einem gelingt, den Zeitdieben ins Handwerk zu pfuschen. Ich kann einfach keinen vernünftigen Grund dafür finden, dass Menschen freiwillig mehr Lohnarbeit verrichten, als sie zur Aufrechterhaltung ihres Lebens brauchen. Sicher braucht jemand, der gerne seine Freunde um sich schart, mehr Stühle als nur einen. Aber niemand hindert einen daran, sie in eine neue Wohnung mitzunehmen oder zu reparieren, wenn ein unerzogener und gewichtiger Mitmensch zu lange auf den hinteren Stuhlbeinen gewippt hat.

B und C sind Norm

In der gegenwärtigen Welt wird über die beabsichtigte Vernichtung und den ebenso beabsichtigten vorzeitigen Verschleiß meine persönliche, meine selbst bestimmte Zeit gestohlen. Kein elektrotechnisch versierter Mensch bekommt gegenwärtig noch eine Chance, meine Waschmaschine vom Straßenrand zu holen, die zwar ich nicht reparieren kann, ein anderer aber schon. Mittlerweile sind sogar Geräte üblich geworden, bei denen nicht einmal jemand mit den notwendigen Kenntnissen und den speziellen Werkzeugen der Service-Dienste etwas reparieren könnte: Gehäuse werden verklebt, statt verschraubt. Schon seit langem werden Ersatzteile so teuer verkauft, dass sich das Reparieren geldmäßig nicht lohnt, sobald man die damit verbundene Arbeit bezahlen muss. Das muss jeder irgendwann, denn niemand kann alles. Mancherorts gibt es Vereine oder lockere Gruppen, die ehrenamtlich Gegenstände reparieren für Menschen, denen die Werterhaltung wichtig ist, die sie aber selbst entweder nicht leisten können oder nicht bezahlen.
Es wird absichtlich, dafür braucht man die Berechnungen der Controller, so billiges Material verwendet, dass die Gerätschaften oder Kleidungsstücke schneller kaputt gehen, als man sich vorstellen kann. Die Qualität von Nahrungsmitteln leidet durch lange Transportwege, Ernte vor der eigentlichen Reife oder unnötige Zusätze. Zur Verdeutlichung zwei Bilder zu der Situation, die mich dazu brachte, endlich mal etwas Persönliches zu diesem Thema zu schreiben.

Alle Leser können auch ohne wortreichen Bericht erkennen, von welcher Sorte meiner Sammlung an Wäscheklammern jedes Mal mindestens eine beim Wäscheaufhängen kaputt geht. Bald sind sie alle. Dann muss ich mich nicht mehr ärgern. Welche Sorte ist von einer in hohem Alter verstorbenen Verwandten vor 20 Jahren in meinen Bestand gekommen?
Lautet Ihre Anschlussfrage: „Wer hängt denn heute noch Wäsche auf?“
Schätzungsweise muss ein Mindestlöhner für eines der billigsten und am wenigsten haltbaren Hausgeräte ca. 28 Stunden, also mehr als eine halbe Woche arbeiten, um das dazu notwendige Geld zu verdienen, vom Strom gar nicht zu reden. Eine evt. vereinbarte Ratenzahlung ändert an dieser Schätzung nichts. Viele Menschen verdienen weniger, d.h. sie müssen für das gleiche, billige, schlechte Gerät noch länger arbeiten. Auch das hilft sie arm und abhängig zu halten. Die Sozialämter rechnen damit, dass man in dieser Qualitätsstufe alle 3-5 Jahre einen neuen Trockner, eine neue Waschmaschine, einen neuen Kühlschrank, eine neue Spülmaschine braucht, jedes Jahr also etwa eine halbe Woche für ein elektrisches Küchengerät arbeitet, ca. 3 + x Promille der jährlichen Lebenszeit.

Lösung: v.l.n.r.: Holz, Erbstück, ca 80 Jahre alt; Kunststoff, ca. 30 Jahre alt, seinerzeit nicht billig; Holz, irgendwann selbst beschafft (Haustürkauf von der örtlichen Blindenwerkstatt?) ca. 40 Jahre alt; Kunststoff, extrem billig, gekauft ca. 2005; Holz, Souvenir von einem Markt in England, etwa 1985.

Geschlechterrollen

Hinreichend erklärt dürfte jetzt auch sein, warum vor allem Frauen mit Arbeit im Niedriglohnsektor von Emanzipation durch Beteiligung am Erwerbsleben statt Hausarbeit eher wenig halten. Wer für die Lebensführung seiner Familie arbeitet – Fachleute nennen das Reproduktionsarbeit im Unterschied zur Arbeit in der Produktion oder im Dienstleistungssektor – muss sich von anderen nicht sagen lassen, wann die Wäsche zu machen ist. Kein anderer entscheidet im Haushalt, ob 10 Falten im Hemd noch hingenommen werden können als die Hausfrau genannte Reproduktionsarbeiterin. Wer meint diese Reproduktionsarbeit werde nicht mehr gebraucht, der irrt.
Niemand würde für Dienste bezahlen, die nicht nötig sind. Aber den Preis dieser Dienste wollen alle drücken. Auch die emanzipierte Nicht-Köchin im Home-Office, die es beim besten Willen nicht auch noch schafft Nudeln ins kochende Wasser zu werfen. Ob Imbissbuden besser bezahlen, die neuerdings mit Bio- oder veganer Küche Kunden suchen und beliefern für ihre Produkte zum Mitnehmen im oberen Preissegment, weiß ich nicht. Vermutlich nicht. Die Kundschaft zahlt ja nicht mehr, damit die Beschäftigten ordentlich verdienen, sondern weil ein gesellschaftlich aufwertendes Label einen gehörigen Preisaufschlag erlaubt. Dass Ausbeutung innerhalb eines Staates genauso verwerflich sein könnte wie global, hat sich noch nicht herumgesprochen.

Arbeit sparen?

Arbeit wird in den gegenwärtig als fortschrittlich gepriesenen Veränderungen der Produkte, deren Herstellung und Verteilung nicht gespart. Nicht die Arbeit wird eingespart, sondern der Lohn, die Kosten der Arbeitskraft. Vor allem bei Herstellung und Verteilung von im Vergleich extrem niedrigpreisigen Artikeln wird nicht Arbeit gespart, sondern es werden ganz extrem Lohnkosten gedrückt. In jedem Land. Aus guten Gründen sind Statistiken schwer zu finden, die belegen, dass nicht die Arbeit wegfällt, sondern die Kosten für die Arbeit verringert werden
Wer sich bei einem Lieferdienst ein Gericht bestellt, muss zwar nicht selbst kochen – aber irgendwo wird gekocht. In aller Regel täglich millionenfach ein Fraß, der z. B. an große Altersheime geliefert wird, Krankenhäuser, Betriebskantinen … . Deshalb sind immer mehr Menschen fehl- oder mangelernährt, haben Krankheiten, die man mit überlegter Ernährung in den Griff bekommen könnte und schlucken statt dessen Tabletten, deren Nebenwirkungen sich summieren. Wenn dann auch noch eine Grippe dazukommt… .
Für das Smartphone werden irgendwo weiterhin Platinen hergestellt, Tastaturknöpfchen, Gehäuse. Nur reparieren kann man es nicht mehr. Die bei der Herstellung des Geräts aufgewendete Arbeit ist kalkulatorisch sehr niedrig anzusetzen. Zum Herausziehen der enthaltenen Wertstoffe, zum Trennen, schickt man den Müll dann wieder woanders hin. Die Kinder fremder Erdteile dürfen sich bei dieser Arbeit ruhig vergiften. Das ist „Entwicklung“ sagen manche und weisen den Vorwurf empört zurück, sie seien Zyniker.
Trotzdem wird weiterhin mit dem Ziel produziert, das Produkt möglichst schnell veralten zu lassen, damit der umworbene Kunde ein neues, weitgehend gleiches kauft und sich so selbst motiviert, im Hamsterrad zu verbleiben. Werbeprospekte vermitteln mir den Eindruck, dass ein Smartphone eigentlich gar kein werthaltiges Produkt mehr ist, sondern eine fast kostenlose Zugabe zum Tele-Kommunikations-Vertrag. Trickreich wird auf irgendeine Weise jeder „überzeugt“ die Hamsterrad-Existenz aufrecht zu erhalten, obwohl das, was die Menschheit produzieren kann, schon seit längerem dazu ausreicht, keinen einzigen Menschen verderben zu lassen, ihn an Hunger, Krankheit, Unwissenheit sterben zu lassen. Auch nicht die Hunderttausende, die gegenwärtig auf Madagaskar wegen einer Dürre hungern. Dabei ist die sinnfrei Arbeitskraft und Rohstoffe verschlingende Produktion von Rüstungsgütern und Kriegen gar nicht berücksichtigt.
Ist es sinnvoll Nahrungsmittel zu vernichten, um Preise zu halten, damit Landwirte mehr Maschinen kaufen, die es ihnen ermöglichen, noch mehr Nahrungsmittel zum Wegwerfen zu erzeugen? Die Antwort ist einfach: Es ist nicht sinnvoll, sondern einfach irre; eine Art partiellen Irreseins der Einzelnen und der Gesellschaften in denen sie leben. Sinn hätte es, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten.
Sinnvoller wäre es, den eigenen Zeitaufwand für abhängige und fremdbestimmte Arbeit möglichst gering zu halten. Das ist keine Frage der moralischen Haltung, sondern der Löhne. Wer mit abhängiger Arbeit genug verdient, hat mehr Zeit, die er für sich selbst, die eigenen Interessen und Bedürfnissen verwenden kann.
Global gemeinsam die Kosten der Arbeit in die Höhe treiben und so die Profite senken. Das ist die Aufgabe.

Weiteres zum Thema:

Frigga Haug, Die Vier-in-einem-Perspektive als Leitfaden für Politik

Jens Berger; Quick Commerce – die Rückkehr der Dienstbotengesellschaft; Nachdenkseiten

Christoph Bartmann; Die Rückkehr der Diener – Das neue Bürgertum und sein Personal, Hanser-Verlag, München 2016



Leseempfehlung

Falsche Pandemien –
Argumente gegen die Herrschaft der Angst
von Wolfgang Woodarg, erschienen 2021 im Rubikon Verlag, München.
ISBN 978-3-96789-018-1

Werbetechnisch gesehen ist meine Leseempfehlung überflüssig: Das Buch hat es binnen kurzer Zeit auf die Spiegel-Sellerliste geschafft. Es bedarf meiner Empfehlung nicht. Ich empfehle es trotzdem.
Denn:
Es ermutigt, sich vom Lesen auf den Pfad des Handelns zu begeben. Wenn sich genug Menschen daran beteiligen, dem Treiben der Pandemie-Profiteure ein Ende zu setzen, könnten wir es schaffen. Das wäre schön.

Zum Autor:

Meine Einschätzung ist davon beeinflusst, dass Wolfgang Woodarg (Jhg. 1947) und ich (Jhg. 1950) vermutlich in jungen Jahren von ähnlichen politischen Erfahrungen geprägt wurden. Wir haben – so glaube ich aus seinem Buch herauslesen zu können – einen gemeinsamen politischen Hintergrund, der seinerzeit tausendfach die jüngeren unter den Aktivisten der Schüler- und Studentenbewegung der 60er Jahre des zurückliegenden Jahrhunderts geprägt hat: die Nähe zu einer Orientierung, die damals ihren Ausdruck in einem Parteiprogramm fand, das historisch noch nicht ganz so kurzatmig war, wie die gegenwärtigen, dafür aber weniger Druckzeilen benötigte als heutige Parteiprogramme. Dieses Programm, das Godesberger Programm der SPD, endete mit den Worten „Auf deutschem Boden sammeln sich die Sozialisten in der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands, die jeden in ihren Reihen willkommen heißt, der sich zu den Grundwerten und Grundforderungen des demokratischen Sozialismus bekennt.“ Wolfgang Woodarg ist, so zeigt er sich in diesem Buch, in diesem Sinne Sozialdemokrat. Kein modernisierter, wirtschaftsfreundlicher wie Schröder und Blair, sondern ein Demokrat mit einem tief gründenden Misstrauen gegenüber Machtstrukturen, die auf die Erhaltung materieller und gesellschaftlicher Ungleichheit abzielen. Kern seines im Buch entwickelten widerborstigen Denkansatzes zur vorgetäuschten Pandemie ist der Begriff der Autonomie. Individuelle Autonomie ist die notwendige, unverzichtbare Grundlage jeglicher Form von lokaler und regionaler Selbstorganisation und deren Vernetzung in größeren räumlichen Zusammenhängen. Auf der Grundlage der Autonomie kann Mensch dem herrschenden globalistischen, zentralistischen, manchmal sogar auf die Entwicklung transhumaner Wesen gerichteten Denken und Handeln der Plutokraten eigenes politisches Handeln entgegensetzen.

Zum Inhalt

Woodarg beschreibt den Wandel der WHO, der Fachorganisation der UN für Gesundheit, zu einer Organisation im Dienste der weltweiten Durchsetzung der wirtschaftlichen Interessen der Pharmaindustrie. Er prüft die Stichhaltigkeit der nahezu ausschließlich von hochspezialisierten Virologen in die Welt gesetzten Aussagen zu einer weltumspannenden Verbreitung einer viralen Bedrohung der Menschheit und entwickelt dazu die Perspektive eines Menschen, der als Leiter eines Gesundheitsamtes beruflich damit befasst war, der Ausbreitung infektiöser Erkrankungen durch behördliches Handeln entgegenzuwirken.
Gedankenstränge, die in diesem Zusammenhang wichtig sind:

  • die realitätsnahe Einschätzung des Ausmaßes der möglichen Gesundheitsgefährdung
  • praktische ärztliche und/oder medizinische Maßnahmen zu Eingrenzung gesundheitlicher Gefahren, basierend auf den verfassungsmäßigen Grundrechte
  • Abwägung möglicher Folgen von Maßnahmen

Mit aller Entschiedenheit wendet sich Woodarg dabei gegen Formen einer amtlichen Verantwortungslosigkeit, die mögliche Auswirkungen des eigenen, des behördlichen Handelns angesichts einer besonderen medizinischen Aufgabe in einen rechtsfreien Raum stellt, vorgeblich erzwungen durch eine überraschend in die Welt getretene bedrohliche Erkrankung, verursacht durch ein völlig neuartiges Virus. Gegen diese Krankheit soll buchstäblich jedes Mittel Recht sein. Wirklich jedes? Auch die nichtmedizinischen Interventionen von Behörden ohne Rechtsgrundlage? Woodarg stellt klar, dass die PCR-Tests das nicht leisten, was von Regierungsseite zur Rechtfertigung ihrer nichtmedizinischen Interventionen beständig herangezogen wird: eine Erkrankung feststellen, Infektiosität feststellen.
Er stellt die von medialer Propaganda verwendeten Bilder in ihren inhaltlichen Sachzusammenhang und macht dadurch deren manipulatorische Absicht erkennbar: Angsterzeugung. Er analysiert die realen Vorgänge in Kliniken und Heimen und beschreibt ihre nachteiligen Auswirkungen für Pflegebedürftige, Beschäftigte und Gesundheitssystem.
Woodarg widerspricht mit guten Gründen der Behauptung, ohne Massenimpfungen seien die Menschen hilflos gegenüber Viren, insbesondere gegenüber dem schon längst in der Version Sars-Cov 2 – Wuhan nicht mehr vorhandenen Virus. Er charakterisisiert den gegenwärtigen Impf-Hype als medizinisch überflüssige, von den Profitinteressen der Pharmaindustrie in Gang gesetzten Vorgang. Das Geschäft mit den Impfstoffen ist eine der realen Ausprägungen einer Gesundheitspolitik, die nicht bestimmt ist von der Notwendigkeit und Möglichkeit kranken Menschen zu helfen, sondern von den Gewinnperspektiven der Gesundheitswirtschaft. Er bekräftigt die Notwendigkeit einer lokal organisierten Gesundheitspflege als Zweig der allgemeinen Daseinsvorsorge in einem sozialen Rechtsstaat, benennt und beschreibt praktische Alternativen, die mancherorts schon in Gang gebracht wurden.
An vielen Stellen weist Woodarg auf die seit längerem im Gesundheitswesen vorhandene institutionelle Korruption hin, die es zwar nicht allein im Gesundheitssektor gibt, aber auch dort in hohem Maß politische Entscheidungen bestimmt. Er erläutert in einem gesonderten Kapitel die dazu gehörigen Details in der Gesundheitspolitik. Dabei folgt er dem Prinzip reale Geldströme aufzudecken und so die Frage „Zu wessen Nutzen? Zu wessen Vorteil?“ zu beantworten. Diese Geldströme kennzeichnen auch die Beziehungen zwischen Wissenschaft, Wissenschaftlern und dem Staat. Die breite wissenschaftliche Diskussion mit dem Ziel Aussagen zu treffen, die der Wirklichkeit entsprechen und so gemeinsame, gesellschaftliche Problemlösungen vorzubereiten ist weitgehend ersetzt worden durch eine von Profitinteressen bestimmte, von Lobbyisten durchgesetzte Politik wirtschaftlicher Interessenverbände. Das betreffe nicht allein die Gesundheitspolitik, sondern z. B. auch die Entwicklung der Infrastruktur oder der Agrarwirtschaft. Sein abschließendes Kapitel erinnert daran, dass wir Bürger gesellschaftliche Strukturen und Formen entwickeln können, die gegenüber der Herrschaft der Plutokraten durchsetzungsfähig sind.

Komsequenzen

Ich empfehle die Lektüre vor allem denjenigen, die seit der Ausrufung der Pandemie politische Entscheidungen aufmerksam verfolgen und in Beziehung setzen zu der nachweislich nicht vorhandenen Gefährdung durch ein vorgeblich neuartiges, bisher unbekanntes virales Geschehen. Für die nach unserer Verfassung demokratisch nicht legitimierten Maßnahmen der Exekutive gibt es keine medizinische Begründung, erst Recht keine Notwendigkeit. Die von Wolfgang Woodarg herangezogenen Belege dafür sind im Lauf der letzten Monate vielen Menschen bekannt geworden. Diese in einen politischen und interessenbezogenen Zusammenhang zu stellen gelingt Wolfgang Woodarg in einem sehr hohen Maß. Über seine politischen Handlungsvorschläge zu diskutieren ist der Mühe wert.
Unbedingt lesen! Nach der Lektüre: Maske fallen lassen! Politisch handeln!

Zahl und Wissenschaft

Viele Menschen glauben zur Zeit, alles, was als Zahl dargestellt wird oder mit Hilfe von Zahlen als Verlauf dargestellt, sei Wissenschaft. Man hält für wissenschaftlich, was möglicherweise nicht wissenschaftlich ist.
Ob es Sinn macht, täglich, wöchentlich, jährlich erhobene Zahlen in die Öffentlichkeit zu tragen, vielleicht auch noch durch Linien miteinander zu verbinden und als Grundlage für eine Vorhersage heranzuziehen, das muss man prüfen. Vor allem muss geprüft werden, welche Zahlen und/oder Größen tatsächlich in dem behaupteten ursächlichen Zusammenhang stehen. Der sprichwörtliche allgemeine Menschenverstand kann das unter Berücksichtigung der Erfahrung leisten. Dass sich ein Mensch z. B. mit Naschen, Tabak, Alkohol nichts Gutes tut, weiß er auch ohne Expertise.
Auch wenn akademisch ausgebildete Vogelkundler gewissenhaft zählen und auch der verantwortliche Frauenarzt des Kreiskrankenhauses: Schwangerschaften und die Zahl der Storchennester stehen nicht in einem ursächlichen Zusammenhang.

Wissenschaftlich begründetes Regierungshandeln?
Die amtierende Kanzlerin, gelernte Physikerin, warf zu Beginn des Verlaufs dessen, was die WHO Pandemie nennt, das Wort „exponentiell“ in den politischen Raum. Aus welchem Grund? War sie sich darüber nicht im Klaren, dass alle Lebensprozesse – auch die von einzelnen Viren – irgendwann ein Ende haben? Einem jungen Menschen erscheint die Aussicht auf um die 80 Jahre, die gegenwärtig als Leben zu erwarten sind, als endlos. Dem ist aber nicht so. Alle Lebensprozesse haben irgendwann ein Ende. Wenn der Löwe in seinem Raum alle Antilopen gefressen hat, gibt es verschiedene Möglichkeiten: Er verhungert. Er nimmt mit kleineren Tieren Vorlieb, oder er riskiert den ungleichen Kampf mit gewichtigeren Tieren. Er wechselt das Umfeld und sucht sich neue Opfer in einem ungewohnten Raum. Alle Seuchen, selbst die Pest, haben bisher immer genug Menschen übrig gelassen, dass es nicht nur weitergehen konnte, sondern die Menschheit mittlerweile auf 8 Mrd. Exemplare angewachsen ist. Dass die Menschen tatsächlich als Gattung untergehen könnten haben sie mit anderen gemein. Sollte dieser Fall eintreten, haben sie ihn selbst mit herbeigeführt. Den Sauriern würde man rückwirkend Selbstverschulden nicht unterstellen.
Entweder ist die Kanzlerin trotz eines Doktor-Titels der Physik ungebildet, oder sie und ihre von der Pharmaindustrie bestochene Entourage wollen mit Hilfe der Erzeugung von Angst ihre Untertanen manipulieren, andere gegenwärtige Probleme verschleiern oder Ziele verfolgen, die sie nicht gerne öffentlich diskutieren wollen. Für jede dieser Annahmen lassen sich Hinweise finden. Nur ein möglichst breit angelegter öffentlicher Diskurs ermöglicht es Menschen, sich Teile der Wirklichkeit zu erschließen, die sich nur als vielfältige Gemengelagen beschreiben lassen. Ein solches diskursives Vorgehen ist grundlegende Voraussetzung wissenschaftlichen Denkens. Etwas kann als richtig gelten, bis es angefochten wird. Das Sammeln von Bestätigungen und Widersprüchen, Einsprüchen führt im Lauf der Zeit zu einer realitätsnahen Einschätzung. Wer abgehobene, womöglich auch noch von den Herrschenden hoch bezahlte Expertise für die Grundlage wissenschaftlichen Denkens hält, liegt falsch.

Wellen und Tote
Wer nicht schwimmen kann, geht nicht weiter ins Meer hinaus, als er sich trotz Wellen fest auf eigenen Beinen halten kann.
Im Bereich Gesundheit sind den Menschen andere Arten von Wellen vertraut. Wer als alter Mensch den Herbst überlebt, den kostet vielleicht das Frühjahr das Leben. Wer beides überstand, hat gute Aussichten den nächsten Winter noch zu erleben und erneut den Enkeln oder Urenkeln beim Spielen im Schnee zuzuschauen. Der Winter ist alljährlich eine gefährliche Zeitspanne für alle, deren Immunsystem wegen Alters – das bedeutet nicht allein definierte Krankheitsbilder, sondern auch vielfältigen körperlichen Verschleiß – auf virale Bedrohungen nicht mehr angemessen reagieren kann. Am Ende des Alterungsvorgangs des Menschen steht zumeist ein Zusammenbruch des Sauerstoffaustauschs, gewährleistet über die Organe Herz und Lunge. Manchmal verursacht durch eine Infektion der Lunge, manchmal durch den Stillstand eines alt und schwach gewordenen Herzens. Die Ursache des Todes ist in aller Regel ein gelebtes Leben, das an sein Ende gekommen ist. Man nennt es natürlichen Tod. In Traueranzeigen ausgedrückt als `sanft entschlafen´, Christen sprechen, glaubensmäßigen Übereinkünften folgend, oft von einem `Heimgehen´.
Die Realität des Todes als unvermeidbare Folge jeglichen Lebens wurde in den entwickelten Gesellschaften aus dem Alltag verbannt, ausgelagert in Pflegeeinrichtungen und Krankenhäuser. Umso leichter lässt sich gegenwärtig gut Politik damit machen, dass man von vulnerablen Menschen höheren Alters spricht, die – Überraschung – in Pflegeeinrichtungen sterben. Wo denn sonst? Bei einem Verkehrsunfall? Durch Ertrinken? Durch einen Sturz von der Haushaltsleiter? Dabei wurden sie doch oft ohne ihre Zustimmung oder Mitwirkung in diese Einrichtungen verbracht.
Vor dem Hintergrund der alljährlichen, den wechselnden Klimabedingungen der Jahreszeiten geschuldeten Wellen des Sterbens, ist es nicht sinnvoll, sich mit Erläuterungen zu beschäftigen, die vortäuschen, es gebe eine bisher unerforschte, extrem bedrohliche, gefährliche Ursache dafür, dass in einer bestimmten Woche 3595 der insgesamt 22900 Toten dieser Woche (=2,2 %) verstarben. Ein solches Vorgehen macht keinen Sinn. Aber wer fragt schon nach Sinn und Zweck, wenn man Zahlen hat. Tonangebend in der nicht hinterfragten Sinngebung ist eine Kanzlerin, die durch erfolgreiche Anpassung an andere politische Bedingungen schon einmal unter Beweis gestellt hat, dass die Frage nach Sinn und Zweck sie nicht interessiert.

Punkt und Linie
Man kann Punkte durch Linien verbinden. Es gibt Malbücher für Grundschulkinder zum Festigen der Zahlenreihe 1 – 100. Wer die abgedruckten Zahlen von 1 bis 100 der Reihe nach richtig verbindet kann in den Linien ein Bild erkennen. Kindgerecht sind das oft z. B. Bären, Schneewittchen, ein Zwerg, ein Vogel oder auch ein Fernsehgerät.
Frau Merkel bezieht sich auf das tägliche Verbinden von Punkten zu einer Linie und liest sie als Darstellung eines ursächlichen Zusammenhhangs. Dabei ist die Angabe der Punkte Ergebnis eines zwar begründeten aber willkürlichen Handelns.

Wenn ich täglich um 0:00 Uhr in meinem Keller alle Äpfel zähle, den Bestand aufschreibe und vergleiche, ob sie mehr oder weniger wurden, erhalte ich keine belastbare Aussage zu folgenden Fragen: Wieviele Äpfel waren um 8:00 da, um 17:00 um 23:55? Gibt es im Haus einen geheimnisvollen Apfelfresser? Habe ich mich verzählt? Wie kommt eine Zunahme der Äpfel zustande, obwohl ich Kellertüre und Fenster verrammelt habe? Wurden versehentlich Boskop, Gloster und Gravensteiner zusammengeschüttet? Wieviele angeschlagene Äpfel wurden im Lauf des Tages aussortiert, damit sie nicht faulen? Ich muss die Äpfel auch gar nicht zählen, wenn ich damit leben kann, dass ich nach Ablauf einer gewissen Zeit voraussichtlich keine mehr habe und überraschend neue kaufen muss.

Hinter den über die tonangebenden Medien täglich verbreiteten Zahlen zur Pandemie liegt kein auf Erkenntnis der Wirklichkeit gerichtetes Tun. Die Behörde, das RKI, veröffentlicht seit dem 03. März 2020 täglich Zahlen, die offensichtlich nicht geeignet sind, Fragen in Bezug auf eine gegenwärtig grassierende schwerwiegende Erkrankung der Atemwege zu beantworten. (= SARS). Wer wie ich die Sinnhaftigkeit dieses Tuns bezweifelt, muss mit der Erfahrung leben, dass die Überzeugungskraft der eigenen Argumente nicht hinreicht, verängstigte Menschenmengen zu beruhigen. Folgte man den dazu vorhandenen psychologischen Ansätzen, bräuchten immer mehr Menschen unter uns eine Angsttherapie, um psychisch gesund aus dem angerichteten Schlammassel herauszukommen. Manchmal reicht mir selbst die persönliche Berücksichtigung dieser psychologischen Ansätze nicht, mich zu beruhigen. Ich ertappe mich dabei, dass ich versuche in meinen Rumpf hineinzuspüren oder zu horchen, ob ich anders schnaufe als sonst, ich noch genug Luft bekomme, ein voller Magen meine Atmung behindert, usw. Wer Ängste verbreitet, die solche Zustände provozieren, der ist nicht an der Gesundheit der Menschen interessiert. Die Behauptung der Regierenden, sie unternähmen alles Menschenmögliche die Gesundheit der Bewohner des deutschen Territoriums zu erhalten, zu schützen, kann man deshalb als gelogen betrachten. Lüge im Wortsinn: wissentlich falsche Aussage.

Die Erfindung der verletzlichen Alten
Es ist entsetzlich! Die in diesem Jahr 2021 erstmalig von destatis veröffentlichten Zahlen zu den Sterbefällen nach Altersjahrgängen offenbart: es sind auffallend viele Alte, die sterben! Möglicherweise auch unter Beteiligung viraler Infekte. Wünschen wir uns die Zeiten zurück, in denen es im Unterschied zu heute normal war, dass die Häfte der lebendgeborenen Kinder vor ihrem 6. Geburtstag starb? Wäre es ein Ausdruck sozialer Gleichheit und Gerechtigkeit, wenn anteilsmäßig in jeder Altersgruppe zwischen 0 und 9 [10-19; 20 -29; 30 – 39;… ] gleich viele Menschen sterben? Laut destatis waren nur 142.906 der insgesamt 939. 520 Verstorbenen des Jahres 2019 unter 65. Was können wir tun?!


Die gegenwärtig in Zusammenhang mit einem viralen Krankheitserreger propagandistisch zu Schau getragenen mitmenschlichen Gefühle für die Alten könnten Ausdruck eines schlechten Gewissens sein. Unsere Gesellschaft schließt die Alten systematisch aus, damit die Fähigkeiten der Erwerbstätigen wirtschaftlich besser genutzt werden können. Warum sollen die Arbeitsfähigen ihre kostbare Zeit mit Sozialklimbim verzetteln? Deshalb werden alte Menschen in besonderen Einrichtungen untergebracht. Ihr Vorhandensein stört den auf maximale wirtschaftliche Nützlichkeit ausgerichteten Alltag . Soziales Handeln, aktive Fürsorge begrenzt die Rentierlichkeit der Arbeit der Erwerbstätigen. Nach Meinung der Mehrheit soll das nicht sein.
Demnächst werden in den separierten Anstalten Roboter den Alten das Essen bringen. Vielleicht überreichen sie auch den Pflegebdürftigen die Leine eines Hündchens, das sie stundenweise auf dem Schoß halten und streicheln dürfen, weil ihnen der Kontakt zu etwas Warmem, Lebendigen gut tut. Hauptsache man muss keinen Menschen bezahlen, der ihnen gut tut.
Es gibt Gründe dafür, dass es trotzdem viele Menschen gibt, die sich um Alte kümmern, seien es eigene Eltern oder Nachbarn: in deren Haushalt nach dem Rechten sehen, für sie Einkäufe erledigen, beim Putzen und bei der Gartenarbeit helfen, mit ihnen spazierengehen. Diese Helferlein für die Altersgruppe 80+ sind allerdings meistens selbst schon über 60, an die 70, wenn nicht sogar im gleichen Alter und einfach körperlich und geistig noch ein bisschen leistungsfähiger, als diejenigen, die ihrer Unterstützung bedürfen.
Dass man zum Schutz der Alten die Kinder von ihren Freunden fernhält, gemeinsam mit ihren Eltern in zu kleinen Wohnungen einsperrt, nicht mehr in die Schule gehen lässt, sie zunehmender Gewalt in den Familien aussetzt, das hingegen ist ganz normal. Kinder sind gegenwärtig anscheinend nicht verletzlich. Man verlässt sich auf die zumindest theoretisch vorhandene Möglichkeit, dass deren Beschädigungen sich im Lauf der Zeit verwachsen. Sie sterben ja nicht gleich.
Könnte die Entdeckung der besonders verletzlichen Alten etwas damit zu tun haben, dass in Deutschland ca. 36 % der Wahlberechtigten über 60 sind und 2021 eine Reihen von Wahlen ansteht, bei denen sich jetzt schon abzeichnet, dass sie vielleicht nicht stattfinden? Welche Bedingung muss denn erfüllt sein, dass Wahlen stattfinden können oder dürfen? Wahlen bei denen zwar stellvertretend für viele nicht mehr Zurechnungsfähige deren Betreuer Stimmzettel ausfüllen und abgeben dürfen, aber kein einziger Erwachsener mit Kindern stellvertretend für seine Kinder sprechen darf und auch die 16-jährigen nicht für sich selbst.

Alles planbar
Im Unterschied zu anderen Ländern kannte Deutschland `vor Corona´ keine bundesweite behördliche statistische Erfassung der Sterbefälle. Es war deshalb seit März ein leichtes, eine angenommene außergewöhnliche Ursache mit täglich öffentlich gezählten Kranken und Toten zu einer elementaren Bedrohung aller Menschen auszugestalten. Die Frage ist, warum man das tut. Die Überwachung der Atemwegserkrankungen durch das Robert-Koch-Institut [ https://influenza.rki.de/Wochenberichte/2020_2021/2020-53.pdf ] zeigt für die Zeit seit 2018 nämlich ein anderes Bild.


Wie bedrohlich die Lage tatsächlich ist, ist in viel höherem Maß eine Frage der persönlichen Einschätzung als es uns die täglich mehrfach wiederholten Warnungen der Regierenden vermitteln. Dass man Zahlen benutzt um unterschiedliche Einschätzungen durch die Individuen als unwissenschaftlich zu denunzieren und ihnen autonome Entscheidungen in ihrem Alltag zu verbieten, das macht den Konflikt nicht zu einem Streit zwischen Wissenschaft und Glauben. Auch nicht zu einem Konflikt zwischen Glauben und Aberglauben. Letztere Unterscheidung täuscht die Möglichkeit eines richtigen, eines wahren Glaubens vor und maßt sich ein Urteil über religiöse Empfindungen an, eine Unterscheidung zwischen legitimer und illegitimer Religion. Solche Phasen gab es in der menschlichen Geschichte schon des öfteren.
Diese Phasen sind den Menschen in ihrer Gesamtheit nicht gut bekommen, sondern sie führten oft zu gewaltsam ausgetragenen Konflikten. Eine von mir sehr ernst gemeinte Frage an die historisch bewanderten Leserinnen und Leser: Gibt es zuverlässige Zahlen in der Frage wieviele Menschen zwischen 1517 und 1648 in Deutschland ihr Leben gelassen haben? Wieviele von ihnen durften an Altersschwäche sterben? Wieviele Tote hat die Pest verursacht? Wieviele Tote muss man religiös motiviertem und gewaltsam ausgetragenem Streit im persönlichen Umfeld zuschreiben? Der Hexenverfolgung und dem religiös motivierten Verbrennen religiöser und wissenschaftlicher Abweichler? Wieviele Menschen starben infolge der kriegerischen Ausseinandersetzungen zwischen den nach Repräsentation verlangenden Provinzfürsten und dem deutschen Kaiser, von denen fast jeder religiöses Denken zur Erreichung dynastischer Zwecke nutzte?
Die Hoffnung ist irrational, das Leben der Menschen und ihrer Gesellschaften sei planbar, wissenschaftliche Expertise könne in eine stetig steigende Lebenserwartung für alle münden, Krankheit und Tod besiegen. Ein paar geschäftstüchtige Leute verkaufen Wundermittel gegen den Tod – Gott bewahre keine Allheilmittel wie im Mittelater oder im Wilden Westen, denn wir haben eine wissenschaftliche Weltanschauung – sondern Impfstoffe. Andere, ebenso geschäftstüchtige, erzielen ein Einkommen aus Waffenproduktion und im Waffenhandel. Wieder andere verweigern einer zunehmenden Zahl von Menschen ein schützendes Obdach und bauen lieber anschließend leer stehende Büros – weil es sich rechnet und man ihnen diese Form des Erwerbs erlaubt.
Es gelingt gegenwärtig den Herrschenden, den Regierenden und ihren amtlich bestallten Vertretern einen Reibach zu machen, wie selten zuvor – unter dem Vorwand unser aller Gesundheit zu schützen.

Neue Sündhaftigkeiten

Problemstellung

Ich verweise auf folgende Beiträge von

Ganz aus der gegenwärtigen Welt gefallen ist die Befürchtung nicht, es könnten sich wieder einmal Moralisten durchsetzen, die für widerstrebende, aus dem Rahmen fallende Untermenschen jeglicher Art Umerziehung oder Scheiterhaufen bereithalten. Dazu bedarf es keines Rassismus. Ein guter Glaube, der Glaube an eine genau bestimmbare und bestimmte „Güte“ (Qualität) von Menschen genügt.
Wer Fleisch isst, Auto fährt oder fliegt, wird zum Sünder erklärt, obwohl die Anreicherung oberer Schichten der Atmosphäre mit Treibhausgasen, die eine Abstrahlung der erzeugten Wärme bremsen oder verhindern, stattdessen Wärmestrahlung Richtung Erde zurückwerfen, in ihren Ursachen in vielen Teilen ungeklärt ist. Die zeitliche Koinzidenz mit der globalen Ausweitung industrieller Formen der Produktion lässt die Annahme plausibel erscheinen, dass der Mensch, die von ihm praktizierte Form des Wirtschaftens, daran maßgeblichen Anteil hat. Diese nachvollziehbare Annahme rechtfertigt allerdings nicht das Abgleiten der öffentlichen Sprache in Zuweisungen persönlicher Verantwortung und Schuld, die in Wörtern wie »Klimaleugner«, »Klimasünder« u. ä. zum Ausdruck kommt. Die gegenwärtige Zuweisung faktisch nicht gegebener Verantwortung an die Individuen der Gesellschaften ist in Hinblick auf das dringend nötige, koordinierte gesellschaftliche Handeln kontraproduktiv. Diese Einschätzung wird hier begründet.


Schon wieder wird relativiert!

Ich sehe mich selbst als »Emanze« – nicht als Feministin. Was mich zu politischem Eingreifen treibt, ist die Notwendigkeit der Befreiung von Frauen und Männern, weil sie Gleiche sind. Weder Golda Meir noch Indira Gandhi, Margret Thatcher oder Angela Merkel haben die Menschheit in diesem Sinn weitergebracht. Wir werden Herrschaft und Ausbeutung kein Ende setzen, dadurch, dass wir an die vorhandenen Funktionsstellen herrschsüchtiger Männer herrschsüchtige Frauen setzen. Wir, Frauen und Männer, könnten aber dafür eintreten kollektive Leitungen auf Zeit zu bestimmen. Hätten Menschen daraus einen Vorteil, würde das gegenwärtige Gefüge ökonomischer und gesellschaftlicher Macht aufrechterhalten von Frauen? Meine Antwort darauf ist schon immer ein klares »Nein«.

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