Turbinenausrede

Auf die Idee, dass die alljährliche Wartung von Turbinen eine „Ausrede“ sei, kann nur einer kommen, der als studierter Philologe und Philosoph mit Broterwerb in der Schriftstellerei auftritt. (Eigenauskunft auf https://www.robert-habeck.de/zur-person/ ) Was man selbst nicht bedacht hat, dem Gegenüber – man müsste wohl eher Feind sagen – als Ausrede zu unterstellen, kennzeichnet eine Unfähigkeit zur Selbstreflexion, die einem Müllabfuhrmann, der einen Container beim Kippen auskommen lässt, nicht zugebilligt würde.

Ich hoffe ja insgeheim, wir bekommen einen frostigen Winter. Frierende, für die der Weg zu einem herrschaftlichen Gebäude im Vergleich zum Zuhausesitzen eine Aufwärmphase darstellt, haben schon einmal die Welt verändert. Über die möglichen Folgen ist damit noch nichts gesagt.

Energieverbrauch

Auch e-Autos verbrauchen Energie. Nur wenn einer zu Fuß von München nach Hamburg läuft, reicht eine leicht erhöhte Zufuhr an belegten Brötchen, gerne auch vegetarisch belegt, für die Fortbewegung aus. Wie wir aus Werbekatalogen für Wanderausstattung wissen, können diese problemlos täglich frisch in den Transportbehälter Rucksack gepackt werden. Neben Kühlschränken, Küchenherden, Backröhren, Fernsehgeräten und Computern brauchen auch Menschen Energie. Ich bin technisch nicht übermäßig versiert, verfüge aber über gewisse Grunderfahrungen: Je schwerer die Tüte ist, desto mehr Kraft muss ich aufwenden. Auch die menschliche Fähigkeit Kraft aufzuwenden für den Weg von München nach Hamburg setzt die Zufuhr von Energie voraus. Der Mensch nimmt dazu eine Mischkost von Fett, Eiweiß und Kohlehydraten auf. Das Auto Sprit und mein Computer Strom.

Leider habe ich bisher keine Auskunft dazu gefunden, wie viel Energie ein rechnerischer Prozess in einem Computer verbraucht. Wieviele Impulse welcher Intensität werden benötigt um mit bahnbrechender Technologie die Aufgabe 2+7 zu lösen oder zu erkennen, dass ich Walt falsch geschrieben habe. Es wird wohl von der Komplexität und Dauer des Prozesses, der Zahl der zur Lösung nötigen Schaltvorgänge zwischen 0 und 1 abhängen. Wenn man versucht, die unendliche Liste der Primzahlen immer weiter fortzuführen – was meines Wissens jemand als Auftrag an einen Rechner gegeben hat – braucht man etwas länger. Deshalb habe ich mich kürzlich gefragt, wie viel Energie die von mir nicht erbetenen Leistungen eines von Windows dirigierten Rechners verbrauchen. Im alleswissenden Netz habe ich dazu folgende für Normalverbraucher verständliche Auskunft gefunden:

Screenshot: https://www.stromauskunft.de/stromverbrauch/stromverbrauch-von-computern/; 20.06.2022; 8:35

Stellen wir uns jetzt ganz dumm: Zur Informationsaufnahme und Weitergabe meiner (un)maßgeblichen Weisheiten verbringe ich etwa 6 Stunden täglich an meinem Blechdeppen mit Bildschirm. Selten schaue ich Filme, Ansprachen, Interviews oder Diskussionen. Meistens lese oder schreibe ich. Gesundheitsspezialisten behaupten, dafür brauche man relativ wenig Energie, weil man nicht viel Kraft aufwenden muss um Tasten zu klopfen. Im diesen 6 Stunden, die ich nicht wie im Büro ständig am Rechner verbringe, belästigt er mich gelegentlich wiederholt mit folgenden Rechenleistungen, die ich nicht bestellt habe:

Er erfreut mich täglich mit einem neuen Bildchen im Eingabefeld für eine völlig ungerichtete Suchfunktion im Rechner und sämtlichen angeschlossenen Speichermedien mit ihren Ordnern und Unterordnern. Seit kurzem werden Suchanfragen nicht mehr in ein weißes Feld eingegeben, sondern in eines, das mich täglich mit einem neuen Bildchen zweifelhafter Ästhetik beglückt.

Diese Freude wird mir allerdings erst zuteil, wenn ich einen Eröffnungsbildschirm vorsichtig benutzt habe: Vorsichtig, weil es mein Bestreben ist, einen versehentlichen Click zu vermeiden auf die optisch nicht begrenzten Felder mit folgenden Texten:

  • „Die Natur hat diese fantastische Landschaft mit gestaltet, doch auch die Menschen haben dazu beigetragen. Sie lebten in schweren Zeiten.“
    Sollte ich versehentlich in diesen Bereich klicken, so startet Microsoft ungefragt ein Bildungsprogramm in dem mich die Möglichkeit erwartet, nicht allein meine geographischen Kenntnisse zu erweitern. Voreilige Neugier lädt mich zu einem Quiz ein. Ich werde animiert die Suchmaschine „bing“ zu verwenden, um über die dort angesprochenen Themen Genaueres zu erfahren und der Betreiber meines Betriebssystems versorgt mich ungefragt mit Werbung für Hotels in dem Land, in dem sich diese architektonische oder natürliche Sehenswürdigkeit befindet.
  • „Gefällt Ihnen, was sie sehen?“ Ich werde animiert mich zwischen einem Herzchen (Mir gefällt es!) und einem gebrochenen Herzchen (Kein Fan. ) zu entscheiden.
    Sollte ich Nichtgefallen durch einen Klick signalisieren, wird mir mit weiteren Auswahlbildern gedroht: „Wir wechseln zu einem neuen Bild.“
    Wozu das Ganze? Microsoft informiert mich darüber, dass meine Rückmeldung zur Verbesserung des „Features“ beiträgt, welches ich nicht brauche, nicht will und bei ausreichender Konzentration erfolgreich vermeide.

Nur wenn es mir gelingt, irgendwo in die Fläche zwischen den Animierungskernen zu klicken, offeriert Microsoft einen sachlich gestalteten Bildschirm, auf dem das eingangs verwendete Bild verschwommen aufscheint, und der Nutzer entscheiden darf, ob er in den nächsten Minuten, Stunden das Gerät als Admin, Nutzer XYZ oder Gast mit eingeschränkten Rechten benutzen will. Wahrscheinlich könnte ich an anderer Stelle einen Zugriffspunkt finden, um den ganzen überflüssigen Ballast abzuschalten. Bisher hält mich der dafür nötige Zeitaufwand davon ab, dies zu tun.

Meine Frage an die Schwarmintelligenz meiner Leser: Wieviele Rechenoperationen mit welchem Stromverbrauch hat mein Gerät erzwungen, bevor ich die erste Zeile tippen darf? Mehr als eine Schreibmaschine mit Korrekturband brauche ich nämlich nicht. Vor langer Zeit haben sogar Bleistift und Füller gereicht. Mein persönlicher Bedarf an digitaler Zuarbeit wurde bisher am besten erfüllt durch die allererste Version von „word“ unter DOS und befriedigt durch einen Rechner mit Floppy, eine Tastatur und einen Bildschirm mit dunklem Hintergrund und gelben Buchstaben, der mich nicht dadurch blendete, dass er weißes Papier imitiert. Ausgedruckt wurde mit einem Nadeldrucker und die Profs im Zweitstudium haben das Format der Seminararbeiten, abweichend von DIN A 4, auch akzeptiert.
Aktuelle Geräte ermöglichen es, meine Texte z. B. mit Symbolbildern zu schmücken, mehr oder weniger gelungen die Arbeit eines Setzers für die unterschiedlichsten Formate auszuführen, die Arbeit der gewissenhaften Durchsicht eines Korrektors einzusparen und auf eine Lektorierung zu verzichten. Selber schuld, wenn Sie das fehlerbehaftete Geschreibsel lesen.
Sollte ich mich zu einer Papierausgabe entschließen, kann ich diese bei zahlreichen drucktechnischen Dienstleistern in unterschiedlichen Papier- und Einbandqualitäten, bebildert oder als reinen Text, als Heftchen, mit Spiralbindung, Buch …. drucken lassen. Mit Folgen hinsichtlich der Qualität des Endprodukts, die wir inzwischen alle kennen: Rechtschreibfehler, Grammatikfehler, inhaltliche Ungenauigkeiten … . Heute würde ich jedenfalls einer Klasse im 8. , 9. oder 10 Jahrgang Deutsch keine Zeitungslektüre mehr empfehlen, um sprachliche Sicherheit zu gewinnen.
Würde ich per Hand auf Papier schreiben, bräuchte ich täglich ca. 0,8 Kilowattstunden an Strom weniger und kein einziges Brötchen mehr.
Ich halte es für ein Gerücht, dass die Anwendung digitaler Technologien mehr und bessere Produkte hervorbringt. Mehr: ja. Ob es bessere sind, erweist sich erst im späteren Gebrauch. Ressourcen und Klima schonend? Weiß man eher nicht. Die enorme Zahl selbst verlegter und gedruckter Bücher mit ISBN-Nummer lässt mich Schlimmes vermuten.

Energiebedarf digitaler Arbeit:

„25.09.2020
Energiebedarf von Servern nimmt deutlich zu
„Virtualisierung und neue Anwendungen erfordern immer leistungsfähigere Server. Daher ist auch die elektrische Leistungsaufnahme eines durchschnittlichen Servers in den vergangenen Jahren sehr deutlich angestiegen. Diesen Trend zeigt auch die Analyse von Messergebnissen nach dem SpecPower® Benchmark. Mit der Leistungsaufnahme der Server steigt auch die Leistungsdichte in den Rechenzentren. Neue Kühltechniken können helfen, Rechenzentren auch weiterhin zuverlässig und effizient zu betreiben. “ [ Quelle: https://ne-rz.de/2020/09/25/energiebedarf-von-servern-nimmt-deutlich-zu/ ] ….
… Während die maximale Leistungsaufnahme der Server in den Messungen seit 2010 im Schnitt um 85% angestiegen ist, stieg die Effizienz – also die Zahl der Rechenoperationen pro Watt – etwa um den Faktor 15. Diese enorme Effizienzsteigerung ist auch ein Grund für die hohe Dynamik der Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft und den damit verbundenen Ausbau der Rechenzentrumsinfrastruktur.“

So, so. Die Zahl der Operationen pro Watt hat sich verfünfzehnfacht. Mit einer enormen Effizienz werden also jetzt Daten geschaufelt und mit Hilfe elektromagnetischer Wellen in Kabeln oder deren Reflexion im Orbit jederzeit, also in 365/366 Tagen zu 24 Stunden über große Entfernungen rund um die Welt geschickt. Unter anderem auch für folgende die Menschheit beglückende Kommunikationsbedarfe: Versenden von Bildern possierlicher Katzen, Hunde … oder von Damen in schwarzen Korsetts mit Handschellen an die 1,66 Milliarden täglichen Nutzer eines sozialen Netzwerks; völkerverbindende Spiele-Partnerschaften, infektionsfreie Darbietungen von Medienschaffenden, die lieber ein Publikum hätten; und…

… einen Startbildschirm aufzubauen, der es mir ermöglicht spontan, d.h. provoziert versehentlich folgende Inhalte abzurufen: einen Vorschlag des Browsers edge mir die Welt zu zeigen, insbesondere die Orte M, O und X; eine Aufforderung mich an einem Quiz zu beteiligen, eine Geschmacksfrage zu beantworten, die damit droht, mir zukünftig täglich neue Hintergründe zu meinem bevorzugten Bildthema zuzuspielen… . All dies verursacht durch das Betreiberinteresse, potentiellen Werbekunden das bestmögliche Verbraucherprofil des Kunden am Standort XYZ an die Hand zu geben. Dem kann man vielleicht entgehen durch die Verwendung eines VPN-Servers, den man auch nutzen kann um böse oder kontrafaktische Informationen zu erlangen. Dann muss man sich allerdings auch daran gewöhnen regelmäßig in die Landeshauptstadt zu fahren, um dort die Dinge einzukaufen, die man vor Ort oder in der Kreisstadt nicht bekommt. Die Programme vieler Lieferanten funktionieren bei aktivem VPN nicht, wie ich aus Erfahrung weiß.

Wer kann die Frage beantworten, wie es zustande kommt, dass ein heißes Land mit dem Superdemokraten Scheich Chalid bin Chalifa bin Abd al-Aziz Al Thani an der Spitze im Jahr 2020 den höchsten Pro-Kopf-Verbrauch an Energie in der Welt hatte: Katar, pro Jahr und Kopf 714,3 Gigajoule, rd. 198416 Kilowattstunden – schätzungsweise das meiste für Klimaanlagen. Den 2. Platz belegte Island, die Insel am Polarkreis mit 647,8 Gigajoule oder 179.944 Kilowattstunden – sicher auch den größten Teil davon zum Kühlen.

Kann jemand den Gesamtnergieverbrauch (Primäre aller Art) von China beziffern? Der bp-Bericht 2020 fasst das pazifische Asien in einer Zahl zusammen. Das könnte man ja dann ungefähr auf Joule bzw. Wh pro Kopf umrechnen.

Zäsuren setzt die Interpretin

Heute habe ich eine alte Gestalt von randständig wieder in Betrieb genommen. Das Setzen von Zäsuren ist eine Kernaufgabe historischer Betrachtung. Was nach den gegenwärtigen Wellen, Wirren und Wenden als neue Zeit herauskommt, entzieht sich meinem und unserem Erkenntnisvermögen. Hier geht´s jedenfalls weiter.