Macht und ihr Gebrauch

Das digitale Wörterbuch der deutschen Sprache der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften verweist auf die ursprüngliche Bedeutung des Wortes Macht. Macht beinhaltet das Vermögen, die Fähigkeit zu einem bestimmten Handeln1 . Macht ist eine Eigenschaft, die Individuen in unterschiedlichem Maß , aus unterschiedlichen Gründen, in unterschiedlichen gesellschaftlichen Bezügen zukommt. Sie kann aus begründetem Vertrauen genauso entstehen wie durch die Androhung von Gewalt. Nicht allein menschliche Individuen, sondern auch höher entwickelte Tiere kennen in ihren Verbänden eine Rangordnung, die sich z. B. in einem privilegiertem Zugriff auf die zur Verfügung stehende Nahrung oder in einer privilegierten Wahl der Sexualpartnerinnen unter den weiblichen Gattungsangehörigen zeigt.
Auch der Mensch, der sich selbst gerne als eine über anderen stehende Gattung ansieht, neigt zu machtgeprägten Formen des Zusammenlebens, die auf unterschiedliche Weise etabliert, begründet und gerechtfertigt werden.
Die Art und Weise wie und in welchem Umfang Menschen Macht anerkennen und die Regeln, die für ihre Berechtigung gelten sind historischem Wandel unterworfen. Da seit Menschengedenken zeitlich nebeneinander unterschiedliche Formen der Machtausübung bestehen, halte ich es für falsch einen geschichtlichen Fortschritt anzunehmen, der als Tendenz zu wachsender individueller Freiheit bezeichnet werden könnte. Alle Mächtigen mussten und müssen dessen gewärtig sein, dass ihnen bei einer zufälligen Gelegenheit andere begegnen und möglicherweise entgegentreten, die willens und fähig sind, ihrer Macht Grenzen zu setzen. Seit Jahrtausenden gibt es Regeln, die für das unablässige Ringen zwischen Macht Ausübenden und scheinbar Machtlosen gelten. Nicht alle Machtlosen lassen sich von Mächtigen auf Dauer die jeweiligen praktischen Ausprägungen ihrer Machtausübung gefallen. Von Zeit zu Zeit rotten sie sich zusammen, äußern ihren Unmut und – wenn das nicht hilft – greifen sie nötigenfalls zur Gewalt gegenüber den Machthabern. Damit ist nicht notwendigerweise verbunden, dass die neuen Machthaber dauerhaft als besser empfunden werden als die alten.
Anlass für meine Überlegungen sind Praktiken der politisch-gesellschaftlichen Machtausübung, die im Rahmen der gegenwärtigen Bedrohung durch eine infektiöse Erkrankung fast überall auf der Erde um sich greifen. Ob sich die von einer nicht öffentlich tagenden Konferenz (Videoschalte) erlassenen Maßnahmen von Bundesregierung und Ministerpräsidenten in Sachen Pandemie wesentlich von den Erlassen Wilhelms I. unterscheiden? Was die Möglichkeiten der Kontrolle anbelangt sicher nicht wesentlich anders entstanden als Erlasse Ludwigs XIV., Kaiser Wilhelm I.. Die reale gesellschaftliche Qualität der Machtausübung ist weniger von rechtlichen Festlegungen geprägt als von Öffentlichkeit und den Einflussmöglichkeiten bestimmter Kreise. Ob sich Lobbyismus außer in historischer Perspektive von den Möglichkeiten des Antichambrierens bei unserm guten Kaiser Franz unterscheiden lässt?

Demokratie und Obrigkeit
“ Jedermann sei untertan der Obrigkeit, die Gewalt über ihn hat. Denn es ist keine Obrigkeit außer von Gott; wo aber Obrigkeit ist, ist sie von Gott.“ ist ein Satz aus den Schriften des Neuen Testaments2, der vor allem von denjenigen geschätzt wird, die sich von den Mächtigen Bevorzugung erhoffen. Was dabei gerne außer Acht gelassen wird: Die heiligen Schriften der monotheistischen Religionen verbinden mit diesem Anspruch auf Folgsamkeit Regeln, an die sich alle zu halten haben, auch die Obrigkeit. Neben der geforderten Fügsamkeit stehen göttliche Aufträge an die Obrigkeit: Jegliche Obrigkeit, erst recht eine demokratisch legitimierte, hat die Aufgaben zu erfüllen, die aus ihrer Rolle im gesellschaftlichen Gefüge erwachsen. Sie hat gegenüber Hilfsbedürftigen fürsorglich zu handeln. Sie muss Bedrohungen sachkundig und beherzt entgegentreten, das tun, wozu eine höhere Macht – aus moderner Sicht ist es die Bevölkerung – sie berufen hat. Sie hat die für allgemein gehaltenen Normen durchzusetzen. Sie muss gültiges Recht setzen und Missetäter einer gerechten Strafe zuzuführen. Auch eine demokratisch gewählte Obrigkeit ist daran gebunden. Nur göttliche Fügung kann ihren Wahlerfolg herbeigeführt haben.
Idealistisches Denken konstruiert sich als Gegenpol zur Macht gerne eine demokratische Bürgerschaft, die umfassend informiert ist, ihre Arbeit verrichtet, engagiert ihre Forderungen vertritt und vernünftige Wahlentscheidungen trifft, sozusagen Bürgerinnen mit Abitur.
So sind sie aber nicht, die Menschen. Der gerne zitierte moralische Imperativ des Immanuel Kant beschreibt nicht die Möglichkeit aller Menschen, sich mit Hilfe ihrer Vernunft selbst Grenzen zu setzen, sondern eine Hoffnung. Menschen sind bedauerlicherweise nicht vollkommen. Nicht allein Männer nicht, wie der beliebte feministische Spruch sagt: „Als Gott den Mann schuf, übte sie nur“ sagt. Es ist nicht unwahrscheinlich, dass die Spezies Mensch nur eine der vielen Spielarten des Lebendigen ist, die unter veränderten Bedingungen weniger werden oder sogar wieder völlig verschwinden. Real gibt es keine Obrigkeit, die auch nur annähernd so perfekt wäre, wie sie sich die Untertanen erträumen oder erhoffen. Sie besteht nämlich aus Menschen, die sich von ihren Untertanen nicht wesentlich unterscheiden. Sonst würden sie nicht gewählt, oder? Auch die beratenden Experten und Wissenschaftler sind Menschen – nicht besser und nicht schlechter als die bunte Mischung der Untertanen, bestehend aus Wirtschaftsbossen, Müllmännern und Oberlehrern. Jeder von ihnen schließt aus den beschränkten Erfahrungen seines eigenen Wirkungsbereichs auf die Welt. Besseres und Klügeres können Menschen nicht. Was sie unterscheidet: das Ausmaß ihrer Macht.

Anarchie?
Nur wenige Menschen träumen von einer machtfreien zukünftigen Gesellschaft in der alle Menschen gleich mächtig sind und das Beherrschen anderer nicht mehr gebräuchlich ist.  Anarchie, ein gesellschaftlicher Zustand ohne Machtausübung, wäre möglich, hätten alle Menschen täglich rund um die Uhr   die Fähigkeit  vernunftgeleitet allein sich selbst  zu beherrschen oder die ebenfalls übermenschliche Fähigkeit,  sich in andere so einzufühlen, dass sie ihrem Gegenüber nicht einmal aus Versehen etwas überstülpen, das bei ihm Unbehagen verursachen könnte.  Ob das als Vorteil anzusehen wäre, als ganz besonders menschlich, sei hier dahingestellt. Im Unterschied zu  anarchistischen Attentätern des 19. und 20. Jahrhunderts halten die meisten Anarchisten es nicht mehr für sinnvoll die  Träger von Macht demonstrativ zu erschießen.
Menschen sind auch bisher nicht die Krone der Schöpfung für die sich manche halten und ganz sicher auch nicht die Übermenschen, die sich Transhumanisten vorstellen. Es mag sie eines Tages geben. Wahrscheinlich werden die neuen Menschen in diesem besonderen Fall den Zeitraum der äffischen Vorgeschichte bis ins dritte Jahrtausend nach Christus reichen lassen und Wesen deren Hirn mit einem Chip verbunden ist, werden zum menschlichen Normalfall. Wie deren Gellschaften aussehen könnten? Vielleicht brauchen sie gar keine mehr, weil sich jeder Einzelne dank seiner überragenden Fähigkeiten gewalt- und machtlos selbststeuernd alles verschaffen kann, was er braucht. 
Wir wissen es nicht. Genau genommen, wissen wir nicht einmal wie lange das Brot reicht,das im Kasten liegt. Nur diejenigen, die keines haben, wissen zuverlässig, dass es nicht reicht. 
Montage aus eigenen Fotos, geknipst im Neanderthal-Museum

Das politische Dilemma der Obrigkeiten zu Zeiten der Pandemie
Aus Gründen, die ich bisher nicht kenne, hat man sich entschlossen, die notwendige Zustimmung oder Fügsamkeit der Untertanen mit Hilfe zweier altbekannter, wirksamer Strategien herzustellen: 1. der Erzeugung von Angst vor einer angeblich nie dagewesenen tödlichen Bedrohung 2. der Verbreitung inhaltsleerer Propaganda, die folgsame Bürger zu Helden des Alltags stilisiert. Wer das Ausmaß der Bedrohung bezweifelt und sich zutraut, über seinen Schutzbedarf selbst zu entscheiden, der wird, leider mit Zustimmung führender Köpfe der Opposition, von der Obrigkeit und ihren Helden zum Feind unserer Demokratie erklärt.
Diese Charakterisierung könnte schneller als gedacht auf die Obrigkeit selbst zurückschlagen, sollte eine wachsende Zahl von Menschen den Eindruck gewinnen, dass die Obrigkeit und ihre Weisen nicht weniger im Nebel stochern als ihre Untertanen. Sie könnten nämlich daraus den Schluss ziehen, dass die Obrigkeit einfach ihren Job nicht richtig macht. Schließlich hat man sie gewählt in Vertrauen darauf, dass sie alles besser wissen und können als ihre Untertanen.
Die Widersprüchlichkeit der enorm detaillierten Maßnahmen der Gesundheitsbehörden könnte in nicht allzu ferner Zukunft zum Anlass werden, an den Verstandeskräften der Obrigkeit zu zweifeln. Es ist nicht plausibel, dass infektiös wirksame Kontakte seltener werden, wenn die Bewohner von A nach B fahren dürfen, aber nicht die Bewohner von B nach A. Die Wirksamkeit von Ausgangssperren wird dadurch nicht verständlicher, dass Menschen in proppevollen öffentlichen Verkehrsmitteln in die Arbeit fahren dürfen, bei der Arbeit manchmal einen MNS tragen sollen, sich aber nicht zu viert als Nachbarn aus 4 Haushalten zum Kartenspiel zusammensetzen dürfen, nicht einmal mit FFP2-Masken, die in Bayern ab dem kommenden Montag in öffentlichen Verkehrsmitteln vorgeschrieben sind. Bewohner unseres Landes fragen sich inzwischen, ob die Einnahmen aus den relativ hohen Geldstrafen für Maßnahmeverstöße nicht hauptsächlich den Zweck haben, den angehäuften Passiva der Staatsbilanz ein paar Einnahmen entgegenzustellen. Es könnte ein Zeitpunkt kommen, an dem ein großer Teil der Bevölkerung sich als belogen, verraten, verarscht und verkauft vorkommt und sich gegen die Obrigkeit wendet. Das Entstehen eines solchen Gefühls der an der kurzen Leine gehaltenen Menschen bedarf keiner besonderen Theorie betreffend die hinter den Maßnahmen stehenden Absichten der Machthaber 3.
Wer auf die Manipulation von Gefühlen als Machtinstrument setzt, riskiert immer deren Umschlag in schwer kalkulierbare andere Gefühle. Enttäuschte Hoffnung wandelt sich manchmal erstaunlich schnell in großen Ärger über den oder die Verursacher dieser Enttäuschung. Es könnte für die Obrigkeiten schwierig werden, den 5. verschärften Lockdown zur Vermeidung der 5. Welle durchzusetzen, wenn die Wellen im Herbst 2021 einfach nicht aufhören, wie das bei den alljährlichen im Winter auftretenden Infektionen der Atemwege der Fall ist. Diese sind nämlich bisher trotz Impfungen nicht verschwunden. Warum sollte sich daran etwas ändern?
Nicht einmal den Anschein der Existenz eines Plan B gibt es für einen gesichtswahrenden Ausstieg aus der Luftnummer, auf die sich weltweit die Obrigkeiten im Rahmen mehrerer Planspiele vorbereitet haben.4 Trotz aller Planspiele bleibt unkalkulierbar ob, wenn ja wann, die Stimmung der auf vielfältige Art Geschundenen umschlägt in Gewalt. Eine Gewalt die entweder mit Mitteln einer reaktionären Diktatur unterdrückt werden kann oder eine neue, möglicherweise nichtkapitalistische gesellschaftliche Alternative erzwingt. Die Lage ist offen.

  1. DWDS – Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache. Das Wortauskunftssystem zur deutschen Sprache in Geschichte und Gegenwart, hrsg. v. d. Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften, <https://www.dwds.de/&gt;, abgerufen am 11.01.2021.
  2. Römerbrief des Paulus 13:1
  3. Gemeinhin von den Fügsamen `Verschwörungstheorie´genannt
  4. Vortrag von Paul Schreyer, https://www.youtube.com/watch?v=SSnJhHOU_28

Herstellen

Immer wieder stoße ich in der öffentlichen Debatte auf eine Erscheinung, die ich der großen Überschrift „mangelnde Einsicht in die Vorgänge menschlicher Produktion und Reproduktion“ zuordne. Anders kann ich mir manches nicht erklären. Es scheint zur Zeit nicht allein die Tendenz zu geben, Geschichte als überholte Wissenschaft zu betrachten. Mehr und mehr Menschen glauben sogar, dass digitale Kommunikation unter Nutzung elektromagnetischer Wellen einen Echtzeit-Zugriff auf wissenschaftliche Wahrheit und reale Gegenstände ermögliche. Es ist erstaunlich, dass Menschen auf Quantencomputer hoffen, sich Reisen in ferne Galaxien erträumen und dabei verdrängen, dass selbst die Entleerung ihres Darms Zeit braucht. Zeit die einfach vergeht, individuelle Lebenszeit. Zeit, die Menschen verwenden um das eine zu tun und das andere zu lassen: Trinken, Schlafen, Tanzen, Essen, Malen, Waschen, Singen, Backen… .

Stichwort des heutigen Tages: Zeitpläne für Impfungen
Durch die Presse tobt ein Streit zwischen Regierung, nachgeordneten Verwaltungen auf Länderebene, Impfwilligen und Herstellern, Transporteuren, Anwendern von Impfstoffen. Gesucht werden Schuldige daran, dass Lieschen Müller und Otto Normalverbraucher noch nicht geimpft sind und somit vor dem sicheren Tod gerettet. Ich habe den Verdacht, dass es immer mehr Menschen gibt, die fest davon überzeugt sind, dass zu digital organisierter Zeit das Zaubern zu den grundlegenden Fähigkeiten der Industrie gehört. Mir wurde bisher nicht bekannt, dass irgendein Mächtiger, Politiker oder einer ihrer bezahlten Denker die Wissenschaftlichkeit dieser Denkungsweise infrage gestellt hätte. Das Wort Industrie selbst ist eine sprachliche Neubildung des beginnenden industriellen Zeitalters auf Grundlage der lateinischen Wurzel industrius – industria.1 . Inhaltliche Bedeutung: beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit. Gibt es diese ohne Berücksichtung der Dimension der Zeit?

Wäre die Bereitstellung der von vielen herbeigesehnten Impfstoffe schneller vonstattengegangen in Verantwortung eines der Herren Drosten, Spahn oder Söder? Effizienter? Wer ist für die Fehler verantwortlich? Einer der drei? Alle gemeinsam? Oder vielleicht einzig und allein die Kanzlerin? Gar die Politik, wer und was das auch sei? Vielleicht doch eher z. B. Bill Gates und Elon Musk?

Bis Mitte des vergangenen Jahres wusste die große Mehrheit der Bevölkerung Deutschlands einschließlich der politisch Verantwortlichen nicht, dass in der letzten größeren Grippewelle KW 40/2017 – KW 20/18 (Zeitspanne von 32 Wochen) nach Schätzungen des Robert-Koch-Instituts etwa 25.100 Menschen an Influenza verstarben. Auch Menschen mit Abitur wussten es nicht, die dazu neigen, sich nach Ablegen einer schulischen Prüfung bis ans Lebensende für umfassend informiert und gebildet halten. Der dazu gehörige jährliche Vergleichszeitraum etwa zwischen KW 40/2020 – KW 20/2021 ist noch nicht abgeschlossen. Auch im Winter 2017/18 verstarben eher ältere, alte betagte Mitmenschen – Menschen mit nachlassenden Verstandeskräften, die oft keine Kontrolle mehr darüber haben, was sie essen, ob sie ausreichend essen, ausreichend trinken und Darm und Blase nicht mehr kontrollieren können. Unter derartigen oft `altersbedingt´ genannten Schwächen leidet sicher auch ihre Immunabwehr. Vorgeschädigte Menschen oder solche mit chronischen oder akuten anderen Krankheiten erkranken in den winterlichen Infektionswellen ebenfalls leichter. Dieser Sachverhalt hat im Winter 2017/18 wenig interessiert, obwohl die Medien vielfach über Krankenhausflure berichteten, auf denen in langen Reihen Krankenbetten standen, vorwiegend belegt mit alten Menschen, bei denen schwere Krankheitsverläufe nicht selten sind. An der Schwelle zum Jahre 2021 empfinden sich ca. 70 % der volljährigen Bevölkerung als lebensbedrohlich gefährdet, weil zu wenig Impfstoff da ist, Lieferketten unzuverlässig arbeiten, Kühlbehälter nicht einwandfrei funktionieren, Handlungsanweisungen oder Gebrauchsanweisungen für das Impfen unvollkommen oder unvollständig sind… . Freiwillig werden Masken getragen, damit man sich in diesem Winter solche Bilder nicht ansehen muss. Welchen Anspruch haben diese Leute an die beharrliche Tätigkeit, Energie, Fleiß, Betriebsamkeit (.s.o.) ihrer Mitmenschen in Produktion und Verteilung? Glauben sie wirklich benötigte oder erwünschte Materialien – hier ein Impfstoff – würden auf Knopfdruck ausgespuckt wie die Semmeln aus dem Backautomaten im Supermarkt? Werden Impfstoffe oder Semmeln im homeoffice hergestellt? Es scheint so manchen Mitmenschen entgangen zu sein, dass nach wie vor die meisten Menschen täglich auf die Arbeit gehen, denn irgendwo müssen doch die Masken genäht werden und nach wie vor der Teig für die Semmeln gemixt. Nur nachts auf ein Bier zum Nachbarn gehen dürfen sie nicht. Das ist gefährlich. Die zur Wissenschaft erklärte Weisheit der Regierenden hat in die Trickkiste des Mittelalters gegriffen und die Liederlichkeit der niederen Stände zur Ursache einer todbringenden Epidemie erklärt. Noch stehen Hexenverbrennungen aus.

Wissenschaft braucht Zeit
Es sind genau diejenigen, die andere der Unwissenschaftlichkeit – esoterischer Gesundheitspraktiken, des Glaubens an übersinnliche Kräfte – bezichtigen, die selbst offensichtlich annehmen, die Industrie könne hexen. Das kann sie nicht. Die Hoffnung auf einen nach Möglichkeit bis heute abend für alle Bewohner Deutschlands ausgelieferten Impfstoff ist nicht weniger und nicht mehr rational als die Annahme, man habe mit einer Stärkung des Immunsystems – Bewegung an der frischen Luft, Vitaminen, ausreichend Nahrung – ganz gute Überlebenschancen. Wobei man dessen eingedenk sein sollte, dass die angebliche Unwissenschaftlichkeit der einen auf Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende alte Erfahrungen der Menschen mit infektiösen Erkrankungen zurückgreift. Der Anspruch auf Wissenschaftlichkeit der anderen beruht auf einem Wissen, das selbst nach 400 Jahren moderner Wissenschaftsgeschichte in Sachen Gesundheit begrenzt und wenig verlässlich ist. Wer meint, er sichere sich das ewige Leben dadurch, dass er sich noch während des Erkaltens einfrieren lässt, hat eine Hoffnung. Diese könnte sich durchaus als falsch erweisen und damit auch die Investition in die wissenschaftlich begründete Überwindung des eigenen Todes mit Hilfe einer zweckgebundenen Lebensversicherung als unrentierlich.

Werkzeuge, Energie- und Zeitaufwand:
Nicht der Gebrauch von Werkzeugen könnte die Grenze zwischen Homininen und Affen abgeben, sondern deren Herstellung. Geklärt ist diese Frage nicht. Zielgerichteter Gebrauch von Werkzeugen ist ein dem Menschen eigenes Verhalten, dessen Entwicklung mit der zeitlichen Dimension verknüpft ist: dem Zeitaufwand für die Suche nach geeigneten Materialien (z. B. Feuerstein), dem Zeitaufwand für dessen Bearbeitung und dem Zeitaufwand für dessen Verwendung zur Sicherung des Überlebens. Das geht nicht in Sekunden! Auch nicht unter den Bedingungen automatisierter, digitaler Produktion. Nicht allein das Abheben eines Spans braucht Zeit, auch der 3-D-Drucker spuckt nicht auf Zuruf von Alexa Gegenstände in den Raum, die er aus der Luft geschöpft hat. Wann sich Nährstoffmassen zu Gegenständen verdrucken lassen, die aussehen wie Brot, wissen wir nicht. Ob ich mir das wünschen soll, weiß ich nicht so recht. Trotzdem tummeln sich im digitalen Kommunikationsraum immer mehr Menschen, die der Hoffnung anhängen, Mensch werde in kurzer Zeit keiner produktiven Arbeit mehr nachgehen müssen, die einen Beitrag dazu leistet, dass er sich mit den Gegenständen versorgt, die er zum Überleben braucht. Sie sind der festen Überzeugung, dafür werde man in Zukunft keine Zeit mehr brauchen – zumindest fast keine.
Mir ist nicht bekannt, ob jemals der Versuch gemacht wurde, den menschlichen Zeitaufwand zu quantifizieren der insgesamt gebraucht wird um aus einem Quantum Getreidesamen ein Frühstücksbrötchen zu machen. Die industrielle Bäckerei bäckt Brötchen schneller. Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der dazu notwendigen Maschinen, der Erntemaschinen, der Transportmaschinen? Welcher Zeitaufwand steckt in der Herstellung der Hilfsstoffe, die den Herstellungsprozess bis zum Automaten im Supermarkt begleiten, damit er Brötchen ausspucken kann? [Pestizide, Düngemittel, Beiz- und Konservierungsmittel, Schmiermittel, Bindemittel, viele Zusatzstoffe, die wir nicht kennen.]
Meine These: Der Gesamtzeitaufwand für die Herstellung meines Frühstücksbrötchens wird nicht geringer, dadurch dass es andere backen. Es gibt keine zuverlässigen Berechnungen dahingehend, wieviel technisch erzeugte Energie in der ganzen Kette vom Korn zum Brot aufgewandt werden muss, die nicht die menschliche Energie nutzt, die ein Mensch aufbringen kann, wenn er ausreichend gut ernährt ist. Gegenwärtig lebende Menschen halten es für wahr, dass rechnerische Modelle die Realität darstellen und wissenschaftlich sind. Warum rechnet dann keiner nach, wieviel Zeit und Energie 8 Mrd. Menschen aufwenden müssten, wenn sie ihre Brötchen selber backen? Dann hätten wir wirklich einen auf die Realität bezogenen Vergleich der Leistungsfähigkeit von Selbstversorgung und industrieller Produktion. Dass die fortschreitende Arbeitsteilung den Menschen in ihrer Gesamtheit real Arbeit „gespart“ hat, scheint mir nicht hinreichend belegt zu sein.

Mein Verdacht:
Die Herrschenden lassen diesen Sachzusammenhang von ihren Lohnwissenschaftlern und -denkern nicht durchdenken und nicht durchrechnen. Vermutlich weil sonst offensichtlich würde, dass 1000 + x Luxusyachten über die Meere schippern, in denen ein großer Teil menschlicher Energie und menschlichen Zeitaufwandes (= Arbeit im physikalischen Sinn) gebunden ist, den die Bewohner der industriell entwickelten Länder zwar für den Spezialfall Brötchenversorgung – Mist sammeln, säen, düngen, ernten, backen – nicht mehr aufbringen müssen, denen man aber trotzdem weiterhin täglich 8- 10 Stunden fremdbestimmte, nervtötende und manchmal gefährliche Arbeit zumutet. Tendenz steigend für diejenigen, die Arbeit haben. Von der Einsparung ihrer Arbeit haben also allgemein die Menschen nichts, sondern nur die Yachteigner. Am wenigsten haben davon die Menschen , deren Hirse- und Gemüsefelder der Produktion von Ölpflanzen für Treibstoffe, fair gehandelten Rosen und Weihnachtserdbeeren weichen mussten.

Quellen:
1. https://www.dwds.de/wb/Industrie

Politische Moral – moralisierende Politik

„Russlands Probleme anders zu lösen als mit Nowitschok, Pistolen und Njet würde Sanktionen überflüssig machen.“ schrieb Torsten Krause am 14. Oktober in einem Kommentar der „Welt“. Wer solche Sätze zu formulieren wagt, hat von dem grundlegenden Prinzip des Völkerrechts und des friedlichen Zusammenlebens der mittlerweile 193 Mitgliedsstaaten der UNO nichts begriffen. Der Schreiber mischt sich ein in Angelegenheiten, die ihn nichts angehen. Er hat sich für russische Probleme weder verantwortlich zu fühlen, noch obliegt es ihm, sich im Rahmen bürgerlicher Verantwortung an der Lösung russischer Probleme zu beteiligen. Natürlich darf er sie kommentieren, denn den eigenen Senf dazugeben darf jeder.

Beziehungen zwischen Menschen und ihren Räumen

Wie würden Sie reagieren, käme jemand zu Besuch und würde anfangen Ihre Einrichtung zu kritisieren? Vielleicht mit der Begründung, er habe gehört, dass Ihrer Frau die Wohnung nicht gefalle, sie traue sich aber nicht, das zu sagen, weil sie vor Ihnen Angst habe. Der Billiardtisch müsse raus, denn auf der großen Fläche und dem umlaufenden freien Raum würde sie lieber tanzen. Ihren Protest wischt er vom Tisch mit den Worten „Gleich kommen Handwerker und Transporteure mit Gurten. Wir schaffen das.“ Absurd, oder?
Aus einer solchen zwischenmenschlichen Einschätzung resultiert wohl das Prinzip der Nichteinmischung im Völkerrecht.
Sie kämen auch nicht auf die Idee, in Hamburg wählen zu wollen, wenn Sie in München wohnen und meinen, wie man eine Großstadt regiere, wüssten sie besser als alle Hamburger, denn schließlich sei München die größte Stadt zwischen Hamburg und Rom.
Vielleicht wird es der Bürgermeister der Nachbargemeinde hinnehmen, wenn sie sagen: „In ihren Ort würde ich nie ziehen. Für meine Kinder ist mir das Schulhaus zu alt.“ Er könnte eine solche Äußerung vielleicht politisch verwerten, weil er schon lange das Schulhaus sanieren will, und der Gemeinderat will die nötigen Gelder nicht aufnehmen. Aber würden Sie selbst sich mit dieser Aussage auf der nächsten Bürgerversammlung der Nachbargemeinde einmischen?
Die Beziehungen zwischen Menschen und ihren Nachbarn sind ein schwieriges Feld. Egal ob die Nachbarn Einzelne sind, eine Familie, ein Kindererholungsheim, die große Kreisstadt, ein Regierungsbezirk, ein Bundesland oder ein Staat. Einmischungen werden selten geschätzt und in aller Regel werden sie zurückgewiesen. Manchmal gibt es Regierende – Bürgermeister, Landräte, Regierungspräsidenten, Ministerpräsidenten, Kanzler oder Präsidenten – die darauf im Namen der von ihnen vertretenen Bürger sogar ausgesprochen trotzig reagieren. Selbst der Gründung eines kommunalen Zweckverbandes für den Neubau einer gemeinsamen weiterführenden Schule gehen oft zeitraubende Verhandlungen voraus zwischen den Gemeinden, wo die Schule stehen soll, damit die Buskosten für alle Beteiligten tragbar bleiben. Glücklicherweise verfügen nur Staaten über Armeen. Benachbarte persönliche Widersacher bemühen meistens Anwälte und Gerichte und schlagen nur sehr selten zu oder werfen Unrat über den Zaun.
Es erhebt sich die Frage: Warum ist es im internationalen Bereich so schwer, sich an vereinbartes Recht zu halten, das es ja gibt: die UN-Charta, weitere völkerrechtlich verbindliche Verträge , Konventionen und Absichtserklärungen.

Interesse und Moral

In fast allen Inhaltsfeldern der Politik scheint gegenwärtig eine moralische Herangehensweise geboten zu sein. Die Frage nach dem Interesse der Handelnden wird nicht mehr gestellt, darf nicht mehr gestellt werden. Automatische Folge: Unterschiedliche Interessen und Einschätzungen können auf dem Verhandlungsweg keiner Lösung mehr zugeführt werden. Es gilt nur noch die Frage nach Gut oder Böse, egal welche Pole angesprochen werden: göttlich oder teuflisch, Yin oder Yang, Gesundheit oder Tod, Freiheit oder Diktatur, Weltherrschaft oder Chaos, Ichsucht oder Nächstenliebe, fröhliches Geben oder zerstörerischer Geiz? Alles nur eine Frage der moralischen Haltung?
Wer den Lauf der Welt davon abhängig macht, ob das Gute siegt oder das Böse und keinen vernünftigen Gedanken darauf verwendet, Mehrheiten für sachgerechte Lösungen zu finden – der verlässt das Feld der Politik. Das kann man natürlich tun. Es gibt viele Menschen, die es für sinnlos halten, gesellschaftliche Probleme mit Hilfe von organisierter Einflussnahme und den damit verbundenen Verfahren lösen zu wollen. Manche sind überzeugt, dass Beten hilft. Andere setzen den Übeln der Welt ihr eigenes Handeln entgegen indem sie Menschen aus dem Mittelmeer retten, nach Katastrophen medizinische und technische Hilfe leisten, den in Deutschland gestrandeten Menschen fremder Muttersprache beibringen, sich in der Landesprache zu verständigen o. ä. . Dieser persönlichen Bereitschaft durch eigenes Handeln die Welt zu einem besseren Ort zu machen, sind jedoch sehr enge Grenzen gesetzt. In aller Regel sind Menschen, die das versuchen auf Spenden von Mitmenschen angewiesen, die dazu beitragen, dass man Rettungsschiffe kaufen kann, Rettungstragen und Decken, Wasserrohre oder Papier und Bleistifte. Das wiederum bedeutet, dass man sich organisieren muss um wirken zu können, womit wir wieder in der politisch-gesellschaftlichen Sphäre wären.
In einem vor einigen Wochen hier veröffentlichten Text habe ich darauf hingewiesen, dass es durchaus problematisch sein kann, sich mit der Begründung, wir seien doch alle Menschen, auf eine angenommene Gleichheit zu beziehen und an die Mitmenschen zu appellieren, die anderen so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden möchte. Wer einen Masochisten streichelt, verkennt evt. dessen Interesse. Man wird sich erkundigen, vergewissern müssen, was ein Gegenüber erhofft, wenn man Konflikte vermeiden will. „Was du willst, dass man dir tu – das füge ungefragt keinem anderen zu.“ Die Geschmäcker und die Interessen sind unterschiedlich.
Es gibt tatsächlich Menschen, die so frech sind, sich gegen die Einmischungen derer zu verwahren, die ihnen Gutes wollen. Manchmal wehren sie sich sogar mit groben Worten.
Eine alte Anekdote greift die Problematik auf: Ein Kind geht mit seiner Oma im Sonnenschein spazieren. Die Schatten der Straßenlaternen sind deutlich als dunkle Streifen sichtbar. Bei jedem solchen Streifen ruft das Kind „Oma hupf!“ Oma hüpft über den Streifen. Von einem Passanten angesprochen mit den Worten“Du kannst doch deine Oma nicht hüpfen lassen!“ sagt das Kind: „Das ist MEINE Oma. Die kann ich hüpfen lassen wie ICH will.“ Warum das Kind seine Oma hüpfen lasst, weiß nämlich niemand. Sicher auch der rügende Passant nicht. Man erfährt nicht, warum die Oma mitmacht. Was maßt sich der Passant an? Nach meiner persönlichen Erfahrung können oder dürfen Kinder mit Omas vieles machen, was ihnen ihre erziehungspflichtigen Eltern nie durchgehen ließen. Wer will über die Beziehung zwischen Kind und Oma rechten?
Außer in der besonderen Situation des Gewaltgebrauchs gegenüber Familienangehörigen wird sich jede Familie die Einmischung in ihre inneren Angelegenheiten verbitten. Handlungen gegen das Leben sind meines Wissens in allen Ländern strafbewehrt. Frau mag mit ihrer besten Freundin Luise darüber sprechen, was ihr in ihrer Beziehung zu Gerd-Baltus missfällt. Das gibt Luise nicht das Recht, bei nächster Gelegenheit Gerd-Baltus, vorgeblich im Namen ihrer Freundin, die Leviten zu lesen.
In der Frage von Konflikten zwischen Staaten gilt die Charta der Vereinten Nationen, ausgehend von dem Prizip der Nichteinmischung. Es ist nicht Sache anderer Staaten in inneren Konflikten Partei zu ergreifen oder die aktuelle Regierung durch Sanktionen, Drohungen oder Gewalt Mores zu lehren. Diese Aufgabe müsste schon das Volk übernehmen, le peuple, the people. Es liegt im Ermessen der Bewohner eines Landes die Gesetze zu bestimmen, die innerhalb ihrer Grenzen gelten. Der Staat Deutschland z. B. hat sich ein Recht gegeben, das der Logik der Abstammung folgt, den Prinzipien der eigenen Verfassung zuwiderläuft und von vielen Menschen mit guten Gründen als undemokratisch kritisiert wird. Es steht Kritikern trotzdem nicht zu, gewaltsam durch Krieg oder das Schüren eines Bürgerkriegs das Leben der Bewohner des deutschen Territoriums zu gefährden oder zu vernichten. Auch nicht im Namen derer, die sich vergeblich um eine Einbürgerung bemühen. Keiner Regierung anderer Länder steht es zu, einen Krieg anzuzetteln, um die Ausformung der Menschenrechte durchzusetzen, die sie für richtig halten. Auch wer behauptet berechtigt zu handeln, gehandelt zu haben, muss sich verantworten. Es gibt dafür einen internationalen Gerichtshof. Bombenangriffe auf zivile Wohngebiete, Drohnenangriffe auf muslimische Hochzeitsgesellschaften oder gezielte Tötungen im Feindesland sind verboten. Auch für die NATO und den Wertewesten.

Doppelte Moral

Die doppelte Moral der Herrschenden und der in ihrem Auftrag Regierenden darf gerade in Zeiten nicht übersehen werden, in denen vorgeblich jeder, der an einer durch einen Test nachgewiesenen Krankheit stirbt, ein Toter zuviel ist. In Kriegen, an Hunger, an anderen Krankheiten darf nämlich weiterhin gestorben werden, ohne dass Abhilfe auch nur in Aussicht gestellt würde. Dieser doppelten Moral huldigen in besonderem Maß jene Moralisten, die jeglicher Kritik an ihrem Handeln mit der Rede vom Relativierungsverbot entgegentreten. [ siehe: Relativieren verboten! ] Gestorben wird immer. Warum manche Tode zu besonderen, ehrenhaften, heldenhaften erklärt werden oder als sinnvolle, mitmenschlichen Zwecken dienende Opfer betrachtet, müssen sich die Verfechter einer Lehre schon fragen lassen, die – so war gestern in meiner Tageszeitung zu lesen – 4 Operationssäle schließen, damit ohne jegliches Abwägen medizinischer Möglichkeiten und Notwendigkeiten zuverlässig all jene gerettet werden können, denen vielleicht ein von einem Virus mitverursachter Tod droht.
Meine Vermutung: Die Angst vor einem tödlichen Virus wird mit größtem propagandistischem Aufwand geschürt, um die gegenwärtige Vorbereitung von Kriegen zu verschleiern, die wirtschaftlichen Interessen dienen. Kriege führen zu Toten. Immer. Überall. Auch wenn Militärs lieber über Waffen und Strategien sprechen als über Tote. Mit großem Erfolg basteln derzeit die moralisierenden Vertreter eines absoluten Lebensschutzes an den richtigen Feindbildern, die die wichtigste Grundlage für das Schüren innerer und äußerer Konflikte liefern. Den politischen Moralisierern das Handwerk zu legen und sie an die Aufgabe zu erinnern, Brot und Obdach für alle zu gewährleisten, halte ich deshalb derzeit für die vordringlichste Aufgabe. Wer sich satt fühlt und im Warmen sitzt, lässt sich schwer gegen angebliche Feinde aufstacheln.

Wissenschaft? Expertise?

Man muss kein Virologe, Epidemiologe, Infektologe, oder sonst ein Loge sein, um Blödsinn zu erkennen. In aller Regel reicht ein Blick auf die Sprache, den Wortgebrauch. Im folgenden dazu ein Übungsbeispiel anhand eines Abschnitts aus dem täglichen Situationsbericht des RKI vom 29.10.2020. Ich empfehle einen ähnlichen Umgang mit allen Texten, deren Autoren oder Herausgeber einen wie auch immer gearteten Anspruch auf Wissenschaftlichkeit erheben.

Textabschnitt:
“ Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit. Mit dieser Teilnehmeranzahl ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Basierend auf wissenschaftlichen Publikationen wurde die Corona Datenspende konzipiert, um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zuidentifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektieren. Sensoren in Fitnessarmbändern und Smartwatches liefern zahlreiche Daten, die eine Erkennung von Fieber ermöglichen. Ein zentraler Parameter ist der Ruhepuls, den die Geräte am Handgelenk messen. Aus mehreren Messungen wird ein mittlerer Tageswert für den Ruhepuls ermittelt. Ist dieser höher als gewöhnlich bei gleichzeitiger sinkenden Schrittanzahl, ist das ein sehr wahrscheinlicher Indikator für Fieber (https://www.thelancet.com/journals/landig/article/PIIS2589-7500(19)30222-5/fulltext ). Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt. In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt (https://corona-datenspende.de/science/monitor/ ). Vergleiche der Fieber-Detektionen mit den Infektionszahlen zeigen, dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnte (Abbildung 8; https://corona-datenspende.de/science/reports/improved-method/). Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch.“
Quelle: https://www.rki.de/DE/Content/InfAZ/N/Neuartiges_Coronavirus/Situationsberichte/Okt_2020/2020-10-29-de.pdf?__blob=publicationFile.

Anfang April 2020 wurde die Corona-Datenspende-App gestartet und erfasst mittlerweile die Fitness-Tracker-Daten von ungefähr 530.000 Menschen deutschlandweit.530.000 um ihre Gesundheit besorgte Menschen haben in Deutschland Forschern erlaubt, auf ihre Daten zuzugreifen. Das sind etwa 6 Promille der Bevölkerung.
… ist die Datenspende ein weltweit einzigartiges Projekt.Ist die Einzigartigkeit eines Vorhabens ein Qualitätskriterium, gar ein wissenschaftliches?
… um in den Zeitreihen des Ruhepulses und der täglichen Schrittanzahl der spendenden Menschen Anomalien zu identifizieren und damit Fiebersymptomatik zu detektierenIst es hinreichend und sinnvoll den Temperaturanstieg bei einer Erkrankung in statistischen Kurven zu erkennen (=detektieren)? Kann man Temperatur nicht mehr messen? Genügt dazu `ein sehr wahrscheinlicher Indikator´ ?
Noch dazu, wenn gleichzeitig Tausende von Menschen, die KEIN Fieber haben vom gleichen Institut zu Infizierten erklärt werden?
Da Fieber ein typisches Symptom der COVID-19-Erkrankung ist, kann ein Anstieg der Fieber-Detektion grundsätzlich bedeuten, dass die Anzahl der COVID-19 Fälle in Deutschland steigt.Ein typisches Symptom? Haben Menschen mit anderen Infektionen kein Fieber? Kann man nicht Fieber haben, ohne an einer Sars-CoV-2-Infektion zu leiden? Gibt es einen mathematisch eineindeutig genannten Zusammenhang zwischen einer `Schweren Erkrankung der Atemwege´ (= SARS = severe acute respiratory syndrome) und Fieber, oder kann Fieber auch andere Ursachen haben?
… dass die Detektionskurve der Datenspende den Kurvenverlauf der Fallzahlen in Deutschland gut widerspiegelt und sowohl das Abklingen der ersten Welle als auch der Anstieg der Fallzahlen im Herbst vorhergesagt werden konnteDahinter steht folgende Behauptung: Wenn die Kurven nicht signifikanter Fallzahlen, festgestellt durch einen PCR-Test, die alljährliche herbstliche Zunahme grippaler Infekte oder des gemeinen Schnupfens und die Kurve des von Trackern vermuteten Anstiegs der Körpertemperatur übereinstimmen, ist das ein Beleg für eine Pandemie (= eine sich ausbreitende Erkrankung mit schweren gesundheitlichen Folgen für viele Menschen).
In einem täglich automatisch aktualisierten Fiebermonitor werden die Detektionen veröffentlicht und interaktiv dargestellt.Inwiefern ist es von medizinischer Bedeutung für die Rettung von Patienten mit schweren Atemwegsinfektionen, dass man den Zusammenhang von Puls und Fieber dazu verwenden kann, inhaltsleere aber furchterregende interaktive Darstellungen zu veröffentlichen, die irgendetwas ähneln?
Seit Mitte September steigt die Fieberkurve stetig an, ebenso wie die Infektionszahlen auch. Welcher akademische Grad muss erworben werden, um eine Volksweisheit wissenschaftlich unterlegen zu dürfen: Im Winter gibt es mehr Erkältungen als im Sommer. Auch solche mit erhöhter Körpertemperatur oder Fieber.

Hurra! Endlich wurde mir klar, welcher Sinn sich hinter dem Ausdruck science fiction verbirgt: die Entfaltung menschlicher Kreativität mit dem Ziel nicht näher zu bestimmendes aber mögliches sprachlich zu fassen.

Manche Menschen wollen oder müssen sich vor Erkältungen schützen. Oft leiden sie schon über Jahre an schweren Erkrankungen. Sie gehen bei Regen, Schnee und Kälte mit hochgezogenem Schal, Mütze und Handschuhen in windstillen Teilen der Umgebung ihrer Wohnung ein paar Schritte spazieren. Sonst könnten sie das krankheitsbedingte dauernde Stubenhocken nicht ertragen. Beobachtet man ein solches Verhalten, ist zu befürchten, dass die Menschen – gleich welchen Alters – in naher Zukunft sterben. Ob mit oder ohne Covid 19 ist dabei nicht von Bedeutung.

Widerstand oder Apathie?

Um einen winzigen Stausee [max. Länge ca.1500 m] in meiner näheren Umgebung führt ein Weg zwischen Wald und Wasserfläche. Auf dem Rundweg quert man auf Bohlen auch eine Hochmoorfläche, die als Biotop kartiert ist. Zentrale Höhe der Gegend ist der Gipfel unseres Hausbergs Ochsenkopf mit 1024 m über Seehöhe. Rund um den Ochsenkopf liegen die Gemeinden Bischofsgrün, Warmensteinach und Fichtelberg. Die Lokalzeitung hat für diese Orte am vergangenen Wochenende über 3 positiv getestete Menschen berichtet, die zur aktuell vom RKI genannten 7-Tage- Inzidenz des Landkreises Bayreuth mit seinem kreisfreien zentralen Ort Bayreuth beitragen, insgesamt ca. 180 Personen.

  • Fichtelberg: 0
  • Warmensteinach: 3
  • Bischofsgrün: 0
    In zwei der 3 Gemeinden gibt es ein Seniorenheim. Zur Gemeinde Bischofsgrün in der ich wohne kann ich sagen: Es gab im Sommer 2020 4 positiv getestete Menschen, die entweder symptomfrei bleiben oder binnen kurzer Zeit den Infekt überwanden. Nur einer davon war kurzzeitig im Krankenhaus zur Beobachtung. Ich weiß also zuverlässig, dass keiner der Menschen, die seit März 2020 in meiner Wohnortgemeinde verstorben sind, ein positiv getesteter war. Seuche schaut anders aus.

Vor diesem Hintergrund wurde eine Maskenpflicht verfügt für den Rundweg um den Fichtelsee. Geneigte Leserinnen mögen auf Grundlage dieses Luftbildes beurteilen wie gefährdet Spaziergänger am Fichtelsee sein könnten, wenn sich in den genannten Dörfern derzeit 3 positiv getestete Mitbürger befinden, mit größter Wahrscheinlichkeit in häuslicher Quarantäne.


Dieses Gebiet hat eine Fläche von ca. 110 km². Auf dieser Fläche tummeln sich max. 6500 Eingeborene, ca. 60 pro Quadratkilometer . Ausreichend Abstand herstellbar? Es mag ja sein, dass zur Zeit zusätzlich einige Wohnmobile an Standplätzen dieses Raums zu finden sind. Sicher gibt es auch hie und da ein paar Städter in Ferienwohnungen oder am Wochenende Hundebesitzer aus Bayreuth, Hof, evt. auch aus Regensburg, Nürnberg oder Dresden. Noch gibt es einige Gasthöfe und Hotels, die etwa die Hälfte ihrer Betten belegen dürfen und eine Rehaklinik mit an die 200 Betten. Von bedrohlicher Nähe in möglichen Ballungen von Menschen kann also nirgendwo die Rede sein.
Seltsamerweise darf man also an einem Seeufer nur mit MNS spazieren gehen, nach wie vor dürfen aber alle Menschen, die noch eine Arbeit haben einen regen Austausch pflegen mit ihren Arbeitsorten – hauptsächlich sind das die gleichen Orte, deren Bewohner sich bei uns erholen wollen.

Die Jahreszeit für kleine Feste mit Nachbarn unter freiem Himmel ist vorbei. Spaziergänger in unserer Gegend schöpfen keine Kraft mehr aus einem schweifenden Blick über besonnte Höhen. Nicht die Einheimischen und auch nicht die Erholung suchenden Städter. Mit festem Schuhwerk laufen sie jetzt über fauliges, rutschiges Laub und schauen in den Hochnebel oder eine niedrig hängende Wolkendecke. Vor uns liegen voraussichtlich 120 solcher Tage. Vielleicht mit ein paar Tagen Unterbrechung bei einem scharfen Nordostwind, kalt und trotzdem sonnig. Es macht sich Apathie breit.

Bill Gates, der Herr über die Organisationen GAVI und CEPI hat vor kurzem in einem Interview mit dem US-amerikanischen Sender NBC angedeutet, dass der politische Schwachsinn auf diesem Niveau noch bis zu 4 Jahre dauern könnte. Gemeinsam mit seinen Freunden aus den Reihen der 100 reichsten Menschen der Welt und willfährigen Wissenschaftlern arbeitet er im Weltwirtschaftsforum auf einen Großen Neustart hin [https://www.weforum.org/great-reset/ ] . Wollen wir angesichts politischer Willkür, die keinerlei medizinische oder epidemiologische Grundlage hat apathisch auf den von oben durchgesetzten Neustart warten, oder widerständiges Verhalten üben? Unsere Phantasie in der Entwicklung neuer Handlungsformen ist gefordert.