Visionäre

Die Zahl der Befürworter eines BGE steigt. Warum?
Weil den Menschen mit Bleistift und oder Taschenrechner nicht mehr getraut wird. Die Vielzahl der  überschlägigen Finanzierungsmodelle spielt kaum noch eine Rolle. Banale rechnerisch gestützte Überlegungen sind hinfällig geworden.
Niemanden interessiert mehr, was eigentlich dabei herauskommt, wenn man allen deutschen Einkommensmillionären und Milliardären ihr ganzes jährliches Einkommen wegnimmt und es auf 83 Millionen Menschen verteilt. Es geht nur noch ums Prinzip:
»Um was es in der Sendung eigentlich ging. Abhängigkeit (HartzIV) versus Unabhängigkeit (BGE) Schuld (Arbeitslosigkeit) versus Sühne (Sanktionen) also typisch konservative Beurteilungen gemäß jüdisch-christlicher Tradition; also ureigenstes CDU-Terrain.« [Zitat aus einem FB-Eintrag Betreffend eine Talkrunde der ARD zum Thema bedingungsloses Grundeinkommen. ] Die Antwort auf die Frage »Was muss einem Menschen, der 2018 in der BRD lebt an finanziellen Mitteln zur Verfügung stehen, damit gesellschaftliche Teilhabe gesichert ist« könnte phantasievoller gar nicht verweigert werden.
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Olle Kamellen?

Bild: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=335436

Die Arbeit ist die Quelle allen Reichtums und aller Kultur, und da allgemein nutzbringende Arbeit nur durch die Gesellschaft möglich ist, so gehört der Gesellschaft, das heißt allen ihren Gliedern, das gesamte Arbeitsprodukt, bei allgemeiner Arbeitspflicht, nach gleichem Recht, jedem nach seinen vernunftgemäßen Bedürfnissen.
[aus dem Gothaer Programm der SPD, 1875]

Ist dafür bedeutsam, mit welchen Werkzeugen gearbeitet wird?  NEIN!
Wird  diese Forderung erfüllt, indem man an alle eine festzulegende Geldsumme ausschüttet, die mit dem Ergebnis der Arbeit, der gesellschaftlichen Wertschöpfung, nicht in Beziehung steht?  NEIN!
Wird diese Forderung erfüllt, indem man die erzwungene Freisetzung von der gesamtgesellschaftlichen Arbeit als Zuwachs an Autonomie interpretiert?  NEIN!
Ist die Forderung nach Luxus für alle – z. B. jedem sein SUV – vernünftig? NEIN!

Erlösung durch technischen Fortschritt?

Beitragsbild: Johnny5_03.jpg -wikicommons / Roboterfigur aus dem Film „Nr. 5 lebt“

Utopismus vom Kopf auf die Füße gestellt

Seit wann sind eigentlich Art und Menge der in einer Gesellschaft verwendeten Werkzeuge Grundlage der POLITISCHEN Entscheidung, welches Ausmaß an sozialer Sicherheit und welchen Lebensstandard man welchen Menschengruppen zubilligt? Keine der technischen Entwicklungen seit der Entstehung des Ackerbaus hat die Tatsache aus der Welt geschafft, dass – mit wechselnden Anteilen – die einen sich zu Tode schuften und andere frei von Hunger „Kultur“ bilden, bestehend aus Heiligen Schriften, Grabmälern, religiöser Kunst und Palästen, deren Reste wir heute noch bewundern.
Mir fällt kein Grund ein, warum sich das unter den Bedingungen der Industrie 4.0 ändern sollte, wenn wir Menschen es nicht ändern.

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Was ist schon bedingungslos?

Ich weiß. Gerade in der Politik ist es weit verbreitet, Wörter ohne Bedeutung zu verwenden, einfach weil sie schön klingen, das Herz anrühren, der Persönlichkeit schmeicheln und v. a. m. .

Kaum zu überbieten ist allerdings die Gedankenlosigkeit der Befürworter eines sog. bedingungslosen Grundeinkommens. Mit diesem Text verabschiede ich mich deshalb aus einer gesellschaftlichen Debatte, deren inhaltliche Bedeutungslosigkeit infolge von Begriffsausweitung ins Grenzen-, Boden- und Uferlose  die Umsetzung meiner zwei grundlegen Kernforderungen für menschliche Gesellschaften massiv behindert.

Diese lauten:

Jeder, der Arbeit will,  muss eine Arbeit bekommen, die seinen Interessen und Fähigkeiten entspricht und ein auskömmliches Leben erlaubt.

Alle, denen die gesellschaftlich notwendige Arbeit eine Last ist, haben das Recht sie ohne Begründung zu verweigern  ohne ihr Recht auf Glück zu verlieren.

Beide Rechte müssen gesellschaftlich garantiert werden. Die aktuelle Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen missachtet das Recht derer, die eine Arbeit wollen, indem sie das Recht auf Arbeit ersetzt durch ein Recht auf Alimentation.

zum Text

Uns geht die Arbeit aus? – Eine Polemik

Angesichts der Tatsache, dass Politik immer mehr zu einem Geflecht punktueller symbolischer Handlungen verkommt, verbunden durch inhaltsleere Sprechblasen, muss ich einfach ein paar reale, konkrete, materielle Pflöcke einschlagen zu einer der gegenwärtig in den technisch fortgeschrittensten Industriestaaten weit verbreiteten Sprechblasen. Allerorten begegnet uns die Behauptung, dass uns die Arbeit ausginge. Sie wird mit einem hoffnungsvollen Unterton ausgesprochen, von denjenigen, die annehmen die technische Entwicklung werde uns von der Last der Arbeit befreien. Sie treibt aber auch Menschen, die an Arbeit gewöhnt sind in die blanke Existenzangst. Allein dieser Widerspruch könnte einen veranlassen, die Rede von der verschwindenden
Arbeit als Behauptung zu erkennen – nicht als Wahrheit, nicht einmal als hinreichend begründete Aussage. Misstrauen in dieser Hinsicht könnte schon meine Beobachtung wecken, dass sich IGMetall, der Industrieverband Gesamtmetall und die Initiative neue soziale Marktwirtschaft auf geheimnisvolle Weise darauf verständigt haben, dass „Uns geht die Arbeit aus.“ als unangefochtene Grundlage aller weiteren Debatten zum
Arbeits- und Sozialrecht zu gelten hat. Da lohnt es sich vielleicht doch, der Richtigkeit dieser Behauptung nachzugehen.

 

–> zum Ganztext

Leserbrief Grundeinkommen (2016)

Es sind überwiegend bildende Künstler, Schauspieler, Musiker, Autoren, die sich für ein
Grundeinkommen begeistern, denn es ist geeignet die Einkommensschwankungen abzufedern, denen die Menschen in diesen Berufen ausgesetzt sind. Der KURIER berichtete zur Situation von Schauspieler*innen in der selben Ausgabe.
Fast alle Menschen im erwerbsfähigen Alter wünschen sich aber weder Arbeitslosengeld I oder II noch ein Grundeinkommen. Sie wollen Arbeit, mit der sie, evt. auch Familie und Kinder, auskömmlich leben können. Sich selbst und Angehörige aus eigener Kraft ordentlich versorgen zu können, das ist ein wesentlicher Bestandteil des Selbstwertgefühls.
Die gegenwärtige Produktivität ließe es zu, die wöchentliche Normalarbeitszeit so weit
herunterzufahren, dass für alle ein existenzsichernder Arbeitsplatz da ist. Es ist die blanke Gier der Aktionäre und Spekulanten, die den Abbau von Arbeitsplätzen und ihren Umbau in Kleinstarbeitsplätzchen antreibt. Es gibt genug Arbeit, auch für weniger Qualifizierte. In Krankenhäusern fände man sicher deutlich weniger multiresistente Keime, würde annähernd so häufig und gründlich geputzt wie früher.
Früher sprach man von einem Gleichgewicht von Kapital und Arbeit.Davon kann nicht mehr die Rede sein. Menschliche Arbeit ist nichts mehr wert, nirgends, solange
die staatlichen Regeln der „Wirtschaft“ erlauben, die Konten des oberen Prozents allein durch grenzenlose Spekulation anschwellen zu lassen.
Das von Prof. Stadelmann vorgeschlagene Grund“kapital“ von 20 000 € – wie kommt er
ausgerechnet auf diesen Betrag? – ist eine realitätsfremde Schnapsidee, wie sie nur der
volkswirtschaftliche Mainstream an unseren Universitäten hervorbringen kann. Existenzgründer brauchen Geld nicht allein um Anfangsinvestitionen zu tätigen, sondern auch um magere, manchmal sehr magere, Anfangsjahre zu überstehen. 20 000 € sind ein Klacks! Heruntergerechnet auf Hartz-IV Niveau könnte man mit dieser Unterstützung nicht einmal 2 Jahre sein Leben fristen, bis der Laden „brummt“. Bis Neugründungen sich lohnen und die Gründerinnen tragen, dauert es in aller Regel um einiges länger!

Grundeinkommen – die Vierte

Bild: wikimedia commons

Bedingungslos? Systemüberwindend? Systemsprengend?

Entgegen den Annahmen ihrer Protagonisten  wirkt die  Forderung nach einem bedingungslosen Grundeinkommen entsolidarisierend. »Solidarität« ist Folge gemeinsamen Handelns in der Vertretung gemeinsamer Interessen – nicht immaterieller, moralischer  oder kultureller Wert, der Gesellschaften zu Gemeinschaften zusammenschweißt.

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