Der neue Landgraf

Landgraf

ANGESICHTS DER ERINNERUNGSSCHWEMME DIESER TAGE

Wir werden gegenwärtig mit Darstellungen förmlich überschüttet, die daran anknüpfen, dass ein friedliches Volk eine Mauer zum Einsturz bringt.
Fast alle Menschen, die ich kenne, sind mit so gut wie allem in höchstem Maß unzufrieden: mit dem Lohn, mit der Qualität der Lebensmittel, mit den Preisen für Wohnung und Straßenbahn, der Größe der Kindergartengruppe ….
Bilder wie das obige sieht man nicht!
Niemand muss sich den herrschenden Zuständen beugen! Allerdings sind dafür Anstrengung und aufrechter Gang nötig. Wer in den Kriechgang schaltet ist – trotz allem – in einem gewissen Maß selbst schuld. Ist irgendwie seltsam, darauf in einem Volk hinweisen zu müssen, das – wie uns allen in den letzten Tagen rund um die Uhr erzählt wird – friedlich eine Mauer zum Einsturz brachte.
Für seine materiellen Rechte muss man in kapitalistischen Staaten kämpfen. Man darf dafür in Schaufenstern jede Menge Dinge sehen, die man sich nicht leisten kann. Das wird dummerweise häufig mit „Freiheit“ verwechselt.
Bis 1989 herrschte in einem Teil dieses Landes eine andere Situation: Was man sehen konnte, konnte man sich auch leisten. Es war halt nicht viel. Vielen war es nicht genug. Dass es keinen Kaffee gab, ist ein Gerücht. Er war nur leidlich fair gehandelt und man konnte ihn sich deshalb nicht jeden Tag leisten.
Jetzt sieht man mehr in den Schaufenstern, die sogar nachts beleuchtet sind. Zumindest in den Städten. Dafür gibt´s auf dem Land in West und Ost keine Geschäfte mehr, und man muss böse sein und im Internet bestellen, evt. sogar bei „amazon“, und sein Fleisch bei Aldi kaufen.
Es gibt keinen Kindergartenplatz und auch keinen Verantwortlichen des Betriebs der Kontakt zu den Rentnern hält. Die Wohnung verschlingt die Häfte des Verdienstes. Essen gibt´s ab dem 20. bei der Tafel. Wer Licht zum Lesen braucht, stellt sich mit dem Buch vor ein Fenster von Karstadt, dann braucht er nicht einmal Strom. Das taugt auch.
Man hat´s 1989 so gewollt!
Niemand in meiner Ost-Verwandtschaft hat geglaubt, dass Herr Schnitzler oder ich über den Kapitalismus die Wahrheit erzählen. War alles „Propaganda“ – denn wo´s Bananen gibt, ist gut sein.
Und die im Westen haben auch gefeiert – zumindest so lange in ihrem Betrieb niemand neu eingestellt wurde, der sich zu laut darüber freute, was er sich mit 1,50 Mark weniger in der Stunde als sein Kollege jetzt alles leisten konnte.

Menschlich? Unmenschlich? Mitmenschlich?

 

 

Laut Duden gibt es zum Wort `unmenschlich´ im Deutschen Komparativ und Superlativ. Der Duden kennzeichnet `unmenschlich´ als emotional aufgeladenes Wort. Menschen, die gerne die Wörter „menschlich“ und „unmenschlich“ gebrauchen, neigen nach meiner Beobachtung zu Schwarz-Weiß-Wahrnehmung und zu einem Empörungsmodus, der nicht notwendigerweise in einen Willen zur Veränderung mündet.

Obwohl alljährlich in Deutschland mit geringfügigen Schwankungen ca. 350 – 400 Menschen durch Tötungsdelikte umkommen, stehen vor allem die Anschläge gegen Leib und Leben im Fokus der öffentlichen Debatte, die `politisch´ motiviert sind. Es scheint menschlicher zu sein, einen Mitmenschen aus Eifersucht ums Leben zu bringen als einen politischen Gegner zu ermorden oder im Zustand der Nichtzurechnungsfähigkeit einen Kontrahenten zu Tode zu prügeln.

Unmenschlichkeit trägt vieleZüge. Für manche beginnt sie bei einem zornig gesprochenen „Halt´s Maul!“ als Ausdruck eines Mangels an Einfühlungsvermögen. Sie reicht von Totschlag im Affekt bis hin zu geplanter Tötung aus materieller Gier. `Rechtsstaaten´ genannte Gesellschaften verknüpfen Formen individueller unmenschlicher Praxis mit Begriffen des Strafrechts. Wer sich nicht an das gesetzte Recht hält, gesetzt vom Senat Roms, dem Kaiser des Heiligen Römischen Reichs deutscher Nation oder von der CSU, der muss bestraft werden.

Offensichtlich lässt sich aber Unmenschlichkeit weder durch das Strafrecht noch durch Verfassungen aus der Welt schaffen. Immer wieder werden Menschen zu Unmenschen. Individuell und kollektiv.

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Ungenügende Trennschärfe

Die Neigung, alles was einem nicht gefällt mit ganz starken Worten zu kennzeichnen, führt selten zu einer Veränderung der kritikwürdigen Zustände. Im Gegenteil. Wer unablässig „Wolf!“ schreit, kann dessen Annäherung nicht mehr wahrnehmen. Wirte, die Zigeunerschnitzel auf die Speisekarte setzen , Menschen, denen Geflüchtete Angst machen, fremdenfeindliche Brandstifter, alles Nazis?

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Inhalte und/oder Personal?

Nach den beiden ersten von 3 Landtagswahlen in sog. „Ost-Ländern“ ist die Partei DIE LINKE auf der Suche nach Ursachen für unerwartete Verluste an Stimmenanteilen. Dazu will ich als ehemaliges Mitglied einen Beitrag leisten. Dabei bemühe ich mich, Inhalte und Personen miteinander zu verknüpfen, denn es ging in den letzten Jahren (seit 2015) wirklich nicht allein um einen „Zickenkrieg“, wie von vielen unterstellt wurde, für die das einheitliche öffentliche Bild einer Partei unerlässliche Voraussetzung politischen Erfolgs ist.

Inhalte und/oder Personal?


science?fiction?

A – Data

Fans von Science Fiction Literatur und Filmen kennen „Data“, einen Androiden auf dem Raumschiff Enterprise. In Zusammenhang mit dem Stichwort „Künstliche Intelligenz“ tauchen immer öfter Vorstellungen auf, die dem Leser suggerieren, ein Android sei so eine Art Mensch, quasi unterstützt durch eine Denkmaschine, die geeignet ist, seine Denkleistungen ins Unermessliche zu steigern. Ein Übermensch. Eine vom Menschen selbst hervorgebrachte neue Art.

B – Ein Produkt der Gentechnik

Reproduktions- und Gentechnologie lassen für manche die Hoffnung keimen, es könne zukünftig Menschen geben, die 250 Jahre alt werden und in diesem Alter gesund sterben, weil es gelungen ist die Alterung abzuschalten. Warum aber sollten sie sterben, wenn sie gesund sind? Auch diese Zukunftsvorstellung spricht von der Erzeugung einer neuen Art durch den Menschen selbst. Zu den mentalen Fähigkeiten dieser neuen Art sind mir noch keine Äußerungen bekannt geworden, denn offensichtlich wurde ein „Intelligenz-Gen“ bisher nicht identifiziert.

C – Frankenstein erinnernd

Mary Shelleys Roman „Frankenstein“, erstmals veröffentlicht 1818, entwarf in einer Zeit, die von einer enormen Erweiterung naturwissenschaftlich-technischer Möglichkeiten durchdrungen war, die Geschichte eines Fehlversuchs in der Neukonstruktion des Menschen durch den Menschen selbst. Die Fragestellung ist also 200 Jahre später nicht wirklich neu.
Neu ist, dass reale Versuche zu Ergebnissen führen könnten, die – geplant oder zufällig – die Grenzen der heute lebenden Gattung Mensch überschreiten. Wenn diese zukünftigen Homunculi, gleich welchen Ursprungs, Menschen sind – werden sie die verbleibenden Reste der früheren minderwertigen Art vernichten, in Zoos und auf Jahrmärkten ausstellen oder artgerecht halten, füttern und mit geschriebener Sprache geistig rege halten?
Könnten sich die homunculi zweierlei Ursprungs als Rassisten erweisen, die im jeweils anders entstandenen keinen Menschen erkennen, sondern eine andere, eine minderwertige Ausprägung der Gattung „homo sapiens neo“? Steht irgendwo geschrieben, welche Züge der „neue Mensch“ vom alten übernimmt und welche er zu unterdrücken sucht? Werden die zukünftigen Kriege menschlicher sein, weil sie homunculi zerstören und keine richtigen Menschen?
Wird der neue Mensch wirklich ein neuer sein, und nicht der gute bzw. böse alte, der uns gegenwärtig Lebenden vertraut ist?
Ich persönlich würde die mögliche Entstehung eines „neuen Menschen“ lieber zukünftigen Zufällen überlassen als dem naturwissenschaftlich-technischen Denken der doch eher beschränkt zu nennenden gegenwärtig existierenden Gattung.