science?fiction?

A – Data

Fans von Science Fiction Literatur und Filmen kennen „Data“, einen Androiden auf dem Raumschiff Enterprise. In Zusammenhang mit dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ tauchen immer öfter Vorstellungen auf, die dem Leser suggerieren, ein Android sei so eine Art Mensch, quasi unterstützt durch eine Denkmaschine, die geeignet ist, seine Denkleistungen ins Unermessliche zu steigern. Ein Übermensch. Eine vom Menschen selbst hervorgebrachte neue Art.

B – Ein Produkt der Gentechnik

Reproduktions- und Gentechnologie lassen für manche die Hoffnung keimen, es könne zukünftig Menschen geben, die 250 Jahre alt werden und in diesem Alter gesund sterben, weil es gelungen ist die Alterung abzuschalten. Warum aber sollten sie sterben, wenn sie gesund sind? Auch diese Zukunftsvorstellung spricht von der Erzeugung einer neuen Art durch den Menschen selbst. Zu den mentalen Fähigkeiten dieser neuen Art sind mir noch keine Äußerungen bekannt geworden, denn offensichtlich wurde ein „Intelligenz-Gen“ bisher nicht identifiziert.

C – Frankenstein erinnernd

Mary Shelleys Roman „Frankenstein“, erstmals veröffentlicht 1818, entwarf in einer Zeit, die von einer enormen Erweiterung naturwissenschaftlich-technischer Möglichkeiten durchdrungen war, die Geschichte eines Fehlversuchs in der Neukonstruktion des Menschen durch den Menschen selbst. Die Fragestellung ist also 200 Jahre später nicht wirklich neu.
Neu ist, dass reale Versuche zu Ergebnissen führen könnten, die – geplant oder zufällig – die Grenzen der heute lebenden Gattung Mensch überschreiten. Wenn diese zukünftigen Homunculi, gleich welchen Ursprungs, Menschen sind – werden sie die verbleibenden Reste der früheren minderwertigen Art vernichten, in Zoos und auf Jahrmärkten ausstellen oder artgerecht halten, füttern und mit geschriebener Sprache geistig rege halten?
Könnten sich die homunculi zweierlei Ursprungs als Rassisten erweisen, die im jeweils anders entstandenen keinen Menschen erkennen, sondern eine andere, eine minderwertige Ausprägung der Gattung „homo sapiens neo“? Steht irgendwo geschrieben, welche Züge der „neue Mensch“ vom alten übernimmt und welche er zu unterdrücken sucht? Werden die zukünftigen Kriege menschlicher sein, weil sie homunculi zerstören und keine richtigen Menschen?
Wird der neue Mensch wirklich ein neuer sein, und nicht der gute bzw. böse alte, der uns gegenwärtig Lebenden vertraut ist?
Ich persönlich würde die mögliche Entstehung eines „neuen Menschen“ lieber zukünftigen Zufällen überlassen als dem naturwissenschaftlich-technischen Denken der doch eher beschränkt zu nennenden gegenwärtig existierenden Gattung.


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Zynisch?

Anscheinend haben mehr Menschen als ich dachte die paar Biologiestunden verschlafen, in denen es um das Gleichgewicht zwischen Mäusen und Mäusebussarden ging.

Darf man sich  die Phasen wirklich  einfach wegdenken, in denen durch Dezimierung einer der beiden Arten das Gleichgewicht entweder zu Lasten der Bussarde oder zu Lasten der Mäuse wieder hergestellt wird? Möglicherweise ginge es unserer Mutter Erde wieder gut,  sobald die Population der Gattung Mensch wieder  auf die Größe von  ca. 1 Mrd. des Jahres 1800 geschrumpft ist.  Die Gattung hat Aussicht, das zu schaffen!

Theorie und Praxis (II)

Ob alle politischen Akteure, berühmte und weniger berühmte, das gelesen haben, was  Politikwissenschaftler  gelegentlich als deren leitende Theorie vermuten? Politisches Handeln kann der Politikwissenschaft vorgelagert sein – auch wenn es die in dieser Fachrichtung akademisch ausgebildete Kaste nicht für möglich hält.

Menschenrechte verteidigen

Am Leben zu sein ist die absolut notwendige – allerdings nicht hinreichende – Bedingung, Menschenrechte beanspruchen zu können. Wer also Menschenrechte durch Krieg sichern will, hofft insgeheim darauf, dass niemand übrig bleibt, der sie einfordern könnte. Vielleicht begreifen manche auch nicht, dass aufrechter Gang und Standfestigkeit, selbst der Tyrannenmord, etwas anderes sind als die Bereitschaft,  wahllos und unter dem Schutz der Anonymität Mitmenschen für die eigenen Werte in den Tod zu schicken.

Wörter mit „-ismus“

… und wie sie funktionieren

Marx beschrieb, wie das Kapital funktioniert. Alle lernten von ihm, sogar diejenigen die gar nichts gegen das Kapital haben, sondern – im Gegenteil – noch mehr aus ihrem eigenen machen wollen.

Immer mehr Leute kämpften gegen das Kapital. Sie verlangten höhere Löhne, erzwangen den Achtstundentag, erkämpften Sozialversicherungen und überlegten sich, wie man auch über die Betriebe – die eigene Arbeit – bestimmen kann.

Wenn Leute gegen den „Kapitalismus“ kämpfen, einen abstrakten Begriff für all das, was in einer von der Macht des Kapitals bestimmten Gesellschaft abläuft, fällt ihnen oft nicht mehr viel ein zu Lohn, Arbeitszeit, Sozialversicherung und Macht im Betrieb. Was heute verändert werden könnte, wird in eine Zukunftsperspektive verwandelt. Irgendwann kommt es, das Ende des Kapitalismus. Und bis dahin hoffen wir das Beste. Man muss also die Frage stellen: Wem nutzt der abstrakte Begriff?

Mit Militarismus, Rassismus, Nationalismus funktioniert es genauso. Ich bin sicher, dass meinen Leserinnen jede Menge Möglichkeiten einfallen,  gegen das Militär vorzugehen: Rüstungsetats kürzen;  Einsätze des Militärs im Innern verbieten, die Kriege als Katastrophenzustand  erscheinen lassen z. B.. Bei Rassismus und Nationalismus geht es darum für alle Menschen, unabhängig von Hautfarbe,  Herkunft und  nationalen Zugehörigkeiten,  den gleichen Lohn zu  garantieren.

Das Reden über Kapitalismus, Militarismus, Rassismus, Nationalismus erschwert das gemeinsame Handeln gegen die realen, bedrückenden Zustände. Abstrakte Begriffe gleichen Überschriften, zu denen jedem eine andere Geschichte einfällt. Nur im Konkreten können tatsächlich alle Menschen ihre Wahrnehmungen, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse einbringen. „Die Wahrheit ist konkret“.

Wer gegen Abstraktionen wie Kapitalismus, Militarismus, Rassismus, Nationalismus vorgeht, verschleiert in Wirklichkeit die reale Verantwortung. Auf der Anklagebank in Nürnberg saßen u.a. Hjalmar Schacht, Gustav Krupp von Bohlen und Halbach, die Oberkommandierenden von Wehrmacht und Marine, Alfred Rosenberg, Julius Streicher, Hans Fritzsche, Baldur von Schirach. Nicht Rassismus und Militarismus. Vor allem saß nicht  auf der Anklagebank der Kapitalismus. Warum wohl?

Equal Pay

Letzten Samstag war Equal-Pay-Day. Für viele ist klar, dass es ungleiche Lohnniveaus für die gleiche Arbeit nicht geben soll. Jetzt hat man aber –  mit steigendem Männeranteil in den Pflegeberufen –  entdeckt, dass es wichtige, schwere, verantwortungsvolle, sinnvolle Berufe gibt, in denen auch Mann schlecht bezahlt wird. Das Wort „gleichwertig“ wurde wieder entdeckt. Sogar der Partei DIE LINKE ist es eingefallen.

equal_pay

In den letzten Jahren mit fallender Vehemenz, man wird ja älter, aber Zeit meines Lebens setze ich mich für gleichen Lohn für alle ein. Alle meint dabei alle, vom Müllwerker bis zum Professor.

Anhand welcher Kriterien wird denn von wem der „Wert“ der Arbeit bestimmt? Auf die Formulierung dieses Slogans kann nur jemand kommen, der grundsätzlich ungleichwertige Beiträge zur gesellschaftlichen Wertschöpfung anerkennt. Jemand dem es wichtig ist, dass der Beitrag des Facharbeiters in der Stammbelegschaft von Audi, VW, BMW schon mehr wert ist, als der einer gebildeten Mutti, die einmal wöchentlich im Kindergarten die Vorlesestunde bestreitet.Der Urheber dieser unsinnigen Forderung merkt nicht, dass er der klassischen Forderung der Herrschenden aufsitzt: „Unterschied muss  sein.“  Braucht der Professor mehr Kalorien? Eine größere Wohnung? Kostet seine Buskarte mehr? Braucht er einen teureren Pullover?

 

Listenaufstellung

  • Sozialdemokratische Gewerkschafter haben früher gerne darauf verzichtet, ihre politischen Ziele in eine Partei zu tragen. Sie haben daraus gelernt: Sie bestimmen jetzt ihre Partei.
  • Wer Strippenziehern das Handwerk legen will, braucht eine Schere.
  • Wer keinen Plan hat, muss sich nicht wundern, wenn er verplant wird.
  • Dass Stellvertreter Stellen vertreten, ergibt sich aus der Bedeutung der Wortbausteine.
  • Nichts erschwert Entscheidungen so sehr wie Inhalte. Losen wäre einfacher.
  • Es reicht nicht, die Mehrheit zu sein. Man muss sie erhalten.
  • Mitbestimmen ist  anstrengend. Für viele ist es eine willkommene Erleichtung, wenn andere bestimmen.