Wanderungen

2011 wurde mein erster Leserbrief zu der aktuell gerne als „Flüchtlingsproblematik“ bezeichneten Tatsache abgedruckt. 2015 entstand der angehängte Text, der auch diesen Leserbrief wiedergibt. 2018 sind erwartungsgemäß nicht mehr „nur“ 60 Millionen Menschen unterwegs, sondern 68,5 Millionen.
Immer noch gibt es Menschen, die meinen, großen Wanderungen könne man durch Regularien, eine bessere, andere Politik, Zäune und Mauern, Rettungskorridore etc. etwas entgegensetzen.
Vor allem die Zaun- und Mauerbauer seien daran erinnert: Der Limes hat schon den Römern nicht geholfen. Irgenwann standen die Nordlichter, die auf der Suche nach einem Fleckchen waren zum Überleben, vor Rom.

Die Grenzwall-Bauer haben nicht gewonnen. Weder die Erbauer des Limes noch die Erbauer der Großen Mauer, nicht einmal die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls, der ja eher gedacht war, Leute drinnen zu halten als die von draußen abzuwehren. Auch in Sachen Einmauerung der islamischen Bewohner Palästinas ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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Unauffällige Rassisten? Alles neu?

Die gründliche Recherche einer Autorengruppe der ZEIT unter dem Titel „Der Terror der anderen“  brachte es an den Tag:  Viele der ermittelten Täter bei Straftaten gegen Flüchtlingsunterkünfte sind keineswegs unauffällige Bürger, die sich neuerdings, womöglich auch noch verständlicherweise, bedroht wähnen. Ihre Kontakte zur rechten Szene und ihre nachweisliche Sympathie für rassistische Denkweisen wurden und werden nur unter den Tisch gekehrt. (mehr…)

Das hat mich an zwei Leserbriefe aus dem Jahr 2009 erinnert:

„Zunächst ist dem Reporter Manfred Scherer und dem KURIER dafür zu danken, dass sie die Verhandlung gegen den Fichtelberger JU-Vorsitzenden an die Öffentlichkeit gebracht haben. Allzu oft werden solche Vorfälle nämlich in der Presse unter den Tisch gekehrt. Oft sogar dann, wenn es wie in diesem Fall zu einer Verhandlung kommt, was ohnehin in den seltensten Fällen vorkommt.
Bedenklich stimmt das „Attest“ des Kreisjugendamtes. Der Volksmund formuliert mit dem Satz „Kinder und Betrunkene reden die Wahrheit“ nämlich Alltagserfahrung. Kinder und Betrunkene lassen einfach unkontrolliert das heraus, was in ihnen steckt, im Fall des JU-Mannes offensichtlich eine rassistische Grundeinstellung. Trunkenheit ist in diesem Fall keine „Entschuldigung“! Sollte der latente Rassismus des JU-lers bisher tatsächlich unerkannt geblieben sein? Dass sich der JU-Kreisverband sofort distanziert ist logisch, aber in meinen Augen nicht unbedingt glaubhaft. Eine ähnliche, rassistische Grundeinstellung markiert nämlich der kürzlich von Peter Ramsauer, Chef der CSU-Landesgruppe im Bundestag, vorgebrachte Vorschlag zwischen „formalen“
und anderen, vielleicht „echten“ (?) Deutschen zu unterscheiden, wenn auch vorläufig nur in der Kriminalstatistik. Auch in unserer Region ist es so, dass viele Vertreter der CSU, wenn überhaupt, erst dann laut ihre Stimme gegen Rechts erheben und initiativ werden, wenn die wirtschaftlichen Interessen der eigenen Gemeinde bedroht sind. Die Gemeinsamkeit der Demokraten gegen den braunen Spuk herzustellen, ist deshalb für viele engagierte Antifaschisten und Antifaschistinnen eine sehr mühselige und
langwierige Überzeugungsarbeit.“ (Datei mit Erstellungsdatum 15.01.2009)

“ Mit dem Vorschlag Peter Ramsauers, in der Kriminalstatistik nicht die Staatsangehörigkeit, sondern die „Herkunft“ zu erfassen, fischt die CSU, so wie es schon immer ihre Art ist, Stimmen vom rechten Rand.
Was soll eine Unterscheidung zwischen „formalen“ und, so ist zu vermuten, „echten“ Deutschen.Deutlicher kann Rassismus nicht ausgedrückt werden! Selbst im „finsteren“ Mittelalter wurden Farbige in die Gemeinschaft aufgenommen, sobald sie sich der Taufe unterzogen hatten! Väterlicherseits habe ich eine italienische Urgroßmutter und mütterlicherseits haben meine Vorfahren als protestantische Hugenotten Frankreich verlassen müssen. Da der von den Nationalsozialisten geforderte „Ariernachweis“ (Ahnenpass) meines Vaters bereits in der Großelterngeneration abbricht, darf vermutet werden, dass auch mindestens ein Mensch jüdischen Glaubens unter meinen Vorfahren
zu finden ist. In meinem Elternhaus pflegte man sich darüber lustig zu machen, dass wohl im Zug der römischen Besatzung auch ein nubischer Sklave Spuren hinterlassen haben muss, denn einer meiner Brüder hat sehr dunkle, klein gelockte Haare.
Muss man in Bayern nachweisen, dass man Nachkomme der Bewohner eines durch Jahrhunderte lange Inzucht rein erhaltenen bayerischen Bergdorfes ist? Das würde manche Eigenarten (alt)bayerischer Politik erklären!“ (Erstellungsdatum im o.g. Zeitraum, jedoch nicht mehr nachvollziehbar)