Herstellen

Immer wieder stoße ich in der öffentlichen Debatte auf eine Erscheinung, die ich der großen Überschrift „mangelnde Einsicht in die Vorgänge menschlicher Produktion und Reproduktion“ zuordne. Anders kann ich mir manches nicht erklären. Es scheint zur Zeit nicht allein die Tendenz zu geben, Geschichte als überholte Wissenschaft zu betrachten. Mehr und mehr Menschen glauben sogar, dass digitale Kommunikation unter Nutzung elektromagnetischer Wellen einen Echtzeit-Zugriff auf wissenschaftliche Wahrheit und reale Gegenstände ermögliche. Es ist erstaunlich, dass Menschen auf Quantencomputer hoffen, sich Reisen in ferne Galaxien erträumen und dabei verdrängen, dass selbst die Entleerung ihres Darms Zeit braucht. Zeit die einfach vergeht, individuelle Lebenszeit. Zeit, die Menschen verwenden um das eine zu tun und das andere zu lassen: Trinken, Schlafen, Tanzen, Essen, Malen, Waschen, Singen, Backen… .

Stichwort des heutigen Tages: Zeitpläne für Impfungen
Durch die Presse tobt ein Streit zwischen Regierung, nachgeordneten Verwaltungen auf Länderebene, Impfwilligen und Herstellern, Transporteuren, Anwendern von Impfstoffen. Gesucht werden Schuldige daran, dass Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher noch nicht geimpft sind und somit vor dem sicheren Tod gerettet. Ich habe den Verdacht, dass es immer mehr Menschen gibt, die fest davon überzeugt sind, dass zu digital organisierter Zeit das Zaubern zu den grundlegenden Fähigkeiten der Industrie gehört. Mir wurde bisher nicht bekannt, dass irgendein Mächtiger, Politiker oder einer ihrer bezahlten Denker die Wissenschaftlichkeit dieser Denkungsweise infrage gestellt hätte. Das Wort Industrie selbst ist eine sprachliche Neubildung des beginnenden industriellen Zeitalters auf Grundlage der lateinischen Wurzel industrius – industria.1 . Inhaltliche Bedeutung: beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit. Gibt es diese ohne Berücksichtung der Dimension der Zeit?

Wäre die Bereitstellung der von vielen herbeigesehnten Impfstoffe schneller vonstattengegangen in Verantwortung eines der Herren Drosten, Spahn oder Söder? Effizienter? Wer ist für die Fehler verantwortlich? Einer der drei? Alle gemeinsam? Oder vielleicht einzig und allein die Kanzlerin? Gar die Politik, wer und was das auch sei? Vielleicht doch eher z. B. Bill Gates und Elon Musk?

Bis Mitte des vergangenen Jahres wusste die große Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands einschließlich der politisch Verantwortlichen nicht, dass in der letzten größeren Grippewelle KW 40/2017 – KW 20/18 (Zeitspanne von 32 Wochen) nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 25.100 Menschen an Influenza verstarben. Auch Menschen mit Abitur wussten es nicht, die dazu neigen, sich nach Ablegen einer schulischen Prüfung bis ans Lebensende für umfassend informiert und gebildet halten. Der dazu gehörige jährliche Vergleichszeitraum etwa zwischen KW 40/2020 – KW 20/2021 ist noch nicht abgeschlossen. Auch im Winter 2017/18 verstarben eher ältere, alte betagte Mitmenschen – Menschen mit nachlassenden Verstandeskräften, die oft keine Kontrolle mehr darüber haben, was sie essen, ob sie ausreichend essen, ausreichend trinken und Darm und Blase nicht mehr kontrollieren können. Unter derartigen oft `altersbedingt´ genannten Schwächen leidet sicher auch ihre Immunabwehr. Vorgeschädigte Menschen oder solche mit chronischen oder akuten anderen Krankheiten erkranken in den winterlichen Infektionswellen ebenfalls leichter. Dieser Sachverhalt hat im Winter 2017/18 wenig interessiert, obwohl die Medien vielfach über Krankenhausflure berichteten, auf denen in langen Reihen Krankenbetten standen, vorwiegend belegt mit alten Menschen, bei denen schwere Krankheitsverläufe nicht selten sind. An der Schwelle zum Jahre 2021 empfinden sich ca. 70 % der volljährigen Bevölkerung als lebensbedrohlich gefährdet, weil zu wenig Impfstoff da ist, Lieferketten unzuverlässig arbeiten, Kühlbehälter nicht einwandfrei funktionieren, Handlungsanweisungen oder Gebrauchsanweisungen für das Impfen unvollkommen oder unvollständig sind… . Freiwillig werden Masken getragen, damit man sich in diesem Winter solche Bilder nicht ansehen muss. Welchen Anspruch haben diese Leute an die beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit (.s.o.) ihrer Mitmenschen in Produktion und Verteilung? Glauben sie wirklich benötigte oder erwünschte Materialien – hier ein Impfstoff – würden auf Knopfdruck ausgespuckt wie die Semmeln aus dem Backautomaten im Supermarkt? Werden Impfstoffe oder Semmeln im homeoffice hergestellt? Es scheint so manchen Mitmenschen entgangen zu sein, dass nach wie vor die meisten Menschen täglich auf die Arbeit gehen, denn irgendwo müssen doch die Masken genäht werden und nach wie vor der Teig für die Semmeln gemixt. Nur nachts auf ein Bier zum Nachbarn gehen dürfen sie nicht. Das ist gefährlich. Die zur Wissenschaft erklärte Weisheit der Regierenden hat in die Trickkiste des Mittelalters gegriffen und die Liederlichkeit der niederen Stände zur Ursache einer todbringenden Epidemie erklärt. Noch stehen Hexenverbrennungen aus.

Wissenschaft braucht Zeit
Es sind genau diejenigen, die andere der Unwissenschaftlichkeit – esoterischer Gesundheitspraktiken, des Glaubens an übersinnliche Kräfte – bezichtigen, die selbst offensichtlich annehmen, die Industrie könne hexen. Das kann sie nicht. Die Hoffnung auf einen nach Möglichkeit bis heute abend für alle Bewohner Deutschlands ausgelieferten Impfstoff ist nicht weniger und nicht mehr rational als die Annahme, man habe mit einer Stärkung des Immunsystems – Bewegung an der frischen Luft, Vitaminen, ausreichend Nahrung – ganz gute Überlebenschancen. Wobei man dessen eingedenk sein sollte, dass die angebliche Unwissenschaftlichkeit der einen auf Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende alte Erfahrungen der Menschen mit infektiösen Erkrankungen zurückgreift. Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit der anderen beruht auf einem Wissen, das selbst nach 400 Jahren moderner Wissenschaftsgeschichte in Sachen Gesundheit begrenzt und wenig verlässlich ist. Wer meint, er sichere sich das ewige Leben dadurch, dass er sich noch während des Erkaltens einfrieren lässt, hat eine Hoffnung. Diese könnte sich durchaus als falsch erweisen und damit auch die Investition in die wissenschaftlich begründete Überwindung des eigenen Todes mit Hilfe einer zweckgebundenen Lebensversicherung als unrentierlich.

Werkzeuge, Energie- und Zeitaufwand:
Nicht der Gebrauch von Werkzeugen könnte die Grenze zwischen Homininen und Affen abgeben, sondern deren Herstellung. Geklärt ist diese Frage nicht. Zielgerichteter Gebrauch von Werkzeugen ist ein dem Menschen eigenes Verhalten, dessen Entwicklung mit der zeitlichen Dimension verknüpft ist: dem Zeitaufwand für die Suche nach geeigneten Materialien (z. B. Feuerstein), dem Zeitaufwand für dessen Bearbeitung und dem Zeitaufwand für dessen Verwendung zur Sicherung des Überlebens. Das geht nicht in Sekunden! Auch nicht unter den Bedingungen automatisierter, digitaler Produktion. Nicht allein das Abheben eines Spans braucht Zeit, auch der 3-D-Drucker spuckt nicht auf Zuruf von Alexa Gegenstände in den Raum, die er aus der Luft geschöpft hat. Wann sich Nährstoffmassen zu Gegenständen verdrucken lassen, die aussehen wie Brot, wissen wir nicht. Ob ich mir das wünschen soll, weiß ich nicht so recht. Trotzdem tummeln sich im digitalen Kommunikationsraum immer mehr Menschen, die der Hoffnung anhängen, Mensch werde in kurzer Zeit keiner produktiven Arbeit mehr nachgehen müssen, die einen Beitrag dazu leistet, dass er sich mit den Gegenständen versorgt, die er zum Überleben braucht. Sie sind der festen Überzeugung, dafür werde man in Zukunft keine Zeit mehr brauchen – zumindest fast keine.
Mir ist nicht bekannt, ob jemals der Versuch gemacht wurde, den menschlichen Zeitaufwand zu quantifizieren der insgesamt gebraucht wird um aus einem Quantum Getreidesamen ein Frühstücksbrötchen zu machen. Die industrielle Bäckerei bäckt Brötchen schneller. Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der dazu notwendigen Maschinen, der Erntemaschinen, der Transportmaschinen? Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der Hilfsstoffe, die den Herstellungsprozess bis zum Automaten im Supermarkt begleiten, damit er Brötchen ausspucken kann? [Pestizide, Düngemittel, Beiz- und Konservierungsmittel, Schmiermittel, Bindemittel, viele Zusatzstoffe, die wir nicht kennen.]
Meine These: Der Gesamtzeitaufwand für die Herstellung meines Frühstücksbrötchens wird nicht geringer, dadurch dass es andere backen. Es gibt keine zuverlässigen Berechnungen dahingehend, wieviel technisch erzeugte Energie in der ganzen Kette vom Korn zum Brot aufgewandt werden muss, die nicht die menschliche Energie nutzt, die ein Mensch aufbringen kann, wenn er ausreichend gut ernährt ist. Gegenwärtig lebende Menschen halten es für wahr, dass rechnerische Modelle die Realität darstellen und wissenschaftlich sind. Warum rechnet dann keiner nach, wieviel Zeit und Energie 8 Mrd. Menschen aufwenden müssten, wenn sie ihre Brötchen selber backen? Dann hätten wir wirklich einen auf die Realität bezogenen Vergleich der Leistungsfähigkeit von Selbstversorgung und industrieller Produktion. Dass die fortschreitende Arbeitsteilung den Menschen in ihrer Gesamtheit real Arbeit „gespart“ hat, scheint mir nicht hinreichend belegt zu sein.

Mein Verdacht:
Die Herrschenden lassen diesen Sachzusammenhang von ihren Lohnwissenschaftlern und -denkern nicht durchdenken und nicht durchrechnen. Vermutlich weil sonst offensichtlich würde, dass 1000 + x Luxusyachten über die Meere schippern, in denen ein großer Teil menschlicher Energie und menschlichen Zeitaufwandes (= Arbeit im physikalischen Sinn) gebunden ist, den die Bewohner der industriell entwickelten Länder zwar für den Spezialfall Brötchenversorgung – Mist sammeln, säen, düngen, ernten, backen – nicht mehr aufbringen müssen, denen man aber trotzdem weiterhin täglich 8- 10 Stunden fremdbestimmte, nervtötende und manchmal gefährliche Arbeit zumutet. Tendenz steigend für diejenigen, die Arbeit haben. Von der Einsparung ihrer Arbeit haben also allgemein die Menschen nichts, sondern nur die Yachteigner. Am wenigsten haben davon die Menschen , deren Hirse- und Gemüsefelder der Produktion von Ölpflanzen für Treibstoffe, fair gehandelten Rosen und Weihnachtserdbeeren weichen mussten.

Quellen:
1. https://www.dwds.de/wb/Industrie

Thema: ARBEIT

Vor einigen Tagen habe ich für 20plus1 in Bayreuth ein bisschen von dem zusammengestellt, was mir in Zusammenhang mit diesem Thema wichtig ist.
Wer heute noch, wie ich, Arbeit für etwas sehr Wichtiges hält für das Leben aller Menschen und das Leben der Einzelnen, wird gerne zum Fossil erklärt. Der zukünftige neue Mensch braucht angeblich keine Arbeit mehr, weil alles was er braucht von lernfähigen, sich selbst optimierende Maschinen gemacht wird. Womit wird er die Zeit verbringen, die ihm auf Erden gegeben ist? Wird der medizinische Fortschritt Unsterblichkeit bringen? All diese „Visionen“ sind spekulativ und ich halte sie für Glaubensfragen.
Der zukünftige Mensch wird mit zugebauten Teilen seine Wahrnehmung verbessern und seine Motorik, vielleicht auch das Ende seines Lebens hinauszögern können.
Ob diese Form „Mensch“ genannt werden kann, weiterhin „Mensch“ ist, wird in der Zukunft entschieden – oder auch nicht. Es gibt vielerlei Namen für vorgestellte hybride Lebewesen: homunculus, golem, Frankensteins Monster, Transformers …
Die Menschen, die ich heute kenne haben Gliedmaßen, Rumpf und einen Kopf. Mehr oder weniger zuverlässige Wahrnehmungsorgane, Sexualverhalten, Emotionen, Vorstellungen von der Welt und den anderen Menschen… . Sie sind ungeheuer vielfältig und (noch) nicht in allen ihren Eigenschaften reproduzierbar.
Zum Leben dieser Menschen gehört nach meiner Überzeugung die „Arbeit“.

Erlösung durch technischen Fortschritt?

Beitragsbild: Johnny5_03.jpg -wikicommons / Roboterfigur aus dem Film „Nr. 5 lebt“

Utopismus vom Kopf auf die Füße gestellt

Seit wann sind eigentlich Art und Menge der in einer Gesellschaft verwendeten Werkzeuge Grundlage der POLITISCHEN Entscheidung, welches Ausmaß an sozialer Sicherheit und welchen Lebensstandard man welchen Menschengruppen zubilligt? Keine der technischen Entwicklungen seit der Entstehung des Ackerbaus hat die Tatsache aus der Welt geschafft, dass – mit wechselnden Anteilen – die einen sich zu Tode schuften und andere frei von Hunger „Kultur“ bilden, bestehend aus Heiligen Schriften, Grabmälern, religiöser Kunst und Palästen, deren Reste wir heute noch bewundern.
Mir fällt kein Grund ein, warum sich das unter den Bedingungen der Industrie 4.0 ändern sollte, wenn wir Menschen es nicht ändern.

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Frieden und Arbeit /Arbeit und Frieden

Menschen flüchten, wenn ihr Leben bedroht ist. Menschen wandern, wenn sie da, wo sie wohnen kein Auskommen haben oder woanders besser verdienen. Deutsche Ärzte in die Schweiz und nach Skandinavien. Polnische Pflegerinnen nach Deutschland und Sachsen nach Ingolstadt und München. Dank Digitalisierung gibt es neuerdings auch Arbeitsplätze, für die man zuhause bleiben kann und bei denen man unmittelbar, global, grenzenlos mit den KollegInnen der anderen Hemisphäre konkurrieren darf. Das Versprechen „Qualifikation sichert gute Arbeit“ stellt sich als falsch heraus. Die Antwort darauf kann nur heißen: Arbeit da schaffen bzw. erhalten, wo die Menschen wohnen und eigentlich auch bleiben wollen. Das weiß, glaube ich, jeder. Selbst unter der Voraussetzung, dass morgen Deutschland sozialistisch würde, ginge das nicht „von heute auf morgen“. Ein derartiger Umgestaltungsprozess braucht Zeit.
Erst Recht  kann diese Umgestaltung nicht klappen mit einer LINKEN, die nicht einmal vom Recht auf Arbeit spricht, sondern nur noch vom Recht auf höhere Arbeitslosenunterstützung. Die Rechte erzählt spätestens seit Thatcher – eher seit Pinochet, aber dieser Einschlag war noch ziemlich weit weg – „Wenn es der Wirtschaft gut geht, gibt es Arbeit und ganz am Ende fällt für dich ein Arbeitsplätzchen ab.“  Was setzt dem eine LINKE entgegen, die mehrheitlich vom Recht auf Faulheit träumt und vom Recht auf bessere „Stütze“ (BGE)? Was setzt dem eine LINKE entgegen, die mehrheitlich allem Anschein nach vergessen hat, dass man Bildung, Pflege, Nahverkehr, Bibliothek und Schwimmbad nur aus dem bezahlen kann, was man mit Arbeit im Sinne stofflicher Veränderung – Erz zu Töpfen, Getreide zu Brot, Wolle zu Pullover, Holz zu Stuhl … – real erwirtschaftet hat? Auch das weiß eigentlich jeder, wissen vor allem alle Proletarier. Nur eine LINKE und Linke nicht, die sich an 20-stelligen Zahlen auf Papier berauschen, die man zwar buchhalterisch und steuerlich erfassen kann, die aber real nichts wert sind. 
Wie bringt man eine durchsetzungsfähige politische Bewegung in Gang, die sich ihren Anteil am Erwirtschafteten erzwingt, wenn man tagtäglich davon redet, dass Arbeit heute schon so überflüssig sei wie ein Kropf und wir demnächst alle in Soros´, Bezos, Schwarz´, Albrechts und Klattens Geld beißen? Ganz besonders gepflegt wird diese Vorstellung von „Linken“, die es zwar für ein Menschenrecht halten, dass  alle über den ganzen Globus der Arbeit nachlaufen, auf dem eigenen Territorium aber tunlichst die Artikel 23 und 24 der Menschenrechtscharta vergessen, weil „uns“ ja die Arbeit ausgeht. Dabei geht sie uns vorläufig gar nicht aus, sondern „wir“ lassen nur woanders arbeiten: Blusen nähen, Töpfe formen, Turnschuhe kleben, Rosen schneiden, Erdbeeren bewässern … . Linke verhalten sich offensichtlich wie Kleinkinder, die sich die Augen zuhalten und fragen „Siehst du mich noch?“. Wie sollen eine LINKE und Linke Arbeitswillige aller Länder mobilisieren können, wenn sie von Arbeit nicht mehr sprechen wollen, sondern nur noch von fiktiven Geldbeträgen, die nicht durch Arbeit entstehen, sondern durch Börsenkreisläufe?
Wie soll eine Linke „Internationalismus“ entwickeln, die keinen Weltfrieden mehr braucht, weil sie es vermeidet von denjenigen zu sprechen, die sich mit Hilfe von Waffengebrauch die ganze Welt aneignen? Das sind Täter, die man benennen kann oder etwa nicht? Allen voran der Kriegstreiber USA mit Rüstungsausgaben in Höhe von 611 Mrd. Dollar im Jahr 2016. Man bringt keine Friedensbewegung zustande, wenn man sich mit „Antiamerikanismus“ nicht gemein machen will und deshalb vorsichtshalber darauf verzichtet, die Menschen zu mobilisieren, denen die Benennung des Haupttäters wichtiger ist als eine pazifistische Attitüde. Deutsche Waffenexporte sind das eine – US-Drohnen und ihre Kollateralschäden in aller Welt das andere. Die „alte“ Friedensbwegung hat Hunderttausende auf die Straße gebracht. Allerdings verbunden mit einer gehörigen Portion „Antiamerikanismus“. Pfui! Gemeinsamkeit mit „Nationalisten“! Man könnte das durchaus wiederholen mit der Mobilisierung gegen eine Kriegsstrategie, die Europa zum Aufmarschfeld macht des US-amerikanischen „Harmagedon“ gegen Russland. Wer jedoch diese amerikanische Strategie entschieden bekämpft – wie z. B. Daniele Ganser oder Albrecht Müller – wird immer öfter auch unter Linken  als „rechter Putinversteher“ denunziert, der sich an die Seite eines blutigen Diktators stellt, der in „seinem“ Land gleichgeschlechtliche Ehen noch nicht zugelassen hat – genauso übrigens wie ungefähr 170 andere Länder unterschiedlichster weltanschaulicher Orientierung, u. a. auch Kuba, Bolivien und Venezuela.
In den FÜR ALLE MENSCHEN wichtigsten zwei politischen Themenbereichen bleibt die LINKE also klare An- und Aussagen schuldig. Klare Aussagen sind KEINE bösen Vereinfachungen, KEIN „Linkspopulismus“, KEINE „Verschwörungstheorie“.

Ich habe den Eindruck gewonnen, dass die mächtigste Strömung innerhalb der LINKEN diejenige geworden ist, die jeden vorsichtshalber als faschistisch, rassistisch, rechtspopulistisch, nationalistisch, national-sozial denunziert, der in diesen beiden Fragen „gemeinsame Sache macht“ mit angeblich antiamerikanischen und antisemitischen Verschwörungstheoretikern, Populisten…. DAS hatte ich nicht im Sinn, als ich mich 2001 gemeinsam mit anderen auf die Socken gemacht habe, um eine wählbare Alternative links der SPD zu entwickeln!!! Noch hoffe ich, dass sich die grundlegende Ausrichtung der Politik in und mit der LINKEN ändern lässt.