„Querfront!“

eins links, eins rechts und quer

Die zitierte Sentenz von Ernst Jandl hat derzeit Hochkonjunktur im Feuilleton und auf T-Shirts. Auf letzterem begegnete sie mir am vergangenen Wochenende im Rahmen eines Parteitags der LINKEN, seltsamerweise ohne die letzte Zeile. Da bin ich gestolpert.

Während der 3 Lebensjahre, die ich in der Oberstufe eines deutschen Gymnasiums der Typklasse G9 verbrachte, hasste ich die Aufgabenstellung „Interpretation“. Bald 50 Jahre später sehe ich mich genötigt, eine zu verfassen. Anders als „Ottos mops trotzt“ geht „lichtung“ über das Sprachspiel hinaus und verweist auf die Möglichkeit und Notwendigkeit von Unterscheidungen und ihren Grundlagen in einer demokratischen Debatte. Wer die letzte Zeile einfach weglässt, läuft Gefahr der dogmatisierenden Reinkultur eines der beiden Enden oder Pole zu erliegen.

Das Bändchen

Kinder, die auf die Welt kommen, kennen keinen Unterschied zwischen links und rechts. Sie erwerben diese Unterscheidungsfähigkeit   in mehreren Stufen. Weiterlesen „„Querfront!““

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Rassismus – wo fängt er an?

Vorsicht: Das von pixabay heruntergeladene kostenlose Bild  zu diesem Beitrag arbeitet mit bildlichen Rassestereotypen! Ich habe lange überlegt, ob seine Verwendung moralisch vertretbar ist. Das Bild ist unter dem Namen „continents“ veröffentlicht. In welcher Beziehung die verwendeten Stereotype zu den Kontinenten und ihren Bevölkerungen stehen ist unklar. Deshalb nehme ich mal an, seine Verwendung ist gerechtfertigt.

oder

Hätte man Darwins Forschung und Theorieentwicklung vielleicht verbieten müssen?

Das Unterscheiden ist die Mutter jeglicher Wissenschaft. Manche Menschen können allerdings Differenzieren (Unterscheiden) nicht von Diskriminieren (Abwerten, Herabsetzen) unterscheiden.

Weiterlesen „Rassismus – wo fängt er an?“

Volksabstimmung zum Grundeinkommen

Auch unsere Lokalzeitung hat in Zusammenhang mit der Volksabstimmung in der Schweiz das Thema aufgegriffen. Nachdem sie dazu dann oft auch „Experten“ von  der Bayreuther Uni befragen: Prof. Dr. David Stadelmann hat ein „Grundkapital“ von 20 000 € vorgeschlagen, das an 18-jährige vom Staat ausgeschüttet wird. Der Weg vom Tellerwäscher zum Millionär soll dadurch kürzer und einfacher werden und nach dem Motto „Wer hat, dem wird gegeben“ ist Reichtum unausweichlich, wenn man damit „richtig“ umgeht.

Hier mein Leserbrief.

Braune Torten

Sagt Ihnen das eigentlich was – „antideutsch“? Welche Inhalte verstecken sich hinter Webauftritten wie „Straßen aus Zucker“ oder „Pension Abgrund“? Welche Bedeutung, welche Folgen hat der Tortenwurf von Magdeburg? Welche Fragen stellen sich danach?

Ein Versuch, Antworten zu finden: Braune Torten

 

 

Tortenlogik

Bildquelle: Divya KuduaFlickr: IMG_3481

Da ich nicht annehme, dass sich der Tortenwerfer auf dem Parteitag der LINKEN in die Tradition des Millowitsch-Theaters stellen wollte, empfiehlt sich schon die Frage „Warum?“. Es folgt der kurze Versuch einer Antwort.

Unter manchen Mitgliedern der LINKEN hat es sich eingebürgert, Reizwörter zur Unterscheidung von links und rechts zu verwenden, statt Inhalte. Da kommen dann solche Ableitungen zustande wie: S.W. unterscheidet Gastrecht und Asylrecht. Wer die Wörter Gastrecht und Missbrauch des Gastrechts verwendet, übernimmt rechten Sprachgebrauch, ist also rechts.

Es gibt bei dieser Einschätzung  offensichtlich Überschneidungen mit einer Gruppe von Mitgliedern, die sich für die folgende inhaltliche Ableitung begeistern: Es gibt einen Staat Israel. Da die Generation der Staatsgründer Israels von den Nazis verfolgt und weitgehend vernichtet wurde, sind alle nachgeborenen Bürgerinnen und Bürger des Staates Israel geborene Antifaschist*innen. Die Notwendigkeit einer Unterscheidung zwischen links und rechts ist deshalb bezogen auf den Staat Israel hinfällig geworden. Wer die Regierenden des Staates Israel als Nationalisten und Kriegstreiber bezeichnet, ist deshalb ein Antizionist. Wer ein Antizionist ist, ist ein Antisemit. Antisemiten sind Rassisten. Ergo: S.W. ist eine Rassistin, die eine Torte schon verdient hat.- Also natürlich auch rechts.

Sich eine komplexe Welt so einfach zurechtzulegen, halte ich tendenziell für nicht der Aufklärung, der Erhellung dienend, also nicht für links.  Eine solche Kette von Vereinfachungen versucht eine ökonomisch bewanderte und überzeugte Kritikerin des Kapitalismus moralisch zu desavouieren, in die Schmuddelecke zu stellen, mit dem Label „Querfront“  zu versehen und dem Spaltpilz das nötige Wasser zuführen, damit sich der Fruchtkörper richtig gut entwickeln kann. Wie immer wäre die erste Frage: Zu wessen Nutzen? Ich kann und will  mir  diese Frage nicht abgewöhnen.

Vermutlich hat Jens Mertens Recht, der schon 2010 schrieb: „Denn für die Regierungsfähigkeit auf Bundesebene müssen zwei inhaltliche Grundpfeiler der Partei geschliffen werden. Einerseits ihre Ablehnung zu Auslandseinsätzen der Bundeswehr und andererseits ihre Ablehnung zu einer EU neoliberaler Ausprägung, wie sie in dem Lissabonvertrag festgeschrieben wird.“ Selbst handfeste Mesalliancen scheinen dabei für manche Pragmatiker*innen nicht tabu zu sein.

 

 

Verdächtig?

Wer gegenüber kritischen linken Wissenschaftlerinnen und  Wissenschaftlern einen Vorwurf daraus konstruiert, dass diese irgendwann vor vermeintlich oder vermutlich Rechten referiert haben sollen, will im Grunde dafür sorgen, dass sich Linke in Hinterzimmern ihrer selbst vergewissern, statt mit ihren Argumenten in die gesellschaftlichen Auseinandersetzungen einzugreifen.

Irgendwie erinnert mich das an „Spiel nicht mit den Schmuddelkindern“. Wer definiert, wen man als Schmuddelkinder zu betrachten hat? Eine Horde anonymer Denunzianten, die im Netz als „Pension Abgrund“ firmiert?  Solche Kontrolleure machen Staats- und Verfassungsschutz überflüssig.

Gefährlich wird es, wenn sich anschließend auch noch evt. Entscheidungsbefugte auf solche  „Quellen“  stützen.

(Bezug und Quelle siehe: Bitte um Ausladung einer Referentin )

Warum wählen sie rechts?

Vor allem in Gegenden mit anhaltend hoher Arbeitslosigkeit wie z. B. Bitterfeld fuhr am vergangenen Wochenende die AfD  Spitzenergebnisse ein. Nicht nur das: Sie schaffte es Wähler zu mobilisieren, die trotz allen Bemühens in den vergangenen Jahren von der LINKEN nicht angesprochen werden konnten, die sich aufs Nichtwählen verlegt hatten.

Mein Aufsatz dazu knüpft an unserem Verständnis von der menschlichen Arbeit an und dem Wunsch fast aller Menschen, zu arbeiten. Die Ausschüttung von Lohnersatzleistungen ist für die meisten keine befriedigende Alternative, selbst wenn die gezahlten Beträge hoch genug wären. Warum ist das so? Warum wählen Menschen rechts, die möglicherweise gar nicht rechts sind, sondern nur eines wollen: existenzsichernde Arbeit.

Meinen Text sehe ich auch als einen Beitrag zur Strategiedebatte der LINKEN. Den von Oskar Lafontaine auf den Nachdenkseiten hergestellten Bezug zur Flüchtlingsproblematik [http://www.nachdenkseiten.de/?p=32210#more-32210] sehe ich nicht. Es ist Zeit, wieder einen Bezug zur Arbeit und den arbeitenden Menschen herzustellen, das Recht auf Arbeit ins Zentrum zu stellen – nicht das Recht auf  bessere Lohnersatzleistungen, das Recht auf Faulheit oder ein bedingungsloses Grundeinkommen.

Welchen Inhalt müsste eine linke Alternative transportieren, die keine halbseidenen Kompromisse eingeht? Dazu mache ich einen Vorschlag.

Der Wert der Arbeit_fin