Politisch?

1966 ff. habe ich mich nach Kräften bemüht, einen käuflichen militaristischen, autoritären Kumpan von Krauss-Maffei, Faun, Diehl und der industriellen Fleischproduktion zunächst als Landesvater, später als Bundeskanzler zu verhindern.

Ich kann mich 2018 einfach nicht dazu durchringen, mich mit dem Schlachtruf „gegen rechts“ an die Seite derer zu stellen, die sein Erbe angetreten haben und die deutschen Zustände zu „unserer“ Demokratie verklären. Das alles bloß um ihre eigene Herrschaft gegen die Konkurrenz im gleichen politischen Angebotssegment zu behaupten.

Meine Entscheidung mag sich als falsch herausstellen. Mit diesem Risiko glaube ich leben zu können. Ich bleibe dabei: „Rechts“ beginnt nicht mit Gauland, Höcke, Storch und Weidel sondern mit Draghi, Juncker, von der Leyen, Merkel, und Scholz.
Während jede an den Jargon der Nazis anknüpfende Worthülse einen Sturm der Entrüstung auslöst, bereitet Flinten-Uschi  gegenüber Russland praktisch und verbal den präventiven Erstschlag vor. – Und kaum einen scheint´s zu stören.

 

 

 

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L´optimisme

»Ich war jetzt ein paar Jahre nicht in Urlaub, weil ich gespart habe. Heuer geht´s 3 Wochen nach Mexiko zum Wale gucken. Wer weiß wie lange es sie noch gibt.«

Eine Nachbarin in Deutschland, etwa im Jahre 2013 n. C., ca. 160.000 Jahre nach dem erstmaligen Auftreten einer `Homo Sapiens´genannten Spezies

Völlig unabhängig davon, wie viel Geld sie zusammengespart hat: Mit Sicherheit hat sie allein mit den geschätzten 730 l Kerosin als persönlichem Anteil am Verbrauch des Düsenclippers ein höheres Quantum an CO2 freigesetzt als es 10 Urlaube an der Ostsee mit sich gebracht hätten. Weil sie und andere dies noch können – dieses und im `Tropical Island´ baden, bis Ostern auf künstlich beschneiten Pisten Skifahren und auf einem Traumschiff um die Welt fahren – sind die meisten der Mitmenschen in meiner näheren Umgebung, ähnlich wie Voltaires Candide, der festen Überzeugung, sie lebten in der besten aller möglichen Welten. Völlig ungeachtet aller wahrgenommen realen Ereignisse.
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Dummheit vs. Vernunft

Ein Richter setzt einen Rechtsterroristen auf freien Fuß. Die Enkelin eines nationalsozialistischen Ministers äußert sich dümmlich zum Klimawandel. Ein amtierender Gesundheitsminister bewertet ebenso sachkundig die soziale Sicherheit von Arbeitslosen. Es folgt in allen Fällen ein Sturm der Entrüstung, der die aufgeführten Personen des öffentlichen Lebens zu Dummen erklärt.

Weit unterhalb der Wahrnehmungsschwelle der Entrüsteten bleibt die Zahl der täglich durch Krieg, Hunger und Flucht umkommenden Menschen. Die breite Öffentlichkeit nimmt schon seit Jahrzehnten die durch Ressourcenkämpfe und geopolitische Machtkämpfe verursachte Zahl von Toten nicht mehr zur Kenntnis. Größte Aufmerksamkeit hingegen finden in der Bevölkerung die vermutlich durch Feinstaub, Lärm, erhöhte Blutfette oder Zucker in Limonade und Joghurt herbeigeführten vorzeitigen Todesfälle. Manche Menschen erreichen die durchschnittliche Lebenserwartung von 81 Jahren nicht.
Die Zahl der tödlichen Arbeitsunfälle in Betrieben, 240 waren es im Jahr 2016, darf hierzulande vernachlässigt werden. Ebenso die im Jahr 2016 erfolgten 2698 Neuverrentungen nach Unfällen im Arbeitsleben. Keiner Rede wert sind die Menschen, die nach längeren Heilungsprozessen und Rehabilitationsmaßnahmen nicht mehr arbeitsfähig sind. Deutschland fürchtet sich vorm Terrorismus [23 Tote durch Anschläge in 2016, tote Täter mitgezählt] und beklagt virtuellen Hass, Verrohung und Respektlosigkeit gegenüber Polizisten.

Die herrschende Wirtschafts- und Eigentumsordnung, die weltweit jährlich unzählige Tote und Verletzte verursacht und auch die eingangs erwähnten, vehement kritisierten Figuren hervorbringt – diese Ordnung wird ohne jeden Zweifel für vernünftig gehalten.

„Gegen Rechts“ – Eine politische Mode

Wöchentlich erreichen mich einige Mails, die mich auffordern, mich doch an einer Aktion „Gegen rechts“ zu beteiligen. Ich halte mich für eine historisch leidlich informierte Antifaschistin.  „Gegen rechts“ sagt mir nichts.  Vor allem dann nicht, wenn diese Losung verbunden wird mit Wörtern und Worthülsen zu deren inhaltlicher Bestimmung man im kleinen Kreis – etwa am Küchentisch – mehr als die Nacht nach dem Abendessen bräuchte: Nation und Nationalismus; Hautfarbe und Rassismus; Judentum und Antisemitismus;  Trump und der Antiamerikanismus ; Weltkriege und Militarismus; koloniale Ausbeutung und Imperialismus; …
Antifaschistin werde ich  bleiben, bis man mich waagrecht hinaustragen muss. Aber bei „Gegen rechts!“ werdet ihr mich nicht  finden.  Bei „Für links!“ schon. Warum, das habe ich hier zusammengeschrieben.

Wanderungen

2011 wurde mein erster Leserbrief zu der aktuell gerne als „Flüchtlingsproblematik“ bezeichneten Tatsache abgedruckt. 2015 entstand der angehängte Text, der auch diesen Leserbrief wiedergibt. 2018 sind erwartungsgemäß nicht mehr „nur“ 60 Millionen Menschen unterwegs, sondern 68,5 Millionen.
Immer noch gibt es Menschen, die meinen, großen Wanderungen könne man durch Regularien, eine bessere, andere Politik, Zäune und Mauern, Rettungskorridore etc. etwas entgegensetzen.
Vor allem die Zaun- und Mauerbauer seien daran erinnert: Der Limes hat schon den Römern nicht geholfen. Irgenwann standen die Nordlichter, die auf der Suche nach einem Fleckchen waren zum Überleben, vor Rom.

Die Grenzwall-Bauer haben nicht gewonnen. Weder die Erbauer des Limes noch die Erbauer der Großen Mauer, nicht einmal die Erbauer des antifaschistischen Schutzwalls, der ja eher gedacht war, Leute drinnen zu halten als die von draußen abzuwehren. Auch in Sachen Einmauerung der islamischen Bewohner Palästinas ist das letzte Wort noch nicht gesprochen.

Hier geht´s zum Kapitel „Wanderungen“

Obdach – bitte unterschiedslos

Bild: Screenshot aus  http://www.unhcr.org

Stetig vergrößert sich innerhalb der Industriestaaten die Kluft zwischen Reich und Arm. Innerhalb der Länder des globalen Südens ebenso, auch zwischen den Industriestaaten und den sog. Entwicklungsländern. Viele Menschen haben diese Kluft zwischen Arm und Reich von jeher bedauert und versucht sie zu überwinden z. B. durch private Wohltätigkeit und ehrenamtliche Fürsorge. Spätestens seit Marx ist nicht mehr allein die Wohltätigkeit gefordert. Auf dem Feld der Politik bemüht man sich seit dem Erscheinen des »Manifest« um eine Änderung der Verhältnisse, die diese Kluft wachsen lassen.

Die Bereitschaft der Staaten zur Wohltätigkeit – nicht deren Veränderungswille –  drückt sich aus in der Hilfe für alle Flüchtlinge entsprechend der Genfer Flüchtlingskonvention von 1951, die 1954 auch von Deutschland unterzeichnet wurde.

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Erlösung durch technischen Fortschritt?

Beitragsbild: Johnny5_03.jpg -wikicommons / Roboterfigur aus dem Film „Nr. 5 lebt“

Utopismus vom Kopf auf die Füße gestellt

Seit wann sind eigentlich Art und Menge der in einer Gesellschaft verwendeten Werkzeuge Grundlage der POLITISCHEN Entscheidung, welches Ausmaß an sozialer Sicherheit und welchen Lebensstandard man welchen Menschengruppen zubilligt? Keine der technischen Entwicklungen seit der Entstehung des Ackerbaus hat die Tatsache aus der Welt geschafft, dass – mit wechselnden Anteilen – die einen sich zu Tode schuften und andere frei von Hunger „Kultur“ bilden, bestehend aus Heiligen Schriften, Grabmälern, religiöser Kunst und Palästen, deren Reste wir heute noch bewundern.
Mir fällt kein Grund ein, warum sich das unter den Bedingungen der Industrie 4.0 ändern sollte, wenn wir Menschen es nicht ändern.

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