Gläubige Linke

Anders als viele Coronagläubige verwende ich zur Kennzeichnung argumentfreier Diskussionsbeiträge nicht die von der Bundeszentrale für politische Bildung empfohlenen Kategorien wie „Whataboutism“, „Verschwörungstheorie“, oder den Missbrauch des Wortes „Relativierung“ als moralische Kennzeichnung. Ich beschimpfe auch niemanden im Stil von Wortprägungen wie „Covidiot“. Während die katholische Kirche „relativ“ klare Regeln für den Ausschluss aus Glaubensgründen hat, merken dank Corona viele Menschen, die sich selbst als links bezeichnen, nicht mehr wie gläubig sie die Angst gemacht hat.

Nach Meinung einiger Psychologen und Psychiater war Angst schon immer Auslöser für die Entwicklung von Mythen und religiös begründeter Hoffnung. Deshalb darf von mir aus jeder gläubig sein, der sich der nicht widerlegbaren Tatsache stellt, dass der Umfang seines und des gesellschaftlichen Wissens nicht genügt, die eigenen Probleme zu lösen. Die der ganzen Menschheit und des Planeten erst recht nicht. Es gibt viele gläubige Menschen, die sich für den Frieden einsetzen, für eine intakte Umwelt, die Gleichberechtigung aller vorstellbaren Geschlechter etc.. Unter ihnen sind anerkannte Naturwissenschaftler ebenso wie einfache Menschen, die auch ohne Kenntnisse der Psychologie Frauen und Kinder prinzipiell nicht schlagen. Dagegen ist nichts zu sagen.

Dank Corona nimmt jedoch anscheinend die Zahl der Menschen zu, die sich zwar als links definieren, zum Hinterfragen aber nicht mehr fähig oder willens sind. Allem Anschein nach erweicht Angst die Hirne von früher in Sachen Materialismus durchaus engagierten Menschen nicht weniger als die der ganz gewöhnlichen Verängstigten. Bald werden sie unter Führung von K.K. dem Menschenfreund Bill Gates und seinen Kumpanen unter den obersten 100 der Weltgesellschaft vor Dankbarkeit nachkriechen. Schließlich bemühen sich letztere für schlappe 7,5 Milliarden des von uns Weltbürgern erarbeiteten Geldes um die Rettung der Menschheit durch einen Impfstoff, der voraussichtlich genauso wirksam sein wird wie alle anderen gut verkäuflichen Impfstoffe der Firmen an denen diese obersten 100 Anteile halten: Impfstoffe, die z. B. das Robert-Koch-Institut und ähnliche nicht empfehlen, weil sie überflüssig sind, unwirksam und für die menschliche Abwehr der meisten infektiösen Erkrankungen Hygienemaßnahmen, Distanz wahren und eine gesunde Ernährung völlig genügen, wie sich auch in der gegenwärtigen „Welle“ wieder zeigt.

Dumm ist nur, dass sehr viele Menschen kein sauberes Wasser haben, weil Leute mit Angst vor Bazillen es ihnen wegnehmen, portioniert und abgepackt in Plastikflaschen durch die Fa. Nestlé. Entschuldigung. Natürlich verwendet Nestlé für zahlungskräftige Moralbürger Glasflaschen. Die Menschen ohne sauberes Wasser verfügen oft auch nicht über die materiellen Mittel, die es ihnen ermöglichen, sich ausreichend und gesund zu ernähren. Lt. FAO haben 820 Mio. Menschen nicht genug zu essen, Tendenz wieder steigend. Aus diesen beiden Gründen -schmutziges Wasser und zu wenig Brot – werden viele Menschen zu Opfern von Krankheiten, denen ihre Immunabwehr nicht angemessen begegnen kann, häufig sogar von Krankheiten, die nachweislich sogar durch verschmutztes Wasser und verschmutzte Nahrungsmittel ausgelöst werden. Da werden Viren nicht einmal gebraucht. Hilft da Impfen?

Ich relativiere. Ich setze die Zahl der vorgeblich vor dem sicheren Corona-Tod bewahrten Menschen in Beziehung zur Zahl derer, die zwischenzeitlich eine aufgeschobene Operation nicht mehr erlebt haben; aus ungeklärter Ursache an irgend etwas anderem gestorben sind; Kindern, die der Gewalt in der Familie nicht mehr entkommen können; Menschen, die sich selbst töten, weil sie die eigene Lage nicht mehr verstehen und nicht wissen, was als nächstes zu tun wäre.
Was ein Mensch aushält, das wissen die von den obersten 100 bezahlten Herrscher über die Petrischalen und die Versuchsmäuse angeblich ohne Untersuchung der Auswirkungen am Menschen selbst z. B. durch Obduktionen oder Reihenuntersuchungen von Menschen. Die Profiteure haben sie beauftragt bzw. ermächtigt Schadstoffgrenzen auszuwürfeln, hormonell wirksame Hautcremes zu erfinden, Arbeitsschritte der Landwirtschaft durch Streuen von Glyphosat zu ersetzen, die Flüsse durch nicht abbaubare Stoffe zu verunreinigen, drohenden Krankheiten mit unerprobten Mitteln zu begegnen und zu vielem anderen mehr.

Um zu erkennen, dass der von künstlichen Stoffen beglückten Welt langsam aber sicher die Luft ausgeht, haben Menschen mit linkem Anspruch fast 50 Jahre gebraucht. Vermutlich mit der alleinigen Begründung, dass man ohne weißen Kittel unmöglich wissen kann, was Elemente sind, welche davon Mensch zum Überleben braucht, dass sie nur in begrenzter Menge vorhanden sind und nur in bestimmten Formen von menschlichen Körpern verarbeitet werden können. Für die Menschen macht es einen Unterschied, ob Sauerstoff als O vorliegt, als O2 oder als O3. Manche versteigen sich sogar zu der Aussage, wer solches behaupte sei ein Esoteriker, ein Globulist oder sonst irgendwie verdächtig. Hinreichend für einen solchen Vorwurf ist gegenwärtig schon der von mir bisher für politisch harmlos gehaltene Hinweis, dass bei kratzigem Hals Gurgeln mit Kamillentinktur hilft und, dass man für die meisten Alltagswehwechen mehr als einen Kräutertee nicht braucht – mit großer Wahrscheinlichkeit keines der Produkte braucht, die mit leichten Risiken für die Anwender von den Herstellern Roche, Pfizer, Bayer, GSK und anderen profitträchtig in den Handel gebracht werden.

Das Ausmaß wird unerträglich mit dem mittlerweile gebildete Menschen sich zwar nicht mehr vorm nackten Kaiser verbeugen, aber dafür vor jedem Schwachmathiker mit akademischer Berufsausbildung und Laborkittel. Kritik an den Weisheiten solcher Halbgötter gilt neuerdings als Frevel an der Wissenschaft selbst. Glücklicherweise schützt mich mein fortgeschrittenes Lebensalter davor, die Folgen dieser wissensfreien aber dafür tief empfundenen Mitmenschlichkeit ausbaden zu müssen.

Die Anfänge der Corona-Krise

Zeitzeugendokument

Weil man nicht weiß, wie sie weitergeht – auch Virologen haben keine Kristallkugeln, sie tun nur so – habe ich den Einstieg in Deutschland zusammengefasst. Warum? Man kann es im Vorwort lesen.

zum Text

Wanderlust

Buchtipp

Weil ich selbst gerne gehe, am liebsten auf zwei Beinen die Welt erkunde, reizte mich der Titel eines Buches, das schon im vergangenen Jahr 2019 bei Matthes und Seitz in deutscher Übersetzung erschienen ist: Wanderlust – Eine Geschichte des Gehens von Rebecca Solnit.

Rebecca Solnit spannt einen großen historischen Bogen von den Knochenfunden, die vom Beginn des aufrechten Gangs der Menschen zeugen bis hin zum bewegten Stillstand der Körper auf den heute üblichen Laufbändern zur planmäßigen Ertüchtigung der Körper von Menschen, die fast immer sitzen. Die Lektüre ist mir nicht immer leicht gefallen. Die Fülle der Zitate berühmter Autoren, die dem Gehen einen besonderen Sinn, eine besondere persönliche Bedeutung zusprachen hat mich überrascht und manchmal überwältigt. Erst im abschließenden Teil des Buches unter der Überschrift „Hinterm Ende der Strasse“ wurde mir deutlich, dass es der Autorin um die Darstellung einer menschheitsgeschichtlichen Entwicklung geht, die mit der im Gehen erworbenen Sonderstellung der menschlichen Spezies beginnt. Ihr gegenwärtig aufscheinendes Ende ist nicht zuletzt dem Umstand geschuldet, dass der zeitgenössische Mensch den ihn umgebenden geographischen Raum nicht mehr mit seinem eigenen Körper, seiner eigenen Tätigkeit in Beziehung setzen kann, dass ihm mit dem Verlust der körpereigenen Fortbewegung das Maß für die Welt abhanden gekommen ist.

Rebecca Solnit kommt im Kapitel „Aerobic-Sisyphos und die Vorstadtpsyche“ zu manchem vernichtenden Urteil über den gegenwärtigen Stand menschlicher Entwicklung, die einen verzweifeln ließen, würde die Darstellung der vollständigen Geschichte des Gehens nicht die Hoffnung nähren, dass auch diese Gegenwart nur eine der vielen Stationen auf einem Weg darstellt, dessen Ziel und Ende nicht absehbar ist.

Gesundheitsmarkt

In Zusammenhang mit der Coronakrise spielt der Problemkreis „Impfen“ eine große Rolle. Schon zu Beginn wurde nämlich von staatlicher Seite darauf hingewiesen, dass es voraussichtlich nötig sei, Schutzmaßnahmen über längere Zeit aufrechtzuerhalten, „bis ein Impfstoff gefunden ist“.
Das angeblich notwendige Warten auf einen Impfstoff bestimmt in Zusammenhang mit der Bedrohung durch eine Infektionskrankheit das Handeln der Regierenden. Den Prämissen dieser wichtigen Setzung „Wir warten auf einen Impfstoff“ gehe ich hier nach.

Repräsentative Coronastudie?

Beitragsbild: Screenshot vom 07.06.2020, 14:42


Allem Anschein nach haben Bundesministerium für Gesundheit, Charité in Berlin und weitere Partner mit Unterstützung von forsa begonnen, Probanden für die seit langem angekündigte repräsentative Studie zu gewinnen. Eine diesbezügliche Mail erreichte mich heute:
„Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung besser einschätzen zu können, hat das Bundesgesundheitsministerium einen Forschungsverbund aus forsa, der Charité Universitätsmedizin in Berlin und dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung beauftragt, zum ersten Mal eine umfassende, für die gesamte Bevölkerung repräsentative Untersuchung durchzuführen. Um die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Bevölkerung besser einschätzen zu können, hat das Bundesgesundheitsministerium einen Forschungsverbund aus forsa, der Charité Universitätsmedizin in Berlin und dem Ifo-Institut für Wirtschaftsforschung beauftragt, zum ersten Mal eine umfassende, für die gesamte Bevölkerung repräsentative Untersuchung durchzuführen. Im ersten Schritt werden dabei 30.000 Personen befragt.“

Ich bin gespannt, wie das Ergebnis sich darstellen wird. Ob die Bereitschaft groß ist, über eine Internetadresse unter dem Dach von forsa persönliche Auskünfte zu geben, die Vorerkrankungen, gegenwärtige Erkrankungen und psychische Befindlichkeit vor, während und in den vergangenen 2 Wochen der Corona-Krise betreffen? Zumal forsa in den Fragenkatalog neben den Daten zu Alter, Geschlecht, Einkommen auch noch eine Frage zur Parteipräferenz aufgenommen hat sowie einige Fragen zur Mediennutzung und Konsumverhalten vor, während und seit Corona.
Ich habe jedenfalls den Eindruck gewonnen, dass die Kosten des medizinischen Teils der Studie mit wirtschaftlich verwertbaren Auskünften zu Einkommen und Konsumverhalten bezahlt werden. Da wundert es mich auch nicht, dass die seit einigen Wochen angekündigte Studie einen so langen Vorlauf gebraucht hat. Es lebe die Freiheit der Wissenschaft!

Natürlich wird der Datenschutz gewährleistet. Wer sich durch die Fragen gequält hat, erwirbt evt. das Recht auf einen PCR-Test und einen Antikörper-Test im Juni und ebensolches im Juli.

Links:
Ifo-Institut: https://www.ifo.de/
forsa: https://www.forsa.de/
Charité -Universitätsmedizin Berlin: https://www.charite.de/

Schutz und Kontrolle

Je länger die Zeitspanne dauert, in der alles Erdenkliche zu meinem Schutz unternommen wird – ich befinde mich im „Risikoalter“ für eine durch einen Virus verursachte Erkrankung – desto verdächtiger wird für mich der Gebrauch des Wortes „Schutz“. Ich kann es einfach nicht trennen von den sog. W-Fragen. Wer schützt wen, wovor, warum, wann?

Ein wesentliches Ziel von Erziehung ist es doch, junge Menschen dazu zu befähigen, achtsam zu sein.

– Sie müssen lernen, ihre eigene Befindlichkeit wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf andere einzuschätzen
– Sie müssen lernen, die Befindlichkeit anderer wahrzunehmen und in ihrer Wirkung auf sich selbst einzuschätzen
– Sie müssen lernen ihre eigenen Interessen wahrzunehmen und die anderer, damit sie im gesellschaftlichen Leben eine Entscheidung darüber fällen können, ob sie die eigenen durchsetzen wollen oder die anderer respektieren.
– Sie müssen lernen reale, materiale Risiken wahrzunehmen und einzuschätzen: die Hitze der Herdplatte, die Höhe der Leiter, die Tiefe des Wassers…

Das Be-schützen beinhaltet Handlungen, die einen noch unmündigen jungen Menschen vor Risiken bewahren, die er noch nicht übersehen kann. Tagtäglich müssen Erziehende darüber entscheiden, in welchem Umfang das Beschützen notwendig ist und welche Handlungen es am besten unterstützen, wenn gleichzeitig dem Prozess der Verselbständigung des Einzelnen entsprochen werden soll. Wenn staatliche Instanzen den Anspruch anmelden mich, eine Erwachsene, eine sog. mündige Bürgerin beschützen zu wollen, schrillen bei mir die Alarmglocken.