Stichwort: Whataboutismus

Einer der Begriffe, die gerne von bürgerlichen „Antifaschisten“ verwendet werden, um anderen rechtes Denken zu unterstellen, ist das Wort „Whataboutismus“. Es dient in der politischen Debatte dazu, einen Verweis auf ein anderes Problemfeld als unzulässig zurückzuweisen, weil es angeblich keinen Zusammenhang mit dem Thema habe. Eine der Nebenwirkungen: Es hilft, linke Argumentationsketten im Keim zu ersticken, denn wer unzulässig vergleicht, in Beziehung setzt, relativiert kann auf grundlegende Mechanismen der herrschenden Wirtschaftsordnung nicht zurückkommen, die ALLE realen Zustände notwendigerweise prägen.
Dazu ist zu sagen:
Man kann, darf, muss alles vergleichen. Wenn man nicht alles vergleicht, kann man nämlich nicht feststellen, wessen Interessen sich in Sachfragen durchsetzen. Es geht dabei nicht um belegbare, mathematische oder naturwissenschaftliche Richtigkeit, sondern darum, welchem Problem in der Gesellschaft Priorität eingeräumt wird. Das ist eine gesellschaftliche, daher eine politische Frage. Ich hatte in meinem Garten auch mal Spargel, eine grüne Sorte, weil weißen zu ernten handwerklich schwieriger ist. Ob der Anbau einer Gemüsesorte, die kaum Kohlehydrate und Eiweiß enthält sinnvoll ist, „erneuerbare Energie“ sinnvoller als Maismehl? Auch ob in Deutschland guter Ackerboden planmäßig kaputt gemacht wird, um für den Weltmarkt billiges Fleisch zu erzeugen ist eine politische Frage.
Ohne „Whataboutismen“ kann man Verhältnisse selten auf den Punkt bringen, vor allem nicht in kurzer sprachlicher Form als Scherz, Satire, Ironie.
„Whataboutismus“ ist ein politischer Kampfbegriff – kein Argument. Es richtet sich eindeutig gegen links.

Stichwort: Verschwörungstheorie

Das Wort „Verschwörungstheorie“ ist ein politischer Kampfbegriff geworden. genau andersherum wird nämlich leider oft ein Schuh draus.
Selbstverständlich gibt es Verschwörungstheorien, sie sind in aller Regel die automatische Folge von staatlicher Intransparenz und nicht umfassend aufgeklärten, zumeist politisch motivierten Verbrechen.
In neuester Zeit begegnen Staaten – auch Deutschland – solchen öffentlichen Fragen nach der Verantwortung von Regierungen und Behörden mit der Maßnahme, Archivalien mit Verschluss-Vermerken von bis zu 120 [! ] Jahren zu versehen. Eigentlich müssten da Historiker ganz laut aufschreien. Warum sie es nicht tun, verstehe ich nicht.
In vielen Fällen haben sich „Verschwörungstheorien“ als wahr erwiesen – z. B. in der Frage zwischen Verbindungen der rechten Szene zu Organisationen von Angehörigen der Ordnungskräfte fast aller Länder. Oder in der Aufklärung von vorgeschobenen Kriegsgründen, wo sich in der Rückschau sehr oft herausstellt, dass der „Kriegsgrund“ ein Propagandatrick war.
Ich betrachte die Wendung des Wortsinnes von „Verschwörungstheorie“ als Teil wünschenswerter politischer Kritikfähigkeit und Kritikwillens, wie sie Demokratien kennzeichnen sollten, in einen als „rechts“ klassifizierten Bereich für einen Propagandaerfolg der Herrschenden.

Panische Kakophonie

Der verlinkte Text mag von manchen als unangemessen ironische, wenn nicht sogar sarkastische Anmerkung empfunden werden. Da die Regierung Deutschlands zur Pandemie bisher keine besseren, präziseren und überzeugenden Aussagen trifft, als die täglichen Lageberichte des Robert-Koch-Instituts werde ich auch weiterhin an eine umfassende Bedrohung apokalyptischen Ausmaßes nicht glauben und eine politische Instrumentalisierung von COVID 19 unterstellen. Nicht die Skepsis muss ihre Berechtigung nachweisen, sondern die Regierenden haben ihre Maßnahmen zu legitimieren. In Demokratien gibt es dazu gängige Verfahren. Unbeschränkte Ermächtigungen für einen Gesundheitsminister gehören nicht dazu!!

Panische Kakophonie

Sachinformation zu COVID 19

Über den Mail-Verteiler des Freidenker-Verbandes hat mich diese Information erreicht zu Möglichkeiten des Infektionsschutzes und der Früherkennung einer durch den neuen Virus entstehenden Lungenentzündung.
Ich möchte dieses Info zur Kenntnis geben mit dem Hinweis, dass die dort aufgeführten Maßnahmen das Gebot der körperlichen Distanzierung NICHT aufheben oder überflüssig machen, sondern zu einem besseren Schutz aller Menschen beitragen können.

COVID 19 INFO

Sprachkritik

Als ich in meinen ersten Dienstjahren als Lehrerin in der Grundschule, Klassenstufe 1./2., meinen „Grammatik-Unterricht“ auf das theoretische Konzept Chomskys von der generativen Transformationsgrammatik aufbaute – nicht allein ich, sondern viele „moderne“ Lehrer nahmen damals eine auf dieser Theorie fußende Grammatik zur Hand – kreideten mir meine Vorgesetzten das an. Einer von ihnen, ein Schulrat, „testete“ das Sprachvermögen meiner Zweitklässler mit folgender Aufgabe: „Leiter, Fritz, Korb, Apfel, holen. Bringe diese Wörter in einem Satz unter.“ Das geht. Z. B. so: Fritz geht in den Obstgarten, stellt seine Leiter an, holt einen Apfel und legt ihn in seinen Korb. Die 4 Substantive in einem Satz unterzubringen, der von einem einzigen Verb regiert wird – ist das zu schaffen? Wie?
Über ausformulierte Vorschläge meiner Leser würde ich mich freuen. Ganz besonders über solche, die das allein mit dem Verb holen und den angegebenen Substantiven schaffen. Ich bitte dazu um eine kurze Angabe, welcher Zeitaufwand für den hoffentlich erfolgreichen Versuch nötig war. Wenn mir langweilig ist, beschäftige ich mich manchmal des Spaßes halber mit dieser oder ähnlichen Aufgaben.

Ein aktuelles Ergebnis eines solchen Versuchs habe ich in der Tageszeitung gefunden. „Nach Kritik am System wurde die Liedermacherin zur Ausbürgerung gezwungen.“ [Nordbayerischer Kurier, 12. März 2020, Seite 11, Bettina Wegner für ihr Lebenswerk geehrt]
Man kann Liedermacherinnen, Beschäftigte, Autofahrer zu allerhand zwingen: zum Singen, zum Arbeiten, zum Bremsen.
Bei den ursächlichen Angaben für diese Ausübung von Zwang wird es schon schwieriger. Wer oder was zwingt Liedermacherinnen zum Singen, Beschäftigte zum Arbeiten und Autofahrer zum Bremsen? Vielleicht das Talent, die Notwendigkeit oder ein Reh.
Kann man Bewohner eines Staates zur Ausbürgerung zwingen? Grundsätzlich nicht. „Ausbürgerung“ bezeichnet einen hoheitlichen Akt eines Staates.

Der zitierte Satz ist Nonsense.

Journalisten, deren Sprachvermögen vermutlich auf intimer Kenntnis der Grammatik des Lateinischen beruht, bringen so etwas jedoch zustande. „Nach Kritik am System“ ist eine grammatikalisch ebenso korrekte Reihung von Wörtern wie „Nach Kritik am Toilettenpapier“ oder „Nach Kritik am industriellen Landbau“ oder „Nach Kritik an Charlys Tante“…. obwohl eine Formulierung, die einen zeitlichen Ablauf nahelegt statt eine Ursache, den Kern der Sache nur am Rande trifft.
Selbstverständlich kann der Anonymus, der sich hinter der Passiv-Konstruktion versteckt, das Objekt „Liedermacherin“ zu allerhand zwingen: zum Singen, zum Springen, zum Juchzen, auch zur Ausreise. Zur Ausbürgerung kann aber kein Individuum gezwungen werden, denn dieses Wort beinhaltet die Existenz eines handelnden Staates und ein bestimmtes Tun dieses Staates: das Ausbürgern. Bürgerin kann dieses Tun an sich selbst nicht vollziehen.

Wisst ihr jetzt, wozu man die generative Transformationsgrammatik benutzen kann? Zur Aufdeckung von Sinn und Unsinn. Meine Annahme: Der kritische Geist der Wissenschaften mit Sitz in Noam Chomskys Hirn hat sie genau zu diesem Zweck erfunden. Wer sich nicht veräppeln lassen will von der Sprache der angeblich Gebildeten, die zwar die Rechtschreibung beherrschen aber nicht die Sprache, der muss Techniken anwenden, die auf Noam Chomskys Theorie gründen.

Das brennende Haus

Ich habe einen Text wiedergefunden, den ich vor Jahren verfasst habe – vor allem für Fans revolutionärer Umbrüche. Seit 1989 gibt es solche nämlich in wachsender Zahl. Sie bedenken nicht mehr, dass Umbrüche in aller Regel mit Verlusten an Menschenleben verbunden sind und mit großer materieller Unsicherheit. Auch dann, wenn man auf Guillotinen verzichtet. Visionäre Hoffnung ist nur eine Seite, eine Perspektive auf die möglichen Ereignisse. Diese sind nämlich unkontrollierbar.

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