Wer oder was ist eigentlich populistisch?

Die Roten, die Blauen, die Schwarzen, die Gelben, die Grünen?

Leider lässt der Eintrag im Duden zum Stichwort Populismus nicht erkennen, welche Begriffsgeschichte das Wort bis heute hinter sich brachte. Immerhin, schon 1980 wurde das Wort eines Eintrags für würdig befunden. Bis etwa 2005 als eine voreilig vom damaligen Kanzler herbeigeführte „Protestwahl“ das Parteiensystem umstürzte, kannte ich es als Fachbegriff für Herrschaftsstrategien, die dazu dienten, das Volk bei der Stange zu halten, z. B. „Brot und Spiele“.
Unter Mitwirkung der Fachleute von der Bundeszentrale für politische Bildung gelang es danach binnen kurzer Zeit diesem Begriff eine neue Richtung zu geben. Fortan verwendete man das Wort nicht mehr um Herrschaftsstrategien vergangener Zeiten zu benennen oder auch aktuelle, wie die Kombination von RTL 2, gepaart mit dem Schüren von Politikverdrossenheit. Dem Wort wurde ein neuer Sinn gegeben. Es gilt nicht mehr „herrschende Bösewichte kaufen sich ein blödes Volk“, sondern „gewiefte und selbstsüchtige Feinde unserer Demokratie stacheln unbedarfte Massen dazu auf, sich gegen die wohlmeinende Mehrheit zu wenden“. Eine neue Gefahr für unsere Demokratie war geboren: Verführer die den Bürgerinnen und Bürgern in einfachen Worten die Welt erklären wollen, die doch eigentlich nur von den sachkundigen und objektiven Experten des Open Society Fund, der Initative soziale Marktwirtschaft oder der Atlantikbrücke richtig erklärt werden kann.

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Interessen

„Abschlagsfreie Rente für alle erst mit 70? Haben die sie eigentlich noch alle? Da sind Leute unterwegs, die offenbar jeden Kontakt zur Lebenswirklichkeit von Millionen von Menschen verloren haben.“ (Frank Bsirske, ver.di Publik Dez. 2016)

  • Solange die Gewerkschaften von „Leuten“ sprechen, als wisse man nicht, wer da unterwegs ist …
  • Solange die Gewerkschaften so tun, als läge es an der gestörten Wahrnehmung dieser Leute …

solange sie nicht die handelnden Menschen und ihre Interessen genau benennen, wird sich nichts ändern.

Diejenigen, die „Arbeit geben“, wollen die Früchte unserer Arbeit am liebsten ganz für sich. „So viel wie möglich für uns – so wenig wie möglich für Euch.“ Wer den grundlegenden Interessengegensatz nicht benennt, bleibt in der Position des Bittstellers, des Hilfesuchenden, des Appellierenden. Es geht aber nicht ums Vergönnen, Mitmenschlichkeit oder Wahrnehmungsstörungen bis hin zur Dummheit. Es geht um Interessen.

Wer den Gegensatz nicht in die Köpfe bringt, sondern der Gegenseite nur amoralische Böswilligkeit unterstellt, genau der fördert Wahlentscheidungen, die nicht durch Interessen bestimmt werden, sondern durch Gefühle.

  • Wer sich verlassen, machtlos, missachtet, übergangen, unterdrückt, belogen, verraten, hintergangen, schlecht vertreten …  fühlt, wählt rechts.
  • Wer um Interessen weiß und für die eigenen streitet, wählt links.

So einfach wär´s, würde man  wollen.

Warum wählen sie rechts?

Vor allem in Gegenden mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit wie z. B. Bitterfeld fuhr am vergangenen Wochenende die AfD  Spitzenergebnisse ein. Nicht nur das: Sie schaffte es Wähler zu mobilisieren, die trotz allen Bemühens in den vergangenen Jahren von der LINKEN nicht angesprochen werden konnten, die sich aufs Nichtwählen verlegt hatten.

Mein Aufsatz dazu knüpft an unserem Verständnis von der menschlichen Arbeit an und dem Wunsch fast aller Menschen, zu arbeiten. Die Ausschüttung von Lohnersatzleistungen ist für die meisten keine befriedigende Alternative, selbst wenn die gezahlten Beträge hoch genug wären. Warum ist das so? Warum wählen Menschen rechts, die möglicherweise gar nicht rechts sind, sondern nur eines wollen: existenzsichernde Arbeit.

Meinen Text sehe ich auch als einen Beitrag zur Strategiedebatte der LINKEN. Den von Oskar Lafontaine auf den Nachdenkseiten hergestellten Bezug zur Flüchtlingsproblematik [http://www.nachdenkseiten.de/?p=32210#more-32210] sehe ich nicht. Es ist Zeit, wieder einen Bezug zur Arbeit und den arbeitenden Menschen herzustellen, das Recht auf Arbeit ins Zentrum zu stellen – nicht das Recht auf  bessere Lohnersatzleistungen, das Recht auf Faulheit oder ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Welchen Inhalt müsste eine linke Alternative transportieren, die keine halbseidenen Kompromisse eingeht? Dazu mache ich einen Vorschlag.

Der Wert der Arbeit_fin