Ein Wimmelbild

oder:

Heute ist Wahltag


Kunstkritik

Ich hoffe, niemand unter meinen Lesern hat „grün“ gewählt. Die Konsequenz mit der auf diesem Bild die Bewohner von Stadtvierteln, die nicht Prenzlauer Berg heißen, ausgeblendet werden, lässt das Schlimmste befürchten. Es gibt in diesem Bild einer belebten Straße keine Spur gegenwärtiger realer Welt. Wenigstens mit einem Müllmann oder einer Busfahrerin oder einem Kind, das weiß, dass zwischen den vierstöckigen Häusern an dieser Straße der Wind für den Start eines Drachens fehlt. Auch eine Bäckerei, eine Imbissbude, oder eines der noch freilebenden Paare, die auf dem seit 50 000 Jahren üblichen Weg im besten Alter gemeinsam Kinder bekommen… hätte das Ambiente doch schmücken können, dürfen, sollen.

Ein kleines bisschen Wirklichkeit steckt in einemTeil des Bildhintergrundes: den Balkonen des ersten Stocks. Ein älteres Paar träumt in trauter Zweisamkeit von gesellschaftlichem Besitz an Grund und Boden während zwei vereinzelte Menschen mit Haustier sich vom Balkon ihrer jeweiligen Wohnung über den dadurch gebotenen Abstand – vermutlich sehr laut und öffentlichkeitswirksam – unterhalten. Katzenbesitzer/in wirft dem nachbarschaftlichen Hund ein Stöckchen zu. Der darf sicher auch bellen, wann er will! Ist die neue Welt nicht schön?

Mich wundert s nicht, dass blässliche Frauen und Männer mit hellen Haaren, die sich mit ihren 3 gemeinsamen Kindern 70 m² im 14. Stock teilen, Angst davor haben , dass man ihnen bald keine Zukunft mehr zubilligt. Der/die einzige Blonde sitzt, geschmückt mit zahlreichen Tattoos im Sommerkleid im Rollstuhl.
Wer hatte es auf sie/ihn abgesehen und durch Anwendung von Gewalt seinen/ihren Zustand herbeigeführt? Wer Impfempfehlungen beachtet, kann nicht auf natürliche Weise in diesen Zustand gekommen sein. Menschen mit Kopf bewegen nichts ohne Helm, Arm-, Bein- und Schulterpolster. Schwerwiegende Arbeitsunfälle gibt s mit Laptop auf dem Sofa nicht.
Ganz am Rande: Hat sich eigentlich eine englischsprachige, farbige und lesbische Professorin der deutschen Gegenwartssprache schon überlegt, wie die Possessivpronomina umgeformt/geschrieben werden müssen, damit für jede/jeden/jedes dasselbe anzuwenden ist? Sein Rollstuhl. Ihr Rollstuhl. Das kann man doch unmöglich so lassen für eine/einen, der/die/das im Rollstuhl sitzt.
Männer, gleich welcher sexuellen oder politischen Orientierung sind von diesen Überlegungen selbstverständlich ausgeschlossen. Nur womöglich blasse rote, grüne, gelbe und schwarze Frauen dürfen dabei mitmachen. 1 Kiste Weizen ist als Belohnung ausgesetzt für diejenige, die schlüssig argumentieren kann, dass in diesem Fall die Bezeichnung als Frau keine Diskriminierung darstellt.
Wer in dieser Welt lebt, hat als Zuhause aus Sicherheitsgründen eine Gummizelle. Man möge mir meine verbale Unmenschlichkeit verzeihen. Sie sei deshalb umgehend empathisch und deutlich sichtbar ausgeglichen:

Um Himmelswillen!
Die Pedale des Lieferbikes tritt ein Mensch
ohne Helm!
Es/sie/er wird sich doch nicht darauf verlassen,
dass keine Autos mehr unterwegs sind!

Können Sie nachvollziehen, dass das folgend empfohlene Werk für mich eine ganz andere Aussagekraft hat? Ich mach jetzt mal Reklame für meinen Lieblingswimmelbildner. Das Buch ist leider beim Verlag schon vergriffen.

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