Begriffen Inhalt geben

Ich bin das gedanken- und inhaltslose Gerede vom angeblich bedrohlich gewachsenen Rassismus leid.
Im Folgenden mein Versuch dem INHALT dieses Wortes näherzukommen. Glaubt mir: Es hat einen. Der ist nur verschwunden, weil das Wort zum zentralen Kampfbegriff gegen eine Rechte verkommen ist, die man nicht als bürgerliche wahrnehmen will. Man muss die etablierten rechten Parteien gegen ihre Konkurrenz von weiter rechts schützen. Dahinter steht zu meinem Leidwesen die Vorstellung von einer äußerst unvollkommenen, einer exkludierenden Demokratie, die eben NICHT alle an Entscheidungen beteiligt, sondern nur »die Richtigen«: die Gebildeten, die sich als besonders verantwortungsbewusst begreifenden, die Demokraten, die genauso solche Demokraten sind wie man selbst – auf keinen Fall solche, die materielle Verteilung einforden, gleiche Teilhabe und gleiche Entscheidungsmöglichkeiten. Wer so etwas auch nur gedanklich ins Auge fasst wird gnadenlos ausgeschlossen. Man muss sich schon genau überlegen, wem Gedankenfreiheit zukommt und wem nicht! Ich nehme dazu drei abstrakte Begriffe her, die im politischen Feld zur Zeit große Bedeutung haben. Militarismus, Sexismus, Rassismus. Diese Begriffe sind sprachlich und inhaltlich ähnlich konstruiert. Obwohl einer von ihnen in der öffentlichen Debatte verkleidet daherkommt: der Militarismus. Den will man angesichts der angeblich wieder wachsenden russischen Bedrohung partout NICHT in gleicher Weise an den Pranger stellen.

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Offene Frage

Ich versuche zur Zeit herauszufinden, wer eigentlich die unteilbare Lawine losgetreten hat. 152 + x Vertreter der „Erstunterzeichner“ lt. eigenem Webauftritt haben sich kaum vor dem 03. September (Datum der ersten Pressemitteilung des Bündnisses lt. Pressemappe unter https://www.unteilbar.org/wp-content/uploads/2018/10/pressemappe.pdf) in einem Berliner Hinterzimmer getroffen.

Waren es die zwei Frauen, die lt. Pressemappe als Pressesprecherinnen fungieren? War es das Institut Solidarische Moderne ISM, das unter den Erstunterzeichnern zu finden ist und in Migrationsfragen  leicht mit der INSM (Intitiative Neue Soziale Marktwirtschaft) verwechselt werden kann? Irgendwelche wohlmeinenden offenen Bürger mit Geldbeuteln in gewöhnlicher Größe werden  ein so sorgfältig entworfenes, sicher nicht billiges Logo kaum in Auftrag gegeben haben. Unter den üblichen Verdächtigen der deutschen kritischen Szene fällt mir auch niemand ein, der bestrebt gewesen sein könnte, einen Aufruf zusammenzuschustern, der wegen seiner inhaltlichen „Fülle“ von der ganzen Welt unterschrieben werden könnte.
Wo haben sich die Vertreterinnen, Vertreter und Vertret**** denn getroffen, um diesen Aufruf untereinander abzustimmen? Wurde er überhaupt irgendwo von jemandem – einer „Keimzelle“ –  abgestimmt? Wie viele Mitglieder der angeblich 4500 Unterstützer-Organisationen haben von dem Tun ihrer gewählten, bestellten oder bezahlten Leithammel oder Vertreter***innen vor deren Unterzeichnung des Aufrufs etwas mitbekommen?

Kurz gesagt: Wer ist eigentlich das „WIR“ das mit folgenden Zeilen „über uns“ an die Öffentlichkeit getreten ist:
„Über uns…
Wir sind ein breites Bündnis für eine vielfältige, freie und solidarische Gesellschaft.
Die derzeitigen Angriffe auf Menschenrechte, Religionsfreiheit und Rechtsstaat sehen wir mit großer Sorge.
Wir lassen nicht zu, dass Ausgrenzung und Menschenverachtung gesellschaftsfähig werden.
Gemeinsam stellen wir uns gegen Diskriminierung, Verarmung, Rassismus, Sexismus, Entrechtung und Nationalismus.
Wir sind viele. Mit einer Großdemonstration am 13. Oktober 2018 setzen wir in Berlin ein Zeichen. Lasst uns gemeinsam stark und laut sein für eine offene, freie Gesellschaft und für soziale Gerechtigkeit.
Wir machen weiter. #unteilbar soll Basis für weitere gesellschaftliche Interventionen sein.“

Kennt jemand einen oder ein paar der Köpfe, die dieses „uns“ ganz am Anfang konstituiert haben?  Waren es vielleicht ein paar politische Köpfe  wie derjenige, der sich auf FB so zu Wort gemeldet hat?

Gemeinschaft

Gibt es bekannte Finanziers dieser „offenen Gesellschaft“? Dieser Begriff legt nahe, dass es welche gibt. Wenn sich ohne Kontakt zu den Betreibern digitaler Medien mit einer Nachfrage, wer denn „unteilbar.org“ angemeldet hat, keiner finden lässt, werden es wohl die Russen gewesen sein. Hoffentlich sind am letzten Samstag nicht verkündet 240 000 Menschen den Falschen nachgelaufen.

Politisch?

1966 ff. habe ich mich nach Kräften bemüht, einen käuflichen militaristischen, autoritären Kumpan von Krauss-Maffei, Faun, Diehl und der industriellen Fleischproduktion zunächst als Landesvater, später als Bundeskanzler zu verhindern.

Ich kann mich 2018 einfach nicht dazu durchringen, mich mit dem Schlachtruf „gegen rechts“ an die Seite derer zu stellen, die sein Erbe angetreten haben und die deutschen Zustände zu „unserer“ Demokratie verklären. Das alles bloß um ihre eigene Herrschaft gegen die Konkurrenz im gleichen politischen Angebotssegment zu behaupten.

Meine Entscheidung mag sich als falsch herausstellen. Mit diesem Risiko glaube ich leben zu können. Ich bleibe dabei: „Rechts“ beginnt nicht mit Gauland, Höcke, Storch und Weidel sondern mit Draghi, Juncker, von der Leyen, Merkel, und Scholz.
Während jede an den Jargon der Nazis anknüpfende Worthülse einen Sturm der Entrüstung auslöst, bereitet Flinten-Uschi  gegenüber Russland praktisch und verbal den präventiven Erstschlag vor. – Und kaum einen scheint´s zu stören.

 

 

 

L´optimisme

»Ich war jetzt ein paar Jahre nicht in Urlaub, weil ich gespart habe. Heuer geht´s 3 Wochen nach Mexiko zum Wale gucken. Wer weiß wie lange es sie noch gibt.«

Eine Nachbarin in Deutschland, etwa im Jahre 2013 n. C., ca. 160.000 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten einer `Homo Sapiens´genannten Spezies

Völlig unabhängig davon, wie viel Geld sie zusammengespart hat: Mit Sicherheit hat sie allein mit den geschätzten 730 l Kerosin als persönlichem Anteil am Verbrauch des Düsenclippers ein höheres Quantum an CO2 freigesetzt als es 10 Urlaube an der Ostsee mit sich gebracht hätten. Weil sie und andere dies noch können – dieses und im `Tropical Island´ baden, bis Ostern auf künstlich beschneiten Pisten Skifahren und auf einem Traumschiff um die Welt fahren – sind die meisten der Mitmenschen in meiner näheren Umgebung, ähnlich wie Voltaires Candide, der festen Überzeugung, sie lebten in der besten aller möglichen Welten. Völlig ungeachtet aller wahrgenommen realen Ereignisse.
Weiterlesen „L´optimisme“

Dummheit vs. Vernunft

Ein Richter setzt einen Rechtsterroristen auf freien Fuß. Die Enkelin eines nationalsozialistischen Ministers äußert sich dümmlich zum Klimawandel. Ein amtierender Gesundheitsminister bewertet ebenso sachkundig die soziale Sicherheit von Arbeitslosen. Es folgt in allen Fällen ein Sturm der Entrüstung, der die aufgeführten Personen des öffentlichen Lebens zu Dummen erklärt.

Weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Entrüsteten bleibt die Zahl der täglich durch Krieg, Hunger und Flucht umkommenden Menschen. Die breite Öffentlichkeit nimmt schon seit Jahrzehnten die durch Ressourcenkämpfe und geopolitische Machtkämpfe verursachte Zahl von Toten nicht mehr zur Kenntnis. Größte Aufmerksamkeit hingegen finden in der Bevölkerung die vermutlich durch Feinstaub, Lärm, erhöhte Blutfette oder Zucker in Limonade und Joghurt herbeigeführten vorzeitigen Todesfälle. Manche Menschen erreichen die durchschnittliche Lebenserwartung von 81 Jahren nicht.
Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Betrieben, 240 waren es im Jahr 2016, darf hierzulande vernachlässigt werden. Ebenso die im Jahr 2016 erfolgten 2698 Neuverrentungen nach Unfällen im Arbeitsleben. Keiner Rede wert sind die Menschen, die nach längeren Heilungsprozessen und Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr arbeitsfähig sind. Deutschland fürchtet sich vorm Terrorismus [23 Tote durch Anschläge in 2016, tote Täter mitgezählt] und beklagt virtuellen Hass, Verrohung und Respektlosigkeit gegenüber Polizisten.

Die herrschende Wirtschafts- und Eigentumsordnung, die weltweit jährlich unzählige Tote und Verletzte verursacht und auch die eingangs erwähnten, vehement kritisierten Figuren hervorbringt – diese Ordnung wird ohne jeden Zweifel für vernünftig gehalten.

„Gegen Rechts“ – Eine politische Mode

Wöchentlich erreichen mich einige Mails, die mich auffordern, mich doch an einer Aktion „Gegen rechts“ zu beteiligen. Ich halte mich für eine historisch leidlich informierte Antifaschistin.  „Gegen rechts“ sagt mir nichts.  Vor allem dann nicht, wenn diese Losung verbunden wird mit Wörtern und Worthülsen zu deren inhaltlicher Bestimmung man im kleinen Kreis – etwa am Küchentisch – mehr als die Nacht nach dem Abendessen bräuchte: Nation und Nationalismus; Hautfarbe und Rassismus; Judentum und Antisemitismus;  Trump und der Antiamerikanismus ; Weltkriege und Militarismus; koloniale Ausbeutung und Imperialismus; …
Antifaschistin werde ich  bleiben, bis man mich waagrecht hinaustragen muss. Aber bei „Gegen rechts!“ werdet ihr mich nicht  finden.  Bei „Für links!“ schon. Warum, das habe ich hier zusammengeschrieben.

Wanderungen

2011 wurde mein erster Leserbrief zu der aktuell gerne als „Flüchtlingsproblematik“ bezeichneten Tatsache abgedruckt. 2015 entstand der angehängte Text, der auch diesen Leserbrief wiedergibt. 2018 sind erwartungsgemäß nicht mehr „nur“ 60 Millionen Menschen unterwegs, sondern 68,5 Millionen.
Immer noch gibt es Menschen, die meinen, großen Wanderungen könne man durch Regularien, eine bessere, andere Politik, Zäune und Mauern, Rettungskorridore etc. etwas entgegensetzen.
Vor allem die Zaun- und Mauerbauer seien daran erinnert: Der Limes hat schon den Römern nicht geholfen. Irgenwann standen die Nordlichter, die auf der Suche nach einem Fleckchen waren zum Überleben, vor Rom.

Die Grenzwall-Bauer haben nicht gewonnen. Weder die Erbauer des Limes noch die Erbauer der Großen Mauer, nicht einmal die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls, der ja eher gedacht war, Leute drinnen zu halten als die von draußen abzuwehren. Auch in Sachen Einmauerung der islamischen Bewohner Palästinas ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

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