Wertewelten

2674 Deutsche stehen auf der Forbes-Liste der Milliardäre der Welt. Nicht einmal 5.000 Deutsche sind ganz oben, aber trotzdem bestimmen sie den Alltag der Menschen hierzulande. Angefangen bei den Albrechts bis zu Wortmann. 2674 von 83.000.000. Das ist nicht einmal 1 %, nicht einmal 1 Promille der Bevölkerung. Bestimmer in Deutschland sind 3,2 Millionstel der Bevölkerung. War da die Macht- und Eigentumsverteilung im Mittelalter nicht ausgewogener? Hinzu kam damals ohne Demonstrationsrecht und Internet: eine drohende Haltung, eingenommen von einigen Menschen vorm Burgtor, bekräftigt durch mitgeführte Forken, konnte oft unmittelbar für Abhilfe sorgen. Wissen wir Normalos überhaupt, wann sich der heutige Landvogt wo aufhält? Wer kontrolliert dessen Pass und Aufenthalt, welchen Orts auch immer? Mit Forken dürfen wir nicht drohen, nicht einmal mit Besenstielen.

Soviel zu unserer Wertewelt. Damit ist alles Nötige gesagt.

Aber so lange die Arbeitsuchenden, die Minijobber, die prekär beschäftigten, selbständigen Kleingewerbetreibenden… sich darauf konzentrieren, den unermesslichen Reichtum zu bekämpfen der öffentlich bediensteten Hausmeisterinnen, öffentlich bediensteten Wasserwerkerinnen, Straßenwärterinnen, Feuerwehrfrauen, Krankenpflegern, Erziehern und Lehrern zuwächst, wird sich wohl eher nichts ändern … . Neidisch ist Mensch leider meistens auf diejenigen, denen es nur ein bisschen besser geht. Da kann man sich vergleichen und einordnen. Selten ist jemand neidisch auf die armen ganz Großen, die tagtäglich auf Spendendiners ihre Gesundheit zu Markte tragen müssen. Vielleicht nicht einmal mehr dieses, weil sie aus moralischen Beweggründen nur noch in Karotten beißen. Bald werden wir alle gesünder leben dürfen. Der neunormale Fleischpreis zwingt dazu.

Das Schlimme ist: Neuerdings nennt man die Neidlosigkeit betreffend die genannten 2674 Leute Solidarität. Aus einem einzigen Grund: Weil sie bekanntermaßen wie wir alle irgendwann sterben. So viel Geld! Und stirbt trotzdem. Da müssen sie einem doch leid tun. Der rauchende, saufende, arme Nachbar hingegen – der ist selber schuld, wenn er stirbt. Geld adelt! Gute Menschen leben länger!

In diesem Zusammenhang sei verwiesen auf eine Studie des WSI der Hanns-Böckler-Stiftung des DGB zu den Entgeltunterschieden innerhalb Deutschlands.

Thema: Arm, Reich und die „Mitte“

Gerade, vor ein paar Tagen, bin ich in Streit geraten mit einem Angehörigen der „Mitte“: Ich konnte und kann nicht nachvollziehen, warum so große Teile der Mitte von der Angst getrieben werden, die Armen könnten ihnen etwas, „noch mehr“, wegnehmen und keine Sekunde auf den Gedanken verwenden, denjenigen auch nur ein bisschen streitig zu machen, die mit Jahreseinkommen im 6-stelligen Bereich deutlich mehr zur Verfügung haben, als man vernünftigerweise für den Lebensunterhalt braucht.

Die politische Linke und die LINKE frage ich, warum sie so wenig unternimmt, die „Mitte“ zu aktivieren, zu organisieren und so viel Kraft darauf richtet, die Verzweifelten aus ihrer Lethargie zu reißen. Wir brauchen eine Strategie, die geeignet ist, ein breites Bündnis für eine gerechte Verteilung zu schmieden! Das würde den in Not Gefallenen nützen – nicht der beständige Appell, sie sollten sich an ihrem eigenen Schopf aus dem Sumpf ziehen.

Das Erste – Sendung vom 15. Februar “ Wie solidarisch ist Deutschland? „