Der 29.08.2020

Zu Zeiten der Wende, das ist jetzt ein bisschen mehr als 30 Jahre her, habe ich, Bürgerin der BRD, einen hoffnungsfrohen, ermutigenden Text geschrieben, an den ich mich und andere aus gegebenem Anlass erinnere. Es gibt dazu einen literarischen Anknüpfungspunkt, den manche kennen. Wir sehen uns. Vielleicht nicht am Wochenende in Berlin, vielleicht nicht im Lager, vielleicht in in einer besseren Welt. Die Zukunft ist offen.

Perspektivwechsel

Allwöchentlich verkündet der Chef einer Behörde, ursprünglich Tierarzt, die Seuchenlage. Was bedeutet das?

Krankheiten im Stall und auf dem Acker bedrohen von Alters her die materielle Existenz der Bauern.
Menschen und Schweine ähneln sich auf vielfältige Weise.
Wenn es gegen eine Tierseuche kein Mittel gibt, muss notfalls gekeult werden, um die Seuche einzudämmen.
Es gibt einen Unterschied zwischen industrieller Tierproduktion und bäuerlichem Wirtschaften.
Manchmal muss in der Tierproduktion der Markt bereinigt werden, damit der Schweinepreis nicht ins Bodenlose fällt. Seuchen haben deshalb einen reinigenden Charakter.
Die Interessen von Schweinefleischproduzenten, Bauern und Schweinen werden als gleich behandelt.
Rindfleischproduzenten freuen sich, dass sie für dieses mal so gut davongekommen sind.

Die Expertise dieses Mannes und der ihm unterstellten Behörde wird weder von Bauern noch von Angehörigen anderen Standes angezweifelt, denn sonst haben wir morgen nichts mehr zu essen und sind des Todes. Die Meinung der gekeulten Schweine ist in der Sache nicht relevant. Was ist schon das Leben einer einzelnen Sau, wenn´s um Große und Ganze geht.

Ähnlichkeiten mit herrschenden Zuständen sind beabsichtigt.

Das brennende Haus

Ich habe einen Text wiedergefunden, den ich vor Jahren verfasst habe – vor allem für Fans revolutionärer Umbrüche. Seit 1989 gibt es solche nämlich in wachsender Zahl. Sie bedenken nicht mehr, dass Umbrüche in aller Regel mit Verlusten an Menschenleben verbunden sind und mit großer materieller Unsicherheit. Auch dann, wenn man auf Guillotinen verzichtet. Visionäre Hoffnung ist nur eine Seite, eine Perspektive auf die möglichen Ereignisse. Diese sind nämlich unkontrollierbar.

zum Text

Für ein sozialistisches Deutschland

 

Gleich nach dem Krieg war der Spitzensteuersatz unter der sozialistischen Regierung Adenauer ein unüberwindliches Investitionshindernis. Deshalb hat sich auch der sog. Wiederaufbau  entsetzlich lang hingezogen. Bis weit nach der Jahrtausendwende, wo dann endlich durch niedrige Einkommensteuersätze großflächig Investitionen aus dem Ersparten möglich wurden. Wir können uns deshalb heute an lichtdurchfluteten Schulen, Krankenhäusern und Altersheimen erfreuen und auf sorgfältig geteerten Straßen gemütlich dahinrollen.

Ich will Adenauers sozialistisches  Deutschland wieder haben.

Entw_Spitzensteuersatz

Für eine menschlichere Zukunft

Bild: Wikimedia Commons – File:06718–1905-Orangenpflücker-Brück & Sohn Kunstverlag.jpg

 

Jemand hat in einem sozialen Netzwerk vorgeschlagen, Erdbeeren künftig von Robotern pflücken zu lassen, wenn die Arbeit der Pflücker zu teuer würde. Ähnliche Vorstellungen – allerdings mit umgekehrter Argumentationsabsicht – plagen diejenigen, die befürchten, in Zukunft werde es nicht einmal mehr unterbezahlte Arbeit für Erdbeerpflücker geben, weil Robbies die produktive Arbeit ersetzen. Zwei Aspekte werden sowohl von den technikaffinen Visionären UND denjenigen ausgeblendet, die uns glauben machen wollen, das Bestreben die Lebensbedingungen der Menschen mit Hilfe von Werkzeugen zu erleichtern und zu verbessern, sei ein erst mit der Industrialisierung in Erscheinung getretenes Phänomen.

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