Die Anfänge der Corona-Krise

Zeitzeugendokument

Weil man nicht weiß, wie sie weitergeht – auch Virologen haben keine Kristallkugeln, sie tun nur so – habe ich den Einstieg in Deutschland zusammengefasst. Warum?

„Gerne werden derzeit Artikel berufener Geister veröffentlicht, die sich auf historisch-politische Zäsuren spezialisiert haben: große Kriege samt ihrer markanten Friedensschlüsse, Ereignisse mit vielen Toten, die den Glauben an den technischen Fortschritt erschütterten, Anschläge, die ungeklärt blieben etc. . Das gegenwärtige, im deutschsprachigen Raum „Coronakrise“ genannte Phänomen ist nach den neuesten Kriterien der Weltgesundheitsorganisation eine Pandemie, also die weltumspannende Epidemie einer ansteckenden Erkrankung. Besagte große Geister vermelden, dass es sich um eine Krise mit weltverändernder Wirkung handele, nach der nichts, wirklich nichts mehr so sein werde wie es vorher war. Je nach persönlicher Veranlagung gibt es diese spekulativen Blicke in die Zukunft des Landes und der Welt in einer optimistischen und in einer pessimistischen Version, die ich später im Rahmen dieses Zeitzeugendokuments, wie ich meinen Schreibversuch nenne, ausführlich darstellen werde. Ich selbst weiß nicht, ob ich fürchten soll, dass sich nichts ändern wird oder fürchten, dass sich eine regierungsamtlich verordnete neue Gemeinschaftlichkeit durchsetzt, die fatal einem Faschismus ohne Rassismus ähnelt. Nicht auszuschließen ist, dass diese Krise in einen neuen Weltkrieg mündet, dessen Hauptkontrahenten und mögliche Militärbündnisse noch unklar sind. Die virale Bedrohung, gleich wie man ihre Größe einschätzt, verdrängte alle anderen Themen fast gänzlich aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Ich bin ein Mensch der leicht ängstelt. Als ich in einer großen Stadt wohnte, die es oft erforderlich machte, Wege zu nehmen, die mit Bahnunterführungen über 25 Bahnsteige verbunden waren.verzichtete ich nie darauf, meinen dicken Schlüsselbund mit den Schlüsseln der Arbeitsstätte und den Hausschlüsseln fester in die geballte Faust zu nehmen. Die Brücke über die Flussauen konnte ich nächtens benutzen, indem ich mir immer wieder vergegenwärtigte, dass laut Kriminalstatistik schwere Verbrechen selten im leeren öffentlichen Raum stattfinden. Die Bösewichte sind meistens ungeduldig und legen sich selten stundenlang auf die Lauer, um einen vielleicht irgendwann einmal vorbeikommenden Mitmenschen niederzuschlagen und zu berauben.
Deshalb spüre ich nach mittlerweile fast drei Monaten Corona-Regime, so etwas wie einen innerlich aufsteigenden Hass auf eine Regierung und eine Bundesbehörde, die im März begannen, bundesweit Maßnahmen durchzusetzen, die sie ab Januar hätten vorbereiten müssen und spätestens dann durchführen, wenn sich Infektionsherde bilden, denen Einhalt geboten werden muss. Seitdem wird die Bevölkerung in ihrer großen Mehrheit in einem Angstzustand gehalten, der NIE gesundheitsdienlich ist. Vor allem dann nicht, wenn Mensch eigentlich alle körperlichen und psychischen Kräfte benötigt um sich gegen eine Erkrankung zu wehren..
Mit dieser Angst-Propaganda eng verbunden ist ein enormer wirtschaftlicher Schaden, der sich zwar auch an den Börsen auswirkt, vor allem aber auf die Lebenslage der Menschen, die auf ihre Arbeit und den dafür gezahlten Lohn angewiesen sind, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Viele werden auf Kurzarbeit gesetzt, werden arbeitslos oder müssen zuhause arbeiten, so dass der Kontakt zu Kollegen erschwert ist und damit das gemeinsame Handeln gegen Arbeitgeber, die die Ausnahmesituation dazu nutzen, mehr Druck auszuüben als vorher möglich.
Das ist kurz umrissen der Hintergrund vor dem ich einen Zeitraum darstelle, der im Winter 2019/20 begann und dessen Ende heute, am 31. Mai noch nicht absehbar ist.“

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Das brennende Haus

Ich habe einen Text wiedergefunden, den ich vor Jahren verfasst habe – vor allem für Fans revolutionärer Umbrüche. Seit 1989 gibt es solche nämlich in wachsender Zahl. Sie bedenken nicht mehr, dass Umbrüche in aller Regel mit Verlusten an Menschenleben verbunden sind und mit großer materieller Unsicherheit. Auch dann, wenn man auf Guillotinen verzichtet. Visionäre Hoffnung ist nur eine Seite, eine Perspektive auf die möglichen Ereignisse. Diese sind nämlich unkontrollierbar.

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Wanderungen

2011 wurde mein erster Leserbrief zu der aktuell gerne als „Flüchtlingsproblematik“ bezeichneten Tatsache abgedruckt. 2015 entstand der angehängte Text, der auch diesen Leserbrief wiedergibt. 2018 sind erwartungsgemäß nicht mehr „nur“ 60 Millionen Menschen unterwegs, sondern 68,5 Millionen.
Immer noch gibt es Menschen, die meinen, großen Wanderungen könne man durch Regularien, eine bessere, andere Politik, Zäune und Mauern, Rettungskorridore etc. etwas entgegensetzen.
Vor allem die Zaun- und Mauerbauer seien daran erinnert: Der Limes hat schon den Römern nicht geholfen. Irgenwann standen die Nordlichter, die auf der Suche nach einem Fleckchen waren zum Überleben, vor Rom.

Die Grenzwall-Bauer haben nicht gewonnen. Weder die Erbauer des Limes noch die Erbauer der Großen Mauer, nicht einmal die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls, der ja eher gedacht war, Leute drinnen zu halten als die von draußen abzuwehren. Auch in Sachen Einmauerung der islamischen Bewohner Palästinas ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Unauffällige Rassisten? Alles neu?

Die gründliche Recherche einer Autorengruppe der ZEIT unter dem Titel „Der Terror der anderen“  brachte es an den Tag:  Viele der ermittelten Täter bei Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte sind keineswegs unauffällige Bürger, die sich neuerdings, womöglich auch noch verständlicherweise, bedroht wähnen. Ihre Kontakte zur rechten Szene und ihre nachweisliche Sympathie für rassistische Denkweisen wurden und werden nur unter den Tisch gekehrt. (mehr…)

Das hat mich an zwei Leserbriefe aus dem Jahr 2009 erinnert:

„Zunächst ist dem Reporter Manfred Scherer und dem KURIER dafür zu danken, dass sie die Verhandlung gegen den Fichtelberger JU-Vorsitzenden an die Öffentlichkeit gebracht haben. Allzu oft werden solche Vorfälle nämlich in der Presse unter den Tisch gekehrt. Oft sogar dann, wenn es wie in diesem Fall zu einer Verhandlung kommt, was ohnehin in den seltensten Fällen vorkommt.
Bedenklich stimmt das „Attest“ des Kreisjugendamtes. Der Volksmund formuliert mit dem Satz „Kinder und Betrunkene reden die Wahrheit“ nämlich Alltagserfahrung. Kinder und Betrunkene lassen einfach unkontrolliert das heraus, was in ihnen steckt, im Fall des JU-Mannes offensichtlich eine rassistische Grundeinstellung. Trunkenheit ist in diesem Fall keine „Entschuldigung“! Sollte der latente Rassismus des JU-lers bisher tatsächlich unerkannt geblieben sein? Dass sich der JU-Kreisverband sofort distanziert ist logisch, aber in meinen Augen nicht unbedingt glaubhaft. Eine ähnliche, rassistische Grundeinstellung markiert nämlich der kürzlich von Peter Ramsauer, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, vorgebrachte Vorschlag zwischen „formalen“
und anderen, vielleicht „echten“ (?) Deutschen zu unterscheiden, wenn auch vorläufig nur in der Kriminalstatistik. Auch in unserer Region ist es so, dass viele Vertreter der CSU, wenn überhaupt, erst dann laut ihre Stimme gegen Rechts erheben und initiativ werden, wenn die wirtschaftlichen Interessen der eigenen Gemeinde bedroht sind. Die Gemeinsamkeit der Demokraten gegen den braunen Spuk herzustellen, ist deshalb für viele engagierte Antifaschisten und Antifaschistinnen eine sehr mühselige und
langwierige Überzeugungsarbeit.“ (Datei mit Erstellungsdatum 15.01.2009)

“ Mit dem Vorschlag Peter Ramsauers, in der Kriminalstatistik nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die „Herkunft“ zu erfassen, fischt die CSU, so wie es schon immer ihre Art ist, Stimmen vom rechten Rand.
Was soll eine Unterscheidung zwischen „formalen“ und, so ist zu vermuten, „echten“ Deutschen.Deutlicher kann Rassismus nicht ausgedrückt werden! Selbst im „finsteren“ Mittelalter wurden Farbige in die Gemeinschaft aufgenommen, sobald sie sich der Taufe unterzogen hatten! Väterlicherseits habe ich eine italienische Urgroßmutter und mütterlicherseits haben meine Vorfahren als protestantische Hugenotten Frankreich verlassen müssen. Da der von den Nationalsozialisten geforderte „Ariernachweis“ (Ahnenpass) meines Vaters bereits in der Großelterngeneration abbricht, darf vermutet werden, dass auch mindestens ein Mensch jüdischen Glaubens unter meinen Vorfahren
zu finden ist. In meinem Elternhaus pflegte man sich darüber lustig zu machen, dass wohl im Zug der römischen Besatzung auch ein nubischer Sklave Spuren hinterlassen haben muss, denn einer meiner Brüder hat sehr dunkle, klein gelockte Haare.
Muss man in Bayern nachweisen, dass man Nachkomme der Bewohner eines durch Jahrhunderte lange Inzucht rein erhaltenen bayerischen Bergdorfes ist? Das würde manche Eigenarten (alt)bayerischer Politik erklären!“ (Erstellungsdatum im o.g. Zeitraum, jedoch nicht mehr nachvollziehbar)