Flut

“ Irgendwie hat man das Gefühl, es handele sich um zwei Welten. Die eine, die aus Feuer, Erde, Wasser, Luft, in der es Stein und Dreck gibt und Fluten, die sich gelegentlich in Bewegung setzen, und Menschen, die sich helfen, anfassen, stützen, das fleischliche, materielle Sein; und dann die andere, die virtuelle, in der sich längst große Teile der Politik abspielen, in der Frauen beispielsweise längst total gleichberechtigt sind, in der man die Menschen per App warnt und in der es reicht, einen hübschen Plan zu haben, auch wenn er nicht umgesetzt wird.“

Dagmar Henn auf rt deutsch

https://de.rt.com/meinung/120983-die-flut-das-eiapopeia-vom-himmel-oder-irdisches-versagen/

Eine Gesellschaft, die vergisst, dass Feuer, Erde, Wasser, Luft, Steine und Dreck sich nicht digitalisieren lassen, sondern in manchen Situationen Menschen gefährden können, hat schlechte Karten, wenn real gefährdende Ereignisse in den Alltag hinein wirken.
Was für mich nicht nachvolllziehbar ist: Auf der Ebene der Landkreise gibt es in allen Bundesländern eine etablierte zivil-militärische Zusammenarbeit. Bei deren Konstituierung wurden Bedenken von Friedensaktivisten vom Tisch gewischt, es handle sich um Kriegsvorbereitung. Auch Bedenken von Verfassungsrechtlern, die es für möglich halten, dass diese Kommissionen einen Katastrophenfall zur weitestgehenden Einschränkung sozialer und politischer Grundrechte missbraucht werden können wurden vorgetragen. [Siehe dieses Beispiel zur zivil-militärischen Zusammenarbeit: Niederbayern, das in Abständen von schweren Fluten betroffen ist.]

Da es diese Koordinierungsgruppen nun mal gibt, ist es schon verwunderlich, dass sie sich anlässlich einer Flutgefahr, auf die europäische Warnsysteme hingewiesen haben, nicht einmal treffen, um vor Ort zu entscheiden wie und mit welchen Mitteln im vorliegenden Fall die Bevölkerung zu warnen sei. Gegen die ausbrechenden Naturgewalten selbst dürfte unmittelbar im Vorfeld der Ereignisse wenig auszurichten sein – Warnungen und Verhaltenshinweise hingegen könnten dazu beitragen, dass Menschen Fehler gar nicht erst begehen und Verluste an Menschenleben und Sachschäden in ihrem Umfang nach Möglichkeit begrenzt werden. Waren die alle im Homeoffice? Haben sie die ersten Urlaubsmöglichkeiten nach dem Lockdown genutzt? Gibt es für sie überhaupt so etwas wie Bereitschaftszeiten für unvorhersehbare Ereignisse, sobald Warnsysteme anschlagen? Oder haben diejenigen Recht behalten, die angenommen haben, ihr Schwerpunkt sei das Handeln im Kriegsfall und nicht der Bevölkerungsschutz im Katastrophenfall?

Bereits zu Beginn der angeblich tausendfachen Tod bringenden Pandemie wurde von vielen Menschen darauf hingewiesen, dass die 2012 vom Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe vorgelegten Szenarien für eine Pandemie und ein Hochwasserereignis über 8 Jahre weitgehend folgenlos geblieben waren. Die in höchstem Maß demokratiegefährdenden Infektionsschutzgesetze 1-3 sind nachweislich auch Folge der Untätigkeit der Apparate aller Ebenen im Anschluss an diese Beschreibungen möglicher Gefährdungslagen.
Wie u. a. die hier verlinkte Broschüre des BBK belegt, sind bundesdeutsche Behörden Weltmeister in der Erzeugung verschmutzten Papiers und Rücklichter aller globalen Karawanen gegen Ereignisse, die tatsächlich Teile der Bevölkerung in massive Bedrängnis bringen. Bezeichnend ist z. B. in diesem Zusammenhang auch, dass das Land Nordrhein-Westfalen unter seinem Ministerpräsidenten Laschet im Jahr 2019 beschloss, Hilfen im Katastrophenfall nur denjenigen zukommen zu lassen, die auch persönlich/privat über Versicherungen Vorsorge getroffen haben. Ein wichtiger Hinweis darauf, dass die herrschende – aktuell von Grünen und SPD in weiten Teilen gestützte – neoliberale Mischpoke von CSU über CDU, FDP, AFD die Frage sozialer Sicherheit in erster Linie mit Aussichten auf Gewinnzuwächse bei Kapitalkonzernen beantwortet, nicht durch steuerfinanzierte Daseinsvorsorge.
Wer z. B. bei einem Flutereignis umfassend die A…karte gezogen hat, das sind nach Laschetts Willen die gleichen, die sie von ihrer Geburt an hatten: die materiell schwachen Teile der Bevölkerung. Wer seine Klamotten schon immer im Sozialkaufhaus beschaffen musste und jetzt auf unmittelbar gespendete Hilfsgüter angewiesen ist, der ist es ja gewohnt. Die Verluste derer, die auf Rücklagen zurückgreifen können, sind viel höher. Es trifft sie also viel schlimmer, oder etwa nicht?

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