Bahnfahren

Nach dem Krieg wurden von der Anti-Hitler Koalition  zwei deutsche Züge auf die Gleise gestellt.
Seit 1982 fährt einer konsequent rechts, beschleunigt seit 1989/90. 1998 wurde das Ausweichgleis endgültig abgerissen und Richtungswechsel sind  nur  noch mit Hilfe einer Drehscheibe möglich. Eingleisig geht´s auch!
Überraschung! Im September 2017 hat das deutsche demokratische Bürgertum bemerkt, dass es nur noch ein Gleis gibt, und der Zug darauf in die falsche Richtung fährt.

„Oh Jammer, oh Not! Die dummen Prolls haben in ihrer Dumpfheit das Ausweichgleis abgerissen. und jetzt passt ihnen die Richtung nicht!  Sie fallen auf nationale und rassistische Argumente herein und weisen diese nicht mit der gebotenen moralischen Integrität und intellektuellen Souveränität zurück.  Sie gefährden „unsere“ Demokratie!“


 

Zu fragen wäre:

Ist die Schuldzuweisung begründet und berechtigt?

Wenn ja – wie könnten die Paarungen der nächsten Runde heißen?

       a) Gute Prolls und libertäre Bürger vs. Finanzkapital? [Die schlechten Prolls
       bleiben auf der Couch vorm Fernseher.]
b) Libertäre Bürger und Finanzkapital vs. alle Prolls? [Nicht völlig ausgeschlossen und könnte noch glimpflich ausgehen]
c) Gute Prolls vs. schlechte Prolls [Libertäre Bürger und
Finanzkapital sitzen auf der Tribüne und reiben sich die
Hände]
d) Gute und schlechte Prolls + Kleinbürger vs. Kapital [wird
als  „Querfront“ denunziert, mit dem Ziel  e) den Weg zu bereiten ]
e) Gute Prolls + soziale und libertäre Bürger + Finanzkapital
vs. schlechte Menschen [Das wäre der einstweilige Sieg eines neuen Faschismus]

„Liebe Linke! Welche Lösung hättet ihr denn gern?“ –
„Eine, wo wir sauber bleiben. Absolut sauber!“

Ich fürchte, das wird Euch nicht beschieden sein. Es könnte  ganz schön quietschen und so mancher wird sich beim Bremsen schmutzig machen.
Advertisements

Es geht. Ohne Glaubenskriege.

Kein einziges der in der Menschenrechtscharta gefassten Rechte ist mit dem Absolutheitsanspruch geltend zu machen, der von a-politischen und a-sozialen Fanatikern mit Brettern vorm Kopf und Scheuklappen geltend gemacht wird. Jedes dieser Rechte findet seine realen Beschränkungen
1. im gleichen Recht anderer
2. in konkurrierenden Rechten
3. im Grundsatz der Gleichbehandlung vor dem Gesetz.

Das Recht auf freie Religionsausübung ist eines der Felder auf dem der entwickelte, aufgeklärte, säkulare Europäer seine Werte-Überlegenheit gegenüber islamischen Dumpfbacken austobt. Der darin zum Ausdruck kommende Eurozentrismus und auffällige Mangel an Kenntnis der eigenen Gesellschaft erfasst auch viele Menschen, die sich selbst für »informiert und fortschrittlich« halten. Deshalb habe ich als Einstieg ein Beispiel gewählt, das nicht in die Kategorie »Migrant aus dem Mittelmeerraum trifft auf Mecklenburg-Vorpommern« gehört, sondern in die Kategorie »Alternative Familie mit Kindern aus der Großstadt trifft auf mittelfränkisches Kirchdorf«.

Weiterlesen „Es geht. Ohne Glaubenskriege.“

Kriegspropaganda

Frau May, Premierministerin Großbritanniens, beschuldigt den Staat Russland und seinen Präsidenten – nicht irgendwelche sich in Großbritannien aufhaltende Menschen, die Russisch sprechen – auf britischem Territorium einen Ex-Doppelagenten der Sowjetunion vergiftet zu haben, dazu zwei gänzlich Unbeteiligte, nämlich dessen Tochter und einen Polizisten. Sie formuliert diesen Verdacht nicht hinter den verschlossenen Türen irgendwelcher Ermittlungsbehörden, sondern öffentlich in einer Rede vor dem britischen Parlament.

Immer wieder werden unter Agenten Leute mit giftigen Substanzen umgebracht, manchmal von Waffenschiebern, manchmal von gegnerischen Agenten, manchmal auch vorsichtshalber von »befreundeten« Agenten… . Weil das bisher in anderen Vergiftungsfällen immer »die Russen« waren – also keine Doppelagenten, Waffenschieber oder Mafiosi mit russischem Pass oder auch nur enttäuschte Gattinnen – sind es natürlich auch dieses Mal wieder »die Russen« gewesen. Agenten des freien Westens bringen grundsätzlich nie jemanden um.
Britische Fachleute in Porton Down geben an, es sei ein »in Russland« hergestelltes Nervengift verwendet worden. Der angenommene Herstellungsort liegt in Usbekistan, das mittlerweile ein selbstständiger Staat ist. Die als Ursprung vermutete Produktionsanlage in Usbekistan wurde unter Aufsicht der OPCW, der lt. »Übereinkommen über das Verbot der Entwicklung, Herstellung, Lagerung und des Einsatzes chemischer Waffen und über die Vernichtung solcher Waffen« zuständigen UN-Behörde, in den 90ern zerstört, die möglichen Komponenten und evt. noch vorhandenen Reste vernichtet.
Die Bezeichnung als »die + geographische Bezeichnung/Nationalität/Sprache« meint im Deutschen immer alle Bürger des benannten Landes, seine Regierung oder seine Sicherheitskräfte, die von dieser Regierung befehligt werden. Es handelt sich also, wenn deutschsprachige Medien die Formulierung »die Russen« verwenden, um eine gruppenbezogene Schuldzuweisung ohne hinreichenden Tatverdacht. Ganz gewöhnlichen Nationalismus also.
Warum könnte Russland kurz vor einer Präsidentenwahl ein Interesse daran haben, einen vor Jahren begnadigten und ausgetauschten Überläufer umzubringen? Fällt Ihnen eine leidlich plausible Antwort auf die Frage »Zu wessen Nutzen?« ein?

Rechtsstaatlichkeit
100 %-ig ausgeschlossen werden kann natürlich nie, dass bei der Zerstörung von technischen Anlagen  ein paar mehr oder weniger große Glasbehälter abgezweigt werden, aufbewahrt und später für irgendeine Straftat verwendet. Das könnte im Fall der um ihr Leben ringenden Opfer der Giftattacke durchaus so sein.
Nach üblichen rechtsstaatlichen Verfahrensweisen müssten also die Ermittlungsbehörden feststellen
• wer sich wann und wie dieses Gift verschafft hat
• einem möglichen Täter ein Motiv nachweisen
• in der Lage sein – mit oder ohne Zeugen – den realen Tathergang zu rekonstruieren.
Wie gesagt: Das wäre das rechtsstaatliche Verfahren.

Was aber tut Frau May?
Ohne auch nur annähernd in der Lage zu sein, die drei vorstehenden Fragen zu beantworten, beschuldigt sie die Regierung eines Staates, der wohlgemerkt nicht Rechtsnachfolger der früheren Sowjetrepublik Usbekistan ist, für diesen Mord an einem Ex-Doppelagenten verantwortlich zu sein. Nicht allein dieses: Frau May und andere Freunde des freien Westens – also der Rechtstaatlichkeit – glauben auf diese bisher ungeklärte kriminelle Tat mit Maßnahmen gegen den Staat Russland reagieren zu müssen. Mindestens mit Ausweisung russischer Staatsangehöriger und Diplomaten, Wirtschaftssanktionen müsse man auf ein Verbrechenantworten, das in der gemeinsamen, westlichen Propaganda zu einem »Angriff auf das Territorium eines NATO-Staates« erklärt wird.

Das ist Kriegstreiberei!

Wessen Eigentum?

Fallen  bürgerlicher, politischer Liberalismus, demokratisch legitimierte Gestaltungsrechte des Staates und Wirtschaftsliberalismus wirklich in eins, wie Friedman, Hayek, Eucken… und ein gewisser Prof. Dr. Gerhard Wegner, Erfurt, behaupten?

»Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland

Art 14

(1) Das Eigentum und das Erbrecht werden gewährleistet. Inhalt und Schranken werden durch die Gesetze bestimmt.

(2) Eigentum verpflichtet. Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen.

(3) Eine Enteignung ist nur zum Wohle der Allgemeinheit zulässig. Sie darf nur durch Gesetz oder auf Grund eines Gesetzes erfolgen, das Art und Ausmaß der Entschädigung regelt. Die Entschädigung ist unter gerechter Abwägung der Interessen der Allgemeinheit und der Beteiligten zu bestimmen. Wegen der Höhe der Entschädigung steht im Streitfalle der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten offen.«

Fragestellung

Ich habe einige Zeit auf einer Tagung zum Thema »Kapitalismus und Freiheit« verbracht. Diese Tagung gehörte zu einer ganzen Reihe, die sich immer wieder mit den normativen Grundlagen des Wirtschaftens und der Wirtschaftswissenschaften beschäftigt.

Viele Teilnehmer waren Menschen mit einer betriebs- oder volkswirtschaftlichen akademischen Ausbildung. Nur ein Referent, der sich selbst als Keynesianer bezeichnete, Ulrich Klüh, und der Vortrag des Politologen Christoph Butterwegge, ließen erkennen, dass die zunehmende Armut in »reichen« Gesellschaften die gleiche Geltung der Menschenrechte für alle Mitglieder einer Gesellschaft einschränkt oder in Frage stellt und damit auch die Freiheitsräume sehr vieler, wenn nicht fast aller Menschen. Der von den übrigen Referenten vorgetragenen Ansicht, die uneingeschränkte Garantie des Eigentumsrechts und eine demokratische Ordnung seien geradezu siamesische Zwillinge widersprachen nur 3 von knapp über 100 Teilnehmern.

Das könnte ein Stück weit erklären, warum manche Menschen mit »den Eliten« ein Problem haben. Wie legitimiert man gegenüber den 50 % der Bevölkerung, die kein Vermögen haben oder nur ein »negatives« = Schulden, dass eine der wichtigsten Freiheiten des bürgerlichen Staates die Garantie des Rechts auf Eigentum darstellt und die Frage, wie man zu dem Eigentum gekommen ist, den Wirtschaftler nicht interessiert?

Ist es wirklich völlig abwegig bei Erwähnung des »Rechts auf Eigentum« daran zu denken, dass das Recht auf Eigentum auch bedeuten könnte, dass jeder einen Anspruch auf mehr als einen Stuhl hat und möglicherweise 6 Stühle lebenslänglich behalten darf? Muss man wirklich »Marxist« sein, um auf diese Fragestellung zu kommen?

Weiterlesen „Wessen Eigentum?“

Bedeutungsvoll?

Bildquelle: KenFM

deuten –  bedeuten – deuteln – verdeutlichen – eindeutig – bedeutsam – bedeutend – deutlich – Bedeutung – Deut – Deutung – Bedeutsamkeit –

Rothschild, Rockefeller und Soros sind für all diejenigen jüdische Namen, die ganz genau wissen, was „jüdische Namen“ sind.  Bevor mich nicht ein Hinweis sog.  antifaschistischer Aktivisten darauf  brachte, dass die Religionszugehörigkeit bei Bonzen und Bankern von ganz besonderer Bedeutung ist, hatte mich die weiter nicht interessiert. Ich ging davon aus, dass  es sich bei den Genannten schlicht um reiche Personen, Familienclans, Dynastien handelt und zwar bei „den Rothschilds“  um Franzosen, bei „den Rockefellers“ um US-Amerikaner und bei Soros um einen Griechen. Was mit -os endet ist oft griechisch. Niarchos und Onassis sind mir als Reederdynastien noch in Erinnerung. Auch wenn´s den Griechen momentan eher weniger  gut geht: Ein paar Reiche könnte es da schon noch geben. Warum nicht Soros?

Wer sich  über Prominente im Netz kundig macht, nachschaut ob sie einen religiösen Hintergrund haben, wenn ja welchen, kann das in manchen Fällen finden – nicht in allen. Die meisten Menschen halten Religion nämlich für Privatsache und verhalten sich dementsprechend. Ich persönlich kenne niemanden, der irgendeinen Aufwand treiben würde, um herauszufinden, welche Religions- oder Konfessionszugehörigkeit jemand hat. Warum sollte Mensch das tun? Wir leben in einem ziemlich säkularen Zeitalter. Wer nicht nach religiösen Hintergründen sucht,  kennt sie meistens nicht. Den Papst, Kardinäle, Bischöfe, den Dalai Lama oder Metropoliten natürlich ausgenommen.

Manche Leute scheinen ganz genau zu wissen, dass Menschen mit bestimmten Namen nicht bloß einem Glauben angehören, sondern sogar einer Rasse. Sie schließen daraus, alle anderen wüssten das auch.  Ich selbst käme nie auf diese abwegige Idee. Dabei habe ich schon mal von einem Heimatforscher gehört, dass die Prechtls katholisch sind und die Prechtels evangelisch,  dass es  Wahrscheinlichkeiten gibt für die Konfessionszugehörigkeit eines Herrn Riedl und eines Herrn Prechtel.  Dass ein Pfleiderer und ein Häberle Schwaben sind, halte  ich für ein ethnizistisches Vorurteil. Wie ich aus zuverlässigen Quellen weiß,  wohnen sie am Prenzlauer Berg.

Ist der Schluss wirklich naheliegend, dass eine Aufzählung von Namen ein Indiz für Antisemitismus darstellt, nur weil für manche Menschen die religiöse Sozialisation von Milliardären, Finanzspekulanten, Bankiers und Mehrheitsaktionären von Konzernen  von größter Bedeutung ist? Der sich anschließenden Klassifizierung als Freund oder Feind kann kaum einer entrinnen. Kabarettisten nicht, Popsängerinnen nicht – vielleicht  nicht einmal mein Nachbar, der nur ganz wenige reiche Leute „kennt“: Uli Hoeness, Bill Gates und den Medienmogul in der nahen Kreisstadt, den Herrn Ellwanger. Hoffentlich fallen ihm  beim Stichwort „Superreiche“  aus der Forbes-Liste sofort Carlos Slim Helu,  Wang Jianlin  und Joseph Lau ein, die ja alle Welt kennt. Würde er die  ersten drei nennen, Bill Gates,  Warren Buffett  und Jeff Bezos, könnte er Glück haben. Zu Warren Buffetts Religion habe ich im dazugehörigen  Wikipedia-Eintrag nichts gefunden. Wären ihm Gates, Zuckerberg und Bezos eingefallen, weil Microsoft, Amazon und Facebook  in aller Munde sind – was dann? Hätten wir einen Nazi mehr?  Ich weiß es nicht.

Ich schlage vor, auf  alle Listen berühmter Menschen,  Musiker,  Maler, Massenmörder oder Milliardäre …  IMMER auch einen zu setzen, der Schulze heißt. Über Schulze kann man nichts herausfinden.  Wer den Schulze googelt, bekommt keine zuverlässige Auskunft, weil es zu viele Schulzes gibt. EINEN Schulze gibt es bestimmt, der wegen seiner Merkmale unbedingt in die Liste gehört. Wer auch immer sich genötigt sieht, zu einem bestimmten Thema eine garantiert religiös oder rassisch gemischte Liste vorzulegen, Schulze passt immer.  Das Problem über  Quotierung zu lösen erweist sich als schwierig. Ob sich  für eine beispielhafte Aufzählung aus jeder Religion oder Rasse genau ein prominenter Mensch  findet? Es könnte  der entsetzliche Fall eintreten, dass unter den weltweit  prominentesten Grabschern –  einem Hindu,  einem Christen, einem Buddhisten, einem Juden, einem Taoisten, einem Moslem und einem Nichtreligiösen – ZWEI Weiße sind. Typisch für die Weißen, das Grabschen! Vielleicht auch zwei Damenschneider mit internationalem Renommée. Dann würde sich die Schneiderinnung beschweren über die Herabwürdigung ihres ehrbaren Standes.

 

Weltoffen

Bildquelle: commons.wikimedia Autor: fremantleboy and Marcel Krüger

Vorsicht! Der nachfolgende Text schürt Vorurteile!

Ich muss zugeben: ich habe noch nie Orte und Menschen in Afrika, Asien, Australien oder Lateinamerika besucht – nur  zweimal eine Verwandte in Kanada. Nicht einmal alle Länder Europas habe ich schon gesehen, und außer meiner Muttersprache beherrsche ich nur 2 andere leidlich, in zwei weiteren kann ich mit etwas Sprachgefühl und einem Wörterbuch ausdrücken,  dass ich ein Zimmer brauche oder etwas zu essen. Ich bemühe mich, wo immer ich hinkomme im Idiom der Ansässigen „Guten Morgen“, „Gute Nacht“, „Bitte“ und „Danke“ zu sagen.

Auf dem flachen Land, außerhalb der Ballungsräume, in der Provinz, in der Pampa, im ländlichen Raum wohnen Menschen, die – genauso wie die Städter – All-Iinclusive-Hotels aller Kontinente kennen, sich aber nicht zutrauen selbständig,  ohne Fremdenführer und die Freunde der Besuchergruppe  die Landeshauptstadt ihres Bundeslandes aufzusuchen. Umgekehrt stellen an schönen Tagen, im Sommer mit Sonne und im Winter mit Schnee, Ballungsräumler in den landwirtschaftlich genutzten Teilen unserer Republik ihre Fahrzeuge ab.  Während das Lichtlein zeigt, dass der Vorgang des Verschließens beendet wurde, machen sie sich auf den Weg. Sie leitet die Annahme, was dem Auge als „grün“ erscheine, sei Natur. Darin laufen sie umher,  fahren mit Rädern, schwingen sich an Seilen von Ast zu Ast und  rutschen bei Schnee auf zwei schmalen Brettern, manchmal auch auf nur einem breiten, die Hänge hinunter. Dass im Sommer die Flora einer Piste eine andere ist, als die einer Schafhut, anders als die einer Streuobstwiese oder der Dauerwiesenmischung  B der Baywa ist den meisten nicht bekannt. Grün halt.

In der Natur gibt es nach Vorstellung dieser Besucher  Grün, unzulässigerweise verfolgte Tiere und Dienstleistungspersonal in den Erscheinungsformen höflich und unfreundlich. Es entgeht ihnen deshalb völlig, dass in dieser Grünwelt Menschen leben, die als Landwirte  ihre Existenz sichern. Dieses, genauso wie in München bei BMW unter industriellen Bedingungen, also unter Zeitdruck, mit gehörig verdichteter Arbeit. Glücklicherweise haben die Städter Angst vor verstrahlten Pilzen und Beeren mit Fuchsbandwurm. Sie nehmen sie nicht mit, sondern zertrampeln sie bloß oder reißen sie aus.  An zentralen Orten, Verkehrsknotenpunkten der Grünwelt, gibt es  Tankstellen, manche mit belegten Brötchen manche ohne. Es gibt auch Gastronomiebetriebe;  Bäckereien und  Metzgereien, die diese versorgen und auf dem Platz vor dem Rathaus einen Hotspot, denn kostenloses WLAN und Internet braucht man im Grün. Sonst besucht keiner die Natur, denn sie wäre langweilig. Mit den Menschen im Grün, die am Abend ihre Wohnstätten aufsuchen, kommen die Besucher nicht in Kontakt. Das geht gar nicht. Die meisten von ihnen fahren nämlich täglich am Morgen zur Arbeit, lange vor Ankunft der Ballungsräumler oder vor deren Hotelfrühstück.  Abends kommen sie zurück, meistens erst nach Abfahrt der Ballungsräumler oder nach deren Abendessen. Das alles spielt sich heimlich im Grünen ab, denn die Naturbesucher kennen nur die Parkplätze  ihrer eigenen Autos.  Deshalb denken sie, es gebe im Grünen nur Bauern und Traktoren.

Die weltoffenen Naturfreunde aus der Stadt wissen aus den Medien ganz genau Bescheid über die Lebensbedingungen der Näherin in Bangladesh und die Sorgen des von seinem Land vertriebenen Rosenschneiders in Kenia. Über Sachen reden die! Sie vergleichen z. B. die „Szene“ in Berlin, München, London oder New York, vielleicht auch mit der in Dresden oder Leipzig. Dörfer haben keine Szene, zumindest keine, die helfen könnte, sie von anderen Dörfern zu unterscheiden. Meint der Städter. Genau der Städter, der fest davon überzeugt ist, auch extrem stark pigmentierte Menschen von einander unterscheiden zu können – im Gegensatz zu den rassistischen Landbewohnern, die mangels Erfahrung im Umgang in erster Linie die Hautfarbe wahrnehmen.

Was allerdings das Grüne betrifft, in dem sie herumtapsen wissen sie – erraten – nichts.

Nicht

  • dass dort  der Arbeitstag inkl. Wegezeit mindestens 10 bis 12 Stunden dauert
  • die Menschen im Grünen 20 -25 % weniger verdienen, obwohl die Preise bei Aldi und Lidl überall gleich sind
  • der Einzelfahrschein zur Arbeitsagentur in der Kreisstadt im günstigsten Fall 4,76 € kostet
  • und die industrialisierten Landwirte in den von Boden und Landschaftsprofil wenig begünstigten Gegenden nur mit größter Mühe wirtschaftlich überleben können.

Was sie zu wissen glauben ist

  • dass die Leute im Grünen viel zuviel Fleisch essen.  Sie erkennen es  an den Wirtshausportionen, die man ihnen zu günstigen Preisen auf die Teller lädt, weil die Dödel auf dem Land nicht wissen, dass der moderne Städter vegan isst.
  • dass profitgierige Bauern den lieben Bibern, Reihern, Wildschweinchen und Wölfen an den Kragen wollen.
  • dass  wegen ihrer eingeschränkten Weltsicht alle Grünbewohner mindestens konservativ, eher reaktionär bis braun sind.

Was sie ganz sicher wissen:

  • dass gleich nach dem Ortsende-Schild der Landeshauptstadt mit dem roten, schrägen Balken das Barbaricum beginnt.
  • dass man auf dem Land kein Geld braucht, weil die sozialen Netze noch funktionieren. Deshalb ist ihr Zimmer auch so billig.
  • dass der Dialekt der Landeshauptstadt die Landessprache ist,  nur für die Wilden  eine Fremdsprache.

Weltoffen. Aufgeklärt. Informiert. So sind sie halt, die Städter.

 

 

Verschwörungen

Lt. Duden ist eine Verschwörung die gemeinsame Planung eines Unternehmens gegen jemanden oder etwas (besonders gegen die staatliche Ordnung). Als Synonyme werden genannt: Intrige, Komplott; (bildungssprachlich) Konspiration; (veraltend) Geheimbündelei; (veraltet) Konjuration

Mit diesen Begriffen verbunden ist die  Konnotation von einem Vorgehen im Geheimen, auf der Ebene persönlicher, nichtöffentlicher Kommunikation  mit einer beabsichtigten schädlichen Wirkung auf einen realen oder vorgestellten Gegner.

Als Verschwörungen in diesem Sinne  sind zu betrachten:

  • die Absprachen des Seeheimer Kreises in der SPD (Verschwörung gegen die Sozialdemokratie)
  • die Kartellabsprachen in der deutschen Betonindustrie (Verschwörung gegen private und öffentliche Bauherren)
  • die Vereinbarungen der deutschen Automobilindustrie zur Begrenzung der Größe von „Add Blue“-Tanks für Dieselfahrzeuge (Verschwörung gegen gutwillige Verbraucher)
  • die Bemühungen eines Mobbers/einer Mobberin Verbündete gegen einen missliebigen Kollegen zu mobilisieren (Verschwörung gegen einen Arbeitskollegen)
  • Verweigerung der Aufklärung zu behördlichem Vorgehen in klar definierten Zusammenhängen ( Gezielte Desinformation zur Durchsetzung bestimmter politischer Ziele)

Diese Liste ist  unvollständig.

Wie wir alle wissen, sind solche Praktiken allgemein üblich. Wer zu den Leidtragenden, den Benachteiligten solcher Vereinbarungen hinter verschlossenen Türen, auf den Fluren und Toiletten gehört, hat meistens das Nachsehen, denn das Vorgehen ist in den seltensten Fällen ungesetzlich.

Es gibt keinen Grund anzunehmen, dass diese im Alltag verankerten Praktiken  im Feld der Politik aus demokratierechtlichen Gründen unterbleiben. Im Gegenteil. Die Notwendigkeit sich Mehrheiten und Vorteile bei anstehenden Entscheidungen zu verschaffen, macht diese Art des Handelns im Rahmen der parlamentarischen Demokratie  erforderlich. Die parlamentarische Demokratie verzichtet nämlich nicht nur in Deutschland auf  unmittelbare inhaltliche Entscheidungen der Bürger  [ GG, Art. 20, Abs. 2 „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.]  Nur  bei Volksentscheiden würde es nötig, alle Menschen eines definierten Territoriums im Rahmen einer offenen und öffentlichen Debatte anzusprechen und inhaltlich zu überzeugen.  Wer  Volksentscheide nicht will,  verlangt  sogar Verschwörungen, denn Parteien, Organisationsvorstände, Fraktionen sind gehalten hinter verschlossenen Türen zu tagen, damit die jeweils anderen, konkurrierenden Organisationen nicht mitbekommen, worauf man hinauswill.  Sie müssen  für die Öffentlichkeit das Bild der Geschlossenheit erzeugen, denn „Zerstrittenen“ traut man kein zielgerichtetes Handeln zu.

Parlamentarische Demokratien sind deshalb zum Ausgleich dieser Praxis auf Menschen angewiesen, die Verdacht schöpfen, Verschwörungstheorien entfalten und akribisch nachforschen, wer sich da insgeheim mit wem zusammengetan hat, um etwas Bestimmtes zu erreichen.  Whistleblower, Verräter, Maulwürfe sind strukturell notwendig zu besetzende Rollen,  damit die Verschwörungen keinen Erfolg haben.

Zusammengefasst: Die real vorhandene parlamentarische Demokratie  verneint, was die menschlichen Individuen zur Zusammenarbeit befähigt: Vertrauen und Zutrauen. Sie erzeugt konkurrierende, missgünstige Kollektive, die gegenüber den Mitgliedern anderer Kollektive zu allen Schandtaten bereit sind.