Bedeutungsvoll?

Bildquelle: KenFM

deuten –  bedeuten – deuteln – verdeutlichen – eindeutig – bedeutsam – bedeutend – deutlich – Bedeutung – Deut – Deutung – Bedeutsamkeit –

Rothschild, Rockefeller und Soros sind für all diejenigen jüdische Namen, die ganz genau wissen, was „jüdische Namen“ sind.  Bevor mich nicht ein Hinweis sog.  antifaschistischer Aktivisten darauf  brachte, dass die Religionszugehörigkeit bei Bonzen und Bankern von ganz besonderer Bedeutung ist, hatte mich die weiter nicht interessiert. Ich ging davon aus, dass  es sich bei den Genannten schlicht um reiche Personen, Familienclans, Dynastien handelt und zwar bei „den Rothschilds“  um Franzosen, bei „den Rockefellers“ um US-Amerikaner und bei Soros um einen Griechen. Was mit -os endet ist oft griechisch. Niarchos und Onassis sind mir als Reederdynastien noch in Erinnerung. Auch wenn´s den Griechen momentan eher weniger  gut geht: Ein paar Reiche könnte es da schon noch geben. Warum nicht Soros?

Wer sich  über Prominente im Netz kundig macht, nachschaut ob sie einen religiösen Hintergrund haben, wenn ja welchen, kann das in manchen Fällen finden – nicht in allen. Die meisten Menschen halten Religion nämlich für Privatsache und verhalten sich dementsprechend. Ich persönlich kenne niemanden, der irgendeinen Aufwand treiben würde, um herauszufinden, welche Religions- oder Konfessionszugehörigkeit jemand hat. Warum sollte Mensch das tun? Wir leben in einem ziemlich säkularen Zeitalter. Wer nicht nach religiösen Hintergründen sucht,  kennt sie meistens nicht. Den Papst, Kardinäle, Bischöfe, den Dalai Lama oder Metropoliten natürlich ausgenommen.

Manche Leute scheinen ganz genau zu wissen, dass Menschen mit bestimmten Namen nicht bloß einem Glauben angehören, sondern sogar einer Rasse. Sie schließen daraus, alle anderen wüssten das auch.  Ich selbst käme nie auf diese abwegige Idee. Dabei habe ich schon mal von einem Heimatforscher gehört, dass die Prechtls katholisch sind und die Prechtels evangelisch,  dass es  Wahrscheinlichkeiten gibt für die Konfessionszugehörigkeit eines Herrn Riedl und eines Herrn Prechtel.  Dass ein Pfleiderer und ein Häberle Schwaben sind, halte  ich für ein ethnizistisches Vorurteil. Wie ich aus zuverlässigen Quellen weiß,  wohnen sie am Prenzlauer Berg.

Ist der Schluss wirklich naheliegend, dass eine Aufzählung von Namen ein Indiz für Antisemitismus darstellt, nur weil für manche Menschen die religiöse Sozialisation von Milliardären, Finanzspekulanten, Bankiers und Mehrheitsaktionären von Konzernen  von größter Bedeutung ist? Der sich anschließenden Klassifizierung als Freund oder Feind kann kaum einer entrinnen. Kabarettisten nicht, Popsängerinnen nicht – vielleicht  nicht einmal mein Nachbar, der nur ganz wenige reiche Leute „kennt“: Uli Hoeness, Bill Gates und den Medienmogul in der nahen Kreisstadt, den Herrn Ellwanger. Hoffentlich fallen ihm  beim Stichwort „Superreiche“  aus der Forbes-Liste sofort Carlos Slim Helu,  Wang Jianlin  und Joseph Lau ein, die ja alle Welt kennt. Würde er die  ersten drei nennen, Bill Gates,  Warren Buffett  und Jeff Bezos, könnte er Glück haben. Zu Warren Buffetts Religion habe ich im dazugehörigen  Wikipedia-Eintrag nichts gefunden. Wären ihm Gates, Zuckerberg und Bezos eingefallen, weil Microsoft, Amazon und Facebook  in aller Munde sind – was dann? Hätten wir einen Nazi mehr?  Ich weiß es nicht.

Ich schlage vor, auf  alle Listen berühmter Menschen,  Musiker,  Maler, Massenmörder oder Milliardäre …  IMMER auch einen zu setzen, der Schulze heißt. Über Schulze kann man nichts herausfinden.  Wer den Schulze googelt, bekommt keine zuverlässige Auskunft, weil es zu viele Schulzes gibt. EINEN Schulze gibt es bestimmt, der wegen seiner Merkmale unbedingt in die Liste gehört. Wer auch immer sich genötigt sieht, zu einem bestimmten Thema eine garantiert religiös oder rassisch gemischte Liste vorzulegen, Schulze passt immer.  Das Problem über  Quotierung zu lösen erweist sich als schwierig. Ob sich  für eine beispielhafte Aufzählung aus jeder Religion oder Rasse genau ein prominenter Mensch  findet? Es könnte  der entsetzliche Fall eintreten, dass unter den weltweit  prominentesten Grabschern –  einem Hindu,  einem Christen, einem Buddhisten, einem Juden, einem Taoisten, einem Moslem und einem Nichtreligiösen – ZWEI Weiße sind. Typisch für die Weißen, das Grabschen! Vielleicht auch zwei Damenschneider mit internationalem Renommée. Dann würde sich die Schneiderinnung beschweren über die Herabwürdigung ihres ehrbaren Standes.

 

Advertisements

Maulkorb für Prof. Dr. Rolf Verleger?

Bild: Passierpunkt in der Mauer von Bethlehem, gemeinfrei über wikipedia

Vermutlich Anhänger einer weithin bekannten, manchmal auch Torten werfenden Sekte, deren Mitglieder sich jedoch selten namentlich aus der Deckung wagen (siehe Anhang), versuchten wieder einmal einem Kritiker der israelischen Besatzungspolitik wegen seiner „antisemitischen“ Positionen den Mund zu verbieten. So geschehen in Freiburg am 10.November.

Rolf Verleger reagierte mit einem offenen Brief, der u. a. auf den Nachdenkseiten zu finden war. Dieser offene Brief sei auch hier weiterverbreitet. Seine Argumentation erklärt warum manche, darunter auch ich, die Sichtweisen dieser anonym auftretenden Sekte für eine lancierte und gesponserte Kampagne halten, die darauf abzielt, linke Kritiker  aus dem öffentlichen Diskurs zu verdrängen.

Hier der Text:

An: gegen-antisemitismus@stura.uni-freiburg.de
14.11.2016

Sehr geehrte Herren,

Am 10.11. hielt ich im Rahmen des Café Palestine Freiburg in einem Hörsaal der Universität Freiburg einen Vortrag zum Thema „Ist der Einsatz für Menschenrechte in Palästina antisemitisch?“ Vor der Veranstaltung haben Sie per Flugblatt ein Redeverbot für mich an der Universität Freiburg gefordert.
Sie taten das zwanzig Minuten vor Veranstaltungsbeginn, als es noch leer war: Sie, zwei junge Männer, höflich und zurückhaltend, fast schüchtern, verteilten einen knallharten Text, anonym, ohne Namen der Verfasser. (S. Wortlaut im Anhang). Sie warteten aber nicht die Wirkung ab, sondern schauten, dass sie lieber weder unerkannt wegkamen. 
Das hat mich sehr verblüfft. Das ist eigenartiges Verhalten. So als ob der Veranstalterin Frau Dr. Weber oder mir ein Geheimdienst zur Verfügung stünde, der Ihnen schaden könnte.

Ich habe mich gefragt, was Ihre Vorbilder für Ihre Aktivitäten sind.
Eine mögliches Vorbild könnten für Sie die Geschwister Scholl sein: Auch sie wollten ihre Flugblätter gegen Unrecht sprechen lassen, sie wollten laut und deutlich ihre Stimme für Menschlichkeit erheben. Und sie wollten anonym bleiben, weil sie wussten, dass es sonst nicht gut für sie ausgehen würde. 
Daher scheint es mir möglich, dass Sie sich an diesen Helden des Widerstands gegen Unmenschlichkeit orientieren. In diesem Fall könnten Sie auch die Befürchtung haben, dass Sie – wie die Geschwister Scholl – Opfer Ihres Engagements werden könnten: die Scholls wegen ihres Eintretens für die Opfer der Nazis wurden selbst Opfer der Nazis, und Sie könnten vielleicht wegen ihres kompromisslosen Eintretens für Israel den Palästinensern und ihren Freunden zum Opfer fallen. Denn Sie halten diese Leute für mordlustig („mordlustige Antisemiten“ schreiben Sie) und – so befürchten Sie – es droht ein neuer „eliminatorischer“, „mörderischer“, „vernichtungsorientierter Antisemitismus“. So werden Sie vielleicht zu Helden für eine gerechte Sache. Das, so male ich mir aus, ist Ihre Sichtweise: Mich sehen Sie als einen Befürworter des „eliminatorischen Antisemitismus“ und vielleicht auch persönlich als einen mordlustiger Antisemiten: eine Gefahr für Israel und für Sie als Israelfreunde. Sie dagegen warnen und mahnen: Einen solchen potentiell gefährlichen Mann sollte man nicht reden lassen, im Interesse der eigenen Selbsterhaltung.

Das sind ungefähr meine Fantasien darüber, wie Sie sich selbst sehen. Meine eigene Sichtweise von Ihrer Aktivität ist aber eine völlig andere. Das ergibt sich so aus meiner Familiengeschichte. Kennen oder kannten Sie Ihre Großväter? Ich kannte meine nicht. Der eine starb schon 1926 und liegt in Berlin-Weißensee, der andere starb in Auschwitz; wann genau, weiß man nicht. 
Kennen oder kannten Sie Ihre Großmütter? Ich kannte meine nicht. Die eine ging 1942 in Theresienstadt zugrunde, die andere wurde, 42-jährig, direkt nach der Ankunft des Deportationszuges in Estland erschossen, denn sie hatte ihren gelben Stern in Berlin abgemacht, um zur Friseuse zu gehen; daher war sie eine Kriminelle und wurde in Estland in einer Sanddüne verscharrt.
Haben Sie Onkel und Tanten? Mein Vater hatte sieben Geschwister. Das Nazi-Regime überlebten nur er und ein Bruder. 
Hat Ihr Vater eine Tätowierung? Mein Vater hatte eine, nämlich die Auschwitznummer am Arm. Seine erste Frau und ihre gemeinsamen drei Söhne hatten wahrscheinlich keine: Sie kamen in Auschwitz gleich ins Gas. Daher heiratete 1948 mein Vater meine viel jüngere Mutter: Er wollte noch einmal jüdische Kinder haben. So bin ich aufgewachsen, als Kind der Hoffnung und des Neuanfangs.

Was wissen Sie vom Judentum? Uns Kindern haben dies unsere Eltern vermittelt. In der chassidischen Tradition meines Vaters: Gottes Gebote befolgen, in der Hoffnung auf Erlösung und Befreiung. In der deutsch-jüdischen Tradition meiner Mutter: Judentum als Religion der tätigen Moral. In beiden Traditionen sind Juden deswegen Gottes auserwähltes Volk, insofern sie der Welt ein Vorbild an Moral und Gesetzestreue geben sollen und dies auch wollen. Manchmal in meinem Leben bin ich aus den engen Grenzen der Tradition ausgebrochen, aber Ich habe mich auch immer wieder für meine jüdische Gemeinschaft engagiert, habe die Gemeinde Lübeck mitgegründet, war Landesverbandsvorsitzender in Schleswig-Holstein und Delegierter im Zentralrat.

Nichts von meinen jüdischen Werten findet sich wieder im Verhalten der israelischen Regierung. Man hat den Palästinensern ihr Land geraubt, fantasiert sich als ewiges Opfer und leitet daraus die Rechtfertigung ab, Völkerrecht und Menschenrechte außer Kraft zu setzen, völlig außerhalb der jüdischen Tradition. 
Sie wissen vielleicht, dass vor der Auslöschung des europäischen Judentums durch die Nazis und ihre Helfer der Zionismus eine Minderheitenposition im Judentum war. Gegen den Zionismus waren viele Strömungen: die Religiösen, die Bürgerlichen, die sozialistischen Bundisten, die allgemeinen Sozialisten. Wussten Sie dass das einzige jüdische Mitglied im britischen Kabinett 1917, Lord Edwin Montague, strikt gegen die Balfour-Deklaration war? Sind das alles „eliminatorische Antisemiten“, weil sie die Idee eines separaten jüdischen Staates fernab der eigentlichen Heimat der europäischen Juden für eine sehr schlechte Idee hielten? Kennen Sie den Bundisten Marek Edelman, überlebender Anführer des Aufstands im Warschauer Ghetto? Wissen Sie, was er von den Zionisten hielt?
Sie wissen vielleicht auch, dass Ihr unfreiwilliges Vorbild Heidegger (s. unten) seine junge Studentin Hannah Arendt anbetete. Wissen Sie, was diese kluge Frau 1945 über den Schwenk der zionistischen Mehrheit hin zur Unterstützung eines „jüdischen Staates“ geschrieben hat? Sie können es in meinem Buch nachlesen.
Wissen Sie, dass Hannah Arendt, Albert Einstein und andere hellsichtige amerikanische Juden 1948 in einem gemeinsamen Leserbrief an die New York Times dagegen protestierten, dass Menachem Begin, der Kommandeur des Massakers von Deir Yassin, kurz nach diesem Verbrechen die USA besuchte? Sie nannten ihn einen „Terroristen“ und forderten eine Einreiseverbot. 
Montague, Edelman, Arendt, Einstein – nach Ihrer Logik alles Antisemiten!

Und nun können Sie vielleicht meine Sichtweise ansatzweise nachvollziehen: Dass mir junge Leute an der Universität Freiburg das Rederecht nehmen wollen, das erinnert mich fatal daran, was an der Universität Freiburg unter dem Rektorat Heidegger und seinen Nachfolgern vor 80 Jahren geschah: „Juden raus!“ Sie sind in meinen Augen nicht die Geschwister Scholl, weiß Gott nicht. Sondern eher Kinder im Geiste derjenigen, die damals die Universität judenrein machten. 

Vielleicht finden Sie eine neutrale Person außerhalb Ihres Zirkels, die Ihnen erklären kann, dass Sie sich bei mir entschuldigen sollten.
Mit freundlichen, über die Vielfältigkeit des menschlichen Geistes immer noch verwunderten Grüßen

Prof. Dr. Rolf Verleger

Vorsitzender des Bündnis zur Beendigung der israelischen Besatzung, www.bib-jetzt.de

 

Braune Torten

Sagt Ihnen das eigentlich was – „antideutsch“? Welche Inhalte verstecken sich hinter Webauftritten wie „Straßen aus Zucker“ oder „Pension Abgrund“? Welche Bedeutung, welche Folgen hat der Tortenwurf von Magdeburg? Welche Fragen stellen sich danach?

Ein Versuch, Antworten zu finden: Braune Torten

 

 

Lauter Labels

Zur gegenwärtig umstrittenen Verleihung eines Preises der Wagner-Stadt Bayreuth an „Code Pink“

Es macht einer dem Skeptizismus zuneigenden Agnostikerin enormen Spaß, das Buch eines Shlomo Sand zu lesen, das viele Hinweise darauf zusammenfasst, dass es sich beim Zionismus um den zumindest rassistisch beeinflussten Gründungsmythos eines Staates handelt, der auch aggressiv nationalistische Züge trägt. Dessen aktuelle Regierung und ihre bedingungslosen Unterstützer hierzulande schrecken nicht davor zurück, jede Kritik am Handeln dieses Staates als Rassismus und Antisemitismus zu denunzieren.

Eigentlich ziemlich blamabel, wenn einem Preisverleiher das intellektuelle Rüstzeug fehlt, seine Entscheidung jenseits des politischen Tagesgeschäfts vernünftig zu begründen. Es lebe das Vor-Urteil.

Ergänzung ein paar Stunden später:

Hurra! Mit einer dünnen Mehrheit (23: 41) hat sich gestern am Abend der Bayreuther Stadtrat für die Verleihung des Toleranzpreises an Code Pink entschieden.

Instrumentalisierung von Antisemitismus-Vorwürfen

Siehe  http://www.nachdenkseiten.de/?p=24241  .

Ich habe den Eindruck, dass linke Kritik an gesellschaftlichen Zuständen und Politik des Staates Israel zunehmend als ´antisemistisch´ denunziert wird.

Bedauerlicherweise bestärken Argumentationlinien, die Kritik an Handlungsweisen jüdischer Menschen und Kritik an der aktuellen Politik des Staates Israel mit Antisemitismus gleichsetzen, eine rassistische Konnotation von Religion, statt sie aufzulösen. Die Denunziation solcher Kritik als antisemitisch schadet dem Dialog z. B. zwischen Christen und Juden und der Debatte um mögliche, friedliche Lösungswege im Palästina-Konflikt.

Eine rassistische, ethnizistische Konnotation betrifft aktuell auch Muslime: `Pegida´ findet sich zusammen auf der Basis des Weltbildes Türken=Flüchtlinge/Nahost=Muslime=Terroristen. Auch hier werden Differenzierungen wie z. B. areligiöse Menschen mit `Migrationshintergrund´ Türkei,  Muslime mit deutschsprachigem Hintergund, christliche Syrer, sozialer/wirtschaftlicher Hintergrund von Menschen, die terroristische Mitteln verwenden… locker vom Tisch gewischt. Leichtsinnige Gleichsetzungen bzgl. der Vielfalt individueller Merkmale, Motivationen, Orientierungen werden dazu benutzt, alle möglicherweise in Frage kommenden in einen Sack zu stecken, auf den man dann kräftig eindreschen kann. Derzeit kann man nur hoffen, dass diese rassistische Konnotation sich über die Zeit nicht in ähnlicher Weise verfestigt, wie der Antisemitismus.

Ganz gleich wer auf Differenzierungen in wessen Interesse verzichtet: Tendenziell richten sich solche Vereinfachungen gegen die Menschenrechte, die darauf abzielen, alle Menschen als Individuen mit gleichen, unveräußerlichen Rechten anzuerkennen.

Verzicht auf Differenzierung verhindert Aufklärung und trägt zur Eskalation von Konflikten in hohem Maße bei – in allen Konflikten, in denen religiöse Überzeugungen für Machtinteressen instrumentalisiert werden.

Eine solche Denunziation als Antisemit, publiziert vor 6 Jahren von der Autorin Adriana Stern, hat vor kurzem lt. Nachdenkseiten zur Ausladung von Werner Rügemer als Referent in der ver.di Bildungsstätte Sprockhövel geführt. Deshalb habe ich mich in einem offenen Brief an Adriana Stern gewandt (siehe Link unten).

Ich kritisiere darin die Ableitung eines Antisemitismus-Vorwurfs aus nur vermeintlich objektiven Merkmalen des Antisemitismus, die vor Jahren die Bundeszentrale für politische Bildung aufgelistet hat. Ich stelle darin auch eine Sichtweise in Frage, die Kritik am Zionismus und an der von Anbeginn auf bewaffneter Konfrontation basierenden Gründung des Staates Israel als antisemitisch brandmarkt. In einem Gespräch am Küchentisch wurde ich vor kurzem von einem Gast an eine Anekdote zu diesen Zusammenhängen erinnert: Zwei Juden sitzen 1948 in einem Unterstand irgendwo in Palästina. Kugeln schlagen ein, Granatfeuer ist zu sehen und zu hören. Sagt der eine: „Ich finde es ja schön, dass die Engländer uns einen Staat schenken, aber hätten sie nicht die Schweiz nehmen können?“

Brief_Stern_neu