Finsterste Reaktion

Es ist wohl in der marktförmigen Demokratie kein Zufall, dass in Bamberg ausgerechnet eine höhere Wirtschaftsschule die angeblich herausragenden Disziplinlosigkeiten eines politisch links engagierten Schülers sammelt, mit dem Ziel ihn der Schule zu verweisen. Die Mitte steht rechts oder die Rechte ist in der Mitte angekommen. Ihren Beitrag zur Erleichterung des Vormarschs der Reaktion leistet eine Sozialdemokratie, die offensichtlich nicht mehr weiß, was links und rechts ist. 50 Jahre eigenes politisches Engagement: vergebens! Selbst kurzfristiger Zweckoptimismus bleibt mir im Halse stecken.

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„Die Frauenfrage“ oder 0,7 von 4,4 m²

Eine Überschrift auf der Titelseite meiner Lokalzeitung „Was uns Frauen treibt“ hat mich nach 25 Jahren veranlasst, mich wieder einmal der „Frauenfrage“ zuzuwenden. Ich empfinde das Wort „uns“ in dieser Überschrift als ein in unredlicher Absicht unterstelltes Kollektiv. Das zufällig mit der Zeugung gesetzte Merkmal „Frau“= [Scheide, Gebärmutter und Eierstöcke vorhanden] halte ich per se nicht für ein Kollektivität und Solidarität stiftendes Merkmal.

Mein längerer Text zur Frauenfrage steht als PDF zur Verfügung. –> Frauenfrage_fin

 

 

 

 

 

 

Sachverständige

Leserbriefe zu Griechenland zeigen: Jeder, der einen Geldbeutel hat, fühlt sich als Ökonom. Das erinnert mich an meine Erfahrung, dass jede, die schulpflichtige Kinder hat, sich für eine Didaktikerin hält. Beiden ist dabei nicht bewusst, mit welch geringen Geistesgaben man den Alltag ohne größere Störfälle bewältigen kann. Man muss sich nur genauso verhalten wie alle anderen. Die Fähigkeit des Nachäffens reicht dazu aus. Nennenswerte Verstandeskräfte braucht nur, wer Dinge anders machen will, als viele es gewohnt sind.

 

 

Es gibt eine Beziehung zwischen Einnahmen und Ausgaben

Meine lokale Tageszeitung hatte berichtet, dass im Landkreis Bayreuth wegen Personalmangels Schuleingangsuntersuchungen des Gesundheitsamts in den Kitas ausfielen.

 

„Es ist ganz normal, dass im öffentlichen Dienst eine Stelle sechs Monate lang unbesetzt bleibt.“ sagt Herr Christoph Reichl, Sprecher der Regierung von Oberfranken.
Ich selbst wurde 1956 eingeschult. Bei der Schulanmeldung vor den großen Ferien wurden alle Schülerinnen und Schüler schulärztlich in entsprechend ausgestatteten Räumen der Schule untersucht, einschließlich der Seh- und Hörtests, die damals zur Verfügung standen.
Nein, Herr Reichl, es ist nicht normal! Es wird leider inzwischen für normal gehalten in einem Staat, der nicht mehr wie seinerzeit den Wohlhabenden und Reichen 53 %, später 56 % Einkommensteuer, abverlangt, sondern den Menschen mit Einkommen über 250.000 Euro/Jahr nur noch max. 45 %,  bei hohen Einkommen die Steuerprogression kappt und sämtliche Lasten vor allem den unteren und mittleren Einkommen aufbürdet.
Es ist nur normal in einem Staat, der allein den Reichtum weniger Einzelner schützt, aber nicht den Reichtum aller – wie man nicht nur am Verfall von Schulen, Straßen und Brücken ablesen kann, sondern – wie berichtet –  auch am Niedergang öffentlicher Leistungen wie der schulärztlichen Versorgung. Genau das  ist es, was man auch den Griechen, den Italienern, den Spaniern, dem europäischen Süden aufzwingen will. Im Unterschied zu unserer Bevölkerung sträuben die sich. Zu Recht!“

„Zwischen Amok und Alzheimer“ von Götz Eisenberg

Zum Lesen gereizt hat mich der Untertitel: „Zur Sozialpsychologie des entfesselten Kapitalismus“.

Ich nehme an, dass jede Epoche spezifische Formen psychischer Normen und Abweichungen erzeugt.

Die alltäglich zu beobachtenden Raser in SUV auf geteerten Stadtstraßen; Menschen mit Knöpfen im Ohr, die vor sich hinsprechen; Menschen, die während eines geselligen Essens mit Abwesenden sprechen; … Bei allem handelt es sich für mich um Verhaltensweisen, die ich nicht verstehe, die sich mit meinen persönlichen Vorstellungen von menschlichem Zusammenleben nicht vertragen.

Ich erhoffte mir Aufschluss darüber, ob meine Abwehr gegen solche Verhaltensweisen nur eines der Merkmale für das uralte Missverstehen zwischen Jung und Alt ist, oder – wie ich befürchte – ein Hinweis auf neuartige, systembedingte Deformationen dessen,  was ich als menschlich verstehe.

Dazu habe ich einiges erfahren. Empfehlenswert für alle, die einen Sinn für Dialektik haben.

Nicht die Hälfte des Himmels, die Hälfte der Welt!

Mir wurde heute klar, dass  meine Texte auch ohne ..*innen, …Innen, …_innen oder …xxx  die Geschlechtervielfalt erkennen lassen können. Solange mir aber noch die sprachformalistischen Korinthenkackerinnen in den Organisationen, denen ich angehöre, mein feministisches Leben schwer machen können, werde ich in den von mir erbetenen Texten selbstverständlich die verlangten Sprachungetüme unterbringen, wenn es kein `neutrales´ Wort gibt wie z. B. Personal, Lehrkraft, Arbeitende, Mensch. Von allen anderen erwarte ich nach wie vor, dass sie die Inhalte von Texten erfassen und nicht nur die sieben Worte in drei Zeilen der Metaplan-Kärtchen.

Hungerwanderungen

„Ich kann meine Kinder nicht mehr ernähren“, zitiert der Autor eines dpa-Artikels in meiner Lokalzeitung einen der Menschen, die hierzulande gerne als Wirtschaftsflüchtlinge bezeichnet werden. Schon die vermutlich von der örtlichen Redaktion gesetzte Überschrift „An einem Tag 800 Asylbewerber aus dem Kosovo“ verdiente es, medienkritisch gewürdigt zu werden. Die Aussage bezieht sich selbstverständlich nicht auf das örtliche Erstaufnahmelager, sondern auf die Zahl derer, die in einem ungarischen Dorf an der serbischen Grenze ankommen und ist geeignet fremdenfeindliches Ressentiment zu schüren. Mein heutiger Leserbrief dazu geht weiter wie folgt:

„Dank des emsigen Forschens von Paläoanthropologinnen, Archäologinnen und Historikerinnen wissen wir, dass der Homo Sapiens wie andere Tierarten dazu neigt, sich über lange Strecken zu bewegen, wenn es da, wo er lebt, nicht mehr genug zu essen gibt. Weder den Römern noch den Chinesen haben Zäune und Mauern gegen diese Wanderungen viel geholfen. Auch Israel und den USA werden Mauern und Zäune auf Dauer wenig nützen.

Neu ist nur, dass es der „Homo zu wenig sapiens“ seit den Anfängen kapitalistischen Wirtschaftens geschafft hat, die Ursachen des Hungers selbst zu erzeugen. Das gelingt durch Befriedungsmaßnahmen, Durchsetzung unserer Form der Demokratie mit militärischen Mitteln und durch Landraub. Mit Frieden und Demokratie wurden u. a. Kosovaren, Afghanen, Iraker, Libyer … beglückt. Landraub durch Agrarkonzerne entzieht nicht nur den Bauern in Asien, Afrika und Lateinamerika ihre Lebensgrundlage aus dem Getreide- und Gemüseanbau, sondern auch denen in Mecklenburg-Vorpommern oder der Mark Brandenburg. Man will uns glauben machen, dass wir kein Brot brauchen, sondern nachwachsende Energie und Rohstoffe, im Winter billige Rosen und Erdbeeren, Fleisch und Fleischersatz, Gummi für Autoreifen und Baumwolle für Hemden und Hosen. Keine Veganerin sollte jedoch glauben, dass sie durch den Genuss fleischloser Dosenwürstchen diesem Tun Schranken setzt! Rudolph Steiner, gest. 1925, ist definitiv mit der Vorstellung gescheitert, dass die Welt ein wohnlicherer Ort werde durch das Stricken und Tragen von Wollsocken und das Malen mit pflanzengefärbten Bienenwachskreiden auf handgeschöpftem Papier. Dabei haben seine geistigen Nachfahren überall auf der Welt Schulen ohne rechte Winkel gebaut, durch die Waldorfer Weisheit weht, von Windhoek bis Wernstein.

Ist es unverständlich, dass die hungernden Menschen dorthin gehen wollen, wo die Früchte ihrer Arbeit landen? Dass sie Europa für das Land Kanaan halten, ganz besonders Deutschland? Überall sind deutsche Schiffe unterwegs, mit geliehenem Geld gekauft von griechischen Reedern, weitestgehend von Steuern befreit, unter liberianischer Flagge mit einer philippinischen Besatzung. Wer etwas auf sich hält, leiht sich ein bisschen was, um von HochTief am Amazonas und in Athen Stadien bauen zu lassen. Weltweit verkaufen deutsche Chemiegiganten Nitrophoska und Pestizide an Bauern, die mit traditionellen Methoden von einem Fleckchen Erde ihre Familie ernähren konnten.

Ob sich die Vernunft des Homo Sapiens durchsetzt gegen den Schwachsinn derer, die vorgeblich im Besitz wirtschaftlicher Weisheit sind und als Lakaien der Herrschenden vorhandene Alternativen nicht zur Kenntnis nehmen? Derzeit hungern 805 Mio. Menschen. Sie hungern nicht, weil die Erde nicht genug hervorbringt. Sie hungern nicht, weil sie zu dumm oder zu faul sind zum Säen und zum Ernten, wie Rassisten und Nationalisten behaupten. Sie hungern, weil sich das oberste Prozent der Bevölkerung der Industriestaaten das Recht nimmt, sich an Kaviar satt zu essen statt an Brot. Flüchtlingszelte gehörten eigentlich in die Gärten von Blankenese, auf die Kö, in den Hof des Sony-Centers, den Garten des Kanzleramtes und auf den Rasen vor dem Nato Hauptquartier in Brüssel. Das sind Orte, an denen zuhauf Verantwortliche für das Elend auf ihren Designer-Sesselchen sitzen.“