Olle Kamellen?

Bild: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=335436

Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums und aller Kultur, und da allgemein nutzbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesellschaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesamte Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen.
[aus dem Gothaer Programm der SPD, 1875]

Ist dafür bedeutsam, mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird?  NEIN!
Wird  diese Forderung erfüllt, indem man an alle eine festzulegende Geldsumme ausschüttet, die mit dem Ergebnis der Arbeit, der gesellschaftlichen Wertschöpfung, nicht in Beziehung steht?  NEIN!
Wird diese Forderung erfüllt, indem man die erzwungene Freisetzung von der gesamtgesellschaftlichen Arbeit als Zuwachs an Autonomie interpretiert?  NEIN!
Ist die Forderung nach Luxus für alle – z. B. jedem sein SUV – vernünftig? NEIN!

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Eine notwendige Klarstellung

In den Ländern, die sich entwickelt, frei oder westlich nennen, scheint die Erinnerung an die beiden großen Kriege des vergangenen Jahrhunderts verblasst zu sein. Hauptsächlich wohl, weil es in den Jahren seit 1945 gelungen ist, unter  Kriegen  nahezu ausschließlich diejenigen leiden zu lassen, die ohnehin entwicklungstechnisch, rassisch, völkisch und religiös gesehen zu den Überflüssigen gezählt werden.
Kriege sind weder Boxkämpfe noch Schlägereien. Es gewinnt niemand, sondern sie laufen erst aus, wenn den Beteiligten das menschliche und/oder das mineralische Material ausgeht. Es hat sich eingebürgert die zur Zeit des Auslaufens dieser Vorräte Regierenden als Friedensstifter anzusehen und mit Nobelpreisen zu ehren, auch wenn sie es selbst waren, die den Krieg vom Zaun gebrochen hatten.
Der gegenwärtig ins Auge gefasste nächste Krieg wird möglicherweise die aktuell größten Kriegstreiber, Großbritannien und die Vereinigten Staaten, weitgehend glimpflich davonkommen lassen. Deren Hoffnung, sie könnten aus diesem von ihnen herbeigeredeten Krieg als Sieger hervorgehen, beruht allerdings auf der völlig absurden Vorstellung, dass sich die über die Erde verteilten Kampfstoffreste jeglicher Art nach dem Krieg  rückstandsfrei auflösen, ohne vorher von Menschen verstoffwechselt zu werden.

Ich bitte alle, die dieses lesen, um weitere Verbreitung. Es ist nicht völlig auszuschließen, dass der ein oder andere ins Grübeln verfällt, der die althergebrachte – dennoch falsche – Annahme teilt, Kriege würden geführt um uns vor Übeln zu bewahren.

 

Mystik

Kürzlich wurde Daniele Ganser, Historiker,  als „Verschwörungsmystiker“ bezeichnet. Die Leute haben vielleicht nicht ganz unrecht, obwohl ich ihnen nicht unterstelle, sie wüssten was „Mystiker“ sind.

Sowohl im Christentum als auch im Islam werden als Mystiker diejenigen bezeichnet, die behaupten, jeder Mensch habe einen Zugang zur (göttlichen) Wahrheit. Der Papst und manche Religionsgelehrte hingegen behaupten,  die Wahrheit brauche die Vermittlung durch Experten.

In unserer  säkularen Welt sollte man deshalb ganz besonders misstrauisch sein gegenüber denjenigen, die behaupten, die Wahrheit sei etwas, das Experten und dem qualifizierten Personal vorbehalten ist.

Erinnerungskultur

Antifaschismus im Deutschland des Jahres 2018 zeigt sich in erster Linie als Erinnerungskultur. Gegenwärtige klare Positionen gegen Krieg ,  gegen die Beteiligung geheimdienstlicher agents provocateurs  an terroristischen Anschlägen und gegen die soziale Ausgrenzung materiell benachteiligter Gruppen werden als rechts diffamiert. Das gelingt hervorragend indem man das zoon politikon verwandelt in den verantwortungsbewussten Bürger unserer marktförmigen Demokratie.

 

 

WIR und DIE (III)

Nebel wabert über Berg und Tal, wenn angesichts dieses Texts das Bemühen um die Fragen „Wessen“,  „Wer“ und „Warum“ ausbleibt.  Ohne handelnde Personen gibt es keine Politik, keine Toleranz, keinen Hass, keine Grundrechte, keine brennenden Häuser und kein Wegschauen.

Zu welchem WIR, zu welchem UNS glauben Sie selbst zu gehören? Warum? Sie sollten der Beantwortung dieser Fragen nicht aus dem Weg gehen. Vor allem dann nicht, wenn Sie überzeugt sind, Sie selbst hätten sich eine Identität erarbeitet, die nicht über die anderen,  also gesellschaftlich, vermittelt ist und auf grenzenloser Ehrlichkeit gründet gegenüber sich selbst.

 

WIR und DIE (II)

Wer Menschen die Lebensgrundlage entzieht – Zuwendung, Wertschätzung, Respekt sind dabei von gleichem Gewicht wie  Nahrung, Kleidung, Obdach – riskiert, dass sie leichter gewalttätig reagieren als andere. Kein Mensch ist unverletzbar.

Dies gilt für Nazis UND Geflüchtete. Wehren muss man der Gewalt aller. Am besten über die Befriedigung ihrer grundlegenden Bedürfnisse. Wer satt ist, ein Dach über dem Kopf hat und nicht nackt gehen muss, wird mit großer Wahrscheinlichkeit ein friedliebender Mensch bleiben.

WIR und DIE (I)

Mit „WIR“ und „DIE“ fing es nicht an. Das Nicht- wahrnehmen- wollen, Nicht-zulassen- wollen,  Nicht-anerkennen-wollen, dass unser aller zivilisatorische Tünche sehr dünn ist,  fördert die Projektion der eigenen Bosheit auf  das Gegenüber.

Denjenigen, die sich für die besseren Menschen halten, entgeht, dass auch sie ein WIR und ein DIE konstruieren.

Größte Übel   können  diejenigen verursachen, die sich qua Klasse, qua Rasse, qua Religion, qua Geschlecht  für die besseren Menschen halten. Sie können und wollen mit dem Risiko nicht leben, dass sie  ihr eigenes Tun  mit dem Satz kommentieren müssen: „Ich bin ja auch nur ein Mensch.“

Böse und schlecht sind IMMER die anderen, oder?