Bill Allmächtig

Titelbild: Screenshot von https://dianabuja.wordpress.com/?blogsub=confirmed#subscribe-blog; Photo by Kanju/IITA. (file name: CA_PR_101).

Einen unerwartet kritischen Beitrag zur Agrarpolitik des Herrn Gates in Sachen Welthunger brachte der Sender arte zu nachtschlafener Zeit am Dienstag dieser Woche. Leider blendet die durchaus informative Sendung „Genlabor Afrika – Die Geschäfte des Bill Gates“ die materielle Realität, wenig menschenfreundliche Realität der Erzeugung von hybriden Pflanzen aus: die Forderung an die Bauern „Gebühren“ für die Patentrechte der Hersteller der Sämereien zu bezahlen, selbst dann wenn eine Nachzucht möglich ist, was manchmal der Fall ist . Auf die Folgen des von Bill Gates und Monsanto entwickelten „Fortschreitens“ sei deshalb hier ausdrücklich hingewiesen.

Sicher hat der ein oder andere Balkongärtner schon die Erfahrung gemacht, dass sich so mancher Frühblüher allein über die Zwiebel „vermehrt“ und in der nächsten Generation keine Blüte mehr ausbildet, also nicht zweigeschlechtlich vermehrbar ist. Auch in meinem Vorgarten bedecken Tulpenblätter , die keine Tulpe entwickeln, eine jährlich wachsende kleine Fläche. Die Blätter haben sogar mehrere gestalterische Umwandlungen des Vorgartens überstanden. Den Zwiebeln ist im Herbst nicht anzusehen, wes Geistes Kind sie sind. Mein Vorgarten ist keine Zuchtanstalt mit lauter Schildchen. Für die „Eltern“, „Großeltern“, „Urgroßeltern“… dieser Tulpenblätter habe ich dummerweise Geld ausgegeben. Bild am Säckchen mit den Blumenzwiebeln angeschaut und Aufdruck nicht gelesen. Eine weit verbreitete Verhaltensweise von Menschen, die auch ich gerne in anderen Zusammenhängen gerne als dumm bezeichne.

Der von Jahr zu Jahr eine größere Fläche bedeckende grüne Fleck aus Tulpenblättern bleibt als stetige Mahnung !

Ohne geschlechtliche Vermehrung entfällt sehr oft die Möglichkeit, dass sich die Pflanzen über mehrere Generationen auf einem natürlichen Weg optimal an das örtliche Klima und die Bodenbeschaffenheit anpassen. Bei etwas bäuerlichem Geschick gäbe es wegen dieser Anpassung an örtliches Klima und örtliche Bodenbeschaffenheit wahrscheinlich sogar zunehmende Erträge. Die Subsistenzbauern Afrikas und ihre Familien blieben vielleicht nicht von Mangelernährung aber sicher von Hunger verschont!

In seinem Buch „Endspiel des Kapitalismus“ widmet Norbert Häring den Abschnitt „Monopole dank geistigen Eigentums“ den Folgen dieser Privatisierung wissenschaftlicher Erkenntnisse gegen die Interessen derer, die ohne Hinterfragen mit der Rede vom Fortschritt der Wissenschaft eine Verbesserung der realen Lebensumstände verbinden. Dies ist nämlich in Sachen „schöne hybride Pflanzenwelt“ nicht der Fall. Zusätzlich zur Pacht muss der Erzeuger pflanzlicher Nahrungsmittel eine neue, zusätzliche „Rente“ aufbringen, eine für den Rechte-Eigentümer einträgliche Gebühr für dessen 30 +/- x Jahre währendes Recht am geistigen Eigentum. Der Mensch, der in Subsistenzwirtschaft in der Lage wäre, Hunger zu vermeiden, wird in Wirklichkeit einer verstärkten Ausbeutung unterworfen.

Auf diesen Zusammenhang weise ich auch deshalb hin, weil man sich angesichts des plötzlichen Reichtums des Herrn Uğur Şahin zwar gerne moralisch empört, weil es Rassismus ist, dunkelhäutigen Menschen keine bezahlbaren Impfstoffe zu liefern. Das Recht des Eigentümers auf den Ertrag aus dem mit staatlichen Geldern von seinen Mitarbeitern geschaffenen geistigen Besitz wird jedoch nicht angefochten. Moralische Appelle, doch gütigerweise auf zustehende (?!?!) Profite für eine gewisse Gegend und gewisse Zeit zu verzichten reichen in dieser Sache nicht!

Am Rande hier: „Die Modernisierung der Landwirtschaft geschieht auf der Basis von gutem Saatgut. In den vergangenen Jahren hat die Provinz Shandong neue Durchbrüche bei der Saatgutzucht mit eigenen geistigen Eigentumsrechten erzielt. Bei der Industrialisierung von neuem Saatgut hat die Provinz neue Fortschritte gemacht und dadurch wichtige Beiträge zur Garantie der nationalen Getreidesicherheit sowie zur Zunahme der landwirtschaftlichen Produktion und der Einnahmen der Landwirte geleistet.“ Es gibt ihn – einen Unterschied zwischen China und den Ländern mit einer ununterbrochenen kapitalistischen Entwicklung. [ Quelle: https://german.cri.cn/china/china_heute/3255/20220623/764794.html ]

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