Leserbrief Grundeinkommen (2016)

Es sind überwiegend bildende Künstler, Schauspieler, Musiker, Autoren, die sich für ein
Grundeinkommen begeistern, denn es ist geeignet die Einkommensschwankungen abzufedern, denen die Menschen in diesen Berufen ausgesetzt sind. Der KURIER berichtete zur Situation von Schauspieler*innen in der selben Ausgabe.
Fast alle Menschen im erwerbsfähigen Alter wünschen sich aber weder Arbeitslosengeld I oder II noch ein Grundeinkommen. Sie wollen Arbeit, mit der sie, evt. auch Familie und Kinder, auskömmlich leben können. Sich selbst und Angehörige aus eigener Kraft ordentlich versorgen zu können, das ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstwertgefühls.
Die gegenwärtige Produktivität ließe es zu, die wöchentliche Normalarbeitszeit so weit
herunterzufahren, dass für alle ein existenzsichernder Arbeitsplatz da ist. Es ist die blanke Gier der Aktionäre und Spekulanten, die den Abbau von Arbeitsplätzen und ihren Umbau in Kleinstarbeitsplätzchen antreibt. Es gibt genug Arbeit, auch für weniger Qualifizierte. In Krankenhäusern fände man sicher deutlich weniger multiresistente Keime, würde annähernd so häufig und gründlich geputzt wie früher.
Früher sprach man von einem Gleichgewicht von Kapital und Arbeit.Davon kann nicht mehr die Rede sein. Menschliche Arbeit ist nichts mehr wert, nirgends, solange
die staatlichen Regeln der „Wirtschaft“ erlauben, die Konten des oberen Prozents allein durch grenzenlose Spekulation anschwellen zu lassen.
Das von Prof. Stadelmann vorgeschlagene Grund“kapital“ von 20 000 € – wie kommt er
ausgerechnet auf diesen Betrag? – ist eine realitätsfremde Schnapsidee, wie sie nur der
volkswirtschaftliche Mainstream an unseren Universitäten hervorbringen kann. Existenzgründer brauchen Geld nicht allein um Anfangsinvestitionen zu tätigen, sondern auch um magere, manchmal sehr magere, Anfangsjahre zu überstehen. 20 000 € sind ein Klacks! Heruntergerechnet auf Hartz-IV Niveau könnte man mit dieser Unterstützung nicht einmal 2 Jahre sein Leben fristen, bis der Laden „brummt“. Bis Neugründungen sich lohnen und die Gründerinnen tragen, dauert es in aller Regel um einiges länger!
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