Vielfalt

Rassist ist, wer „Neger“ sagt und Nationalist ist, wer einen Türkisch sprechenden Menschen für einen Türken hält. Sicher keine Rassisten oder Nationalisten sind diejenigen, die Menschen anderer Hautfarbe oder fremder Sprache ein Integrationsangebot unterbreiten, bei dem mit Bezug zum Geburtsort der Mindestlohn um 30 % unterschritten wird.
Nicht das Unterscheiden selbst ist die Ursache von Rassismus – sonst müssten wir eine Wahrnehmungsstörung für eine besondere Fähigkeit halten – sondern sein Zweck: Abwertung, Ausgrenzung und Ausbeutung.
Wie einfältig müssen Leute sein, die nicht zur Kenntnis nehmen wollen, dass wahrnehmen und unterscheiden können  Voraussetzung des Erlebens von Vielfalt ist. Bei Apfelsorten und Menschen.
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Schlaraffenland

Bild: wikipedia commons, Ars Electronica 2008

Ich liebe  Visionäre, die zukünftig Roboter die Flure der Altersheime putzen lassen und auch  ihre gut beheizte Privatwohnung mit mindestens 40 m²/Kopf. Gleichzeitig erhalten sie monatlich eine öffentliche Ausschüttung von 1500 €, dafür dass sie zuhause bleiben.

So kann man die Frage nach dem Sozialismus in einem Land auch entscheiden: Wir lassen es uns gutgehen.  Rohstoffe und Energie für die Roboter  werden nach wie vor zu kapitalistischen Bedingungen geliefert. Mit imperialistisch, nationalistisch oder rassistisch legitimierter Ausbeutung fremder Weltgegenden hat das dann gar nichts mehr  zu tun, weil die Nutznießer ja Sozialisten sind.

Humane Pflege

Buch: Die Rückkehr der Diener – Das neue Bürgertum und sein Personal; Christoph Bartmann; München 2016

Das Buch  liest sich zu  Beginn  als sozialkritischer Blick auf entwickelte Gesellschaften. Hochqualifizierte Gutverdiener leisten sich schlecht bezahltes Personal, oft mit migrantischem Hintergrund, um sich von minderwertiger Arbeit zu befreien zu Gunsten von „wertiger Zeit“. Barthmann spannt von da den Bogen zur letztendlich philosophischen Frage nach dem Kern des Menschlichen. „Bekanntlich verschafft sich die Menschheit nicht in diesem historischen Moment, sondern seit geraumer Zeit Entlastung durch Arbeitsteilung und technische Erfindungen. “ [Seite 199/200] Wie ist die Frage zu beantworten aus der Perspektive eines Hilfsbedürftigen, für den die Hilfe eines Roboters besser ist als keine. Aus der Perspektive eines liebevollen Angehörigen, der sich trotz Zuneigung und Verantwortungsgefühl  entscheidet, entscheiden muss, für Babyphon und sensorgesteuerte Überwachungskamera, weil die Zuwendung rund um die Uhr auf Dauer Übermenschliches verlangt.

Jeder empathische Mensch wird auch in Zukunft mit Blick auf die vorhandenen Entlastungsmöglichkeiten entscheiden müssen, was im Rahmen seiner Kräfte liegt. . – Er wird sich genauso wenig vom sozialen Druck derjenigen  befreien können,  die geleitet werden von der hoch entwickelten Ethik des Unbeteiligten, Ungeforderten. Sein eigenes Gewissen wird nicht verstummen.  Ich teile trotzdem die eher zuversichtliche Perspektive des Autors. Jeder Mensch wird auch in Zukunft für Kinder, Eltern, Nachbarn das tun, was er sich zutrauen kann und Hilfe besorgen, wo er sie braucht und bekommen kann. Die Tochter des Nachbarn zum Babysitten,  den Robbi zum Staubsaugen und den Pfleger von „Menschliches Alter“  zum Baden der Schwiegermutter. Aber: Leichter sind  Aufgaben und Entscheidungen  nicht geworden – trotz des enormen Angebots an menschlichen und maschinellen Helfern.

Es ist Materialistinnen nicht verwehrt, aus alten Büchern zu zitieren.  „Unser Leben währet siebzig Jahre, und wenn’s hoch kommt, so sind’s achtzig Jahre, und wenn’s köstlich gewesen ist, so ist es Mühe und Arbeit gewesen; denn es fährt schnell dahin, als flögen wir davon.“ sagt  Psalm 90:10. Wie Zuwendung wahrnehmbar, erlebbar bleibt, wenn aus Gründen des Fortschritts eigenes Tun dafür nicht mehr nötig sein könnte, lässt Barthmann offen. Er sagt es dialektisch: Man muss aber aufpassen, dass man vor lauter Lebenserleichterung die Qualität des vollen Lebens nicht verfehlt.“ ( S. 200)

 

Essbremse

Einem Bericht in der Lokalzeitung zufolge, bietet ein Firma namens Slow Control ein Essbesteck an, das mit Hilfe von digitaler Technik den Benutzer an zu schnellem Essen hindern soll. Es ist keine Übertreibung eine Erfindung als Perversion menschlichen Denkens zu bezeichnen, für die Menschen unter unwürdigen Bedingungen und zu Hungerlöhnen seltene Erden fördern, damit anderen die Bürde erleichtert wird, ihrem Fressen Schranken zu setzen.