Klären – ein Beispiel

Seit Jahren bemühe ich mich hin und wieder darum, Beispiele dafür zu finden, wie es gelingt z. B. durch Angaben zu Steigerungen oder Minderungen prozentualer Anteile minimale Schwankungen realer, greifbarer, zählbarer Objekte als erfolgversprechende oder beunruhigende Sichtweise unter die Leute zu bringen.

Das Auftreten von etwas, die Inzidenz
Gehören Sie zu den Glücklichen, die über Räumlichkeiten verfügen, die das Bunkern von Lebensmitteln erlauben? Trocken, dunkel, kühl ohne große Temperaturschwankungen, gut geschützt vor Schädlingen und Nahrungskonkurrenten? Auch unter besten Bedingungen wird sich die Qualität des aufbewahrten Obstes, der aufbewahrten Kartoffeln, der geräucherten Fleischwaren, der Soleier und des gut gereiften Käses aus Milch oder Soja … über die Zeit verändern. Bis hin zu einem Punkt, der die Grenze zur Ungenießbarkeit markiert. Es tritt ein Schwund ein, der von vielerlei Unterschieden in der ursprünglichen Qualität der eingelagerten Lebensmittel und der Vielfalt der Lagerbedingungen abhängig ist. Dieser Schwund ist vorhersehbar, in seiner zahlenmäßigen Größe aber nicht genau zu berechnen und vorherzusagen. Er lässt sich durch optimale Auswahl der gelagerten Sorten, geeignete Aufbewahrungsmethoden, regelmäßiges Aussortieren der von Fäulnis befallenen Stücke verbessern, aber in keinem Fall auf Null bringen. Es sei denn man wäre kein Mensch, sondern z. B. ein Bär, der sich seinen Vorrat einverleibt und die Null-Kalorien-Phase atmend aber ansonsten weitgehend bewegungslos verschläft. Sowohl für Menschen als auch für Bären kann bei allem Bemühen IMMER der Fall eintreten, dass der Vorrat nicht reicht, der körperliche Zustand sich verschlechtert und sie die nächste jahreszeitliche Phase mit der Zunahme des Nahrungsangebotes nicht erleben.
In einer derartig schlechten Ausgangslage befinden sich gegenwärtig lt. Welthungerhilfe 811 Millionen Menschen, die hungern, und mehr als 2 Milliarden Menschen, die mangelernährt sind, also körperlich extrem schlechte Voraussetzungen für das Überstehen von Krankheiten haben. Jeder 4. Mensch lebt unter gesundheitlich unzureichenden Bedingungen. Vorläufig wird also der Fall nicht eintreten, dass ALLE Menschen und ALLE Bären nahrungsarme Zeiten überleben. Manche sterben. Unter den Menschen die armen, schlecht ernährten zu allererst. Da muss man in Indien keine Sauerstoffflaschen zählen, um zu wissen, dass viele eine virale Erkrankung nicht überstehen werden.

Grau bedeutet nicht, dass es dort keine Hungrigen gibt, sondern, dass man es aus politischen Gründen nicht für wichtig hält, sie zu zählen. Getreu dem Spruch, dass nicht sein kann, was nicht sein darf. (Genaueres unter: https://www.welthungerhilfe.de/hunger/welthunger-index/)

Zusammenhänge klären
Je kälter die nahrungsarme Zeit ist, desto mehr Bären/Menschen sterben. Je länger die nahrungsarme Zeit dauert, desto mehr Menschen/Bären sterben.
Je mehr Menschen/Bären sterben, desto kälter war der Winter.
Je mehr Bären/Menschen sterben, desto länger war der Winter.
Die Umkehrschluss genannte Beziehung zwischen Bären/Menschen und Wintern ist nicht immer richtig. Tot aufgefundene Menschen/Bären könnten bei Eintritt in die nahrungsarme Phase nicht schwer genug gewesen sein. Sie könnten nicht rechtzeitig eine Höhle gefunden haben. Bären/Menschen könnten vor lauter Hunger etwas Unrechtes gefressen haben. Bären könnten kein richtiges Winterfell ausgeprägt haben und Menschen keinen warmen Mantel gehabt haben. Menschen/Bären könnten wegen körperlicher Schwäche tödliche Stürze erlitten haben. Bären/ Menschen könnten im Streit um die Nutzung der schützenden Höhle mit Artgenossen zu Tode gekommen sein.
Die Prüfung, ob ein je…desto Zusammenhang wirklich gegeben ist, kann schwierig werden und geraume Zeit in Anspruch nehmen.

Objektiviät
Trotzdem werden die Aussagen „je grüner, desto nachhaltiger“ oder „je nachhaltiger desto grüner“ unschwer als politisch bezogene Ironie erkannt. Sogar von Menschen ohne Abitur. Psychologen, Soziologen, Politikwissenschaftler, Wirtschaftswissenschaftler bemühen sich in vielen Fällen vergebens um eine allgemein anerkannte, zahlenmäßig fassbare Operationalisierung von Eigenschaften/Merkmalen, wie reich und arm, mächtig und ohnmächtig, gescheit und dumm … . „Grün“ und „nachhaltig“ z. B. sind Merkmale, die sich nicht leicht wie konkrete Dinge oder abzählbare Vorgänge mit Anfang und Ende – also in Zahlen – fassen lassen. Was das jeweils sein soll, muss man besprechen und gemeinsam festlegen. Wie „objektiv“ da geht, weiß nach meiner Erfahrung keiner so recht.
Ist „Grün“ eine Farbe? Eine Partei? Eine Selbsteinschätzung? Eine Mischung von Einstellungen? Ein Spielzeug?
Was ist nachhaltig? Energie sparen? Stoffliches sparen? Haltbares? Leicht Verrottendes? Ungefährliches? Ein bescheidener Lebensstil? Der Kauf eines Hybrid-SUV statt eines Lamborghini-Sportwagens? E-Bike auf geteertem Radweg oder Gehen auf dem Saumpfad? Eine Wieder- oder Weiterverwendung in anderer Gestalt? Bei letzterem meine ich z. B. das Aufbrauchen abgenutzter Frotteehandtücher in der Form von Spüllappen.

Fakten
Was denn Wissenschaft sei, ist umstritten. Die weit verbreitete Anerkennung des Wissensstandes von Faktencheckern als wissenschaftliche Wahrheit kann/muss/darf als interessegeleitete Zuweisung durch Obrigkeiten und/oder Funktionseliten betrachtet werden.
Welcher Art das zugrundegelegte Interesse ist, bedarf einer Aufklärungsanstrengung, der sich mancher gerne entzieht. Das von vielen gegenwärtig als passend empfundene Wort zur Bezeichnung der sich abmühenden Zweifler ist der religiösen Sprache entlehnt: „Leugner“.
Was meint eigentlich der vom Nachrichtensprecher vom Prompter abgelesene Satz „Die Inzidenz ist seit gestern in den dreistelligen Bereich gestiegen.“?
Wer nachfragt ist nicht dumm, sondern wissbegierig – so man denn im Zeitalter der alleswissenden Kästchen noch glaubt/glauben darf, dass es Wissen geben könnte, das außerhalb der von den neuen Enzyklopedisten gelisteten Wörter und ihrer amtlich, obrigkeitlich, elitär geprägten Definitionen liegt. Wissen erlangt man durch das Streicheln eines flachen Kästchens, das Strom verbraucht. Seine genaue Funktionsweise ist kaum einem Mitmenschen bekannt. Schamanen und alleswissende Kästchen sind sich also nicht unähnlich. Die Anwender der Fähigkeiten beider verzichten in einem Teilbereich auf autonomes Handeln, weil sie glauben, ihr Vertrauen in Person oder Kästchen lasse sie den Alltag besser oder leichter bewältigen.
Deshalb können die Produzenten der Kästchen dafür auch unverschämt viel Geld verlangen, wenn sie jedes Jahr ein angeblich besser funktionierendes, ein schneller arbeitendes, ein leistungsfähigeres auf den Markt bringen. Schamanen hingegen erhalten statt Geld vielleicht nützliche Geschenke als Zeichen der Anerkennung für ihr Tun.
Getragen von den monopolistisch denkenden und handelnden Göttern der technischen Zukunft hat sich eine neue, absolute Allmacht eingeschlichen, die mir religiöser vorkommt, als die bewahrten Schriften der in sich widersprünglichen Religionen, die nichts anderes spiegeln als die enorme Vielzahl der wechselseitigen Bezüge zwischen allem, was auf dem Planeten Erde von Menschen wahrgenommen werden kann.
Ich jedenfalls bringe die üblich gewordene, beobachtbare Nutzung der geheimnisvollen alleswissenden Kästchen eher in Verbindung mit Tabernakel
und Monstranz als mit Wissenschaft.

Inzidenz – die Zweite
„Fire Whirl“, „Red Alert“ und „Winery“ sind die Rottöne der kommenden Saison. Spätestens dann, wenn Ihnen im Straßenbild der nächstgelegenen größeren Stadt diese Farbtöne auffällig oft begegnen, wissen Sie was diesen Herbst/Winter Mode ist. Sollten Sie den Wunsch haben, ein Kleidungsstück in einem anderen Rot zu erwerben, wird Ihnen das schwerfallen. Sollten sie im Winter 2024/25 den Mantel in rot(c) noch tragen, werden modebewusste Mitmensch:innen fragen: „Den hast du doch vor 4 Jahren gekauft, oder?“

a,b,c

Angenommen Sie laufen bei Ihrem Stadtbummel an 20.000 Leuten vorbei. Von denen tragen 3 einen Mantel in Farbe a, 17 einen in Farbe b, und 5 einen in Farbe c. Gerechnet nach Art aktueller Experten gibt es für a eine Inzidenz von 15, Farbe b eine Inzidenz von 85 und für c eine von 25. Alle drei Modefarben zusammengenommen kommen sie auf eine Inzidenz von 125. Finden Sie das nicht auch erschreckend, in welchem Ausmaß sich Damen die Farbe ihres Wintermantels von der Mode diktieren lassen? 125 von 100.000!
Sie merken worum es geht: In Wirklichkeit interessiert das Moderot so gut wie niemanden. Stünden Sie auf dem Eiffelturm, unter Ihnen auf dem Marsfeld 100.000 Menschen, davon 125 in den Farben der Saison. Glauben Sie, die würden Ihnen auffallen? Ob Sie das Ausmaß der Wirksamkeit von Modediktaten richtig einschätzen? Aber: Die Experten werden das schon wissen.
Stellen Sie sich vor, Sie sehen bei ihrem Blick vom Eiffelturm neben 99.875 Gelbwesten 125 CRS-Bedienstete in Schwarz mit Schilden, Helmen, Knieschützern und Waffen für Gummigeschosse. Wie hoch ist das Maß der Bedrohung? Für die Gelbwesten? Für die Polizisten? Entsetzlich: Die Inzidenz der CRS-Kräfte hat um 20 % zugenommen! 150 CRS-Männchen inmitten von 100.000 Gelbwesten! Nichts wie ab nachhause, oder?

Wissenschaft bewertetauch wenn sie mit Zahlen spielt
Nirgends ist einer zu sehen, der einen unanfechtbaren Anspruch erheben könnte, dürfte, wollte, dass seine Bewertung die einzig richtige sei.
Stopp! Eine(r), zwei, zwanzig, 200 oder ein paar Wissenschaftler mehr werden weltweit nachweislich für ihre Bewertungen überdurchschnittlich gut bezahlt. Ich nehme an, Ihre Einschätzung der Qualität der wissenschaftlichen Bewertung ändert sich auf der Grundlage dieser Information. Wetten?
Nachweislich ändern sich auch entsprechend der individuellen Entwicklung des Wissens dieser gut bezahlten Experten des öfteren die Ergebnisse ihres Tuns. Wurden Sie im ersten Schuljahr gelobt, wenn 2 + 2 einmal 4 war, ein anderes Mal 7, 3 283 oder 238? Haben Sie eine Eins bekommen, dafür, dass Sie immer wieder irgendein Ergebnis vorweisen konnten?
Bleiben Sie aktiv und selbstbewusst im Bewerten von Expertise!

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